Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 Oestrrreichifitze Wochenptzrtst Settc 107 mit vollständiger Andächtigkeit am Gottesdienste theilnehmen könne, legt der Bürgerschul-Religionsunterricht vorwiegendes Gewicht darauf, daß die wichtigeren Bestandtheile des synagogalen hebräischen Gebetbuches in der Originalsprache bekannt gemacht werden. Dieses Buch ist der treue Dolmetsch Israels herrschender Ideen, seines Selbstbewußtseins und seiner Hoffnung und ist demzufolge — besonders auf der Stufe des Bürgerschulunterrichtes — ein sehr geeigneterLeitfadenzumUnterrichte der.Religionsideen. Dabei ist es, da sich inseinen Bitt- und Lobgesängen das tiefste religiöse Fühlen in ergreifender, einfacher Sprache offenbart, in seiner Zweckmäßigkeit ein unvergleichliches Mittel zur Entwicklung des religiösen Gefühles. Nach solchartiger Vorbereitung dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß der synagogale Gottesdienst selbst bei Aufrechterhaltung der hebräischen Liturgie die Gefahr des Formalismus vermeiden könne und entsprechend seinem Beruf auf die mittelmäßig gebildete Classe der kommenden Generation von herzerhebender und sittenveredelnder Wirkung sein wird. Auf Grund all dessen gestaltet sich der allgemeine Lehrplan des Bürgerschul-Religionsunterrichtes folgendermaßen: I. Classe. a) Biblische Geschichte: Nach einer kurzen Darstellung der Urzeit Israels die Staatsbildung und nationale Confolidirung während der fortwährenden Angriffe des Heidenthums, schließlich die Concentration des Gottesdienstes; mithin die Periode von Josua bis zum Tode Salomo's. b) Religionslehre: Die Gotteserkenntniß des Judenthums und die daraus folgenden Heiligkeits-Bestrebungen. Die Heiligkeit (ntmp) als die auf Gott sich beziehende religiöse Ueberzeugung und Empfind u n g: Die wichtigeren Religionsideen, Gottesdienst (Feiertage, Ceremonien) in. Verbindung mit der Abhandlung der bedeutenderen gemeinschaftlichen Bestandtheile des Gebetsystems. II. Claffe. a) Biblische Geschichte: Periode des Verfalls und Untergang des staatlichen Lebens und mit demselben der Kampf der Propheten im Jntereffe der Heiligkeit des Fühlens und Denkens; mithin von der Spaltung des Reiches bis zur babylonischen Gefangenschaft. d) Religionslehre: Die Heiligkeit als Handlung und sociales Lebensprincip: Individuelle Vollkommenheit, Pflichten der Nächstenliebe (Familie, Vaterland, Menschheit) in Verbindung mit den auf das praktische Leben sich beziehenden Benedictionen der werktäglichen riVsri, ferner mit den Stz.i—Psalmen und geeigneten Sprüchen Salomo's. Aus den letzteren sind in Mädchenschulen einzelne Verse jenes Capitels (Spr. 31, 10—31.) in Originalsprache zu behandeln, welches das jüdische weibliche Ideal (Svr .nwx) schildert. III. Classe. a) Religionsgeschichte: Die letzten Propheten als Verkünder des weltgeschichtlichen Berufs Israels, Erstehung der Synagoge, Entwicklung der traditionellen Lehre und ihrer Literatur; demnach die Periode von der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluß des Talmud. b) Religionslehre: Die Heiligkeit als historischer Beruf Israels: Die Idee der Auserwählung, Messianismus (Die Vervollkommnung der Menschheit). Entsprechende liturgische Theile: Der sich auf den Sabbath, das Zeichen des ewigen Bündnisses (oSiy zwischen Gott und Israel beziehende iivVi; jene Theile im Abschnitt yüfP' welche von den Zeichen sprechen, die zur Beobachtung der heiligen Lehren mahnen; jene Theile in den Festgebeten, welche die Auserwählung Israels und dessen zukünftige Hoffnungen ausdrücken. IV. Classe. a) Religionsgeschichte: Inmitten der mittelalterlichen Unterdrückung und Verfolgungen nimmt das Judenthum Antheil an der geistigen Arbeit des Zeitalters, besonders an der wissenschaftlichen Forschung (arabisch- und spanisch-jüdische Philosophen und Dichter); die Thätigkeit, welche auf dem Gebiete des Studiums der traditionellen Religionsliteratur entfaltet wird; die Emancipationsbestrebungen (mit besonderer Rücksicht auf Ungarn) und die Gegenwart. Jnsgesammt die Periode vom Abschluß des Talmud bis auf unsere Zeit. b) Religionslehre: Zusammenfassung der erkannten Principien aus der Religionslehre und deren Entwicklung auf systematischer Basis. Kurze Uebersicht der Resultate und der religiösen Literatur der geschichtlichen Perioden. Systematische Bekanntmachung der Liturgie und Ceremonien, zu welcher noch als neuer Stoff besonders die Hauptgebete der zwei Bußfeste hinzukommen. Specieller Lehrplan. Erste Bürgerschulelasse. I. Biblische Geschichte: 1. U r z e i t I s r a e l s. Abstammung des israelitischen Volkes. Die Patriarchen glauben an einen einzigen Gott. Gottes Bündniß mit den Patriarchen; unsere Pflichten, welche aus diesem Bündnisse folgen. — Gott schickt in Moses seinem Volke einen Befreier. Die Offenbarung. Gott weiht Israel zu seinem heiligen Priestervolke die zehn Gebote. Wanderung in der Wüste. Ankunft vor dem heiligen Lande. Moses Tod. 2. Die Lande innahmen: Josuas Berufung. Israel erkennt Josua als seinen Führer an. Die Völker Kanaans zittern und beben bei der Nachricht von der Ankunft der Israeliten. Uebergang über den Jordan. Andenken an den Durchzug. Das erste Peßachfest im gelobten Lande. Belagerung von Jericho und Ai. Die Huldigung Gibeons. Besiegung der kanaanitischen Fürsten und Aufteilung des Landes. Abschied der dritthalb Stämme. Die Volksversammlung zu Sichem. Josuas Tod. 3. Das Zeitalter der Richter: Debora und Barak. Kampf Gideons mit den Midjaniten. Samsons Kämpfe mit Philistern. Samuel wird von seiner Mutter zum Dienst für Gott geweiht. Hanna's Gebet. Die Söhne Elis; die Siege der Philister. Die Versammlung zu Mizpa. Die Prophetenschule. Das Volk verlangt einen König. 4. Das Königthum. Die Salbung Sauls. Die Energie Sauls gelegentlich der Befreiung von Jabesch-Gilead. Die Volksversammlung zu Gilgal. Samuels Rede zum Volke. Kampfe mit den Philistern und Amalekitern. — Geschichte Ruths. Davids Salbung zum König. David besiegt Goliath. David Feldherr Israels. — Sauls Neid gegenüber David. Davids und Jonathans Freundschaft. Saul verfolgt David. Großmuth Davids. Abigail macht den Fehler ihres Mannes gut. Die unglückliche Schlacht auf Gilboa. Sauls und Jonathans Tod. Davids Trauerrede. — David Fürst von Juda. Sauls Nachkommen. Abners Uebergang zu David. David wird König über ganz Israel und Jerusalem seine Residenz. Einzug der Bundeslade in Jerusalem. David plant den Bau eines Tempels. Rede des Propheten Nathan. Gebet Davids. Davids siegreiche Kämpfe gegen die äußeren Feinde. Empörung Absalons. Davids Tod. Salomos Thronbesteigung. Salomos Weisheit. Bau und Einweihung eines Tempels. Salomos Gebet. Salomos Regierung. Empörung Jerobeams. Salomos Tod. II. Religionslehre. 1. Gotteserkenntniß: a) Gott ist der Schöpfer und Fürsorger der Welt, nx b. Gott leitet und erzieht die Menschheit, offenbarte sich im Geiste seiner frommen Propheten und lehrte uns durch sie die Gesetze des Lebens und der Seligkeit (rrn rcsns' e. Gott ist einzig: xvs» ,ti2nxi d. Gott ist die höchste Vollkommenheit: ewig, allmächtig ('121 I12).i Smi) unendlich gnädig (iv.12 c"n S::S:8) Die zwei ersten Benedictionen der .-iSs.l- — Die Vollkommenheit schafft die Heiligkeit: nü>np 2. Gottesdienst. a. Die Wege Gottes sind die von uns zu befolgenden W^ge, nur ihn dürfen wir anbeten: — nmrtS nso 'S — Hier , ist das biSb> und das aus der Volksschule bekannte irSj? zu behandeln, mit welchen wir, die gelernten liturgischen Theile zusammenfassend, ein Bild von unserem Gebetsystem geben können. b. Gottes Wege können wir nur so wahrhaftig befolgen, wenn wir nach Vollkommenheit, d. h. nach Heiligkeit streben: „Heilig sollt Ihr sein, drum heilig bin Ich, der Ewige, euer Gott (vnn omnp) Mos. III. 19. 2. c. Das heilige Leben ist die wahrhaftigste Form der Gottesliebe und — Verehrung. Die Heiligkeit muß sich in religiöser Empfindung,Ueberzeugung (im Glauben) und Handlung . äußern. — Unsere religiöse Ueberzeugung und unsere Em-