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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-09 · 6 (9.2.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 106 Nrsterreichlfihr Wochenphrtst Nr. 6 mit sieben Siegeln verschlossens Geheimniß war, eine neue ungeahnte Welt sich eröffnen, er sieht den großen Schatz geistiger Thätigkeit mit seinen Augen und erkennt auf einmal, daß er durch lange Jahrhunderte am Gängelbande der Pfaffen geführt wurde. Der Wellenschlag dieser Bewegung verbreitet sich über ganz Europa und in dem von Gebirgsketten umringten Siebenbürgen stauen sich seine Wellen und gehen desto höher. Die letzte Consequenz aus den kühnen Worten Luthers und Calvins zieht die unitarische Kirche, die im Szeklerlande entstanden ist. Die toleranten Gesetze, welche die freie Religions- Übung in Siebenbürgen ermöglichten, standen damals in ganz Europa einzig da. EinJeder durfte das Evangelium nach seiner Aufsaffung verkünden, Zwangsmittel sollten zur Bekehrung des Volkes nicht angewendet werden, „sintemalen ihr Gewissen dabei nicht beruhigt ist". Johannes Blandrata, der Führer der Unitarier in Polen, befreundet sich mit Franz Davidis, dem Hofprediger des Fürsten Joh. Sigm. von Siebenbürgen und begeistert ihn für die Sache des Unitarismus. War nun das starre Trinitätsdogma in Siebenbürgen geschwächt und der Autorität des neuen Testamentes die des alten entgegengesetzt, so. waren alle Grundbedingungen gegeben für eine Secte, die zum alten Testament und späterhin zum Judenthume zurückkehren sollte. Diese Secte ist die der Sabbatharier, die in den drei Epochen ihrer Entwicklung sich' allmälig dem Judenthume nähert, um endlich in demselben völlig aufzugehen. Trotz der hääesten Verfolgungen, die sie zu erdulden hatten, hingen sie mit der Festigkeit der Ueberzeugung an ihrem Glauben und ertrugen die härtesten Verfolgungen für denselben. Der Mann, der die Lehren des Franz Davidis weiter entwickelte und somit als Begründer des Sabbatharierthums betrachtet werden kann, ist Andreas Eöffi, ein hochadeliger, begüterter Szßkler. In seinem Leben hat ihn das Schicksal schwer heimgesucht; er verlor frühzeitig seine Frau und seine Kinder. Am Abend seines Lebens lag er gelähmt darnieder, und in einsamen Stunden vertiefte er sich in die Lehren der Bibel. Er gelangte zu der Erkenntniß, daß die gewaltsam unterdrückten Lehren der heiligen Schrift die einzig wahren, aber noch immer nicht vollkommen wahren sind. So legte sich der einsame schlichte Mann ein ganzes Religionssystem zurecht. Sein durch - keine theologische Bildung überbürdeter Geist hat die Wahrheiten, die er erkannt, desto Heller begriffen und desto deutlicher dargestellt. Er rühmt sich dessen, daß er weder Rhetorik noch „der Heiden viele Sprachen" studirt, daß er keine Theologie getrieben hat , denn nicht darin besteht das wahre Heil: „Die Weisheit, die von Gott uns ward, genügt uns, Wir brauchen nicht der Menschen blöde Weisheit." Die Anhänger seiner Lehre waren die Bewohner seiner Herrschaftsgüter, die mit ihrem Herrn zugleich den jüdischen Ruhetag in Ehren hielten. Das war die erste atlffallende Neuerung des neuen Religionsstifters und darum erhielten sie den Namen Sabbatharier. Eöffi. hatte einen Adoptivsohn, den späteren Kanzler von Siebenbürgen, Simon P6chi, der mit den Besitzthümern seines Pflegevaters auch sein geistiges Erbe übernahm, der der neuen Secte eine solide Basis verschafft, ein einheitliches Gepräge gegeben und es dem Judenthnm nähergebracht hat. Allein diese Thätigkeit P6chi's, die allerdings unsere Aufmerksamkeit verdient, wird gänzlich verdunkelt von einem Umstande. der in der ganzen Geschichte der Menschheit beispiellos dasteht, Simon Pechi, der Kanzler Siebenbürgens, der als Vertrauter seines Fürsten in die Ereignisse des dreißigjährigen Krieges entscheidend eingegriffen hat, der Mann, dem bei den Hamburger Unterhandlungen vom Kaiser Ferdinand ll. der Fürstenthron Siebenbürgens in Aussicht gestellt wurde, vertieft sich in die Schriften des rabbinischen Judenthums, übersetzt die Bibel, commentirt die Psalmen und die Sprüche der Väter. In seinen Kriegsbefehlen citirt er die Weisen des Talmuds, übersetzt das sephardische Gebetbuch, den Mibchar Ha-Peninim Gabirols, das Mille d'Aboth Josef Chajuns, die OrchothChajjim des Rosch, macht Auszüge aus Tur- und Schulchan-Aruch, und das Alles in ungarischer Sprache. Wahrlich, eine beispiellos dastehende Erscheinung. Allein nicht lange sollte der Glücksstern der unter Pschi's Leitung stark angewachsenen Secte leuchten. Der mächtige Kanzler hatte den Höhepunkt seines Glückes erreicht, es sollte der Sturz kommen. Ohne von seiner Schuld eine Ahnung zu haben, wird er auf Befehl des mißtrauisch gewordenen Fürsten Bethlen Ende Mai oder Anfangs Juni des Jahres 1621 in Großwardein verhaftet, von dort in schweren Ketten in die Festung Szamos-Ujvar gebracht, wo er mit Grausamkeit behandelt wird. Nach einer beinahe vierthalbjährigen Haft wird er am 22. November 1624 gegen Bürgschaft der Stände des Landes und fast des ganzen Hochadels befreit. Bon seinen confiscirten Gütern wird ihm nur eines, Szent-Erzsebet zurückgegeben, das er fortab nicht verlassen durfte. Der von seiner Höhe so jäh gestürzte Staatsmann zieht sich vom öffentlichen Leben zurück und sucht in der oben erwähnten wissenschaftlichen Thätigkeit Trost gegen des Schicksals Tücke. Er tritt im Geheimen in Verkehr mit den sephardischen Juden, die damals die Erlaubniß erhielten, sich in Siebenbürgen niederzulassen, und' stellt sein Gebet- und Rituälien-Buch nach ihrem Muster in ungarischer Sprache zusammen. Nach dem Tode Bethlen's wächst zwar sein Einfluß wieder, allein die einmal erklommene Stufe sollte er nie mehr erreichen. Es ist aber auch kaum anzunehmen, daß ihn die Macht nach den traurigen Erfahrungen, die er erlebt hatte, noch besonders angezogen hätte. Durch seine vornehmen Verwandten und durch seine vielverzweigten Verbindungen war er ein geachteter und gesuchter Parteigänger für den Fürsten Georg Rakoczi I. Sobald aber dieser habgierige Fürst seinen Thron genügend gesichert wußte, ist er mit großem Ernste zur Ausrottung der Secten geschritten; hiebei handelte es sich für ihn in erster Reihe um die Confiscirung des Vermögens der Sectirer. So hatte er denn auf dem Landtage zu Karlsburg, der im Jahre 1638 tagte, eine Commission entsendet, die am 1. Juli desselben Jahres in D6es zusammentrat und über Alle, die sich zu keiner der gesetzlich anerkannten Religionen.bekannt hatten, aburtheilen sollte. „Judenzer" und „Lästerer" wurden am festgesetzten Tage vor die Commission geladen und mußten nach Confiscirung ihres Vermögens einen Revers ausstellen, in dem sie sich verpflichteten, die „Irrlehren", die sie bislang befolgt, abzuschwören und sich einer der gesetzlich anerkannten Kirchen anzuschließen. Dieser entscheidende Schlag, der alle Sectirerei zu, vertilgen bestimmt war und der vielen Hunderten das Vermögen und die Freiheit gekostet hat, war eigentlich gegen die Sabbatharier und ihr geistiges Oberhaupt, den nach dem Tode Bethlen's wieder zu Vermögen gelangten Simon Pechi, gerichtet. Wie dieser wom Krcuikenhette. nach der Festung Kövas geschleppt, zum Tode verurtheilt, dann wieder begnadigt wird, um sein einst so glänzendes Leben in dürftigen Verhältnissen im Jahre 1643 zu schließen, gehört zu den gemeinsamen Zügen aller Märtyrer. Das Herrenhaus, das er einst besessen, und in welchem eine Synagoge sich befand, ist heute eine Lagerstätte der Zigeuner. Seine Schriften, die er zur Verherrlichung seines Glaubensbekenntnisses verfaßt, sind noch handschriftlich vorhanden, sein Commentar zu den Psalmen dürfte in kurzer Zeit als Denkmal der nationalen Literatur von der ungarischen Akademie der Wissenschaften edirt werden. Seit seinem Tode zeigt uns die sabbatharische Bewegung das Bild des attmäligen Verfalles, so daß heute nur noch drei Familien sich zu ihr bekennen; der größte Theil derselben ist im Jahre 1868, wie schon eingangs erwähnt wurde, zum Judenthum übergetreten und bildet heute die Proselyten-Gemeinde zu Bozöd-Ujfalu im Szeklerstuhle Udvarhely. Dies ist in kurzen Umrissen das Bild einer Bewegung, die beispiellos in der Geschichte der Religionen dasteht. Ein Jeder, der dem Kampfe der Ideen ein Interesse entgegenbringt, dürfte in dieser Bewegung ein anziehendes Bild erblicken. Das Bild objcctiv dargestellt zu haben, ist das große Verdienst des Verfaffers, der Licht und Schatten im richtigen Verhältnisse aufgetragen und zur Religions- und Culturgeschichte der letzten drei Jahrhunderte einen interessanten, bis nun nur wenig beachteten Beitrag geliefert hat. Rabbiner Dr. L. Goldschmied. Grsammt Lehrplan für den Religionsunterricht der Pester israelitischen Cultusgemeinde. (Fortsetzung.) Auf dieser Basis begründen und behandeln wir die Gebräuche des religiösen Hauses, die Ceremonien, welche das Familienleben heiligen und zieren, die traditionellen Formen der Andachtsübungen, deren Gebete und symbolische Handlungen, wie auch unsere im Dienste des Humanismus stehenden religiösen Institutionen. Damit der ins Leben hinaustretende Schüler

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