Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3fa. 6 Veflrrretchtsche wochrnsäxrM Seite 103 dem Muster der „galizischeu Kratzer", die nach dem Coneurse nichts übrig behalten, sondern nach eigenster Erfindung „Pleite" gemacht, seine Gläubiger und Lieferanten, weil sie die angebotene Quote von 25 Proceut nicht genommen, nun ganz um ihr Geld geprellt und ein hübsches Sümmchen ins Trockene gebracht. Und von zwei anderen antisemitischen Ehrenmännern, den Redacteur Schwennhagen und Plak und Podgorsky meldet die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung", daß Beide wiederholt wegen Betruges und Diebstahl mit mehrjährigem Kerker öestrast worden sind. Das sind nicht etwa niedrige proletarische Existenzen wie die armen galizischen Händler, das sind die Leuchten und die Führer der antisemitischen Bewegung bei uns und anderwärts, die ihrem Volke als nachahmenswerthe Beispiele aller arischen Tugenden dienen wollen. Was aber die W a h r h e i t über das „galizische Falliment" betrifft, so haben wir dieselbe in unserer letzten Nummer durch ältere Daten illustrirt und ergänzen wir heute unsere Anführungen durch die Erhebungen neuesten Datums: Dieselben sind den neuesten statistischen Ausweisen des „Wiener Creditoren - Vereines zum Schutze der F o rd e r un g e n b e i I n s o l v en z e n" entnommen, und zwar für das Berichtjahr 1892: „Behandelt wurden im Ganzen 674 Insolvenzen (gegen 1891: 579) mit fl. 3,900.000 (Plus gegen das Vorjahr fl. 1,000.000). Die zur Ausschüttung gelaugte Quote betrug 5105 Procent, gegen 53 im Vorjahre. Hieran participiren Ungarn 271 Fälle mit fl. 1,684.000 (iin Vorjahre 234 Fälle mit fl. 1,175.000) Steigerung 43 Procent; Oesterreich 364 Fälle mit fl. 2,054.000 (299 Fälle mit fl. 1,597.000) Steigerung 22 Procent. Nach Kronländern geordnet, lieferte die höchste Quote Steiermark, Kärnten und Krain mit 56'7; Niederösterreich 52; Böhmen, Mähren, Schlesien 51'86, Oberösterreich, Salzburg, Tirol 51'05; Istrien und Dalmatien 44'5 und schließlich Galizien und die Bukowina 46 53 Procent. Es muß jedoch bemerkt werden, daß das Geschäftsjahr 1892 in Folge der Cholera-Epidemie im Allgemeinen sehr ungünstige Ergebnisse lieferte, besonders für Galizien, welches außerdem noch an den Folgen der Mißernte und durch Elementarereignisse schwer zu leiden hatte. Thatsächlich weisen die statistischen Daten früherer Jahre für Galizien günstigere Ziffern auf. Hieraus ist ersichtlich, daß Galizien gegen den allgemeinen Durchschnitt nur um 4'5 Procent zurücksteht, dagegen gegen Dalmatien, Istrien, Croatien und Slavonien im Vortheil ist. Der Unterschied zwischen Wien, resp. Niederösterreich und Galizien beträgt nur 5'47 Procent." Für das Berichtjahr 1893 lauten die Daten dieses Vereines folgendermaßen: Die behandelten Jnsolvenzfälle betrugen insgesammt 772, gegen das Vorjahr 100 mehr. Die Durchschnittsquote betrug 50V» Procent, um 9U Procent geringer als 1892. Die höchste Quote mit 53 Procent lieferte U ng a r n in 192 Fällen mit fl. 1,294.000; Steiermark, Kärnten und Krain in 19 Fällen mit fl. 159.000 nur 50'66 Procent; Croatien und Slavonien erzielte 49'/* Procent in 11 Fällen mit fl. 47.000 Böhmen, Mähren und Schlesien 50'2 Procent in 48 Fällen mit fl. 276.000; Niederösterreich mit fl 593.000 nur 42S5/ioo Procent; Oberösterreich, Salzburg und Tirol 49: Istrien und Dalmatien 485; schließlich Galizien und die Bukowina in 77 Fällen mit 465.000 fl. 45 Procent. Das viel angefeindete und verfehmte Galizien hat demnach für die Mitglieder des Creditoren-Vereines ein um durchschnittlich 2-15 Procent besseres Ergebniß geliefert als Niederösterreich mit Wien. Der Geschäftsbericht des Galizien keineswegs gewogenen Directoriums des „Wiener Creditoren-Bereines" hebt auch mit Recht hervor, daß, wenngleich bescheidener, kamen Momente der Erholung selbst in Galizien zum Ausdrucke, welches Land, seit Jahren durch Mißernten und Epidemien geschwächt und in seiner Consolidirung zurückgeblieben, jetzt seine Kräfte ernstlich zu sammeln beginnt, wobei jedoch namentlich ein Factor der Erstarkung noch immer den weitesten Wünschen Raum läßt, die Pflege der Justiz, welche zumeist in Folge der avitischen Vernachlässigung der Volkserziehung hinter den Ansprüchen unseres vorgeschrittenen Culturzustandes weit zurückbleibt. Umso befremdlicher erscheint ein mit diesem objectiven Urtheile im Widerspruche stehender Passus des erwähnten Jahresberichtes, lautend: In jenen breiten Schichten, aus welchen Galizien und die Bukowina das Hauptcontingent für unsere Listen stellt —- Ausnahmen bestätigen nur die Regel - - ist das ethische Gefühl, welches die Insolvenz als entehrend erkannt, beinahe vollständig verschwunden und unter der Wirksamkeit der Geschwornengerichte hat auch das Strafgesetz seine abschreckende Wirkung nahezu verloren. Diese Auslassung gibt Zeugniß von einer durch Animosität getrübten Objectivität und Tendenzmacherei, auf welche die Tagesblätter, denen, wie es durch die gleichlautend veröffentlichen Berrchtsanszüge ersichtlich, präparirte Communiques zngeschickt worden sein dürften, reingefallen sind, was mit lebhaftem Bedauern constatirt zu werden verdient. E. B. Auch Du, Brutus? Deutsch-nationale Texteinschaltungen. Ernst V e r g a n i ist bekanntlich kein Calo und hat noch nie Anspruch daraus erhoben, für einen solchen zu gelten. Im Punkte der Texteinschaltnngen und Pauschalien, das muß man der Wahrheit gemäß constatiren, hat Ernst Vergani immer den Muth seiner Ueberzeugung gehabt, und das kleinste Banken- Jnserat war ihm iminer lieber als der Ruhm des größten Corruptionstödters. Anders Herr K. H. Wolf, der Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau", der deutschnationale Sprach- und Gesettschaftsreiniger, der Mann mit dem reinen, ehrlichen Gewissen, das von Schönerer geaicht und punzirt worden ist. Herr K. H. Wolf hat die Bekämpfung des Corruptionsdrachen mit zu seiner Lebensaufgabe gemacht und es vergeht selten ein Tag, an ivelchem er nicht in seinem Blatte die ätzende Lauge seines Spottes und die Hochfluth seines pathetischen Zornes über die nichtswürdigen Judenblätter ausschüttet, die von Texteinschaltnngen und Pauschalien leben. Es gibt ein Sprichwort, welches sagt, ein Grieche sei schlauer als zehn Juden und ein Armenier schlauer als zehn Griechen. Man Eaim das Wort dahin ergänzen, daß ein Antisemit schlauer ist als Jude, Grieche und Armenier zusammengenommen. Den Beweis dafür erbringt die Nummer 31 der „Ostdeutschen Rundschau", in welcher es Herrn K. H. Wolf gelungen ist, sein eigenes patentirtes Gewissen und das seiner Leser zu überlisten und eine Texteinschaltung in sein Blatt einzuschmuggeln, eine Texteinschaltung der gefährlichsten und corrumpirendsten Art. Vor Kurzem erschien in einem antisemitischen Blatte, den „Politischen Fragmenten", ein Artikel, in welchem das Promessen-Geschäft als eine unsolide, ja an Betrug grenzende Uebewortheilung des Publicums geschildert und für die außerordentliche Ausbreitung dieses Geschäftes die jüdischen Banken und Wechselstuben verantwortlich gemacht wurden. Dieser Artikel wurde ohne Quellen-Angabe von allen gesinnungsverwandten Blättern mit wahrem Behagen nachgedruckt, so auch von der „Ostdeutschen Rundschau". Die antisemitische Preßmeute hat dabei freilich übersehen, daß das Promessen-Geschäft eine rein arische Erfindung ist, daß es der christkatholische fromme Baron Sothen war, welcher auf die ingeniöse Idee der Veräußerung von Gewinnsthoffnungen verfiel, und daß es der Jude Simon Spitzer war, welcher dem frommgläubigen Baron nachrechnete, daß der wirkliche Werth einer Promesse nur 17 Kreuzer betrage. Herr K.H. Wolf übersah jedoch nicht blos den arischen Ursprung des Promessen- Spielteufels, er übersah auch die Thatsuche, daß einer seiner besten Inserenten, das Bankhaus Schelhammer & Schalter a, ein schwungvolles Geschäft in Gewinnsthoffnungen betreibt und daß es sich für dis-Cultivirung dieses einträglichen Geschäftszweiges ausschließlich auf die antisemitischen Kreise geworfen hat. Das Schönste ist, daß nicht die geringste Sicherheit besteht, daß die Nummern, auf welche die Promessen ausgestellt sind, nicht längst gezogen sind, nachdem das Bankhaus, welches die Promessen verkauft, die betreffenden Lose gar nicht besitzt. Wie soll denn bei den Hunderttausenden von Promessen, die bei jeder Ziehung hinausgegeben werden, der einzelne Käufer einer Promesse controliren, ob Serie und Nummer seines Loses nicht schon früher gezogen wurden? Oder wie kann das auch nur die Wechselstube controliren, wenn sie nicht selbst die Lose