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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 96 Defirrretchischr Wschenfchrist Nr. 5 getragen. In der Trauerrede schilderte Herr Rabbiner Doctor Frankl dessen Verdienste um die Chewra - Kadischa während seines fast 60jährigen Präsidiums. Pollerskirchen. Se. Ehrwürden der Herr Kreisrabbiner Dr. Philipp Pollatschek, welcher derzeit bei seinen Kindern in Pollerskirchen weilt, feiert am 1. Februar das Fest der goldenen Hochzeit mit seiner Gattin Agnes Pollatschek. Herr Dr. Pollatschek hat mehr als 50Jahre zuerst als Rabbiner in Polna, dann als Kreisrabbiner der Czaslauer und Chrudimer Bezirke fungirt. Anläßlich seines kürzlichen Rücktrittes in den Ruhestand erhielt er von der k. k. Statthalterei in Prag ein längeres außerordentlich belobendes Anerkennungsschreiben, worin seine Pstichttreue und seine verdienstvolle Thätigkeit um die seine Obhut anvertrauten Gemeinden bei seiner außerordentlichen Bescheidenheit in den wärmsten Ausdrücken anerkannt werden. Auch die Gemeinde Polna, wo er sich sowohl bei der jüdischen als auch bei der christlichen Bevölkerung besonderer Beliebtheit erfreute, sah ihn sehr ungerne aus dem Amte scheiden. Raudrntz, den 27. Jänner. Am 23. d. M. fand im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Dr. Ernst Eisler, Landesadvocaten in Prag, mit Fräulein Elsa Breyer statt. Die Feier gewann dadurch an Bedeutung, daß der Bräutigam ein Sohn und die Braut eine Enkelin unseres hochverehrten Cultusvorstehers, Herrn Dr. Adolf Eisler, sind. Die Theilnahme war auch eine allgemeine, besonders seitens der Spitzen der Stadt. Jägerndorf, den 1. Februar. Am 1. März d. I. feiert der hiesige Cantor und Lehrer Herr S. Grün blatt sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar, der sich einer seltenen Beliebtheit als Mensch wie als Beamter hier erfreute und bereits 25 Jahre in hiesiger Gemeinde zur größten Zufriedenheit wirkte, hat sich große Verdienste um die Regelung des Gottesdienstes hier erworben. So z. B. sind die feierlichen und erhebenden Gottesdienste am 18. August «Kaisers Geburtstag), über die in dieser geschätzten Zeitung seinerzeit ausführlich berichtet wurde, zu einer Berühmtheit in ganz Schlesien und über diese Grenzen hinaus geworden! Wie wir vernehmen, wird seitens des hiesigen Vorstandes sowie der ganzen Gemeinde anläßlich dieses Jubiläums eine Feierlichkeit für ihren verdienstvollen und hochgeschätzten Beamten vorbereitet. Berti«. (Der Antisemit Dr. Hertwig vor dem Militär-Ehrengericht.) Das Militär-Ehrengericht des Bezirks-Commandos Teltow verhandelte am 23. v. M. gegen den Rechtsanwalt Dr. Hertwig aus Charlottenburg. Hertwig soll durch verschiedene Handlungen in feiner'Eigenschaft als Vertheidiger des Rectors Ahlwardt die Ehre des Officiersstandes, dem er als Reserveofficier angehört, nicht in der erforderlichen Weise gewahrt haben. DaS Vergehen Hertwig's besteht nach Ansicht der Militärbehörde in der Ueberreichung zweier Beweisanträge an den Gerichtshof im „Judenflintenproceß", durch deren Inhalt die militärischen Sachverständigen und der Kriegsminister beleidigt sein sollen. Rechtsanwalt Hertwig war zur Verhandlung nicht erschienen; das Urtheil, das auf Ausschluß Hertwig's aus dem Officierscorps lauten soll, bedarf der kaiserlichen Bestätigung. Petersburg, 27. Jänner. Aus einem Vororte Charkows wird berichtet, daß in der verflossenen Nacht daselbst eine Guts-- besitzersfamilie von einer Horde Uebelthäter befallen wurde. Der Ehemann und ein Kind der Familie wurden ermordet. — Auch bei Kiew brachen Räuber in der Nacht in das Haus eines Israeliten ein und ermordeten die ganze aus acht Personen bestehende Familie. Das Haus wurde vollständig ausgeraubt. Der Mann und die Frau wurden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und ihre Schädel zertrümmert. Als die Unmenschen das Haus anzuzünden versuchten, kam die Polizei hinzu, welche einen der Verbrecher verhaften konnte. Die Uebrigen entkamen. London. Durch die freundliche Vermittlung von Doctor Heron hat Sir Joseph Lister F. R. S., der berühmte Gelehrte, welcher das antiseptische Verfahren in der Chirurgie eingefiihrt hat, dem Oberrabbiner Dr. Adler nachstehendes Gutachten über die Schächtfrage abgegeben. „Bei der in England üblichen Schlachtweise werden die Blutgefäße des Halses mit einem Mesier durchschnitten, nachdem das Thier mit einem Beil geschlagen ist. Bei der jüdischen Methode entfällt die Anwendung des Beiles. Wenn das Beil geschickt gebraucht wird, so daß das Thier mit einem einzigen Schlag gefällt wird, so entsteht absolute Empfindungslosigkeit und die ganze Procedur ist absolut schmerzlos, während die jüdische Methode während der Beibringung der Wunde Schmerz verursacht. Dieser Schmerz ist allerdings von sehr kurzer Dauer, da dem empfindenden Gehirn auf einmal das Blut entzogen wird, welches für seine Functionen wesentlich nothwendig ist; auch wird das Leiden auf ein Minimum reducirt durch die skrupulöse Sorge mit welcher — wie ich glaube — der jüdische Fleischer darauf sieht, daß das Messer stets außerordentlich scharf sei. Auf der anderen Seite wird die nöthige Geschicklichkeit im Gebrauche des Beiles thatsächlich nur durch sehr lange Uebung erreicht und nicht selten ereignet es sich, daß der Schlag nochmals wiederholt werden muß, während die jüdische Procedur den Zweck sicher auf einmal erreicht. Es ist also die Frage, welche von den beiden Methoden durchschnittlich größere Leiden verursacht, eine offene. Bemerkt muß werden, daß die jüdische Methode allgemein bei Schafen angewendet wird, während das Beil bei Hornvieh Anwendung findet mehr aus Bequemlichkeit als aus Humanität. Und den Juden in diesem Fall Grausamkeit vorzuwerfen, scheint mir ganz ungerecht." (Jewish Chronicle.) _ Furstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzuugs» 44) rechte Vorbehalten.) „Der wackere Eschwege kam, so oft es ihm nur möglich war, zu mir. Ich theilte ihm den ganzen Verlauf der Begebenheiten mit und bat ihn, sich in vorsichtiger Weise, bei Glaubensgenossen in der Umgebung zu erkundigen, ob sie nichts über die Meinigen, zu denen ich auch Deidelsheimer zählte, erfahren hätten, aber der kluge, praktische Mann antwortete: Ich will Alles thun, was Sie mir befehlen, nur Eines nicht: mich nach den Ihrigen erkundigen, ich könnte nur dadurch Sie und die Ihrigen verderben! Ich beschwöre Sie, so schwer es Ihnen auch fallen mag, vorläufig an nichts Anderes zu denken, als so bald als möglich, so weit als möglich zu fliehen! — Die Versuchung, Sie und die Ihrigen zu verrathen, ist eine so große und die Menschen sind so schlecht, daß ich Sie kniefälligst bitte, nach dem, was sie nicht ungefragt erhorchen und erspähen können, nicht zu forschen, nicht mit einer Miene zu verrathen, daß Sie sich für das Schicksal der Familie Frankl mehr als irgend ein Anderer, Unbetheiligter interessiren. Geben Sie sich Niemandem, auch dem Edelsten, Besten .uicht, zu erkennen, denn wenn auch er selbst vertrauungswürdig ist, so kann er doch, ohne es zu wollen, etwa durch ein im Schlafe gesprochenes Wort Ihr Geheimniß verrathen. Auch wenn Sie durch eine glückliche Fügung den Aufenthalt Ihrer Mutter und Schwester erführen, dürften Sie sie nicht aufsuchen, dürsten ihnen nicht schreiben. Schreiben Sie überhaupt an Niemanden, nicht einmal an Jonas Mayer, bei dem Sie, wie Sie mir erzählten, Ihr Vermögen liegen haben. Er selbst ist vollkommen zuverlässig; aber er hat zahlreiche Commis und der hohe Preis, der auf Ihre Häupter gesetzt ist, übt eine große Verlockung aus. Bedenken Sie stets: daß ein unbedachtes Wort, eine Miene, ein Erbleichen, über Ihr Leben, über das Leben Ihres Vaters, Ihrer Mutter, Ihrer Schwester entscheiden kann! Bedenken Sie, daß es keine irdische Macht auf Erden gibt, die Sie oder die Ihrigen vor einer Auslieferung schützen würde. Kein Potentat in ganz Europa würde diese dem Markgrafen verweigern; wen ein Potentat als Verbrecher bezeichnet, der wird von allen anderen Potentaten ohne weitere Prüfung als solcher angesehen. Folgen Sie meinem Rathe, bleiben Sie ip dieser Angelegenheit vollkommen unthätig und vertrauen Sie auf Gott, der, wenn er nur will — wie? das weiß ich freilich nicht — Alles zum Guten wenden kann!" „Bunim Eschwege rieth Ihnen in der That das Beste!" sprach Wertheimer. „Ich erkannte es und so endlos schwer es mir auch fiel, befolgt ich doch seinen Rath. — Zu Eschweges und meinem eigenen Erstaunen fühlte ich mich schon einige Tage nachdem ich das Bewußtsein wieder erlangt hatte, stark genug, mein Asyl, dessen Enge mir unerträglich wurde, zu verlassen. „Die Nacht,.an deren Ende ich von meinem Waldverstecke scheiden sollte, war Eschwege, von seinem Sohne begleitet, zu mir gekommen. Er brachte mir die große Summe Geldes, die er bei mir gefunden und bisher bei sich aufbewahrt hatte und mehrere Dinge, die er über mein Ersuchen in der nahegelegenen Stadt für mich gekauft hatte. Einen Jägeranzug, den ich sofort anlegte und ein paar Pistolen und Munition für diese, die einem Manne, der, wie ich, bei seiner Wanderung abgelegene Nebenwege benützen mußte, unter Umständen sehr nothwendig werden konnten. Noch vor Tagesanbruch verließ ich allein die Höhle

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