Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021013--03200-3027325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 5 Vrsterreichiphr Wochenfchrtfl Sette 95 Trotzdem sein Beruf als Advocat und seine unermüdliche Thätigkeit im Schulrath einen großen Theil seiner Zeit in Anspruch nahm, so war er doch ein thätiges Mitglied in verschiedenen vorwiegend jüdischen gemeinnützigen Instituten, Gesellschaften und Vereinen. Er war unter Anderem ein Director des „Montefiore Home", der „Purim Association", Districts- Präsident des Ordens „Bnai Brith", Präsident der Delegaten der amerikanischen Israeliten und der „Monut Collegiate Affociation", Mitglied des Executiv-Comites der „Grant Monument Association", sowie Mitglied der Gemeinde des „Temple Emanuel" und fungirte seit 20 Jahren als Superintendent der Religionsschule jener Synagoge. Seine Gattin, eine Tochter von Lyonel, E. Levy, starb vor 12 Jahren und hinterließ ihm vier Töchter, von denen die eine Henry Schumann heiratete. Es wird angeordnet, daß sämmtliche Volksschulen, sowie alle mit dem Schulsystem der Stadt in Verbindung stehenden Departements geschlossen sein und die Vorstände derselben eingeladen werden sollen, sich an der Vormittag vom Tempel Emanuel, 43. Straße und 5. Avenue, aus stattfindenden Leichenfeier zu betheiligen. Der Schulrath beschloß, dasselbe 1u corpore zu thun und sich zu diesem Zwecke um 9 Uhr Vormittags in der Lesehalle des genannten Tempels, Ecke 43. Straße und Madison Ave., zu versammeln. Der Stadtrath faßte in Bezug auf das Ableben des Herrn Sänger in einer stattgehabten Special-Versammlung ebenfalls eine Reihe von Trauerbeschlüssen, in welchen der Thatsache gedacht wird, daß er im Jahre 1884 zum ersten Präsidenten des Stadtrathes durch Volksabstimmung gewählt wurde und stets ein reges Interesse für die Wohlfahrt der Stadt bekundete. „Wir beklagen seinen Verlust", so heißt es in den Resolutionen, „und wünschen es unserem Protokoll einzuverleiben, daß wir seinen Charakter, seine dem Erziehungswesen und der Bevölkerung der Stadt geleisteten Dienste hoch schätzen. Den Mitgliedern seiner Familie drücken'wir unsere Sympathie aus." Der Stadtrath wird dem Begräbniß!u eorxore beiwohnen. — VermiDtes. Wien. (Trauungen.) Im Stadtempel wurden Sonntag den 28. Jänner 1894 getraut: Herr Heinrich Sachs, mit Frl. Anna Wellisch, Herr Dr. Albert Barsis mit Frl. Olga Sachs, Herr Alfred Stern mit Frl. Flora B o n d i, Herr Samuel P o l a tz e k mit Frl. Rahel Louise Michaels, Herr David. Ornstein mit Frl. Hermine Mandl. Wien. Am 22. Jänner beging der Talmudist Doctor S. Baer, der einen angesehenen Namen unter den Orientalisten hat, in Biebrich am Rhein sein fünfzigjähriges Religionslehrer- Jübiläum. Kaiser Wilhelm ehrte den Gelehrten durch die Verleihung des Kronen-Ord ens. Der ausgezeichnete Astronom Herr Morice L ö w y, Bicedirector des Observatoriums in Paris, wurde zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften pro 1894 ernannt. Herr Löwy bestieg am 8. b. den Präsidentenstuhl. — Es ist ganz zufällig, daß heuer das Präsidium des Centralcomite der fünf Akademien (die berühmte Xeaäemie francaise eingeschlossen), welche das Institut bilden, dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaft zukommt. Herr Löwy wird daher die Ehre haben, zu gleicher Zeit Präsident des französischen Institutes zu sein, eine Auszeichnung, die vorher einem Juden nicht zutheil geworden. Wien. (Die Wahrheit über jüdische Aerzte.) In Nr. 49 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 8. December v. I. brachten wir eine Zurückweisung der von der deutschnationalantisemitischen Studentenschaft Wiens gegen die jüdischen Aerzte gerichteten Angriffe. Wir erzählten dabei von einer christlichen Familie, welche lange Jahre einen Juden zum Hausarzt hatte und dankbares Vertrauen bewahrte. Wir berichteten, daß eine Tochter aus dieser Familie nach der Verheiratung schwer krank und durch arische Aerzte ruinirt wurde, daß der jüdische Arzt sie aber wieder herstellte, das junge Ehepaar aber trotzdem, der Mode folgend, einen arischen Arzt zum Hausarzt wählte, der bei einer neuerlichen Erkrankung der jungen Frau die Diagnose auf galoppirende Schwindsucht stellte und sie darnach behandelte, bis die besorgten Eltern sich an den jüdischen Arzt wandten und dieser die Krankheit richtig als Typhus erkannte. Wir werden ersucht, zu constatiren, daß das Oberhaupt dieser Familie, ein hochgeachteter christlicher Bürger, der antisemitischen Bewegung vollständig ferne steht und wie er bei der Wahl seines Arztes, dem er das Vertrauen jahrelang bewahrt, bewiesen, die antisemitischen Gesinnungen nach Gebühr derurtheilt. Wien. (Todesfall.) Med. Dr. Jacob Weinberg ist, 59 Jahre alt, gestorben. Der Verblichene war ein hochangesehenes Mitglied des ärztlichen Standes und einer der Begründer des wohlthätig wirkenden Mariahilfer Ambulatoriums und an demselben stets als Abtheilungsvorstand und Rechnungsjührer thätig. Wien. Am 30. Jänner fand das Leichenbegüngniß der Frau Elisadetki Langfelder, ReUgionsschulinspectorsgattiii, statt, welche durch Geist, Bildung und Herzensgute sich auszeichnete. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt ihr an der Bahre einen ergreifenden Nachruf, ihren edlen Charakter und ihr häusliches Walten mit meisterhaften Zügen schildernd. Am Grabe sprach ihr Gatte. Herr Dr. Levp. Langfelder, Worte voll tiefen Schmerzes. Die Heimgegangene hatte sich in weiten Kreisen der Residenz großer Achtung und Verehrung zu erfreuen. Wien. (Requiem.) Der Vorstand des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirk, veranstaltete Sonntag den 28. Jänner Nachmittags 5 Uhr eine feierliche Tranerandacht für den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Ad o lf I e l l in e k. Unter den Anwesenden bemerkte man außer den Angehörigen des verblichenen Predigers eine große Anzahl Honoratioren der Gemeinde, vor Allem Oberrabbiner Dr. Güdemann, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Architekt Max Fleischer, Ortsschulrath S. Heit u. A. Den gesanglichen Theil leitete der treffliche Obercantor Kläger mit kräftiger und sympathischer Stimme und gutem Geschmacke; nur schien es, als ob der lapidare Styl der Orgelbegleitung dem modulatorischen und leicht zu behandelnden Schwünge des usuellen Wochentagsgottesdienstes gewissermaßen Feffel auferlegte. Vielleicht bekäme der rein cantorale Theil ein zweckdienlicheres Relief, wenn bei ähnlichen Gelegenheits-Gottesdiensten die Orgelbegleitung entfiele. Der Prediger Dr. Gelbhaus hielt eine gedankentiefe Ansprache an die Trauerversammlung. In beredten und zündenden Worten zeichnete der Redner die Bedeutung Adolf Jellinek's als Kanzelredner, als Forscher, als Kämpfer für das Judenthum und würdigte insbesondere seine Verdienste um die wissenschaftliche Erhellung der Kabbala. Die geistreichen Ausführungen, die einen hohen Schatz von Gelehrsamkeit offenbarten, erzielten einen tiefen Eindruck. Wien. (Israelitischer Tempel in der Josefstadt.) Das Finanzministerium hat im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und jenem für Cultns und Unterricht dem Tempelbauverein deS Bezirkes Josefstadt die Veranstaltung einer Effecten-Lotterie mit 50.000 Losen zu fl. 1 im Laufe des Jahres 1894 zu Gunsten des Fonds zur Errichtung eines israelitischen Tempels im achten Bezirk gestattet. Brünn. Ritter v. Gom perz wurde neuerlich, u zw. zum dreiundzwanzigsten Male zum Präsidenten der Brunner Handels- und Gewerbekammer gewählt. Prag. (D e r B e t v e r e i n) hielt am 21. v. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. In den neuen Vorstand wurden gewählt: Zum Obervorsteher Julius Lenz, zum Untervorsteher Juda Wassermann, zu Vorstandsmitgliedern die Hqrren I. Allerhand, I. Brai, A. Bunzl, I. Klein, M. Kohn. (Der Vorstand der Cultusgemeinde Unter- Lukawitz) hat sich folgendermaßen constituirt: Vorstand Benedict Eisenschiml (Pcestitz), Borstand-Stellvertreter Wilhelm Freund (Prestitz), Cafsier Simon Glas er (Prestitz), Revisoren Hermann Steindler (Merklin) und Ludwig Skal (Rentsch), Beiräthe I. Ascher (Merklin). Simon Weiß (Horschitz), Joseph Schanzer (Unter-Lukawitz). Ignaz Trauer (Luzan), und David Hahn (Lettin). Zum Rabbiner wurde Herr Ignaz Ehrlich, derzeitiger Religionslehrer und Cantor in Prestitz, bestimmt. Czernowitz. Bei den Ergänzungswahlen in die Handelskammer wurden wiedergewählt: Landtagsabgeordneter Titting e r und Reichsrathsabgeordneter Heinrich Popper und neu gewählt Großindustrieller Josef Steiner. Eibenschitz. Am letzten Samstag hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Hermann Handel eine Gedenkrede auf den verstorbenen Meister Dr. Adolf Jellinek. Kreursier, 25. Jänner. Bei der heute hier stattgefundenen Gemeindewahl wurde der bisherige Vorsteher, Herr Carl Liebmann und der Borsteher-Stellvertreter, Herr Rudolf Pollak einstimmig wieder gewählt. Unter großer Betheiligung wurde heute der Vater das Dr. Max Grünfeld in Brünn, Herr Aron Grünfeld zu Grabe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.