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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Oesterreichifche Wochenschrift Seite 87 Nr. 5 Nachdem der Sarg in die Tiefe gesenkt war, trat Dr. Victor Ruß an das offene Grab und hielt namens des Clubs der Vereinigten Linken einen ergreifenden Nachruf: „Ich habe im Namen der Parteigenossen Worte der Trauer und des Abschiedes zu sprechen. Dr. Heinrich Jaques war in unserem Kreise als Mann von makellosem Charakter, unerschütterlicher Gesinnungstreue und großer Begabung hochgeschätzt, welche Aufgabe ihm auch zugemessen wurde, er erfaßte sie stets mit unermüdlicher Arbeitslust und erfüllte sie mit strenger Gewissenhaftigkeit; seiner Berufs Wissenschaft diente er im Leben, wie in der Theorie mit warmer Anhänglichkeit; nicht hielt er sich an die moderne Richtung des Specialismus, welcher trotz aller Triumphe im Einzelnen so leicht Gefahr läuft, der Einseitigkeit zu verfallen; er blickte als Gelehrter und Publicist nach allen Seiten aus und verstand es, sein wissenschaftliches Streben mit den höchsten Problemen des gesammten Lebens zu verknüpfen, denn er durfte sich einer vertieften allseitigen Bildung rühmen. Schwere und harte Zwischenfälle seines Lebens half die Liebe zur Kunst ihm tragen, der er seine Muße mit warmem Herzen widmete. Eine seltene Vielseitigkeit bezeichnete somit auch seine politische Thätigkeit, welche, durch eine glänzende Rednergabe erleichtert, wir berufenermaßen zu würdigen wußten. So hatte sein Leben einen reichen Inhalt von Strebungen und Leistungen, einen reichen Inhalt von Humanismus und Humanität, und wir beklagen dessen jähes und tragisches Erlöschen mit tiefem Schmerze und weihen ihm ein wehmuthvolles Gedenken. Sei ihm die Erde leicht!" Sodann ergriff der Präsident der Advocatenkammer Dr. Ritter v. Mündel namens dieser Körperschaft das Wort zu einem warmen Abichiedsgruß. Seine Worte galten vor 'Allem dem ausgezeichneten Menschen. Er sagte unter Anderem: „Es wurde bereits allseitig hervorgehoben, welche große Geisteseigenschaften und Talente der Verblichene in sich vereinigt hat; Diejenigen, die ihm näher gestanden, konnten aber auch bald herausfühlen, was der innere Mensch Jaques mit seinen Idealen bedeutete. Bei all diesen ausgezeichneten Eigenschaften, bei dem rastlosen Hasten hat der Gemüthsmensch Jaques es doch nie so weit gebracht, innerliche Ruhe zu finden. Wenn man den Mann gekannt, dann begreift man theilweise seinen plötzlichen Tod. Zur Müdigkeit, die ihn vor Jahren plötzlich ergriff, gesellte sich eine Depression, die bald zur Melancholie ausartete, und so begreifen wir, daß er fürchten mußte, nicht weiter fortsetzen zu können, was er sich zum Ziel gestellt. Wir gönnen ihm nun diese Ruhe und wir werden ihm stets treue Anhänglichkeit bewahren und werden seiner stets in Freundschaft gedenken. Er ruhe sanft!" Namens der Schüler des Todten widmete sodann Hofuud Gerichtsadvocat Dr. Links, der vor Jahren in der Kanzlei des Verblichenen gearbeitet, seinem Meister warme Worte des Abschiedes, in denen er ihn als Lehrer und Vater seiner Schüler, als Mann der Wissenschaft, der Ehrenhaftigkeit und Wahrheit schildert, der stets gekämpft, um die Jntereffen seiner Clienten zu wahren. Als Letzter sprach Professor Gomperz, der älteste Freund Jaques', und pries ihn als üb?rzeugungstreuen Politiker, als guten deutschen, treuen Oesterreicher, als warmen Patrioten, ausgezeichneten Anwalt und Förderer der Kunst. Dem Neffen des Verstorbenen, Maler Hermann Beyfus und dem Schwiegerneffen, Vicebürgermeister Dr. Raimund Grübl, sind von zahlreichen Corporationen und Persönlichkeiten Kundgebungen des Beileids und der Trauer übenden Verlust des vielfach verdienten Mannes zugekommen. * * Die „Reichspost" vom 30. Jänner leitet eine Judenhetze ein, weil Dr. Jaques auf dem Communal-Friedhof von Hietzing beerdigt worden ist. „In Hietzing herrscht darüber große Entrüstung," berichten die Nachkommen Schm ul Leb Kohn's. „Der Friedhof ist kirchlich, d. -. christlich eingesegnet und vor der Einverleibung ist kein Jude auf demselben beerdigt worden." Wir bemerken dem gegenüber, daß von Seite der Wiener Judenschaft der Wunsch oder auch nur die Anregung, Dr. Jaques auf dem Hietzinger Friedhofe zu beerdigen, nicht ausging, daß es ihr aber auch an allen Machtmitteln fehlt, es zu verhindern. Der Einzige, der das in der Lage war, ist der katholische Geistliche von Hietzing, und an diese Adresse mögen sich die übereifrigen katholischen Judenstämmlinge der „Reichspost" mit ihrer fanatischen Reklamation wenden: _ Heinrich Gvmperz. Brünn, 28. Jänner. Gestern ist uns die gewiß in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahme erregende Trauerkunde von dem Hinscheiden des Gemeinderathes und Handelskammerrathes Heinrich Gomperz zugekommen. Der Dahingeschiedene war eine ungemein liebenswürdige, geistig hochveranlagte Natur und hatte in unserer Stadt einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Sein Wirken in den verschiedensten Körperschaften und Vereinen hatte ihm bei seinen hervorragenden geistigen Fähigkeiten und bei seiner aufopfernden Arbeitskraft eine hochgeachtete Stellung unter unseren Mitbürgern verschafft und sein Hinscheiden wird darum umso tiefer empfunden werden, als sich nicht so leicht Jemand finden dürste, der mit soviel Feuereifer und Begeisterung seine vollste Arbeitskraft den commerciellen wie Gemeindeangelegenheiten unserer Stadt widmen wird. Die Wähler des Brünner Kammerbezirkes entsendeten ihn wiederholt in die Brünner Handels- und Gewerbe- . Jammer, wo er in den verschiedenen Sectionen mit seltenem Fleiße und wahrer Aufopferung thätig war und auch das verantwortungsreiche Amt eines Cafsacontrolors bekleidete. Er wurde auch in die Brünner Gemeindevertretung gewählt und war seit dem Jahre 1887 Mitglied des Gemeinderathes. In dieser Eigenschaft war er hauptsächlich in Finanzangelegenheiten thätig und seine Referate zeichneten sich durch Uebersichtlichkeit . und Genauigkeit aus. Wir erwähnen hier, daß die seinerzeit von ihm ausgearbeitete Zusammenstellung des Voranschlages für den Gemeindehaushalt als Muster für die weiteren diesbezüglichen Zusammenstellungen gedient hat. Nach dem Tode Beischläger's wurde Gvmperz Jnspector der städtischen Kindergärten und diese Institution fand in ihm gleich seinem Vorgänger einen warmen Förderer. Gvmperz war Mitglied des Staats - cisenbahnrathes, Handelsgerichtsbeisitzer bei dem Landesgerichte in Brünn. Censor der Oesterr.-ungar. Bank, langjähriges Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde. Er bekleidete an zwanzig Ehrenstellen bei unterschiedlichen, theils com., erciellen und industriellen Unternehmungen, theils Humanitären. gemeinnützigen und wissenschaftlichen Vereinen. Gomperz war seit dem 7. Juli 1887 mit der ftüheren, zuletzt an unserem Stadltyeater thätig und sehr beliebt gewesenen Sängerin ^ulie Dalena vermählt. Das Testament von Hein. Gomperz enthält großartige Legate. Als stets treuer Bürger unserer Stadt und großer Kunstfreund hat er bestimmt, daß seine einen Werth von 200 000 fl. repräsentirende Gemäldesammlung der Stadtgenieinde Brünn zumlle, eine Bibliothek dem Vereine „Deutsches Haus" zufalle. Gomperz hat weiters testamentarisch verfügt, daß das seiner Frau zufallende Haus in der Jesuitengasse Nr. 11, das auf etwa 40.000 fl. geschätzt ist, nach deren Tode einer zu errichtenden, seinen Namen tragenden Stiftung der israelitischen Cultusgemeinde zugewiesen werde. Weiters folgende Legate, und zwar: je 5000 Gulden dem Communal-Knaben-Waisenhause, dem Communal-Mädchen-Waisenhause, dem mähr.-jüdischen Waifenhilfs-Vereine, dem Mähr. Gewerbevereine, einem zu gründenden Pensionsfonde für Chor- und Orchester-Mitglieder des Brünner Stadttheaters, für eine den Namen des Testators tragende Heirats - Ausstattungs- Stiftung für deutsche Kindergärtnerinnen in Brünn; 390 fl. den Armen Brünns ohne Unterschied der Confession; je 200 fl. dem Deutschen Journalisten- und Schriftstellerverein für Mähren und Schlesien, der Ortsgruppe Brünn des Deutschen Schulvereines, dem Gemeinnützigen Vereine zur Erbauung billiger Wohnungen; je 100 fl. dem israel. Frauenverein, dem kathol. Frauenverein, dem Protest. Frauenverein, dem jüdischen Krankenpflegeverein, dem Frauenerwerbverein, dem Blindeninstitut, dem Taubstummeninstitut, dem Techniker-Unterstützungsverein, dem Schulkreuzerverein, dem Unterstützungsverein für Schüler der deutschen Staats-Gewerbeschule, der Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Unterstützungscasse, dem Vereine für die Erhaltung des Kinderspitals zu St. Cyrill und Methud, dem israelit. Krankenpflegeverein „Bikur-Cholim", dem Bolksküchenverein. dem Aufforstungs- und Berschönerungsverein, dem Deutschen Lehrerverein, dem Deutsch-mährischen Fröbel- Berein, sämmtliche in Brünn, und dem Verschönerungsverein in Pottenstein an der Triestin g. Die allgemeine Verehrung, welcher sich der Verstorbene erfreute, zeigte sich bei der Beerdigungsfeier, welche Sonntag den 28. Jänner stattgefunden. In der zahlreichen Trauerver-

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