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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 86 Vrsterreichlfrtze WochenfchrM Nr. 5 machte er sich bekannt als Referent und Mitglied der ständigen Deputation des deutschen Juristentages undj wurde zum Vicepräsi'oenten der Juristischen Gesellschaft in Wien, sowie des Congresses für internationales Recht in London und zum Ausschußmitglied des österreichischen Advocatentages gewählt. Er fungirte überdies als Directionsmitglied des Conservatoriums. Im Jahre 1879 wurde Dr. Jaques von der Innern Stadt Wien in den Reichsrath gewählt, und er gehörte seither ununterbrochen dem Abgeordnetenhause.an. Die Thätigkeit des Dr. Jaques war hauptsächlich den Justizreformen zugewendet. Er war Mitglied des Justiz- und Strafgesetz-Ausschusses und hat an allen juristischcodificatorischen Arbeiten der letzten anderthalb Jahrzehnte regsten Antheil genommen. Seiner unermüdlichen Initiative ist das endliche Zustandekommen des Gesetzes über die von Dr. Roser angeregte Entschädigung unschuldig Verurtheilter zu verdanken. Auch war er um die Reform der Preßgesetzgebung unausgesetzt bemüht, und es liegt ein von ihm als Referenten des Preßgesetzausschusses verfaßter Bericht über die Reform des Preßgesetzes vor. Im Interesse der Privatbeamten bewirkte er die Schaffung eines Gesetzes, wodurch ein von der Execution ausgeschlossenes Existenzminimum der Privatbeamten festgestellt wurde. Auch war er durch seine wiederholten Anträge bestrebt, insbesondere für die Verkehrs- und Postbeamten die Begün- - stigung zu erwirken, daß ihre volle Pensionsfähigkeit schon nach vollendetem 35. Dienstjyhre eintrete. Bekannt sind seine Bestrebungen wegenS chaffung eines Wahlgerichtshofes, über welchen Gegenstand auch eine beachtenswerthe Druckschrift von ihm vorliegt. Die Reform des österreichischen Strafgesetzbuches, welche in den letzten Jahren besonders actuell geworden war, beschäftigte den Verstorbenen in einer seine Arbeitskraft fast ganz absorbirenden Weise. Gleichzeitig mit der Theilnahme an den Berathungen des Ausschusses arbeitete Dr. Jaques an einem größeren, auf zwei Bände berechneten Werke: „Revision des deutschen und österreichischen Strafrechtes", in welchem er die Ergebnisse einer durch mehr als 35 Jahre fortgesetzten wissenschaftlichen Thätigkeit, sowie die Erfahrungen seiner Praxis niederzulegen gedachte. Dieses Werk ist bis auf die letzten Bogen des ersten Bandes fast vollständig fertiggestellt." Die Werthschätzung und Beliebtheit, deren sich Dr. Heinrich Jaques zu erfreuen hatte, kamen bei seinem Leichenbegängnisie, welches Sonntag den 28. Jänner stattfand, in imposanter Weise zum Ausdrucke. Alle Gesellschaftskreise der Residenz, seine Collagen im Abgeordnetenhause und die von ihm vertretene Bürgerschaft des ersten Bezirkes gaben ihm das letzte Geleite und gestalteten so die Trauerfeier zu einer würdigen Kundgebung für den verstorbenen Parlamentarier. - -5.- In der Trauerversammlung warenanwesend: u. A. Finanzminister Dr. Edler von Plener.der Präsident des Obersten Gerichtshofes Dr. v. Stremahr, der Präsident des Abgeordnetenhauses Freiherr v. Chlumecky, Senatspräsident Graf Kuenburg, Geheimer Rath Graf. Philipp Boos-Waldeck, Generalprocurator Dr. Ritter v. Cramer, FML. Freiherr v. Lehne, Sectionsches Ritter v. Niebauer, Sectionsches Freiherr v. Lilienau, der Präsident des Berwaltungsrathes der Südbahn Prinz Egon zu Hohenlohe mit dem Berwaltungsrathe Grafen Marcus Bombelles, der Präsident der Advocatenkammer Dr. Ritter v. Mündel mit dem Bicepräsidenten Dr. Feistmantel, der Präsident der Notariatskammer Dr. Frischauf, der Präsident der Handelsuud Gewerbekammer Mauthner, der Director der kaiserlichen Bildergalerie Schäffer, der Director des Conservatoriums Johann Nepomuk Fuchs, der Generalsecretär der Gesellschaft der Musikfreunde Ludwig Koch, Generaldirector Dr. Angelo Ritter von Kuh, Director Ritter von Borkenau, Albert Freiherr von Rothschild, David Ritter von Guttmann, die Hoftäthe Ritter von Schreiner, Gustav Pokorny und Ritter von Pfeifer, Oberlandesgerichtsrath Dr. v. Gernerth, Polizeirath Stehling, Oberbaurath Prenninger, Hofrath Professor Dr. v. Schrötter, der Bicepräsident des Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia" Regierungsrakh Winternitz mit dem Vorstandsmitgliede Wilhelm Frey und mit zahlreichen Mitgliedern dieser Corporation, Südbahndirector Kaizl, Landesausschuß Dr. Weitlof, Professor Dr. Zimmermann, Hofcapellmeister Eduard Strauß, die Herrenhausmitglieder Nicolaus Dümba, Hofrath Ritter von Härtel und Ritter von Gomperz, die Reichsrathsabgeordneten Dr. Ruß, Ritter . von Brenner, Dr. Kopp, Professor Sueß, Dr. Marchet, Hofrath Dr. Beer, Auspitz, Stöhr, Wrabetz, Schwab, Dr. Bloch, Neuber, Dr. Kronawetter. Dr. Otto Polak, Baron Scharschmid, Wagner, .Dr. v. Jaksch, Dr. Dostal und Eim, Landtagsabgeordneter Gerhardus, Vicebürgermeister Dr. Richter, die Stadträthe Matzenauer und Noske, die Gemeilnderäthe Dr. Friedjung, Robert Geitler, Ritter v. Goldschmidt, Dr. Mittler, Seiler, Dr. Alfted Stern und Baurath Stiaßny, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, die Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa. Um V2IO Uhr executirte Obercantor Singer die rituellen Gesänge, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann im Trauerhause dem Heimgegangenen folgenden Nachruf hielt, welcher bei der Trauerversammlung einen nachhaltigen und tiefen Eindruck zurückließ: Andächtige Trauerversammlu n g! Erschütternd drang vor wenigen Tagen durch unsere Stadt die schmerzliche Kunde, daß Dr. Heinrich Jacques freiwillig in den Tod gegangen. Dem von einem schweren Nervenleiden scheinbar Genesenen war der lauernde Feind noch einmal in den Rücken gefallen, und er ist leider Sieger geblieben. Dem Manne, der sein ganzes Leben hindurch, mit so viel Klarheit über die Grenzen von Recht und Unrecht nachgedacht, verwischten sie sich in einem unseligen Augenblicke, der ihn die Hand gegen sich selbst aufheben ließ, und so stehen wir hier an seiner Bahre mit den dem Hingeschiedenen so theueren Angehörigen in dem schmerzlichen Gefühle des großen, unersetzlichen Verlustes vereint. Und nicht blos wir beklagen diesen Verlust, sondern Tausende und aber Tausende: unsere Stadt, deren langjähriger hochgeachteter Vertreter im Parlament er war, unsere Glaubensgemeinde, der er durch seine Bildung und durch seinen.Charakter zur Zierde gereichte, zahlreiche Verwaltungen, gelehrte und wohlthätige Vereine, die Männer der Rechtswissenschaft und die Freunde der Kunst, sie alle empfinden schmerzlich die Lücke, welche durch den Tod dieses vielseitigen und bei seiner Vielseitigkeit innerlich zusammengehaltenen, edel und groß veranlagten Mannes entstanden ist. „In dem gestern verlesenen Wochenabschnitte bedient sich der Herr in seiner Ansprache an das am Sinai versammelte Volk eines Bildes. „Ich trug euch auf Ädlersfittigen." Man versteht dieses Bild, wenn man ein Leben wie das hier abgeschlossene überblickt. Wenn sonst das Bild des Adlers gebraucht wird, zur Veranschaulichung der Macht und Größe, da denkt man zunächst an die gewaltigen Fänge, und man hat auch alle Veranlassung, daran zunächst zu denken.JnsofernwäredasBild hiernichtamPlatze. . „Aber die Bibel redet von dem Flügelschlag, der jenen Segler der Lüfte über das Niedrige hoch emporträgt. Darin glich ihm der nunmehr entseelte Mann, und er entfaltete damit eine Größe der Gesinnung und Denkungsart, die heute um so seltener ist, je mehr es — zumal im politischen Leben — Mode geworden ist, im Gewöhnlichen sich zu tummeln, in dem Schutt und Moder vergangener Jahrhunderte zu wühlen und in dem aufwirbelnden Staub, der kein olympischer ist, den Kampf zu führen. „Hoch erhaben dagegen, losgelöst von allem Niedrigen und Gemeinen, ging der Flug des Mannes, an dem erst in seinem Tode sich der Spruch bewährt, woran bei tausend anderen jede Lebensäußerung erinnert: „Denn Staub bist Du und zum Staube kehrst Du zurück". „Er war eine im besten Sinne vornehme Natur, sein Streben war stets auf das Höchste gerichtet, für ihn gab es noch Ideale, an deren Verwirklichung zu arbeiten ihm die selbstgewählte Lebensaufgabe war, ein echter Liberaler, der.es mit der Freiheit ernst meinte. Und ß ward ihm der schöne Lohn zu theil, sein Streben vielfach mit Erfolg gekrönt zu sehen. Deshalb ist er glücklich zu Preisen. Obwohl unvermählt, genoß er dennoch ein trautes Familienleben im Kreise der theueren Angehörigen, mit welchen er Liebe um Liebe lauschte. Seine Gelehrsamkeit und sein lauterer Charakter, sein Mannesmuth, seine Selbstlosigkeit und Menschenliebe gewannen ihm im öffentlichen Leben Einfluß und Anerkennung, mittelst deren es ihm gelang, sich seinen Mitbürgern und der Menschheit nützlich zu erweisen. Ein solches Leben wird unvergessen und gesegnet bleiben. Mit dem Fluge des Adlers zog er dahin, nun wendet er sich der Sonne einer besseren Welt zu. Er ziehe hin in Frieden. Amen." Darauf wurde um 10 Uhr der Sarg gehoben, um auf dem vierspännigen Leichenwagen nach Hietzing gebracht zu werden und auf dem dortig en in terconfessionellen Friedhof in der Familiengruft beigesetzt zu werden. Zu beiden Seiten des Conductes bildete das Publicum dichtes Spalier. Bei der Oper angekommen, machte der Zug halt, die Leidtragenden bestiegen die Wagen und dann setzte sich der Zug wieder in Bewegung, dem Hietzinger Friedhofe zu. Finanzminister Dr. v. Plener, Generalintendant Baron Bezecny, Dr. Ritter v. Mündel, Professor Eduard Sueß, Professor Gomperz, mehrere Reichsrathsabgeordnete, Stadt- und Gemeinderäthe, sowie persönliche Freunde und die Familienmitglieder des Verblichenen folgten bis zur letzten Ruhestätte. Um 7J.1 Uhr langte man auf dem Friedhofe an.

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