Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 5 (2.2.1894)
- Date
- 1894-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 Vrflrrrrichtfchr Wochrnsttzrtft Nr. 5 waren bei 4000 beobachteten Fällen durchschnittlich 8—9 Schläge erforderlich. Es ist nun eine durch die Wissenschaft bewiesene Thatsache, daß Verhinderung der Blutzufuhr zum Gehirn unbedingt momentane Bewußtlosigkeit zur Folge hat. Dies wird erreicht beim Durchschneiden der beiden Halsarterien, wobei —nach höchstens 4 bis o Secundeu volle Bewußtlosigkeit eintritt. Demgemäß wäre die Schlachtmethode, wenn man den Ausdruck anwenden darf, die idealste, welche die Blutzufuhr zum Gehirn unmittelbar abschneidet. Einem solchen Ideal kommt am nächsten der seitens der jüdischen Schächter geübte Halsschnitt. Eine Frage von höchster Wichtigkeit ist andererseits die betreffs der Halrvarkeit des Fleisches. Thatsache ist. daß, je weniger Blut im Fleische bleibt, letzteres um so haltbarer ist. Professor Dembo schlachtete 3 Kaninchen von demselben Wurf und fast gleicher Größe nach 3 verschiedenen Methoden. Das erste wurde geschächtet, das zweite nach der Berliner Methode, durch Betäubung und Halsschnitt getödtet, das dritte durch Betäubung und Bruststich. Beim ersten stoffen bei einer Blutmenge im Körper von 111 Gramm 80 Gramm, beim zweiten bei 103 Gramm 50 Gramm, beim dritten bei 108 Gramm nur 30 Gramm Blut aus. Aus diesen überraschenden Versuchen geht hervor, daß deshalb das Schächten die beste Methode sei. Das haben auch etliche Berliner Großschlächter erkannt und diese tödten ihr Vieh auf diese Weise, um dadurch ein besseres, haltbareres Fleisch zu erzielen. Die Gesellschaft schloß sich den interessanten Ausführungen des Prof. Dembo vollständig an, nur von einer Seite wurden Zweifel gehegt, ob das zum Schächten nothwendige Niederlegen der Thiere für diese nicht qualvoller und seelisch schmerzlicher sei als das Betäuben durch Kopfschlag. Dagegen erwiderte Prof. Dembo, daß von seelischen Schmerzen beim Vieh gar keine Rede sein könne nach all, den Erfahrungen, die er gesammelt hätte. Ein Rind läßt sich meist vom kleinsten Jungen ohne Widerstreben ins Schlachthaus führen, wo ihm der Blutdunst entgegensteigt, wo es die Leichen seiner getödteten Artgenossen erblickt und wartet ohne jedes Zeichen der Angst oder Furcht auf den Todesstreich. Was das Niederlegen anbelangt, so hat man jetzt, ganz einfache Methoden, bei denen absolut keine Qual stattfindet und die ja auch bei kranken Thieren zwecks Heilung angewendet werden. Durch einen Kopfschlag tritt aber nie Bewußtlosigkeit ein. Daß das Thier fällt, ist kein Beweis dafür, denn es ist vorgekommen, daß Ochsen, die man schon für bewußtlos hielt, wieder auffprangen und das größte Unheil - anrichteten. Auch kranke Menschen halten die Aerzte bisweilen für bewußtlos und - besprechen ihren unvermeidlichen Tod — und nachher erzählt der Kranke, daß er Alles gehört hätte, nur nicht im Stande gewesen wäre, Lebenszeichen von sich zu geben. Betäubte Schweine sind wieder aus dem Siedekessel gesprungen. Selbst beim Kaninchen genügten zwei Schläge nicht — beim ersten Schlag blieb es noch bei vollem Bewußtsein — was kann man da beim Riyd erwarten? Betrachtet man die Sache vom physiologischen und sanitären Gesichtspunkte, so ist das Niederwerfen und Durchschneiden der Halsarterien (die jüdische Schächtmethode) zur Zeit als die beste Tödtungsart zu bezeichnen. Die jiiir. Colonien in Argentinien. Wien 22. Jänner. Baron Hirsch hat in interessanten, sehr aufrichtigen Ausführungen die bisherige Entwicklung seiner großen Stiftung und seiner Pläne sür die Fortführung der jüdischen Colonisation dargelegt. Bevor wir dieselben wiedergeben, wollen wir aus dem Berichte des Comites der Stiftung die wesentlichen Daten über die Geschichte der Colonien im Jahre 1893 entnehmen. Die Gesammtausgaben für die amerikanischen Colonien belaufen sich bisher auf 500.000 Pfund Sterling, wovon 215.000 auf den Ankauf von Land entfallen. Die vier Colonien, welche bisher durch die Hirsch-Stiftung in Argentinien begründet wurden, hatten im vergangenen Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Colonie Mosesvilla, welche 80 Familien umfaßt und von 25.000 Acres, die ihr gehören, 4500 Acres schon angebaut hat, hat kein besonders befriedigendes Resultat aufzuweisen, weil Trockenheit und Insektenplage die Ernte schädigten. Auch in der zweiten Colonie, Mauricio, die 224 Familien umfaßt, war die Ernte trotz des angestrengtesten Fleißes der Bewohner sehr mäßig. Hier wurden eine Synagoge und zwei Schulen errichtet. Die Colonie Claro mit 230 Familien hat günstige Ergebnisse aufzuweisen. Im Allgemeinen ist, wie der Bericht des Comites in Buenos-Ayres ausführt, noch viel zu bessern; insbesondere müsse in den Colonisten das Bewußtsein erweckt werden, daß sie sich selbstständig machen und nicht auf dauernde Unterstützung rechnen sollen. Jede Familie erhält 125 Acres Land, ein Häuschen, einen Gemüsegarten, Vieh und Werkzeuge zum landwirthschaftlichen Betriebe. Die schlechten Elemente, welche sich unter den Colonisten befinden, werden, mit Reisegeld und einer Entschädisumme versehen, fortgeschickt. In diesem Jahre wurden über 500 Personen ausgewiesen; jetzt ist das Reinigungswerk nahezu vollendet. Behufs der Gründung neuer Colonien werden in Rußland Gruppen von je 50 Familien gebildet, deren Delegirte in Argentinien die Vorarbeiten besorgen. Im nächsten Jahre sollten etwa 4000 Personen neu angesiedelt werden. In West-Canada wurde in diesem Jahre „die Colonie Hirsch" mit 100 Familien gegründet;, in den Bereinigten Staaten wurde eine Colonie mit Unterstützung des Präsidenten Cleveland errichtet. Der Pariser Correspondent der „Franks. Ztg.", Dr. Paul Goldmann, hat in den letzten Tagen mit dem Baron Hirsch eine Unterredung über das Colonisationswerk gehabt, aus welcher folgende Aeußerungen des Baron Hirsch erwähnenswerth sind: „Man hat — sagte der Philantrop — in der letzten Zeit erzählt, die Colonisirungsversuche mit Juden seien in's Stocken gerathen. Das ist absolut unrichtig. Die erzielten Resultate sind zufriedenstellend, sogar mehr als das, sie sind überraschend gute. Das Werk wird fortgeführt und geht, meiner Ueberzeugung nach, einem sicheren Erfolge entgegen. Freilich sind zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Das Merkwürdige ist aber, daß die Schwierigkeiten sich nicht da zeigen, wo wir sie erwartet haben, und daß sie sich wieder auf einer Seite, wo wir sie nicht erwartet haben, hindernd in den Weg stellen. Um es mit einem Worte zu sagen: Die Hindernisse kommen nicht daher, daß die Juden sich nicht zum Ackerbau geeignet zeigen. Freilich die Experimentirung in dieser Richtung war keine leichte. Es handelte sich darum, die guten und arbeitsamen von den schlechten Elementen zu sondern; denn nur ein mit den ersteren angestellter Versuch ist beweiskräftig. Aber diese Sonderung des Weizens von der Spreu ist eine gar mühevolle Aufgabe. Erschwert wurde ihre Lösung noch durch die Vorgänge nach den russischen Judenaustreibungen. Die Masse der Auswanderer ergoß sich über Deutschland nach Oesterreich. Die dortigen Comit6s wurden weit über ihre Kräfte in Anspruch genommen. Und aus Berlin aus Frankfurt, aus Wien wandte man sich an mich mit der Bitte-, ich sollte einen Theil der russischen Auswanderer in unsere Colonien aufnehmen. Ich sagte zu, stellte aber zur Bedingung, daß die Comites mir nur die besten Leute zuweisen sollten — gesunde und arbeitskräftige Männer und Frauen, die das ernstliche Bestreben hätten, sich im Schweiße ihres Angesichtes eine neue Existenz zu gründen. Die Comics scheinen nun meinen Wunsch nicht immer befolgt und sich vielmehr bestrebt zu haben, die Auswanderer, deren Unterbringung ihnen Sorge machte, Hals über Kopf loszuwerden. So kam es, daß in die Colonien ein unglaubliches Bevölkerungs-Ragout importirt wurde. Neben denen, die wirklich ihre Hände rühren wollten, gab es viel elendes Bettelvolk, gab es Abenteurer aller Art, die sich unter dem Schutze der durch die Massenbewegung eingeriffenen Verwirrung eingeschlichen hatten und die oft weder Russen, noch — Juden waren. Und wir hatten zuerst alle Hände voll zu thun, um überhaupt nur die echten Colonisten von den falschen unterscheiden, zu können. Jetzt sind wir endlich auf dem besten Wege. Die Colonie in der argentinischen Republik enthält gegenwärtig etwa dreißigtausend Leute, die durchwegs vom besten Willen erfüllt scheinen. Dieser gute Wille beginnt bereits Früchte zu tragen. Es wird fast nur Landwirthschaft in der Colonie betrieben. Und trotz Allem, was die Gegner unseres Unternehmens in die Welt gesetzt haben, kann man jetzt dort das seit Langem in der Geschichte nicht gesehene Schauspiel gewahren, wie der Jude hinter dem Pfluge hergeht, säet und erntet. Eine weitere Schwierigkeit, fährt Baron Hirsch fort, kommt von der Direction der Colonien selber her. Ich bin hier zu häufigen.Personalwechsel genöthigt, und trotzdem ich schon mit manchen tüchtigen und von den besten Intentionen erfüllten Manne zu thun gehabt, ist es mir doch stoch nicht gelungen, zur Leitung des Unternehmens »rhe right; man in the right place“