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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 4 -efterretchtfche Wochenschrift Seite 77 seinen Mitbürgern beweisen, daß er unschuldig gelitten, daß er französischer Patriot, ein eifriger Freund der Republik sei. Er berechnete seinen erlittenen pecuniären Schaden mit 635.413 Livres 12 Sous. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". lieber unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werde». Ueberseftnng?- 43) rechte Vorbehalten.) „Durchlaucht!" rief Eugen entrüstet, „Sie wußten schon längere Zeit, daß Hirsch Frankl unschuldig war? „Allerdings, man prince!" erwiderte der Markgraf verlegen, den Blick zu Boden senkend. „lind doch thaten Sie gar nichts, Hirsch Fränkl zu rehabilitiren? Sie dachten nicht daran, daß Sie ans den KoH Ihres Lebensretters und der Seinen einen Hoven P'-chs auszesetzt? . . . Hätten Sie nicht Ihre Geschälte nach Wien g.nühi-t, hätten Sie auch gar nichts gethan, Ihr schweres Unrechc aut zu machen, die Verfolgung der armen'Unglücklichen zu widerrufen?" „Ich bin zu entschuldigen", erwiderte der Mariara', verwirrt, „ich war immer von andern wichtigen Angelegenheit,u in Anspruch geuomnren." „Es gab für Sie keine wichtigere! . , ." „Ihre Vorwürfe find gerecht, Durchlaucht", eniaegnete der Markgraf, „il fant l’avnner* **)), es war lu-daukbar und' leichtsinnig von mir — aber ich will Alles gut nracherr! Sie fagwn, Durchlaucht, Rafael Frankl befinde sich "in Wien, ich will' r?>n um Verzeihung bitten und will für ibn Alles rhun. was er von mir verlangt! Durchlaucht, könnten Sie mir reicht eine Zusammenkunft mit ihm verschaffen?" Der Prinz wußte, daß Rafael Frank! -draußen in vi Anticamera warte, er konnte des Markgrafim Ww-'ch - h., erfüllen, jenen Hereinrufen lassen, aber noch kurz-'m B eenle i sprach er: - „Es freut mich herzlich, daß Sie err-'nu-n, -an -heeu Lebensretter und an den Seinen unrecht -ndl: :a aas daß Sie es lebhaft bedauern und es e.,n zrr u-n.'ßen. bestrebt sind; — allein eine Zusammev'krmft mit ihm ts"n rvedev Ihnen noch dem jungen Manne?m::.'ihiu ch-n. Sw hsw:n diesem unverdient Entsetzliches zuastüg-. G Emau dies kaum vergeben, ganz gew:ß r.:% v--r. kann. Je inniger und aufrichtiger Ihr Bedauern . r r Ja e w g nschwere Uebereilung ist, desto bet-rückc.-r uimw Sie sich nr Rafael Fränkl's Gegenwart fühlen, je mein fi? i'-.n zur Dankbarkeit verpflichtet sind, desto uuav-wwwnrr nwchpe es Ii'ven werden, ihm gegenüber zu sieben :n:d die P l.ll.chzPl Il-zer Situation könnte sich noch dadurch --aß sfw Rafael Fränkl in überquelleuder Biwnllelt \u 'Voaw..--an -- , n Sie Hinreißen lassen könnte! . . . Gen n n Sw nll-, I,.einen Vorschlag zu machen! Wenn Sw cs wünüb-.n-:. Darchd.incht. will ich es übernehmen, ihm Ihr aufrichtiges Brdaucru über das Geschehene auszusprechen." »ll'rog bien, man prince! S;:0 rief der Markgraf. „Ich bin Ihnen für diese gütige Vermittlung sehr dankbar!" „Aber Durchlaucht!" fuhrder P-stnz fort. „Es genügt nicht, Rafael Fränkl nt t leeren Worten ab.-gWenen. Sie miiff.’u auch die Gnade haben, durch eure Er-uuciatiorr, welche allüberall publieirt werden muß, seine und der ©einigen Ehre wieoerherzustellen." Der Markgraf fühlte sich glücklich, sich dem Prinzen, dessen Protection ihm in dem Momente unentbehrlich schien, gefällig erweisen zu können und er entschloß sich umso mehr zu der höchsten Satisfaetion für die Familie Hirsch Fränkl, als deren Gegner und Verwnmder sich später als seine — des Markgrafen — erbittertsten Feinde herausgestellt hatten; möglicherweise mochte auch die Erinnerung an den großen Dienst, den ihm Rafael Fränkl erwiesen, in ihm aufgetaucht sein, und er rief: „Ich will Hirsch Fränkl und den Seinen eine vollständige Ehrenrettung bereiten. Ich will die Kundmachung, mittelst welcher ein Preis auf die Köpfe der Fränkels gesetzt wurde, feierlichst widerrufen und soll diese Revocation von den Kanzeln aller Kirchen nicht nur meines Fürstenthums, sondern ganz Deutschlands verkündet und auch überall bekannt gegeben werden, oaß Oberrabbiner Hirsch Fränkl in Folge verleumderischer, falscher Denunciationen unschuldig verurtheilt worden und demgemäß das Urtheil null und nichtig erklärt wird und es auch Hirsch Fränkl und dessen Angehörigen unbenommen bleibt, in mein Fürstentbum zurnckznkehren, tvo sie mit allen Ehren ausgenommen und gehalten werden sollen." „Ich nehme Ihr Versprechen für meinen Schützling Rafael Fränkl und die Seinen an, Herr Markgraf", erwiderte Engen, „vielleicht haben Sie die Gnade, mir den Entwurf dieser Euunciatiou, welche Ihr Secretär abfassen mag, vor der Unterfertignng zu senden. Sie beabsichtigen ja gewiß, Ihren Lebensretter vollkommen zufrieden zu stellen, und ich will ihm daher den Entwurf vorlegeu, ob ihm nicht irgend eine Blenderung wünscheuswerih erscheine." ,,Roch im Laufe des morgigen Tages soll sich das Brouitlon in Ihren Händen befinden und ich erkläre im vorhinein. alle von Ihnen, mein Prinz, geforderten Aendernngen zu ae-.-rnren . . . Sie fegen, Herr Generalissimus", fuhr der Markgraf nach einer längeren Pause verlegen fort, „daß ich mit dem größten Eifer bereit bin Ihre Wünsche zu erfüllen . Die Lateiner sagen: mnwu :av;it mnmn»!-! und ich hoffe, daß Sie Herr Generatissimus, -m Eonstreuzrathe und bei seiner Maiestär dem Kaiser meine Partei ergre'feil und mir die nnerirägstche Beschämung, m:ve- Ständen zu unterliegen, ersparen wr'rdeu. Wenn das, was der Kaiser in seinem ersten Zorn anden-ete, zur Wahrheit wurde, ivenn der Kaiser mir in der That die Schmach anthäte, mich zu depossediren, zur Regierung des Landes bis zur Großjährigkeit meines Sohnes einen Agnaten zu vernfen, ich könni's nicht übe-! l-ben'." Ter Markgraf wandte pch ab, um die Zoruesthränen, bie in seine Augen traten, zu veroeraen. Prinz Engen bewies in stdem Momente seines ruhmreichen Lebens, daß er der fernste Diplomat, der redlichste, der wüsste Pb un sei. Er r-vaue die Absicht des Kaisers eben so als eie Stimmung tm Cvuferenzrathe. Er wußte, daß es rächt im Plane des Kaders lag. den Markgrafen so iter zu demüthstgen. als di-rer befürchtete, schon aus dem Grat'de. weit das auch die aade-n Reichssürsten verletzen würde, uns er nmßte auch, daß der Conferenzralh nicht auf eine MaßregK zutben würde, welch-.' unter Umstanden dem kaiserlichen Anreh-'n in D-euUcht-and abträglich werden konnte. Endlich, wns-l-' d-r Prinz auch, daß selbst die klageführenden Stände, nicht das v-.'-m Ma.kgmfen brfürchtete Resultat erhofften, nicht eu-.imu ioü:nchteu. da es noch sehr Eaglich war, ob der zum Vormunde des miad-rjäh.-igen Prinzen ernannte Agnat nicht das Land noch ärger als Friedrich Wilhelm aussaugen würde, welcher wenigstens in ieiu-m eigenen und dem Interesse seiner Desc-'ud.mwn' die Mittel des Landes nicht aufs Aeußerste erschöpfen wollte. P-iuz Engen wußte es, die Ansbach'schen Stände beabsichtig :en nur, 'ihr.n Laadessnrsten zu demüthigen, ihm zu zeigen, daß es einen mächtigeren Herrn über ihn gebe, und würden sich vollständig zufrieden stellen, wenn ihm vom Kaiser eine srreiige Rüge erthe:;t roiirde: allein Eugen war zu ehrlich und stoiz^ um dein Markgrafen'in dem Glauben zu lassen, dieser habe seine Gunst durch eine Gefälligkeit gewonnen, und nach kurzem Bedenken erwiderte er mit einem ernsten Lächeln: „Durchlaucht! Daß Sie den unschuldig Gekränkten Genugthuung geben, freut mich; aber es wäre in der That eine Verletzung für Sie. wenn ich glauben sollte, daß Sie dies mir zu Liebe lhüteu; Sie thrm dies, weil Sie dies als einen Act der Gerechtigkeit betrachten . . „O'est eomme murmelte der Markgraf. „Es kann somit auch von keiner Gegengefälligkeit die Rede sein. Allein, ich bin in der glücklichen Lage, bei der Beurtheilung der Sie, Herr Markgraf, betreffenden Angelegenheit, der Stimme meines Gewissens und der Pflicht gehorchen zu können, ohne mit den freundlichen Gesinnungen, die ich für jeden uns verbündeten Reichsfürsten und daher auch für Sie, Herr Markgraf, hege, in allzugroßem Widerspruche zu gerathen. Ich verfüge allerdings nur über eine einzige, meine eigene Stimme, aber ich bin der erste Minister in Oesterreich und *) Eine Hand wäscht die andere. **) Das ist eben genau so. *) Man muß es gestehen. **) Sehr gut, mein Prinz.

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