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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 76 VeflLrretrtztfchr WochrnsttzrM Nr. 4 Alexander Seligmann hielt die Assignaten wenigstens in der Oeffentlichkeit in gehöriger Achtung, er sprach überall französisch, er erhielt auch am 14. Marz 1794 (24 ventose an II.) von dem Gemeindeamte in Siraßburg ein sehr wichtiges Schriftstück, das Zeugnis; einer rechten revolutionären G.sinnung ^eertitleat de civisme“, was damals nicht so leicht und nicht Jeder erhalten tonnte. Alexander Seligman n hatte auch in seinen Büchern jedes Opfer verzeichnet, welches ihn obiges Zeugniß kostete. Als Nationalgardist des 3. Bataillons widmete er 100 Livres zum Ankniie von 4 Fahnen und in die Gemeindecasse 5000 Livres in Silber, für welchen Betrag er Assignaten erhielt, was einem sactischen Verluste von 2073 Livres gleich kam, da die 'Assignaten nur 47".',, des Nominalwerthes galten, Zur Erhaltung der Weiber und Kinder der Arbeiter, welche auf den Schanzen von Weissenburg arbeiteten, bezahlte er 250 Livres und füi S Bettüberzüge rechnete er 150 Livres. Vieles mußte er den Ofsiciereu, die zur Zeit in Straßburg waren — geben, z. B. Tischzeuge, die nicht mehr rctournirt wurden. Schließlich wurde ihm am 28. Mai 1794 der schriftliche Befehl von dem Bürger Guerin, Polizei-Rath, gefertigt, eingehändigt, demzufolge er sofort sein in der Gasse der Philosophie*) gelegenes Haus dem Negierungscommissär Las er re überlassen möge, der auch am 29. Mai sammt Weib und Kind, mit Schreibern, Dienerschaft und Pferden übersiedelte. Gegenüber solchen Anforderungen war es für Seligmann schwer, seine Unzufriedenheit zu verschweigen und dadurch kam er um alle Anerkennung für seinen früheren Eifer. Den 30. Mai 1794 ließ der Ausschuß für allgemeine Sicherheit Al xander Seligmann als Egoisten und Fanatiker einfpcrren. An demselben Tage wurden von demselben Ausschuß zu Gcfängniß verurtheilt: Abraham A u e r b a ch, der Eompagnon Seligmann's, als Mitschuldiger; Simon Meyer, der Schwiegersohn Seligmann's, als Egoist und Schwindler; Jsak Lehmann, Baker, als Egoist und Fanatiker; Herrenschneider, evangelischer Pastor (Deutscher) als Feind der Gleichheit und Verbreiter von Vorurtheilen. Der Gelehrte Lorenz, als reicher Mann und Lobredner der Tyrannen. D u b e s s e, als Alarmist und Aristokrat, der keinen Unterricht crtheilen will an den im republikanischen Kalender gestrichenen Sonntagen. Der Bürger K i e f f e r , Bräuer, weil er jene Bürger, die Dienst in der Nationalgarde versahen, lächerlich machte. Die Friseurin Garnier, als fanatische Aristokratin. Frau Hirn, bekannt durch ihre antirepublikanischen Spaziergänge, durch welche sie die Soldaten gegen die Freiheit aufreizt. Es war das eine bunte Gesellschaft, mit welcher Seligmann*im Gefängnisse war, ein gewesenes Seminar, aus dem die revolutionäre Regierung ein nationales Gefängniß machte. Nach damaligem Gebrauche wurde den Jnhaftirtcn nicht der Grund angegeben, weßwegen sie eingesperrt wurden und S e l i g m a n n erfuhr also erst nach zwei Monaten, daß er auf Grund des Gesetzes vom 17. September 1793 von den Verdächtigen, und die Kleinigkeit, daß wirklich kein Paragraph desselben Gesetzes gegen ihn angewendet werden konnte, half ihm doch nichts. Wer damals eingezogen war, blieb im Gefängnisse und unser Selig mann konnte sich nur damit freuen, daß mit ihm noch 600 Häftlinge im alten Seminar eingesperrt waren. Ein Trost war für ihn der Umstand, daß der Kerkermeister M a h y ihn in das Verzeichniß der Häftlinge als Wechsel-Wucherer (agioteur) eingeschrieben, woraus zu ersehen ist, daß in dem damaligen Gerichtsverfahren eine ähnliche Anarchie wie im öffentlichen Leben im Allgeuieinen herrschte. *) Sicje Gasse Ijiefe ursprünglich Dmngasse (rue du Dome) Als der Dom in einen Tempel der Göttin der Vernunft nmgcwandclt wurde, erhielt auch die Gasse einen entsvrechendcn anderen Namen. Der 3. Artikel der Hausordnung für die französischen Gefängnisse bestimmte, daß den Jnha-ftirten alle Delikatessen, als: Pasteten, Zuckerln, Syrup, Liqueure, Champagner und Burgunderweine abgenommen werden müssen und dem Wohlfahrtsausschüsse zu bringen seien, welcher dieselben zu patriotischen Zwecken vertuenden soll (qui en fera un emploi patriotique). Alexander Seligm ann fand aber während seiner Haft Mittel und Wege, diesen Artikel zu umgehen, denn in seinen Büchern findet sich eine Post von 4556 Livres eingetragen, welche zu dem Zwecke verausgabt waren, sich im Gefängttisse aufzubessern. Alexander Seligmann vergaß selbst im Kerker nicht seinen jetzt angezweifelten Patriotismus zu bezeugen und sich als Revolutionär zu bekennen. Als die Stadt Straßburg nach dem Beispiele von Paris am. 8. Juni 1794 den Cultus des Verstandes aufhob und dafür ein großartiges Fest „des höchsten Wesens" feierte, schenkte Seligmann dem Gemeinderathe von Straßburg 100 Livres zur festlichen Illumination der Stadt. Der hohe Thurm des Straßburger Domes war an jenem Tage mit einer rothen Jakobinermütze geschmückt, von der der amtliche Bericht sagt: „Sie glänzte im Schatten wie ein Stern, welcher die^ Menschenrechte und die irdische Glückseligkeit verkündete." Trotzdem blieb Selig mann dennoch im Gefängnisse ohne Verhör unb ohne Urtheil, bis sich am Abende des 31. Juli 1794 wie ein Blitz in Straßburg die Kunde verbreitete, daß Rübespier re verhaftet wurde und die Schreckensherrschaft in Paris aufgehört habe. Die Schreckensherrschaft hatte auch in Straßburg aufgehört, allein die Gefängnisse leerten sich nur langsam. Erst am 20. August wurde Seli.gmann aus der Haft entlassen. Seinen letzten Beitrag in die Nationalkasse konnte er nicht als Verlust bezeichnen. Mittelst Dekretes des Nationalkouventes wurden nämlich alle Bürger der französischen Republik, welche irgend eine Schuld an das Deutsche Reich zu bezahlen hatten, angewiesen, diese an die Nationalkasse der französischen Regierung abzuführen. So zahlte auch Seligmann wieder 22.771 Livres, die er nach Deutschland schuldig war. In Seligmann's Hause in der Philosophengasse war aber noch immer der Negierungscommissär Laserre und verursachte dort vielen Schaden an den Möbeln. Endlich zog auch dieser aus und Selig mann dachte nun nach, wie er einigen Ersatz für seine Verluste an Geld hereinbringen könnte. Er erwirkte wirklich von dem neuen Bürgermeister von Straßburg A n d r 6 einen Schadenersatz von 10.600 Livres für Weine, die aus seinem Keller weggetragen wurden. Jetzt begann er mit der Bearbeitung einer Schrift, die er unter dem Titel „Denonciation ä mes eoneitovens des vexation que ln'ont fait eprouver les tideles suppots du traitre Robespierre, lors du Systeme de terreur etabli dans la republique. par Seligmami Alexandre, manufacturier et citoyen de Strassbourg. Strassbourg, Trenttel et Würtz. Au III. (Bericht an meine Mitbürger über meine Verfolgungen, womit mich die Parteigänger des Robespierre zur Zeit der Schreckensherrschaft güältcn. Herausgegebcn von Alexander Seligmann, Fabrikant und Bürger von Straßburg. Straßburg, Verlag von Trenttel und Wi'ntz. Im Jahre III 1795), veröffentlichte. Wie erklärlich, war es nach den damaligen Verhältnissen eine Schmähschrift auf Robespierre, vor dem früher Alles zitterte, den aber jetzt Jeder verdammte. „Als Opfer der Schreckensherrschaft des schändlichen Robespierre", sagt Selig mann, „würde ich noch heute im Kerker schmachten, oder ich hätte die Zahl der unschuldigen Opfer der Guillotine vermehrt, die auf Befehl jenes Auswurfes der Menschheit hingerichtet wurden, wenn nicht der 9. Thermidor mir die günstige Gelegenheit gebracht hätte, meine Klage dem neuen Ausschüsse für die allgemeine Sicherheit vorzubringen." Der Verfasser endet mit der feierlichen Versicherung seiner, republikanischen Gesinnung. Möge das Ziel unserer patriotischen Wirksamkeit stets das Wohl des Vaterlandes, die Erhaltung der Nationalregierung und das Heil der einigen, untheilbm en, demokratischen Republik sein! Alexander Seligmann wollte durch die Schrift

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