Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021012--03175-3027299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr,,4 VeyerretttztMe WEMMM Sette 71 bent Ersterer das Kalb beim Maul anpackt mit der linken Hand und mit der rechten Hand ein nicht immer sehr scharfes Messer in die Gurgel mit doller Kraft hineinsticht, führt er eine ziemliche Weile das Messer bis zum Maul herunter, (um dadurch rirca 20 Decagbarnm Kalbfelle mehr zum Verkauf zu haben), derart, daß es jeden Zuschauer gruseln muß, hält der jüdische Fleischer mit beiden Händen den Kopf des Kalbes und der Schächter macht mit dem haarscharf geschliffenen Messer nur einen Schnitt. — So verlogen Ehren-Schneider ist, wird er entweder zugeben müssen, daß das Schlachten nach jüdischem Ritus sehr human ist, oder — seiner Gewohnheit gemäß — erklären, daß Kälber es noch nicht so weit gebracht haben, daß „Ehren- Schneider" sie vertreten soll, sondern nur „Rmdvicher". Hochachtungsvoll Ihr Abonnent Ch. M. H. Budapest. (Antisemitismus in der Ersten ungarischen allgemeinen Ässecuranz-Gesellschaft in Budapest.) Wie uns von dort berichtet wird, besteht unter den Vorgesetzten und Beamten ein ungemüthliches Verhältniß. Da im Beamtenkörper genannter Gesellschaft viele Juden sich befinden, dagegen die Vorgesetzten denselben feindlich gesinnt sind, sollen täglich nachstehende Morgengrüße an der Tagesordnung sein: „Bei uns im Bureau ist der reinste Schiffmann- (Juden-Handle) Platz. Speck fressen sie, und am jüdischen Friedhof werden sie beerdigt. Schöne Semiten sind sie" — ebenso manche andere Zurufe,^ die man der Oeffentlichkeit nicht übergeben kann; das sind höchst sonderbare Zustände, die eher in einer Schusterherberge zu suchen wären, als in einem steinernen Palais eines ersten Landesinstitutes. Das „Interessanteste" an der Sache ist, daß die Generalgewaltigen, die Herren von Leway (ehemals Löwy) 1 und von Ormody (ehemals Berger), selbst von guter, frommjüdischer Abstammung sind. Demnach glauben wir, die jüdischen Versicherten dieser Gesellschaft möchten gut thun, der Gesellschaft ihre Versicherungen zu kündigen und sich Instituten zuzuwenden, die viel liberaler Vorgehen und keine antisemitische Structur haben. Troppau, 20. Jänner. (R ei ch s r a th s - A b g e o r d - neter Dr. Max Menge r über die politischeLage.) Der Deutsch-fortschrittliche Verein in Troppau hielt am 18. d. M. seine Jahresversammlung, welcher zahlreiche schlesische Reichsraths- und Landtags-Abgeordnete beiwohnten. Abgeordneter Dr. M e n g e r, der bei seinem Erscheinen von der Versammlung aus das Lebhafteste begrüßt wurde, hielt, nachdem der Abgeordnete von Troppau, Prozessor Demel seinen Bericht erstattet hatte, eine längere Rede über die neue politische Lage. Der Redner bespricht, hier die nothwendigen Reformen der Civilproceßordnung und des Strafrechtes, der direeten Steuern und der Gesetzgebung über indireete Steuern und Monopole, das Währungs- und Geldwesen, die Nothwendigkeit einer die berechtigten Bedürfnisse unserer Zeit berücksichtigenden Wahlreform, endlich die Besserung der Lage der Beamten und Lehrer, ihrer Witwen und Waisen. Alle diese Gesetzeswerke liegen im Interesse des ganzen Staates, des ganzen Volkes. Ebenso erwarten und verlangen wir von der Regierung, daß sie der heillosen Hetze gegen Capital und Unternehmungsgeist, den Verhetzungen gegen ganze Confessionen und Classen der bürgerlichen Gesellschaft, die unter der, milde gesagt, wohlwollenden Convenienz der früheren Regierung nicht eben zur Ehre und zum Nutzen Oesterreichs so üppig gediehen sind, bewußt und mit voller Entschiedenheit entgegentrete. Stets war ich bereit, jeden Auswuchs des Unternehmungsgeistes, der die bürgerliche Gesellschaft oder Theile derselben schädigte, zu bekämpfen, und bin es noch. Hier handelt es sich aber um die Verwilderung des öffentlichen Lebens, um leidenschaftliche, durchaus schädliche Verhetzungen, welche den Unternehmungsgeist schwächen, die Capitalien aus dem Lande treiben oder, statt zur Anlage in Unternehmungen, die unmittelbar oder mittelbar Hunderten und Tausenden Brot gewähren, zur ruhigen, aber gerade für die arbeitenden Classen unfruchtbaren bloßen Rentenanlage drängen, welche große Arbeiterschaaren brotlos machen, den Erwerb der Handwerker und Kauflente schwächen, das Fortkommen auch der Mitglieder der gelehrten Stände erheblich schädigen." Prag. (Zur S ch äch tfra g e.) Angesichts der mit wachsender Heftigkeit in verschiedenen Ländern gegen unser rituelles Schlachtverfahren gerichteten Angriffe dürfte nachstehende gutachtliche Erklärung des Obermeisters der hiesigen Metzger-Innung für weitere Kreise von Interesse sein: „Einem Wunsche des auf unserem Jnnungs- Schlachthofe fungirenden Schächters, Herrn Efraim L. Teweles, entsprechend, bezeugt die. unterfertigte „FnnüNg der Prager Neustädter- Fleischer", daß wir Mitglieder der Genoffenschaft, sämmtliches Klein- und den größten Theil des Großviehes, mittelst Halsschnittes ohne vorherige Betäubung nach jüdischem Ritus schlachten lassen. Das Fesseln und Niederlegen des Thieres sowie das Fixiren des Kopfes, von starken und geschickten Männern vorgenommen, ist mit keiner Quälerei des Schlachtobjectes verbunden. Der Halsschnitt wird rasch und sicher mit einem gehörig langen und äußerst scharfen und glatten Schlachtmesser ausgeführt. Die Bewußtlosigkeit des Thieres tritt nach einigen Secunden ein. Da das Thier' gut ausblutet, so ist das Fleisch vom prächtigsten Aussehen und behält längere Zeitseine Frische, was sowohl für den Fleischer als auch für den Käufer von Wichtigkeit ist. Schlachtversuche mittelst Schlachtmaske und Genickstich haben sich nicht bewährt, alle diejenigen christlichen Fleischer, welche nicht durch Halsschnitt (Blutentziehung) tobten lassen, wenden die Methode der Betäubung durch Kopfschlag an. Siegel der Kami! Svagrovsky, Fleischer-Genossenschaft Vorsteher der Fleischerder königl. Neustadt Genossenschaft, in Prag. Krakau, 21. Jänner. Sonntag den 14. d. M. fand im i Rathssaale der hiesigen Cultusgemeinde die Wahl des Herrn Dr. Horowitz zum Präsidenten an Stelle des jüngst freiwillig aus seinem Ehrenamte geschiedenen Herrn Albert Mendelsburg statt, nachdem Letzterer eine längere Reihe von Jahren unserer jüdischen Gemeinde als Präses vorgestanden. Und zu unserer Demüthigung sei's gesagt, daß derselbe trotz seiner im bürgerlichen, respective städtischen Leben hohen Stellung den Forderungen einer Gemeinde, wie die unsere, nicht so entsprochen hat, wie man es mit Recht zu fordern berechtigt war. Wenn ihm auch so manche Mißordnung, wie sie in unserer Gemeinde während seiner Leitung platzgegriffen hat, nicht ausschließlich als Schuld angeschrieben werden kann, so geht doch zur Genüge hervor, daß er seinem Amte nicht mit solchem Herzen angehört hat, wie es von einem recht großen und bedeutsamen Theile unserer jüdischen Bevölkerung mit vollstem Recht gewünscht und gefordert wurde. Sein Verhalten specifisch jüdischen Fragen gegenüber kennzeichnete die Art und Weise der Auffassung seiner Amtspflichten und bewies die Richtigkeit und die Existenzberechtigung der allgemein über ihn herrschenden Mißstimmung, die mitunter in Demonstrationen beredten Ausdruck fand. Es wird behauptet und hat auch allen Anschein, als ob er selbst endlich zur richtigen Erkenntniß gelangt sei, am nicht hingehörenden Platze sich zu befinden, weßhalb er also vor Kurzem zum Erstaunen Aller sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurücklegte. Die nun erfolgte Wahl des Herrn Dr. Horowitz dagegen verspricht, soviel sich aus seiner bisherigen Beliebtheit und vorzüglich aus seinem jetzigen Betragen schließen läßt, eine segensreiche und glückliche zu werden. Als besonderes Moment zu seiner Würdigung tritt der Umstand hinzu, daß mit dieser Persönlichkeit selbst die bis jetzt mit der am Ruder stehenden in Conflict lebende orthodoxe Partei sich zufrieden gibt und mit bester Zuversicht seiner künftigen Amtsführung entgegensieht. Inwieweit der Neuerwählte die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen wird, wird die Zukunft lehren. Möge fein edler Eifer und sein hohes Interesse für die gemeinsame Sache stets die gleiche Intensivität bewahren und er wird trotz des nicht allzu rosigen Pfades, den er betritt und in Zukunft wandeln soll, dennoch die besten Erfolge zu verzeichnen haben. I. Holzer. Teplitz in Böhmen. Löbliche Redaction'. Zwei Ursachen sind es, welche mich veranlassen, .diese Zuschrift an Sie zu richten: „Der Aufruf des rumänischen Schulvereines und die Debatte im niederösterreichischen Landtage wegen Subventionirung des Deutschen Schulvereines. Ein eigenthümliches Gefühl muß jeden Glaubensgenossen beim Lesen des obgenannten Sitzungsberichtes erfassen. Insbesondere mögen folgende Worte Dr. Weitlof's allen meinen Glaubensbrüdern unvergeßlich bleiben: „Wir errichten unsere Schulen nicht für Juden.Wenn ein jüdisches Kind zu uns kommt und Bildung verlangt, so stößt sich unser christlicher Sinn nicht daran." Also jüdische Kinder sind nicht vollberechtigt in den Schulen des Deutschen Schulvereines, man stößt sich nur nicht daran, wenn vielleicht jüdische Kinder da sind. Ich frage nun: „Bon wem empfängt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.