Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Veile 72 Veyerreirtzrsche WochenptzriN der Deutsche Schulderem die werkthätigste Unterstützung?" Von den Juden. Man zähle nur die Mitglieder der Ortsgruppen Prag, Pilsen, Teplitz und anderer größerer Städte Böhmens und man wird in den Reihen der eifrigsten und opferwilligsten Mitglieder Juden finden. Ueberall sind es Juden, die mit Wort und That für den Verein und seine Zwecke eintreten. Wenn sich Dr. Weitlof's christlicher Sinn nicht daran stößt, jüdisches Geld für den Schulderem zu gebrauchen, so ist es selbstverständlich, daß daß er sich nicht daran stößt, jüdische Kinder in Schulvereinsschulen aufzunehmen. Für wen errichtet denn der Deutsche Schulverein Schulen? Für katholische, für protestantische, für jüdische Kinder? Nein, für Kinder deutscher Eltern. Sind denn die Kinder jüdischer Deutscher weniger deutsch, als Kinder protestantischer oder katholischer Deutscher? Wenn die Spenden jüdischer Deutscher als vollwerthig angesehen werden, dann müssen auch ihre Kinder vollwerthig sein. Wenn dem aber so ist, dann war die Bertheidigung des deutschen Schulvereines durch Dr. Weitlof weder am Platze, noch war sie deutsch und am wenigsten war sie liberal. Denn, entweder ist es der Leitung des deutschen Schulvereines gleichgiltig, welcher Confession die Vereinsmitglieder angehören, oder es ist ihr nicht gleichgiltig. Ist das erstere der Fall, dann bildet der Anwurf Dr. Lueger's, der Schulverein unterstütze auch jüdische Schulen, keinen Vorwurf für den Deutschen Schulverein, bedarf also, ob wahr oder nicht wahr, keiner Bertheidigung oder Widerlegung. Auch daß der Deutsche Schulverein verjudet sei, bedurfte keiner Bertheidigung, wenn die Confession seiner Mitglieder dem Schulvereine gleich - giltig ist. Da aber Dr. Weitlof es dennoch für nothwendig hielt, den Deutschen Schulderem gegen diese Borwürfe zu vertheidigen, so muß er in den Beschuldigungen Dr. Lueger's Dinge erblickt haben, die den fleckenreinen Schild des Vereines beschmutzen würden. Und darin liegt eine Beleidigung jedes von Liebe zu seinem Glauben erfüllten Juden. Darum mögen die deutschen Juden aus den Worten Dr. Weitlof's eine Lehre entnehmen. Sie mögen sich nicht erst durch diesen Herrn erinnern lassen, daß sie nicht blos Deutsche, sondern auch Juden sind. Und wenn sie sich dann so recht ihres Judenthums bewußt geworden sind, dann mögen sie den Aufruf des rumänischen Schulvereines lesen und sie werden wissen, wo sie ihre Opferwilligkeit bethätigen sollen. Ob sie ihr Geld einem Vereine zuwenden mögen, der jede Gemeinschaft mit ihnen leugnet, ob sie ihr Geld zur Erziehung ihrer Feinde verwenden wollen, denn nur solche können aus den Schulen eines so geleiteten Vereines hervorgehen, oder ob sie ihre Spenden zur Unterstützung ihrer geknechteten Brüder, zu deren geistiger Befreiung verwenden wollen. Ich glaube die Antwort wird ihnen nicht schwer fallen. Teplitz, am 18. Jänner 1894. Ein deutscher Jude. Cairo. (O r i g ina l - Correspondenz der „O e st e r r. W o ch e n s ch r i f t".) Herr G r ü n b e r g, Präsident des hiesigen aschkenasischen Beni-Berith-Vereines, weilte drei Tage in Angelegenheit des Regierungserlasses betreffs der russischen Emigranten in Alexandrien. Der Beni-Berith-Berein der letzteren Stadt beschloß gegen den Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde Stimmen zu sammeln, welcher eigentlich jenen famosen Regierungserlaß gegen die russischen Juden veranlaßte, indem er in seiner Engherzigkeit eigens darum bei der Regierung petitionirte, und dieser die Rolle der Antisemiten spielende Vorstand wäre sicher gestürzt worden, wenn Baron Menasche und Ritter von Tilke, die Maßgebenden im Vorstande und die traurigen Helden dieser unjüdischen That, des Unterschriftensammelns nicht dadurch Einhalt gethan hätten, daß sie drohten, wenn sie aus dem Vorstände verdrängt würden, sich von der Gemeinde selbst vollständig zurückzuziehen, was allerdings der Ruin der Gemeinde wäre, denn innerhalb dieser engen Sphäre leisten sie wirklich Erhebliches. Wenn aber auch der Plan, diesen Vorstand zu stürzen aufgegeben wurde, so sind doch vier Mitglieder freiwillig aus demselben ausgetreten, darunter Herr Salom T o b i, der sich stets der zugereisten russischen Juden wohlwollend angenommen und auch sonst bei jeder Gelegenheit sein weites jüdisches Herz bekundet. Besagte vier Mitglieder erklärten ausdrücklich, daß sie einem jüdischen Vorstande nicht angehören können, der antisemitische Tendenzen verfolgt. Am 12. Jänner hätte die Ersatzwahl für diese vier Mandate stattfinden sollen, konnte aber nicht vorgenommen werden, weil die Wähler durch ihre Paffivität gegen den Vorstand demonstrirten, und nicht zur Urne schritten. Baron Menasche hat vom Chacham-Baschi in Jerusalem, wie von der Allianz israelite in Paris Tadelsnoten zugeschickt bekommen, und wenn er nicht selbst bereits seine Handlungsweise bereut, so ist doch alle Aussicht vorhanden, daß der in Rede stehende Erlaß baldigst wieder aufgehoben werden dürste, denn der Beni-Berith-Verein in Alexandrien hat eine Geldsammlung eingeleitet und der Minister hat sich bereit erklärt, sobald die Mittel zur Erhaltung der Einwandernden in der ersten Zeit vorhanden sind, das Einwanderungsverbot zu widerrufen. Jerusalem. (Orig.-Corr. der „Oesterr. Wochenschrift".) Für den seligen Rabbiner Salomon Spitzer in Wien wurden hier zwei Trauerfeiern abgehalten, bei denen jedesmal die weiten Räume der großen Synagoge dicht gefüllt waren. Bei der ersten sprach Rabbiner Ch. Sonnenfeld. Sie fand mit Absicht am 28. December v. I. statt, auf welchen diesmal auch der Todestag des Ketab-Sofer, Schwagers des seligen Rabbiners Spitzer, fiel, um in Einem auch das Andenken dieser Leuchte des orthodoxen Judenthums zu feiern. Bei der zweiten Trauerfeier, am 4. Jänner d. I.. sprach zuerst Rabbiner Goldberger und dann Herr Wilhelm Groß, Vertreter des Oesterr.-ungar. Exportvereines am hiesigen Platze und Schwiegersohn des Verewigten. Wenn die Rabbiner den Verstorbenen als großen Talmud gelehrten schilderten und in seinem Tode den Verlust einer dev letzten Säulen des alten Rabbinerthums beklagten, so zeichnete Herr Groß mit schlichten, aber zu Herzen dringenden Worten den Heimgegangenen als Menschen, als Familienvater, als Freund und Wohlthäter der Armen, und es blieb kein Auge thränenleer, als er von der Sehnsucht des Betrauerten nach dem heiligen Lande sprach, in welchem er zu sterben wünschte, der Tod ihn aber ereilte, ohne daß er seinen heißesten Wunsch befriedigen konnte. Beiden Trauerfeierlichkeiten wohnten nicht nur die Mitglieder der österr.-ungar. Gemeinde, sondern auch zahlreiche Mitglieder der anderen Gemeinden, Aschkanasim wie Chassidim, bei, denn die Maspidim erfreuen sich des besten Rufes bei sämmtlichen hiesigen Gemeinden. Vermijscktes. Wien. (Der B i cepräsid ent der israelit. Cultusgemeinde, Gemeinderath Gustav Simon) erkrankte am 11. d. M. nachdem er noch kurz vorher einer Vorstands-Sitzung präsidirt hatte, in sehr bedenklicher Weise; er konnte dem Leichenbegängnisse der Frau des Oberrabbiners Dr. Güdemann nicht mehr anwohnen und war auch nicht mehr im Stande, das Condolenzschreiben, welches der Vorstand der Cultusgemeinde an deren Oberrabbiner gerichtet hat, mit zu unterfertigen. Dank seiner rüstigen Constitution und der aufopfernden Fürsorge, welche die behandelnden Aerzte Professor O s e r und Dr. W a h r m a n n dem Kranken zu Theil werden ließen, trat jedoch bereits am 15. d. M. eine günstige Wendung in dem Befinden des Erkrankten ein, welcher bald eine entschiedene Besserung folgte, so daß derselbe Anfangs dieser Woche das Krankenlager verlassen konnte. Die außerordentliche Verehrung welche Gemeinderath Gustav Simon nicht nur bei den Gemeindemitgliedern sondern in der ganzen Stadt genießt, zeigte sich in der lebhaften Theilnahme, welche alle Kreise der Residenz für den Erkrankten an den Tag legten. Täglich langten an die Familie Simon Hunderte von Anfragen seitens der angeschensten Familien; Mitglieder des Gemeinderathes, des Culturvorstandes, der Handelskammer, die Functionäre der Gemeinde, Vorstände von Vereinen und Instituten rc. rc. erschienen täglich persönlich, um sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen. Die Nachricht von der Wiedergenesung des allbeliebten und hochgeachteten Mannes hat in der ganzen Stadt ungeteilte Freude hervorgerufen und die israelitische Cultusgemeinde darf dem Allmächtigen besonders Dank wissen, daß er ihr das derzeitige Oberhaupt erhalten, da gerade in den schwierigen Fragen der Einbeziehung der Borortegemeinden, den langwierigen Verhandlungen wegen Schaffung eines neuen Gemeindestatuts Gemeinderath Gustav Simon durch sein kluges, tactvolles Vorgehen manche Klippen überwunden und das gute Einvernehmen mit den staatlichen Behörden erhalten hat. Wir wünschen und hoffen, daß Gemeinderath Gustav Simon noch viele Jahre seiner Familie und der Cultusgemeinde bei voller Gesundheit erhalten bleiben möge als eine Zierde der Bürgerschaft und des Judenthums.! Wien. (Trauungen.) Im Stadttempel wurden Sonntag den 21. Jänner 1884 getraut: Herr Leo Breuer mit! Frl. Rebekka Kirschen. Herr Moriz Adler mit Frl. Adele