Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021012--03174-3027298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NLL-MW' Srae 70 Veflrrrrtttzisttzr WochrnsrtzrM Nr. 4 König um, daß er sich heilen ließe zu Jesreel. Einen Feigenumschlag, hätte er an Ort und Stelle bereiten lassen können. Wenn er sich als kranker, verwundeter Mann in eine entfernte Stadt transportiren ließ, so wird er wohl auch auf andere Hilfsmittel gehofft haben. Im II. Buch der Chronik 16, 12 lesen wir: „Und (König) Assu ward krank an seinen Füßen und seine Krankheit nahm sehr zu und suchte auch in seiner Krankheit den Herrn nicht, sondern die Aerzte." Man denke blos wegen eines Feigenumschlages! Aehnliche Stellen finden sich in Jesaia, in den Sprüchen, in Kohelet, in den Psalmen, im Buch Hiob. Unmöglich kanll Sirach von ganz unwissenden Menschen so gesprochen haben, wie er es thut. Im Cap. 38 heißt es: „Ehre den Arzt mit gebührender Verehrung, daß Du ihn habest zur Noth. Denn der Herr hat ihn geschaffen und die Arznei kommt von dem Höchsten und Könige ehren ihn. Die Kunst des Arztes erhöht ihn und macht ihn groß bei Fürsten und Herren. Der Herr läßt die Arznei aus der Erde wachsen und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, daß er gepriesen werde in seinen Wunderthatcn. Damit heilet er und vertreibt die Schmerzen und der Apotheker macht Arzneien daraus. Im Gegensätze zu diesem Lob heißt es im Talmud, Tr. Keduschin, 82, a: Die Besten der Aerzte gehören ins Gehinom (Hölle). Aus dem Gesagten glaube ich folgern zu dürfen, daß die alten Juden, wenn sie auch, was die Summe der medicinischen Kenntnisse anlangt, den Indern, besonders den Griechen und Römern nachstanden, in der öffentlichen Gesundheitspflege die alten Völker nach mancher Richtung überragten. Der Ausspruch, daß ihr medicinisches Wissen niemals ein dem eigenen Boden entsprungenes war, daß sie Alles den Assyrern, Babyloniern, Egyptern und Griechen entlehnt hatten, ist in dieser Ausdehnung einfach unwahr. Denn eine solche Kenntniß der pathologischen Anatomie, wie sie die Rabbinen für Schlachtthiere besaßen, und die V e r w c r thu n g dieses Wissens für das praktische Leben hatte kein anderes Volk, das war aui ureigenem Boden entstanden. Wenn der Geschichtsschreiber Baas die hämische Bemerkung macht, sie hätten gewisse gerichtsärztliche Kenntnisse — die ich nicht detailliren will — durch eigene Experimente sich verschafft, dann haben sie dieselben eben nicht entlehnt. Wenn sie ferner ihr Wissen durch das anderer Völker bereicherten, so verdienen sie dafür nur Lob. Uebrigens hat noch immer ein Mensch von dem anderen, ein Volk von dem anderen gelernt. Auch die mit Recht viel bewunderten, viel gepriesenen Griechen haben die Anfänge ihrer Cultur aus dem Morgenlande von den Semiten bezogen. Auch für sie gilt der Spruch: Ex Oriente lux! Minerva ist nur einmal vollständig , gewappnet und gerüstet dem Haupte Jupiters entsprungen! Geehrte Versammlung! Ich bin mir vollständig bewußt, aus dem großen Materiale nur Weniges und das in keiner neuen Beleuchtung gebracht zu haben. Um speciell von der Bibel zu sprechen, so wurde sie in früheren Zeiten von Allen mit unendlicher Liebe gelesen, unzählige Male commentirt, analysirt so daß eine Nachlese kaum mehr möglich ist. Was aber dem einen Geschlechte geläufig war, kann dem nächstfolgenden abhanden gekommen sein. Das trifft zu für die Bibel bei dem größten Theil unserer Glaubensgenossen, selbst den gebildeten, kaum daß diö, landläufigen Geschichten bekannt sind. Die Literatur anderer Völker ist ihnen geläufig, die eigene eine terra ineognita. Und weil dem so ist, habe ich es gewagt, eine Anregung zu geben und darauf hinzuweisen, daß wir auch vom ärztlichen Standpunkte aus auf unsere uralte Literatur, mag sie auch sehr viel Spreu enthalten, stolz zu sein alle. Ursache haben, daß wir in der Bibel einen Schatz, einen antiken kostbaren Familienschmuck besitzen, dessen innerer Werth, ein bleibender, unvergänglicher ist. Wahren wir ihn, hüten wir ihn! (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Wien. (Eine Maßregelung von antisemitischen Gymnasialschülern.) Aus Brixen a. E. wird uns vom 19. d. M. geschrieben: Heute wurden sechs Schüler des hiesigen Obergymnasiums wegen Theilnahme an einer deutschnationalen Schülerverbindung von der hiesigen Anstalt und damit auch von allen übrigen Tiroler Gymnasien ausgeschlossen. Die Relegirung dieser jungen Schönerianer wurde herbeigeführt, daß einer dieser unverfälschten Germanen die Genossen verratyen, beziehungsweise denuncirt hat. Die „deutsche Treue" hat sich nirgends verleugnet und bildet das vornehmste Moment bei der Superiorität der arischen Rasse. Wien. (Die Beerdigungsstätte Fischho f's.). Mit Bezug auf den vom Gemeiuderatye Lang gestellten Antrag, die Leiche Dr. Adolf Fischhof's zu exhumiren und in einem Ehrengrabe bei den Arcaden beizusetzen, hat Dr. Jacques Fischer, ein Neffe Dr. Fischhof's, als Vertreter der Hinterbliebenen folgende Zuschrift an den Bürgermeister Dr. Prix gerichtet: Euer Wohlgeboren, sehr geehrter Herr Bürgermeister! Der löbliche Magistrat der k. k. Neichshaupt- und Residenzstadt Wien hat sich mit seiner Zuschrift vom 15. Jänner d. I. an mich als den Neffen Dr. Adolf Fischhof's mit dem Ersuchen gewendet, dortamts bekanntzugeben, ob der Exhumirung und Uebertragnng der sterblicheu Reste des Verewigten von der israelitischen Abtheilung des Ceutral-Friedhofes in ein Ehrengrab der katholischen Abtheilung seitens der Hinterbliebenen Verwandten die erforderliche Zustimmung ertheilt werde. Ich beehre: mich, in meiner Eigenschaft als Vertreter der Brüder des Dahingeschiedenen, der Herren Dr. Wilhelm Fischhof, Moritz Alois Fischhof und Simon Fischhof, sowie als Vollstrecker des letzten Willens unsere Entschließung im Nachfolgenden bekanntzugeben: Wir Angehörigen des seligen Verblichenen haben volle Ursache, dem geehrten Gemeinderathe der Stadt Wien und dessen Präsidium, den Vertretern der liberalen Partei, foinie den geehrten demokratischen Vereinen in hohem Grade dafür dankbar zu sein, daß sie die Bestattung des unvergeßlichen Bruders und Oheimsin so tvürdevoller Weise gestaltet und demselben so ehrende Worte nachgerufen haben. Gewiß wird jeder wahre Patriot der Gesinnung, dem Charakter und der Lebensführung des Heimgegegangenen eine pietätvolle Erinnerung bewahren und seiner heißen Vaterlandsliebe, die ihre Wurzeln in der allgemeinen Menschenliebe hatte, stets mit Hochachtung gedenken. Mit der stattgefundenen Leichenfeier, die erhebender nicht gedacht werden^konnte, soll aber nach unserem Entschlüsse die Bestattung auch ihren definitiven Abschluß gefunden haben. Nur so glauben wir in dem Sinne des Verewigten zu handeln, seiner bescheidenen und anspruchslosen Gemüthsart und seiner letzten Willenskundgebung zu entsprechen, wie seinem stets bekundeten Bestreben, Alles zu vermeiden, was auch nur im Entferntesten geeignet wäre, die religiösen Gefühle andersgläubiger Mitbürger zu verletzen. Indem ich im Geiste des Dahingeschiedenen dem Antragsteller Herrn Gemeinderath Lang für die pietätvolle Würdigung des Andenkens des Verewigten den innigsten Dank ausspreche, erkläre ich namens der Hinterbliebenen Familie die dem Tobten zugedachte Ehrung nicht annehmen zu können, und ersuche Sie, geehrter Herr Bürgermeister, dieses Schreiben in einer Sitzung des Gemeinderathes gütigst zur Verlesung bringen zu lassen. Genehmigen Euer Wohlgeboren die Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung Ihres ergebenen Dr. Jacques Fischer. Wir bemerken schließlich, daß Ad. Fisch Hof selber wiederholt den Wunsch ausgesprochen, auf dem jüdischen Friedhofe inmitten seiner Glaubensgenossen eine Ruhestätte zu finden. Wien, 23. Jänner 1894. „Ehren-Schneider" stellte im n.-ö. Landtag den Antrag, man möge das „Schächten" der Thiere nach jüdischem Ritus verbieten, und motivirte seinen Antrag damit, daß dieses eine Thierquälerei ist. — Wenn „Ehren- Schneider" wirklich ein so gutes Herz hat, als er glauben machen will, so möge er an einen . Montag oder Donnerstag sich in's Schlachthaus nach St. Marx bemühen und zuschauen, wie in den dortigen Schkachtbrücken Jungvieh getödtet wird, von christlichen und wie von jüdischen Fleischern. Während-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.