Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 58 Orstrrrrichifchr Wochenschrift Nr. 3 düngen, die abscheulichsten, infamsten Lügen über Fränkl zu« trugen und sie als meine erbittertsten Feinde schilderten, während sie — die Verleumder selbst — im Dunkeln gegen mich wühlten und später offen gegen mich auftraten. Der Kammerjunker von Wackerbart, der Schuft, dem ich unbedingtes Vertrauen geschenkt hatte und welcher zuerst gegen Elkan Fränkl auftrat, ist jetzt ein Stimmführer der ständischen Opposition, hat die Klageschrift an den Kaiser verfaßt und sie als Chef der Deputation demselben überreicht. Den Generalsuperintendenten Haendl und den Licentiaten Meelführer habe ich in den Kerker werfen lassen." „Was haben denn die beiden Männer begangen, daß sie plötzlich in Ungnade bei Ihnen fielen?" „Schurken sind sie, gewissenlose Lügner! Nachdem mein Verdacht gegen jüdische Gebete rege geworden, hatte ich eine Commission eingesetzt, um die Gebetbücher der Juden auf deren Inhalt zu prüfen, und hatte hiezu die bedeutendsten Gelehrten aus ganz Deutschland berufen. Um hiebei mit aller Gründlichkeit vorzugehen, erbaten sie sich die Vorlage der dem Rabbiner Hirsch Fränkl confiscirten Bücher und Schriften und fanden sie unter diesen Briefe des elenden Meelführer an Fränkl, in welchen er diesem die größten Elogen macht, die größten Flatterien sagt, ihn als den größten Gelehrten, den besten Kenner der hebräischen Sprache bezeichnet und erklärt, daß er stolz darauf wäre, als Schüler zu seinen Füßen zu sitzen, und ihn zu einem Engel vergleicht*) — und diesen Mann, dem er so schrieb, sollte ich einige Monate später über seinen Antrag zu perpetuum carceram verurteilen! Das Buch, das Haendl und Meelführer als ein lasterhaftes bezeichneten, enthält eine Sammlung von Gebeten in einer — wie die gelehrten Untersucher behaupten — allerdings außergewöhnlichen, blumenreichen, schwer verständlichen Sprache. In dieser Gebetsammlung befindet sich auch eines, von dem Haendl und Meelführer behauptet hatten, es enthielte die größten Schmähungen gegen mich: aber auch dies war eine schändliche Verleumdung. Hirsch Fränkl flehte in diesem in den rührendsten Ausdrücken zu Gott, er möge mich erleuchten, daß ' ich zu meiner Ehre und und meiner Unterthanen Wohle mein Land regieren möge. Dieser Meelführer ist überdies auch ein elender Apostat, er wechselt seinen Glauben, wie ein Gewand nach Temperatur und Mode. Er ist, weil er hierbei seinen Vortheil zu erlangen hoffte, zum Katholicismus übergegangen, und als er sich in seinen Hoffnungen getäuscht sah, wieder zum Protestantismus zurückgetreten.**) . . . Auch die Befreiung Hirsch Fränkl's aus seinem Gefängnisse hat sich auf natürliche Weise erklärt. Der Kerkermeister und seine Gehilfen waren von Rafael Fränkl gewonnen worden, dieser hatte seinen Vater mit Lebensgefahr aus dem Thurme entführt." „In welcher Weise wurde Ihnen nachträglich diese Aufklärung?" „Durch einen Gefangenen, welcher gleichzeitig mit Hirsch Fränkl im Mauerthurme, und zwar in einer Zelle der vierten Etage gefangen saß. Er hatte schon längere Zeit ein verdächtiges Rumoren gehört und war in jener Nacht durch ein ungewöhnliches Geräusch und vielfaches Hin- und Herlaufen des' Kerkermeisters und seiner Gehilfen darauf aufmerksam geworden, daß sich im Thurme etwas Außergewöhnliches zutrage. Er hatte gehofft, dies unter günstigen Umständen für sich benützen zu können. Er war auf Lebenslang verurtheilt, faß schon mehrere Jahre in dieser Zelle und es war ihm nach außerordentlicher Mühe und Arbeit gelungen, eine Oeffnung in die Mauer zu bohren, die er nach und nach so zu vergrößern hoffte, daß er durch dieselbe entfliehen würde können. Er hatte des Tages über die Oeffnung, um sie den Blicken der Gefängnißwärter zu verbergen, sorgfältig verstopft, aber diese Nacht hatte er sie, um beobachten zu können, offen gelassen. . Er sah, daß ein Mann den Rabbi auf einer Leiter vom Thurmdache auf die Eisfläche des Stromes hinabtrug und konnte auch aus den halblauten Worten, die an sein Ohr schlugen, erkennen, daß dies im Einverständnisse mit dem Kerkermeister geschehe. So lange dieser und dessen Gehilfen noch im Mauerthurni den Dienst versahen, wagte er es nicht, das, was er gesehen, zu verrathen. Aber als die drei Männer — um es nicht auffallend zu machen — einige Zeit später und nicht gleichzeitig — den Dienst verließen und der Gefangene von ihnen nichts *) Histori'ch. **) Historisch. mehr zu befürchten hatte, meldete er sich bei der Commission, welche alle Monate die Kerkerzellen des Mauerthurmes inspicirte, zum Rapporte und gab in der Hoffnung, hierdurch eine Verbesserung seiner Lage zu erlangen, an, in welcher Weise Hirsch Fränkl entfliehen konnte. Der pflichtvergessene Kerkermeister und seine Gehilfen befanden sich damals schon unbekannt wo? außer Landes, und es war mir dies recht lieb, ich hätte sie gar nicht strafen mögen, sie hatten ja nur einen Unschuldigen zur Freiheit verholfen, deren er, am allerwenigsten in so grausamer Weise, hätte beraubt werden sollen, denn damals war ich schon durch das Ueberprüfen der Hirsch Fränkl'schen saisirten Schriften von deren Unverfänglichkeit und von seiner Unschuld überzeugt." _ (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Schebat 5654. — Jänner 1894. Freitag | iss 19 E. b. N. 51' lT9m Samstag j 201 Sonntag j 14: 21! Montag j 15 j! 22 | Baumsest Dienstag 16 j 23 Mittwoch 1711 241 Donnerstag 18 j 25 i Freitag 19! 19 26! Briefkasten. Rabbiner Dr. Steinherz, Stnhlweisteiiburg: Herzlichen Dank für die freundliche Zuschrift. „Dorthin": Ungeeignet. Adolf Reiß, Stupawa: Es steht leider nicht in unserer Macht. I. Sch., Wr.-Nennadt: Die Einsendung ist zu umfangreich Einen kleineren Aufruf, mir Unterschriften versehen, würden wir abdrncken. Tr. Ster», Nizza: Wir ersuchen um einige Zeilen. Coneurs-Aussehreibung. Im Monat März 1. J., kommt das siebente Stipendium der „Abraham LeibBach’schen Stiftung zur Ausheiratung armer jüdischer Mädchen“ d. i. die ganzjährigen Zinsen des Stiftungscapitales von 12.000 fl. an ein armes jüdisches Mädchen zu vergeben. Nach den Bestimmungen des Absatzes IV des Stiftbriefes, können auf dieses Stipendium nur Mädchen, die das zurückgelegte 20. Lebensjahr und ihren moralischen Lebenswandel uachweisen können, Anspruch machen, und werden Verwandte der sei. Abraham Leib Bach und dessen Ehegattin Taube Basic Bach, auch wenn diese nicht nach Lemberg zuständig sind, in erster Linie, dann aber solche Mädchen, die nach Lemberg zuständig sind, thunlichst bevorzugt Bewerberinnen wollen daher ihre Gesuche, mit den obenerwähnten Nachweisen belegt, bis spätestens den 10. Februar 1894 bei den Gefertigten einbringeu, nach welchen Termin ein Gesuch nicht mehr angenommen wird. Die Verwaltungs-Commission wird von den eingelaufenen Gesuchen drei Namen wählen und am 6. März 1894 in der Lemberger grossen vorstädtischen Synagoge zur Verlosung bringen. Die Verwaltungs-Commission der „Abraham Leib Bach’schen Stiftung zur Ausheiratung armer jüdischer Mädchen“ zu Händen des Herrn Mayer Bach, Lemberg, Sixtuskengasse Nr. 26. Concurs. Bei der neucreirten israelitischen Cultusgemeinde Bodenbach a./E. kommt die Stelle eines Rabbiners, zugleich Religionslehrers im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 provisorisch auf ein Jahr zur Besetzung. Die für diese Stelle im Sinne des bezogenen Gesetzes befähigten Bewerber wollen ihre ordentlich belegten Gesuche bis Ende Jänner 1894 beim Vorstande obiger Cultusgemeinde einbringen. Korek bedingt, Gehalt fl. 1000. Bodenbach, im Jänner 1894. Adolf Pächter Cultusgemeinde -Vorsteher.