Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 3 Orstrrrerchifche Wortzensrtzrift Lrtte 57 Seligmann amtlich versiegelt und der Wein für das französische Heer requiriit werden soll. Die Kellereien blieben zwei Monate versiegelt; nach dieser Zeit, am Anfang des Jahres 1794, erschien eine Commission von den Jacobinern, nahm die Siegel ab und ließ den Wein in den Keller eines früheren Seminars wegsühren — Seligmann berechnet den Werth desselben mit 50.000 Livres. Es scheint' sicher zu sein, daß den größten Theil des Weines, zumeist alter Rheinwein, wo nicht allen, die Jacobiner selbst ausgetrunken haben; zwei Sachen stehen nämlich fest, daß der Wein niemals zum Heere kam und daß er S e l i g m a n n niemals zurückgegeben wurde; denn Seligmann war, wie aus seinen Memoiren ersichtlich ist, gezwungen, Wein für seine Familie und seine Leute für theueres Geld zu kaufen und mußte froh sein, wenn er überhaupt welchen bekam. Das Jahr 1794 barg in seinem Schoße für Seligmann noch andere Unfälle, gegen die der Verlust des guten alten Weines eine Kleinigkeit war. Wir müssen deshalb etwas Näheres von den besonderen Verhältnissen, die am Ende des Jahres 1793 in Straßburg herrschten, berichten. Als nämlich S a i nt - I u st und L e b a s, die treuen Partisanen des damals schon allmächtigen R o b esst i e r r e, nach Straßburg als Vertreter des National-Convent es, respective des berüchtigten Wohlfahrtsausschusses kamen, fanden sie hier mehr nationale als politische Parteien. Elsaß war 1789 zu Beginn der französischen Revolution zufolge der Mehrheit seiner Bewohner mehr deutsch als französisch. Die französische Partei war in der Minorität. Im Jacobiner-Club zu Straßburg wurde deutsch debattirt. Die deutsche Partei war wie natürlich autonomistisch, ausschließlich elsassisch und widersetzte sich den centralistischen Bestrebungen der Pariser Regierung. (Fortsetzung folgt.) Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs- 42) rechte Vorbehalten.) „Durchlaucht, auf mein Fürsteuwort, es liegt mir nichts ferner, als ihm etwas Uebles zuzufügen, im Gegentheil, ich will ihn herzlichst für das ihm und den Seinen zugefügte Uebel um Entschuldigung bitten. Seines Vaters, des Oberrabbiners Hirsch Frankl, Feinde hatten diesen in niederträchtigster Weise bei mir verleumdet, hatten ihn angeklagt, lasterhafte Bücher über Zauberei zu besitzen, ich ließ dieselben von zwei Männern, welche mein unbeschränktes Vertrauen und den Ruf großer Gelehrsamkeit besaßen, dem Superintendenten Christian Haendl und dem Licentiaten Meelführer, prüfen. Die beiden wollten in den confiscirten Büchern die scheußlichsten Dinge und in dem edlen, ehrwürdigen Rabbi Hirsch Fränkl einen Zauberer der bösesten Sorte gefunden haben, dessen höllische Macht nur dadurch gebrochen und unschädlich gemachtwerden könne, daß man einen dreiFinger breiten eisernen Ring um seinen Leib schmiede und er in einem Raume, unter welchem Wasser fließt, gefangen gehalten werde." Der Prinz zuckte ungeduldig auf. „Ich glaube nicht an Zauberer und Hexen." „Hais, altesse?!*) Sie glauben nicht, was alle Welt,alle Richter, alle Geistlichen, alle Juristen glauben? Haben sie denn nie selbst eine Hexe oder einen Zauberer gesehen?" „Es gibt keine Hexen und Zauberer! Alle die armen Unglücklichen, die als solche verbrannt, ertränkt, gerädert wurden, sind unschuldig für ein Verbrechen gestraft worden, das zu begehen nicht in ihrer Macht lag. Ich selbst habe einmal eine vermeintliche Hexe vor dem unverdienten Feuertode gerettet und die Richter mußten selbst einsehen, mit welchem furchtbaren Verbrechen sie durch ihren Unverstand ihre Seele belastet hätten, wenn ich nicht ihre Absicht durchkreuzt hätte." „Wann war das? Wo war das?" frug der leichtbewegliche, neugierige Markgraf. *) Aber Hoheit (Durchlaucht). „Es war einmal in meinen jüngeren Jahren, als ich mit meinen Truppen nach einem siegreichen Treffen, das ich wider die Türken geliefert, durch ein ungarisches Städtchen zog. Ich hatte die Umgebung von einem furchtbaren Feinde gesäubert und das Volk jauchzte mir als seinem Retter entgegen. Auf dem Ringplatze fand ich eine große Volksmenge, welche um einen Holzstoß und eine an Händen und Füßen gefesselte Frau von etwa vierzig Jahren stand. „Um Gottes Barmherzigkeit retten sie mich!" schrie die Frau, als sie mich erblickte, man will mich lebendig verbrennen und ich habe in meinem Leben keinem Menschen etwas zu Leide gethan! Die Frau erregte mein inniges Mitleid; ich hatte sie früher nicht gesehen, aber ich wußte, daß sie das Verbrechen, deffen sie Dummheit oder Bosheit beschuldigte, nicht begangen haben konnte. Ich befahl, sie sofort loszubinden und frug, wer die Frau sei und weßhalb man sie verbrennen wolle. „Eine unbekannte Durchreisende", erwiderte der Bürgermeister und Richter des Städtchens, welche das Kind einer armen Witwe durch Zauberei in einen großen Wolfshund verwandelt hatte! Früh, als die Witwe vom Hanse wegging, war ihr Knabe noch an der Thürschwelle ihres Häuschens gesessen und als sie beimkehrte, lag an dessen Stelle ein großer Hund. Da viele Zeugen gesehen hatten, daß sich die fremde Frau mit dem Kinde beschäftigt hatte, war alle Welt in dem Städtchen überzeugt, daß der Hund ursprünglich das unglückliche Kind gewesen ..... wo wäre sonst das Kind hin- und der Hund hergekommen?!" „Ich hätte dasselbe geglaubt", gestand der Markgraf aufrichtig. „Da hätten Sie eben etwas höchst Unrichtiges geglaubt, Durchlaucht, denn plötzlich kam der Hund, dem jeder als vermeintlich verwunschenes Kind mit dem höchsten Respecte und der größten Furcht Platz machte, über den Marktplatz gerannt und sprang voll Freude an unfern Tambour-Major empor, der ihn sofort als seinen Mustapha erkannte, der ihm seit einigen Tagen abhanden gekommen und jetzt ganz glücklich war, seinen Herrn wieder gefunden zu haben; — das angeblich verwandelte Kind kam aber des andern Morgens zurück. Der Großvater desselben, der vorbeifuhr, hatte dasselbe mit sich nach Hause, einem zwei Stunden weit entfernten Dorfe, genommen und am andern Morgen mit seinem Knechte zurückschickt. Sie sehen es, Durchlaucht, das arme Weib war so wenig eine Hexe als Sie und ich Zauberer sind." „Es wÄre schlimm, wenn alle Menschen Zauberer wären", meinte der Markgraf, „aber daß es viele solche gibt, das wird wohl kein gläubiger Christ bezweifeln und ich hielt den braven Rabbiner Hirsch Fränkl für einen Zaubrer und ließ ihn in den Mauerthurm setzen. Eines Tages gaben der Kerkermeister und seine Gehilfen unter Eid an: sie hätten in der letzten Nacht in der Zelle des Rabbi furchtbar rumoren hören und bevor sie noch in diese eilen konnten, um zu sehen, was sich dort zutrage, hätten sie gesehen, wie der Gefangene durch das Dach, das er mit dem Kopfe durchstoßen, in die Lust gefahren, sich auf die Eisfläche des Stromes niedergelassen und Plötzlich spurlos verschwunden sei. Eine aus geistlichen und weltlichen Richtern zusammengesetzte Commission, welche den Localbefund aufnahm und die Angelegenheit untersuchte, gab ihre Meinung dahin ab: die Gefangenwärter und die Wache könnten für die Flucht des Verbrechers nicht verantwortlich gemacht werden, da diese nur durch übernatürliche Mittel, durch Zauberei, zu bewerkstelligen war. Die geistlichen Mitglieder der Commission erklärten auch, daß der Eingekerkerte, so lange er einen eisernen Ring um den Leib geschmiedet trua, nicht die Macht über die Geister hätte erlangen können, wenn nicht seine Angehörigen, die sich, wie sich dies aus nachträglichen Recherchen ergab, zur Zeit der Flucht in der Nähe befunden hatten, durch Zauberkunst und Beschwörung, den Ring um seinen Körper gesprengt hätten. Ich mußte daher die ganze Familie für eine Baude Zauberer und Hexenmeister, die meiner Macht spotteten und mich verlachten, halten und wollte sie um jeden Preis vernichten!" „Durchlaucht, Sie nennen den Oberrabbiner Fränkl, den Sie jahrelang an die Kerkerwand angeschmiedet hielten, einen braven Mann? Da scheinen sich doch Ihre Ansichten 'über ihn gründlich geändert zu haben!" „Wie sollten sich meine Ansichten nicht ändern, wenn ich plötzlich erfuhr, das ich von einem Heere nichtswürdiger Hallunken umgeben war, welche mir die niederträchtigsten Berleum-