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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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:»r Seite 58 Homiletikers, er drang tief in den Genius Jellinek's ein, um seine poetischen und wissenschaftlichen Schöpfungen zu beleuchten. Der Nachruf machte auf die Andächtigen einen großen nachhaltigen Eindruck und wurdeHerrDr. Leimdörfer gebeten, denselben nächste Woche in der hiesigen »Henry Johns Loge“ zu wiederholen. 8. 8. Alexander Srligmann. Erlebnisse eines Straßburger Juden während der Schreckensherrschaft der französischen Revolution. Bortrag des Dr. Wilhelm Gabler, Directors der böhm. höheren Töchterschule in Prag, gehalten im historischen Vereine daselbst. Mit specieller Bewilligung des Herrn Verfassers ins Deutsche übertragen von A. Stein, Rabbiner in Sobieslau. (Fortsetzung.) Alexander Selig mann sah die Unmöglichkeit des Ausweichens ein und erlegte noch am 5. Nov. 1793 50.000 Livres. Nach diesem erst'n Opfer trachtete er wieder Zeit zu gewinnen. Allein am 9. November wurde auf Befehl des Saint Inst der alte Magn.o, einer der reichsten Straßburger Kaufherren, weil er den ihm vorgeschriebenen Betrag von 300.000 Livres nicht erlegt hatte — guillotinirt. Am 9. November 1793 war an allen Straßenecken von Straßburg eine Proclamation zweier neuer Emissäre des Nationals-Conventes, Leman und Baudot, zu lesen, welche die bisherigen Emissäre an Strenge übertteffen wollten, daß Jeder, der ein Bittgesuch, das mehr als zehnZeilen Text enthalten wird, überreichen würde, in den Verdacht kommt, daß er den Verlauf der Revolution aufhalten will. Deligmann überreichte also keinerlei Gesuch, sondern zwischen den 8. und 17. bringt er jeden Tag mindestens einige 1000 Livres in die Militärcasse. Als er auf diese Weise etwa l 00.000 Livres erlegt hatte, stellte er etwa eine Woche die Einzahlungen ein, er hoffte wahrscheinlich, daß der Wohlfahrtsausschuß während dieser Zeit an ihn vergessen wird, bis ihn eine Zuschrift vom 25. November eines Anderen belehrte, nämlich die restlichen 100.000 Livres sofort zu erlegen — oder Ungezogen, d. h. guillotinirt zu werden. Das war der kurze trockene Inhalt der Zuschrift und unser S e l i g m a n n brachte endlich am 27. und 28. November als er sah, daß die Drohung sich erfüllen sollte, die restlichen 100.000 Livres in die Militärcasse. Das französische Heer kämpfte um diese Zeit unweit Straßburg mit entschiedenem Mißerfolg gegen das vereinigte deutsche Heer. Allein, ebenso wie in Paris, wo jeder Mißerfolg der republikanischen Heere neue Ausbrüche revolutionärer t^centricitäten hervorrief, geschah es auch in Stxaßburg; auch hier suchten die revolutionären Emissäre der Pariser Regierung irgend ein Opfer, dem sie diesen Mißerfolg zuschreiben konnten und so wie leider im Mittelalter die Juden als die Ursache so manches Elendes, das das Volk betraf, angesehen wurden, wälzte die allgemeine Erregung abermals den unglücklichen Juden die Schuld zu, daß sie an dem unglücklichen Ausgange des Krieges Schuld seien. Bereits am 19. November 1793 schrieb der oben angeführte Baudot seinem Collegen im National-Convent, Duval, nach Paris. Das jüdische Volk, welches die königlichen Tyrannen der sicheren Zeiten als ihr Vieh betrachteten, sollte sich gewiß mit ganzer Seele der Freiheit der neuen Zeit widmen, die ihm menschliche Rechte gewährt. Allein dem ist nicht so. Die Juden haben uns in manchen Städtchen und Dörfern bei Weissenburg verrathen. Du findest ihrer kaum zehn in den Ober- und Unterrhein-Departements (d. i. im Elsaß), von denen du sagen könntest, sie seien von nationaler Gesinnung. Du findest bei ihnen statt Liebe zum Baterlande Gewinnsucht und statt des Verstandes ihren lächerlichen Aberglauben.*) Wäre es nicht nothwendig mit Hilfe der Guillotine unter ihnen eine Regeneration zu veranlassen? — Was Duval auf diesen menschlichen (?!) Antrag für eine Antwort gab, ist nicht bekannt, das wissen wir jedoch, *) Es mutz hier bemerkt werden, daß die damaligen französischen Revolutionäre in Paris einen Cultus des Verstandes einführten undstede «ndere Religion wurde als reiner Aberglaube betrachtet. Nr. 3 daß am Ende November 1793 die Einziehung der Juden in Straßburg begann, die seit jener Zeit bis zum Ende dieser Schreckensherrschaft (d. i. bis Ende Juli 1794) währte. Den 21. November 1793 wurden Cers B e e r,Leopold S am u e l, Jsak Leyser, Salomon L e w y, Abraham Kahn, Meyer Nettel, Meyer Dreysuß u. A. eingezogen; am 22. November wurde in der Straßburger Bezirksvertretung eine Schrift verlesen, die diesen Schritt gewissermaßen begründen sollte.Wir entnehmen dieser Schrift die für jene Zeit charakteristischen Einfälle: Wir müssen alles vernichten, was fehlerhaft ist, und als Feind der Republik Jeden erklären, der sich dem in dm Weg stellen sollte. Ich will von den Juden sprechen, welche trotz allem Günstigen, was die Revolution^ für sie gethan, sich bestreben, ihre barbarischen Gewohnheiten zu schützen vor der Rache der so lange bedrückten Natur. Unter diesen Leuten herrscht bisher noch jener unmenschliche Gebrauch, an den männlichen Kindern eine blutige Operation vorzunehmen, als hätte die Natur nicht Alles vollkommen gemacht. Sie tragen ostentativ einen langen Bart und äffen so die Patriarchen nach, deren Tugenden sie aber nicht geerbt. Sie pstegen eine Sprache, die sie etwa selbst nicht verstehen und die schon längst Niemand spricht. Auf Grundlage dieses bitte ich bte löbliche Commission, daß ihnen diese Gebräuche verboten werden und daß verordnet werde, daß zur Ehre der Wahrheit alle hebräischen Bücher, insbesondere der Talmud, dessen Verfasser-ein solcher Filou war, daß er den Juden den Wucher gegen alle Jene, die nicht ihres Glaubens sind, erlaubte. Die Bezirksvertretung von Straßburg ließ sich wirklich von der Nothwendigkeit der angegebenen Schrille überzeugen und verordnete, daß die Anträge, die in dieser Schrift enthalten sind, auch durch die Gemeindevorstände durchgeführt werden, daß jene Bürger die bisher sich zur mosaischen Eonfession bekennen, an den Decaden*) zusammenberusen und ihnen dieser Beschluß vorgelesen und ihnen ausgetragen werde, sich nach dieser Verordnung zu richten, widrigenfalls sie als verdächtig**) erklärr würden. Ferner wurde den Gemeindeämtern aufgetragen, sofort alle hcbraischen Bücher, vor Allem den Talmud, alle mosaischen Bücher und andere Cultusutensilien zusammenzunehmen und selbe nach Straßburg einzusenden, wo ein auto-cka-tö zum Ruhme und zur Ehre der Wahrheit an der nächsten Decadenfeier veranstaltet werden sollte. Dieses Schriftstück trägt die Unterschrift des provisorischen Vicepräsidenten der Bezirksvertretung von Straßburg, eines gewissen Karl de Klau er, eines früheren preußischen Adeligen, den verschiedene Abenteuer aus dem Gefängnisse von Potsdam unter die französischen Revolutionäre nach Straßburg brachten. Die Verfolgung der Juden wurde zu Ende des Jahres 1793 als eine patriotische Pflicht jedes französischen Revolutionärs im Elsaß erklärt, und nachdein die Verfolgten vorzugsweise reiche Leute waren oder für solche gehalten wurden, war das Geschäft auch ein einträgliches für so manchen Taugenichts. In der Sitzung für die öffentliche Wohlfahrt erschien am 19. December 1793 ein Jude Josef Levy und gab an, ein gewisser M arl in hat von 42 Juden ä 15 Livres unter der Drohung, sie in's Gesängniß abzuführen, erpreßt. Unser Alexander Seligmann hatte keinen geringen Theil an den Sorgen und Nöthen der Elsässer Juden, da er doch einer der Reichsten unter ihnen war. Er führte ein schönes Haus und in seinem Keller lagerte mancher echte Tropfen. Das war in Straßburg allgemein bekannt und wurde den damaligen Herrn Proconsuln zuo^ agen. Sa in t- Just und Leba s verordnten sofort, da^ le Kellereien des *) Der neue republikanische i 'd wurde definitiv am 24 November 1793 in Frankreich ein£,7 ach diesem wurde das Jahr in 12 gleiche Monate a. 30 theilt und jeder Monat hatte 3 Decaden zu 10 Tagen. Der /H> Tag je er Decade wurde zum republikanischen Feiertage — Sonn> — decretirt. **) Verdächtig erklärt werdest*/h. damals soviel als zum Tode .verurtheilt zu sein. Das berüchtigS^^etz von den Verdächtigen (La loi des suspects) wurde am 17. M^,^nber 1793 herausgegeben. Oesterrektztsrhr WortzenfrtzrM

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