Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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fl Nr. 3 Vesterrektztsche Wochenschrift Seite 55 wehrverein und eine unübersehbare Menschenmenge, bestehend aus Theilnehmern ohne Unterschied des Standes und der Com fession, aus Nah und Fern erwiesen dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Unter den Trauergästen befanden sich Herr Dr. Mitner, Landtagsabgeordneter und Gutsbesitzer in Luk, Herr M. Dr. Schiller in Luk, der Lehrkörper der hiesigen Volksschule, mehrere Collegen des Verstorbenen n. v. dl. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Siegmund Beinkeles in Luk hielt eine tiefergreifende Trauerrede und widmete dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, in welchem er dessen vorzügliche Eigenschaften hervorhob. Neu-Raußrritz, 15. Jänner 1894. Die dreijährige Sedisvacanz des hiesigen Rabbinats, das nunmehr mit jenem der Cultusgemeinden Austerlitz und Butschowitz vereinigt wurde, soll in Bälde zur Besetzung gelangen und zwar mit dem Wohnsitze des neuen Rabbiners in Neu-Raußnitz, dessen Cultusgemeinde den größten Theil des Rabbinergehaltes votirt hat. Von den zehn Candidaten auf diesen Rabbinerposten wurde zunächst berufen Herr Dr. Heinrich Weiß, ein erst 26 Jahre alter Theologe aus dem Breslauer Rabbiner-Seminar. Am vergangenen Samstag hielt derselbe hier eine beifällig aufgenommene Probepredigt, der er gestern eine zweite in Austerlitz folgen ließ. Für den nächsten Samstag, den 20. d., wurde Herr Dr. Landau aus Krakau zu einer Probepredigt eingeladen. Prerau, 6. Jänner. Bei außergewöhnlicher großer Betheiligung der Gemeinde hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Jacob Tauber im Tempel die G e d e n k r e d e auf den allzufrüh verklärten Oberrabincr und Prediger Herrn Dr. Adolf Jellinek. Dieselbe verlieh einen nachhaltigen, glänzenden Ausdruck der hohen Bedeutung des mit Recht eines Weltrufes sich erfreuenden genialen Predigers, immensen Gelehrten, eminenten Literaten und humanen Seelsorgers. Hierauf recitirte der Cantor Herr M. Grünberger sehr stimmungsvoll einen den Meister der Beredtsamkeit, Forschung und der jüdischen Wissenschaft verherlichenden ei mole rachamim. Pohrlitz. (Todesfall.) Am 9. d. M. starb in unserer Gemeinde der Kaufmann und langjähriges Mitglied der Cultusgemeinde Herr Moses Pollak im 63. Lebensjahre. Der leider nur allzufrüh Verblichene war durch seinen echt jüdischen Wohlthätigkeitssinn, sowie durch seine volle Hingebung für das Wohl unserer Gemeinde, eine Zierde unserer Stadt. Die Trauer um diesen edlen Manne gab sich am Begräbniß kund. Sowohl die Spitzen der Behörden, als auch viele katholische Mitbürger gaben dem Verstorbenen das letzte Geleite. Die Schulkinder mit dem gesummten Lehrkörper schlossen sich dem Trauerzuge an. Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Weiß schilderte an der Bahre des Verblichenen in ergreifenden Worten die Tugenden desselben. Nebst unserer Gemeinde, trauern und beweinen den Tod dieses edlen Mannes auch noch dessen Gattin, sowie eine Tochter und drei Söhne, wovon der Sohn Dr. Max Pollak als Assistenzarzt des hiesigen Rudolfsspitales bekannt ist. J. R* Karlsbad. (Ordensdecoration.) Dem Redacteur der „Karlsbader Zeitung" und Herausgeber des „Karlsbader Herald", Herrn Julius S e l i g m an n, wurde von dem Fürsten von Montenegro der Danilo Orden verliehen. Sniatyn, 7. Jänner 1894. Gestern Abends fand hier im Schulsaale der Baron Hirsch-Schule eine feierliche Trauerandacht für weiland Ehrwürden Dr. Adolf Jellinek, Oberrabbiner und Prediger in Wien und Mitglied des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung, in Anwesenheit eines sehr zahlreichen distinguirten Publikums statt. Eingeleitet wurde diese Trauerfeier durch Recitation des Psalm 15 und des Umzugsgebetes „ Wihinoim“. Hierauf folgte eine schwungvolle Rede als Nachruf, gehalten vom Rabbinatscandidaten Spiel mann, der selbst ein Schüler des Verewigten war. Nach derselben wurden sinnige Todtengebete exccutirt und der Psalm 49 cantoralmäßig vorgetragen, worauf das „Kadischgebet" die Trauerseier beschloß, welche auf alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck machte Szenitz (Ungarn), 11. Januar. Am letztverflossenen Sabbath hielt der Rabbi?-^^andidat Drd. Herr Simon Mandl, der vor 3 Woche^',.. s Deutschland an das Krankenbett seines greisen, mehr denn -s Jahre hindurch im Gemeiudedienste stehenden Vaters, Her \ Lazar Mandl herbeigeeilt war, zufolge freundlicher Einla (g unseres sehr geehrten Herrn Rabbiners unter dem Thema:. Galuth und Geulah im alten und neuen Israel" einen Gastttz. .^ag in dem schönen Tempel der hiesigen Gemeinde. Der jn. Redner bekundete ein vielversprechendes Rednertaleut und eine tüchtige, homiletische Gewandtheit. Er verstand es, die alte trostvolle Verheißung in der abgelaufenen Perikope II. B. Mos. 6. 6, die Ursache derselben, sowie die darauf bezüglichen schönen Midraschstellen von den vier Geuloth auch auf die Jetztzeit sehr treffend und beifallerweckeiid anzuwenden. Ebenso erwarb sich seine halachische Abhandlung bei den anwesenden Talmudisten uugetheilte Zustimmung. 0. Stuhlweihenburg. Zu Ehren des verewigten Dr. Jellinek wurde in unserer Gemeinde eine Trauerandacht abgehalten. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Steinher; hielt eine treffliche Gedenkrede, in welcher er die reichen Verdienste des Heimgegangenen als Gelehrten: Schriftsteller und Redner in begeisterten Worten zeichnete. Alsö-Kubin, 10. Jänner 1894. Nach kurzem Leiden starb hier unser ehrwürdiger Rabbiner Bermann Steinhardt an Rosch- Chodes Schebat und wurde am 3. Scheb. unter Betheiligung einer großen Menge Trauernder aus Nah' und Fern zu Grabe getragen. In der Synagoge sprachen an seiner Bahre ergreifende Trauerreden die ehrwürdigen Herren Rabbiner aus Namesztö, Turdoschin und Rosenberg. Erschütternd wirkten ihre Schilderungen seiner 44jährigen Thätigkeit hierorts und des herben Verlustes, den die hiesige israelitische Gemeinde durch sein unerwartetes Hinscheiden erlitt. Im Vorhause des Gottesackers sprach noch Se. Ehrw. der Rabbiner aus Liptü-St. Miklos, mit herzzerreißenden Worten schildernd das bescheidene Leben und Wirken des Verblichenen. Seine beredten Worte ergriffen die Zuhörer derart, daß Alles in lautes Schluchzen ausbrach und kein Auge thränenleer blieb. Unter Schluchzen und Weinen sprach nun zum Schluffe ein Neffe des Verewigten, Herr Moses Adler aus Großwardein. Ein Sprößling würdiger Ahnen auf dem Gebiete der Thora, ein Enkel eines berühmten Rabbiners aus Fürth, Sohn und Nachfolger des wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit berühmten hochseligen Rabbi Akiba Ste'nhardt, erreichte der Verewigte ein Alter von 68 Jabren. In seinem Leben und Wirken, sowie in feinem ganzen Gebühren bekundete er immerdar eine bewundernswerthe Bescheidenheit und dessenungeachtet, hatte auch er mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen; die sturmbewegten Zeiten des Congresses theilte seine friedliche Heerde in zwei Lager, die sich nun mit Erbitterung gegenseitig . bekämpften. Doch nur seiner Sanftmuth, seiner grenzenlosen Bescheidenheit ist es zu verdanken, daß die entzweiten Brüder, sich aussöhnend, nun eine friedliche, einheitliche Gemeinde bilden, wie zuvor. Koltha (bei Neuhäusel). Samstag den 6. Jänner waren die Brüder Hermann und Adolf Engel, Kaufleute in Wien, zum Besuche ihrer greisen Eltern hier. Ihre jedesmalige Anwesenheit läßt Spuren ihrer Wohltbätigkeit und der Pietät für ihre erste Heimatsgemeinde zurück. So hat der Erstere erst vor wenigen Jahren einen prachtvollen Vorhang für die heilige Lade unseres Bethauses gespendet. Aber was sie diesmal für unsere kleine Cultusgemeinde thaten, übertrifft jeden ihrer früheren Acte. Als Gäste zur Thora gerufen, spendeten sie ansehnliche Summen für die Wohlthätigkeitsvereine und Domestiken der Gemeinde, außerdem aber noch Herr Hermann Engel eine neue Thora-Rolle, zu deren Herstellung er unseren Rabbiner mit der Aufgabe betraute, dieselbe von einem vertrauenswürdigen Sofer unter seinen Augen schreiben zu lassen, und Herr Adolf Engel spendete die zu dieser Thora-Rolle gehörigen silbernen Klei- Kodesch, womit einem fühlbaren Mangel zur Verherrlichung des Gottesdienstes unserer kleinen Gemeinde abgeholfen ist. Nebst den Segenswünschen der Armen, denen die Anwesenheit der Brüder Engel jedesmal ein Festtag ist. haben sich die Herren diesmal auch noch ein ewiges Andenken bei der Gemeinde im Ganzen erworben, denn die spätesten Geschlechter werden noch beim heiligen Gebrauche dieser Thora-Rolle mit ihren Paramenten die Namen der Spender preisen. Es verdient die Pietät der Herren Engel als nachahmungswerthes Beispiel in die Oeffentlichkeit gebracht zu werden, denn leider gibt es viele Gemeinden, die verfallen müssen, weil feit der Freizügigkeit ihre ausgewanderten Söhne in ihrer neuen Heimat an sie vergessen und der zurückgebliebene ärmere Theil nicht mehr die Kraft besitzt, die Gemeindeinstitutionen zu erhalten. Hamburg. L-amftag den 13. d. M. hielt Herr Prediger Dr. Leimdörfer in der hellerleuchteten stark besuchten Synagoge seinem Hingeschiedenen Meister Dr. Jellinek die Gedächtnisrede; dieselbe kann für den Wiener Meister als wissenschaftliches Denkmal gelten, denn der tief bewegte Redner gab nicht nur ein Bild von der prophetischen Persönlichkeit des unerreichten •I