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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Oestrrreichifche Wochenschrift Seite »3 Familien. Deshalb hat sich auch die „Jnnzeitung" ihr Schimpf- und Schmähmaterial von außerhalb des Landes geholt. Das fand am 1. Jänner 1894 sein Ende: die „Jnnzeitung" ist eingegangen. Sohin findet sich vom Neujahr an in ganz Nordtirol kein antisemitisches Schmähblatt mehr; ganz Nordtirol ist von dem ekelhaften literarischen Autisemitenschund gänzlich frei, was einen entschiedenen Fortschritt auf der Bahn des Rechtes und der Gerechtigkeit bedeutet. Karlsruhe. Das „Evangelische Kirchen- und Volksblatt" sieht sich genöthigt, in seiner Nr. 53 vom 31. December v. I. folgende Berichtigung erscheinen zu lassen: „In Nr. 38 haben wir einige Nachrichten „aus dem heiligen Land" abgedruckt, welche damals in einer Reihe von christlichen Blättern mitgetheilt worden sind und den Eindruck machen, von kundiger Hand geschrieben zu sein. Eine dieser Nachrichten lautete: Der oberste Religionsvorsteher der Juden Palästinas und ihm nach die sämmtlichen Synagogenvorsteher hätten das strenge Verbot erlassen, daß kein Jude irgend etlvas bei einem muhammedsnischen oder christlichen Kaufmann kaufen dürfe, solange die betreffende Waare noch bei einem Juden zu finden sei. Nun theilt uns der Vorsitzende der „Bereinigung badischer Israeliten", Herr Dr. Albert Seeligmann, praktischer Arzt in Carlsruhe, mit, er habe bei dem Großrabbiner in Jerusalem, dem Herrn Jacob Saul Eleaschar, angefragt, und derselbe habe geantwortet: Die Mittheilung, daß die Rabbiner von Jerusalem öffentlich in den Synagogen eine Kundmachung des Inhalts publiciren ließen, daß bei Inden zu bekommende Waaren bei Nichtjuden nicht gekauft werden sollen, erkläre er als eine freche Verleumdung und Lüge und erkläre feierlichst, daß er niemals eine derartige Publication erlassen oder veranlaßt habe, daß er im Gegentheil stets seinen Glaubensgenossen einschärfe und bei jeder Gelegenheit und besonders in der Synagoge seiner Gemeinde an's Herz lege, ohne Confessionsunterschied mit ihren Mitmenschen in Liebe, Friede und Eintracht zu leben; der Einsender habe es wohl nur Zwecks Schürung des confessionellen Hasses einfach erlogen." Daran schließt das fromme Blatt eine antisemitische Auslassung des Inhalts, daß es übrigens für die Judenfrage in Deutschland ganz gleichgiltig sei, ob der Großrabbiner in Jerusalem ein solches Verbot erlassen habe oder ob der Bericht der christlichen Blätter auf Jrrthum beruhe, denn die Judenfrage re. — hier folgen die bekannten antisemitischen Phrasen. Gewiß, es mag für die Judensrage in Deutschland gleichgiltig sein, ob ein Rabbiner im Auslande eine derartige Verordnung erlassen hat oder nicht. Es ist aber für dieselbe durchaus nicht gleichgiltig, daß derartige Märchen stets vor Weihnachten erfunden und verbreitet werden, um christliche Käufer aus jüdischen Geschäften zu verscheuchen. Hannover. Am 26. v. M. fand hier in Falk's Hotel eine Conferenz der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur statt. Dieselbe wurde, da die Herren Delegirten Vormittags die Ackerbauschule und das Erziehungshaus des Herrn Consul A. M. Simon in Ahlem besuchten, Nachmittags um 4 Uhr von dem Vorsitzenden des hannoverschen Local-Comites, Herrn Emil L. Meyer, eröffnet. Sodann begrüßten Herr Landrabbiner Dr. Gronemann und der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Julius Kaufmann im Namen der jüdischen Gemeinde zu Hannover die Versammlung. Hierauf wurde das Bureau gewählt, und zwar die Herren: Dr. Karpeles, Dr. Frank, Dr. Fink, Dr. Prager und Emil L. Meyer. Der Vorsitzende eröffnete die Verhandlungen mit ' Verlesung der Präsenzliste. Es waren vertreten die Vereine Berlin, Cöln, Frankfurt a. M., Hamburg, Braunschweig, Bochum, Leipzig, Cassel. Königsberg, Sulz a. E., Osterode, Hannover, 'Magdeburg, Elberfeld, Birnbaum, Militsch, Hörde, Neisse, Dortmund, Lissa, Stettin, Landsberg a. W., Marburg, Hanau, Friedeberg a. H., Homburg v. d. H., Rogasen, Wongrowitz und Gelnhausen. Sodann wurde der Vorschlag gemacht, an der Hand eines den Vereinen bereits vorgelegten Statutenentwurfes die Verhandlungen zu führen. Dieser Vorschlag wurde nach kurzer Erörterung angenommen. Eine lebhafte Debatte riefen blos die §§ 2 und 7 hervor. § 2, der die Ziele des Verbandes betrifft, präcisirt dieselben folgendermaßen: 1. Einrichtung eines Vortragsverbandes. 2. Gemeinschaftliche Publicationen. 3. Errichtung eines Secretariats. 4. Gemeinschaftliche Propaganda zur Begründung weiterer Vereine und Förderung derselben namentlich auch durch Wanderredner. § 7 betrifft den Beitrag und lautet: Der Beitrag ist dem Belieben jedes Vereines überlassen, muß aber mindestens 0‘b0 M. für jeder zahlende ordentliche Mitglied des betreffenden Vereines betragen. Bei der hierauf erfolgten Constituirung des Verbandes wurden gewählt: Dr. Gustav Karpeles, Berlin, zum ersten Vorsitzenden, Rabb. Dr. Frank, Köln, zum zweiten Vorsitzenden, Dr. Hirsch Hildesheimer, Berlin, zum Schriftführer, Julius Jsaac, Berlin' zum Cassier, die Herren Doctor med. Fink, Hamburg, Dr. Adolf Brüll, Frankfurt a. M., Emil L. Meyer, Hannover, Rabb. Dr. Rosenthal, Rogasen, und S. Freund, Dortmund, zu Beisitzern. Hierauf wurden die Verhandlungen etwa um 9 Uhr beendigt. Es folgte ein Festessen, welches durch geistvolle Toaste der Herren Rabb. Dr. Frank Gronemann, Kroner, Rosenthal, Rülf, Porges, Elsaß und Lewinski, sowie der Herren I. Kaufmann, B. Meyersfeld, Alphons Jacobson, I. Goldfrecht, S. Freund, M. Hühnlein und Max Minkowski gewürzt war. Zum Schluffe sprach Herr Rabb. Dr. Gronemann das Tischgebet. Mit den besten Wünschen für das Gedeihen des Verbandes trennte sich die Versammlung, welche von hervorragenden Männern aus allen Theilen Deutschlands beschickt war, in später Nachtstunde. Paris, im December. Bedeutende Züge russisch-jüdischer Auswanderer kommen unausgesetzt in Paris an. Dieselben hatten es versucht, sich in der Türkei oder im Norden Afrikas niederzulassen. Da sie in diesen Ländern nicht die nöthigen Existenzbedingungen antrafen, wollten sie nach Amerika ziehen. Das Comite de bienfaisance israeüte in Paris empfängt und unterhält sie während ihres Aufenthalts in Paris und übernimmt es, Diejenigen aus Kosten der Alliance isTaelite nach Amerika zu schicken, die ein Handwerk verstehen, kräftig sind und den Eindruck machen, daß sie im Stande sein werden, in den Vereinigten Staaten ihren Unterhalt zu verdienen. Die vom Central'Comitc für diese Auswanderer gemachten Ausgaben betrugen im Jahre 1893 nahezu 100.000 Francs. Kairo, 8. Jänner 1894. Die arabische Gemeinde zu Alexandrien, die durch ein Gesuch an das Ministerium bewirkt hat, daß den russischen Juden der Eintritt nach Egypten unsersagt wurde, besteht noch immer auf ihrem Verlangen und verhin dert dadurch die Zurücknahme des diesbezüglichen Regierung» er.'asses. Der liberale Minister will mit Freuden das Emigrantenverbot ausheben, wenn Mittel herbeigeschafft werden, um den Ankommenden die erste und unentbehrlichste Hilfe leisten zu können. Die hiesigen Askenasim hoffen, daß Euer Hochwohlgeboren mit einem Aufruf in der „Oest. Wochenschrift" Vieles beitragen werde», daß von Europa zu genanntem Zwecke Mittel hergeholt werden. Ich zeichne mit aller Hochachtung .4. N. Wien. (A u s z e i ch n u n g.i Dem Cultusvorsteher, Commercialrath und Kammerrath Herrn HeinrichKlinger wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 14. Jänner 1894 wurden im Stadttempel getraut: Herr Adolf Kober mit Frl. Lisi Brik; Herr Juda Tennenhaus mit Frl. Haber Herr Richard Kohn mit Frl. Irene Cohn; Herr Dr. Jacob Werner mit Frl. Hedwig Winter. Wien. (Trauungen in der neu erbauten Synagoge nach polnisch-israelitischem Ritus, II. Leopoldgasse 29:) Sonntag, den 21. Jänner, 2 Uhr Nachm., findet die Trauung des Herrn Isidor Bels, Sohn des Bethausvorstehers I. M. B elf, mit Fräulein Fritzi Ratz, ferner um 3 Uhr jene des Herrn Osias Lehrmann aus Staremiasta mit Frl. Magdalene Sollender aus Wien statt. Wien. (P e r s o n a l n a ch r i ch t.) Am 14. d. M. fand die Vermählung des Hauptmannes vom 52. Infanterie-Regiment Herrn Heinrich Lederer mit Fräulein Henriette Euphrat, Tochter des hiesigen Kaufmannes Herrn Carl Euphrat, im Währiuger Cultustempel statt. Wien. (Wegentschädiguug für Religionslehrer.) Der Bezirksschulrath der Stadt Wien hat den Entwurf eines im Aufträge des niederöfterreichischen Landesschulrathes verfaßten neuen Wegentschädigungs Normales für die Religionslehrer aller Confessionen im Wiener Schulbezirke dem Wiener Stadtrathe zur ehesten Beschlußfassung übermittelt.

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