Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021011--03155-3027278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Opava 1× ep/1048047
OCR text
B«asas®8faHä5Q«73 Seite 52 Orsterreirtzifchr Wochenschrift Nr. 3 haben sich auch viele jüdische Industrielle und Künstler betheiligt, von welchen die meisten, ca. hundert, Prämie worden sind. Im Nachstehenden geben wir das Namensverzeichniß derselben: Joses Jnwald in Prag; Henry Latzka in Brünn; Jacob und Josef Kohn in Wien; Gottlieb Taussig in Wien; L. Auspitz Enkel in Brünn; I. Bacher und Sohn in Wien; Dr. Moritz Bauer in Wien; Josef Beraun in Wien; Hermann Böhm in Wien; Jacob B. Brandeis in Prag; Emil Breßler in Wien; Rudolf Breyer in Wien; F. Bruck in Teplitz; Simon Dewideles in Prag; Adolf Falken stein in Wien; Daniel Fuchs in Wien; Wolf Fürth u. Comp, in Strakonitz; Gartenberg, Lauterbach, Goldhammer und Wagmann in Drohobycz; M. Goldfarb in Wien; Fedor Goldscheider in Wien; Mich. Goldschmidt Söhne in Prag; Emil Goldschmied in Prag; L. Guttmann in Wien; Hauser und Sobotka in Wien; Balduin Heller Söhne: in Teplitz; Jacob H. Jeiteles Sohn in Gablonz; Eduard Jokl u. Sigmund Raudnitz in Wien; Leop. Jokl in Wien; M. Johs u. Löwenstein in Prag; I. Kalmar in Wien; D. Kaminski in Prag; Heinrich und Rudolf Knöpfler in Wien; Lazarus und Rosenfeld in Steinschönau; Leo Langstein in Wien; Johann Lederer in Wien; Adolf Lichtblau in Wien; E. Lichtwitz u. Comp, in Troppau; Löwy und Fuchs in Wien; Karl L. Lustig in Wien; Gustav Marburg in Freudenthal; Karl Mayer in Wien; Sigm. Mayer in Wien; Ludwig Moser in Karlsbad; David Neumann Sohn in Wien; Jos. St. Oesterreicher in Prag; Josef Leop. Pick in Wien; Pick und Fleischner in Wien; Ludwig Politzer in Wien; Eman. Pollak Söhne in Wien; P. Pollak in Wien; Karl August Porges in Wien; Jacob Quittner u. Söhne in Trcppau; Brüder Rachmann in Haida; Moritz Reiches Nachf. in Biala; S. Reich u. Comp, in Wien; Brüder Samek in Brünn; Sonnenschein und Landesmann in Prag; Spieler und Eisler in Wien; Brüder Spiller in Wien; Franz und Max Sttaßny in Wien; Victor Stiaßny in Wien; B. Strakosch und Sohn in Wien; Robert Schlesinger in Wien; Jacob Schnabel u. Comp, in Wien; Ch. Schütz in Wien; Philipp Schwarz in Wien; Traub und Strauß in Wien; Schindler und Stein in Brünn; Rudolf Weiß in Wien; Samuel Weiß in Wien; A. Wiener in Wien; Alois Winkler u. Comp, in Wien. Bei der Kunstau-stellung: Rudolf Bernartzik in Wien; Rudolf Bacher in Wien; Tina Blau in München; Arthur Kaan in Wien; Rudolf Ribarz in München; Adalbert F. Seligmann in Wien. Bei der Frauenarbeits-Ausstellung: Ernestine Bamberger in Wien; Hermine Cohn in Wien; Leopoldine Guttmann, Hermine Herzfeld, Bertha Landauer, Rosa Freud, Emilie Stiaßny, Klara Vogel in Wien. Brünn. In dem socialdemokratischen böhmischen Blatte „Textilnik" in Brünn vom 8. Jänner a. e. lesen wir: „Der Fabrikant als Colporteur." Glückliche Arbeiterschaft, w/lche einen solchen Arbeitgeber hat, der sich nicht nur um ihre Arbeit sorgt, sondern auch um ihre geistige Nahrung, damit sie geistig gedeiht. Und ein solcher Menschenfreund ist der Fabrikant Blaschke (Inhaber der Firma F. Schmitt) in Böhmisch-Aicha. Dieser Herr vertheilt mit vollen Händen in seiner Arbeiterschaft ein antisemitisches Blatt, welches „Dce Arbeit" heißt, ja er soll angeblich manchen Arbeiter zu je fünf Stück Exemplaren auf einmal geben, selbst wenn er nicht deutsch versteht oder kennt. Die Arbeiterschaft, welche diese Wohlthat genießt, erwartet mit Sehnsucht, wann eigentlich dieser Herr Fabriksbesitzer mit dem Austheilen der socialdemokratischen Blätter beginnen wird, nachdem er, wie er selbst behauptet, wünscht, daß sich die Arbeiterschaft ausbildet, und erkennt, worin, die wirthschaftliche Noth st eckt." So geht ein Fabrikant vor, der die jüdische Kundschaft besuchen läßt, um Absatz für seine Erzeugnisse zu haben! Reichenberg. Jüngst wurde hier zu Ehren des abgehenden k. k. Statthaltereirathes und Bezirkshauptmannes Karl Schlögl ein glänzendes Abschiedsbankett gegeben, an dem die Spitzen der Geistlichkeit und der Gemeinden des ganzen Bezirkes vertreten waren. Von unseren Glaubensgenossen waren Herr Alois Neu mann, der Vicepräsid'nt der Reichenberger Handels- und Gewerbe kammer, und Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Emil Hofmann anwesend. Der geistvolle Trinkspruch des letzteren fand so großen Anklang, daß der Herr Erzdechant P. Anton Höfmann auf den Rabbiner zueilte, ihm kräftig die Hand schüttelte und die größten.Lobeserhebungen sagte. Herrn Dr. Hofmann wurden auch von den übrigen Anwesenden Ovationen dargebracht. Tarnopol, 6. Jänner 1894. Als mir nachfolgender Fall zu Ohren kam, erinnerte ich mich der Worte eines alten Juden in Prag, in dessen Hause ich während meiner Studienzeit an der dortigen Hochschule verkehrte. „In nicht allzulanger Zeit werden auch in Ihrem Lande Apostel ä Ja Lueger, Schneider u. dgl. auftauchen, zwar nicht zum Ruhme, aber zur Schande des Polenthums", pflegte er zu sagen, als ich meine polnischen Mitbürger in Schutz nahm und meinte, es könne bei uns der Antisemitismus keineswegs eine solche Verbreitung finden und solche tiefe Wurzel fassen, wie bei den Germanen. Er hatte Recht, der greise, erfahrene Mann. Ja unsere.Antisemiten sind den Ihrigen in Wien wie ein Ei dem andern ähnlich. Sie schimpfen nicht nur über jüdische Gutsbesitzer, Kaufleute, Krämer, Advocaten rc. sondern auch, wie es seit einiger Zeit in Wien geschieht, über den edelsten Beruf, über jenen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, das Elend und Leid der Hohen wie der Niedrigen, der Neichen wie Armen ohne Unterschied des Glaubens zu lindern. Während der schwarze „Loisl" bei Euch sein „kauft nur bei Christen" predigt, so findet hier ein höherer Beamter sein Vergnügen daran, in den Kreisen, die sich aus den ärmsten Armen recrutiren, sein „geht nur zum christlichen Arzt" zu predigen. Als einst diesem Beamten eine meiner Patientinnen, eine sehr arme christliche Taglöhnerin, mein ihr mitgegebenes Recept zum Unterfertigen vorlegte, damit sie das Medicament unentgeltlich auf Kosten der Gemeinde aus der Apotheke erhalte, versagte er ihr die Unterschrift, einzig und allein aus dem Grunde, weil das Recept von einem jüdischen Arzte stamme. Er werde es ihr nicht unterfertigen, fuhr er sie barsch an, wie es die Nächstenliebe solcher Leute mit sich bringt, weil sie und noch andere die elende Gewohnheit haben, nur zu jüdischen Aerzten zu kriechen, anstatt zu den christlichen, wie es ihre Pflicht wäre, zu gehen. Als die zitternde Frau erwiderte, sie wage es nicht, zu einem christlichen Arzt, ohne ihn honoriren zu können, hinzugehen, weil der ihr entweder die Thür zeigen läßt, oder im besten Falle, ohne genau zu untersuchen und den Patienten zu examiniren, rasch ein Recept verschreibt, wodurch natürlich dem armen Kranken nicht geholfen sein kann, während der jüdische Arzt ihr krankes Töchterchen längere Zeit hindurch unentgeltlich behandelte und dem sicheren Tode entriß, meinte der menschenfreundliche Beamte, es sei ihre Pflicht, eher den christlichen zu zahlen, auch wenn sie es nicht kann, als sich von einem jüdischen unentgeltlich behandeln zu lassen. Schöne Auffassung der Nächstenliebe! Als nun vor einigen Tagen dieselbe Taglöhnerin mit ihrem kranken Kinde wieder zu mir kam, mir den Fall erzählte und ich nun mit dem Verschreiben des Medicamentes zögerte, bemerkte sie, sie verzichte auf diese Unterstützung seitens der Gemeinde, sie werde lieber einen Tag fasten und für's ersparte Geld die für ihr Kind nöthige Medicin kaufen. Ich ließ ihr jedoch die Medicin auf meine Rechnung aus der Apotheke verabfolgen. Es wäre an der Zeit, daß sich unsere Glaubensgenossen gegen den bei uns so offen zu Tage tretenden Antisemitismus aufraffen und keine Ehre darin sehen mögen, beim christlichen Kaufmann und Krämer zu kaufen, den christlichen Advocaten zu unterstützen und den christlichen, oft notorisch antisemitischen Arzt, zum Hausarzt zu haben. Med. Dr. E. F r i e d l ä n d e r. Btckovax, 15. Jänner 1894. Am 11. d. M. fand hiei bie- Installation des Obergespans k. u. k. Kämmerers Dr. M. v. Kukuljevic statt. Aus diesem Anlasse besuchte derselbe alle Gotteshäuser, darunter anch den jüdischen Tempel. Am Eingänge des Tempels wurde der Herr Obergespan vom Präses Herrn I. Fleischman begrüßt und zum Ehrenplätze geleitet. Hierauf richtete Herr Bezirksrabbiner S. D. Tauber eine patriotische und warmempfundene Ansprache an- Herrn v. Kukuljevic, welche auf denselben sichtlich einen tiefen Eindruck machte. Redner hob die Religiosität des Obergespans hervor, der anläßlich seines Amtsantrittes die Gotteshäuser aller Riten aussucht, um den Segen Gottes zil erbitten. Redner versicherte ihn ferner der unentwegten Ergebenheit und Loyalität der Israeliten Croatiens und erflehte "für ihn den Priestersegen. Herr Obergespan erwiderte in sehr sympaihischer Weise, daß er'von der Treue und Loyalität der Juden Croatiens für Thron und Vaterland vollkommen überzeugt sei und daß er den Israeliten stets ein ausrichtiger Freund sein werde. Diese herzlichen Worte des Herrn Obergeipans haben auf alle Israeliten einen sehr guten Eindruck gemacht. Am Nachmittag des 11. Jänner fand im Restaurant Scheibner ein Galadiner für die Spitzen der Stadt und des Comitats statt, zu welchem auch zahlreiche hervorragende Juden geladen waren. Innsbruck, 5. Januar. Im Jnnthale existirte seit Jahren ein antisemitisches Blatt, das im Judenhasse sein Möglichstes leistete. Es nannte sich „Jnnzeitung" und wurde anfänglich in Imst herausgegeben. Im Jnnthale find keine Juden ansässig, nur hier finden sich feit Jahrhunderten ein paar israelitische