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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Str. 3 VeflrrrrirMchr MortzruschrM Seite 51 "werter, den Präsidenten David v. Gutmann, die Pro- *fc|]orcn Nothnagel und Politzer, die Gemeinderäthe: Dr. Alfred Stern, Stiaßny, Goldschmidt, Tagleicht, Lang; Bez.-Ausschuß Julius P o l l a k, Sectionsrath K u r a n d a; die Cultusvorsteher: Salo K o h n, Max Fleischer, Leinkauf, Wilhelm Pollak, Dr. Adolf t c i n, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Hofrath Pfeifer, G. T a u s s i g; ferner Director Pollak v. Bork e nau, Theodor Ritter v. Ta u s s i g und Dr. Angela Ritter v. Kuh, Kammerrath Vogel, Abgeordneten Dr. Bloch, die Rabbinen Fleißig, Pollak, Dr. Schmiedel, Dr. I. W o l f, Dr. Gelbhaus, Dr. T a g l i ch t; ferner Rabbiner Reich aus Baden, den Rabbiner aus Floridsdorf mit dem Präses der Chewra-Kadischa, die Lectoren des Bet-Hamidrasch Weiß und F r i e d m a n n, Director Heller, Director Fischer, Director Schwarz, Professor Müller, Professor B ü ch l er, Gemeinde - Secretär Dr. Lieben, die Vorsteher der Oesterr. - Israel. Union: Kanitz, Kantor und Rosenbaum, Secretär Josef Fuchs, Obercantor L> i n g e r, Cantor Schiller, Ortsschulrath S. Heit; die Tempelvorsteher: Dr. Marcus Spitzer, S ch e t), Moises, o o r, Schauspieler B ro d a, Kammervirtuose Sigm. G r ü nfeld, Schauspielerin Fräul. Bertha Stein, kaiserlicher Rath Wilhelm 7c. rc. Viele der Trauergäste folgten auch auf den Friedhof, wo sich eine tiefergreifende Scene abspielte. Nachdem Obercantor G oldst ein, wiederholt von Rührung bemeistert, unter Schluchzen mit seiner wunderbaren Stimme den Trauergesang beendigt hatte, trat Dr. Güd e m an n selbst an die Bahre, um der theueren Todten den Nachruf zu halten. Er bot damit ein bewunderungswürdiges Beispiel männlicher Fassung und Selbstbeherrschung, welches einen herzbewegenden Eindruck auf die Trauerversammlung machte. Kein Auge blieb trocken, als der ehrwürdige 'Mann den Sarg, der sein Theuerstes barg, mit beiden Händen umfassend, in schlichten, aus innerster Seele quellenden Worten von der Todten Abschied nahm. „Achtundzwanzig Jahre", sprach er, „wie Vielen habe ich während dieser Zeit von dieser Stelle das letzte Wort nachgerufen, die ich nicht persönlich gekannt, 'wie könnte ich es Dir, Du Reine und Gute, auf Deinem letzten Gange versagen. Man soll von mir nicht sagen, wie es in Hiob heißt: „Alle richteten Deine Worte auf, und tief Gebeugte hast Du gekräftigt; nun aber, da Du selbst daran bist, da bist Du ermattet, es kam an Dich und Du warst verwirrt." (Hiob 4, 4.) Schlicht und einfach schilderte er dann die edlen Charakter- -eigenschaften der Verblichenen, ihren häuslichen Sinn, ihre Frömmigkeit, ihre Herzensgüte! „Sie wissen es, meine Freunde, ich übertreibe nicht im Lobe. All' ihre zärtliche Sorgfalt galt dem Gatten und der Würde seiner Stellung. Sie war mehr noch die Frau des Rabbiners als ich der Rabbiner, sie war mehr noch auf meine Stellung bedacht als ich selbst." Bei diesen Worten übermannte der Schmerz den Redner, er brach in Thränen aus. Unter einem erleichternden Thränenstrom fuhr er dann fort und seine Worte formten sich zu einer erschütternden Todtenklage: „Du warst mir Alles! Dreißig Jahre lang hast Du allein mit mir Freud und Leid getragen! In der fremden Stadt, ohne Verwandte, ohne Jugendfreunde — Kindersegen ist uns versagt geblieben — warst Du mir Stab und Stütze, hast Du nur in mir gelebt wie ich in Dir!" Und abermals schluchzte der seelenstarke Mann auf in 'überwältigendem Schmerze, und nur mühsam tonnte er seine letzten Liebesworte vollenden. Der Versammlung hatte sich tiefe Rührung bemächtigt. Aus dem Kreise der Frauen klang unterdrücktes Schluchzen, die Männer weinten still vor sich hin. Tief hinab auf die bretterne Hülle beugte sich der trauernde 'Gatte, noch einmal fuhr die zitternde Hand liebkosend über das schwarze Bahrtuch, dann hob er das thränenschimmernde Auge gegen Himmel. „Gott hat Dich mir gegeben, Gott hat Dich mir genommen, ziehe hin in Frieden!" Und er nahm die liebe Last mit auf seine Schulter und half sie hinaus- 'tragen und betten in die kühle Erd:. Wir haben manche Leichenfeier gesehen, die prachtvoller und glänzender war, aber keine, die so sehr an unser innerstes Empfinden rührte, wie diese. Möge der geliebte Lehrer und Führer der Gemeinde, der nun einsam seinen Pfad wandeln muß, in dem Bewußtsein Trost finden, daß wir Alle, Alle mit ihm fühlen und an seiner Trauer wahrhaftigen Antheil nehmen. Wien. (O est e r r e i ch i s ch - i s r a e l i t i s ch e Union.) Samstag den 13. d. M. hielt dieser Verein eine äußerst zahlreich besuchte Plenarversammlung ab, in welcher Herr Dr. Josef M. Löbl über: „Die Hygiene der alten Juden" sprach. Der Redner erntete für seinen formvollendeten, dem Inhalte nach hochinteressanten Vortrag lebhaften Beifall. Den Vortrag selbst bringen wir an anderer Stelle. Bei Beginn der Versammlung hielt der Bicepräsident der Union, Herr Dr. Marcus Spitzer dem jüngst verstorbenen Prediger Dr. Adolf Jellinek einen tiefempfundenen Nachruf, den die Versammlung unter dem Eindrücke der begeisternden, wahrheitsgetreuen Charakterschilderung des Verewigten, stehend anhörte. Herr Bezirksausschuß Waldstein beantragte eine Resolution, in welcher gegen den von Dr. Lueger im Landtage angezweifelten Patriotismus der Juden energisch Stellung genommen werden sollte. Für die Abnahme derselben trat Herr Gemeinderath Lang m beredten Worten ein. Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch beantragte bezüglich dieser Resolution den Uebergang zur Tagesordnung, da Se. Majestät der Kaiser erst vor Kurzem einer Deputation der israelitisch-theologischen Lehranstalt gegenüber die Aeußerung machte, daß ihm der Patriotismus der Juden stets bekannt sei, und es daher die Juden nicht nothwendig haben, auf diese neue Verdächtigung des Dr. Lueger zu reagiren. Die Herren Dr. Alfred Skre i n und Dr. Alfred Kan itz sprachen für die Annahme der Resolution, die Herren H o f b a u e r und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n für die Zuweisung derselben an den Vorstand der Union behufs genauer Berathung, welch letzterem Anträge sich auch der Antragsteller accommodirte. Nachdem noch Herr Adolf Ritter von N a ß a u die Ansicht vertrat, daß mit Ausnahme des Abgeordneten Dr. Bloch kein einziger jüdischer Mandatar den richtigen Standpunkt für die Vertheidigung des Judenthums einnehme, und Herr Dr. Ascher eine regere Betheiligung der Universitätsjugend an den Versammlungen der Union wünschte, schloß die Versammlung in vorgerückter Stunde. Wien. (EinantisemitischerArmenrath.)JnFünfhaus und Umgebung erregte eine Polizeiaffaire, in welche der im Bezirke bekannte Hausbesitzer Franz Czerny, sowie dessen 22jähriger Sohn gleichen Namens verwickelt sind, großes Aufsehen. Franz Czerny, der früher einmal Besitzer des Branntweinschanks in der Kranzgasse in Fünfhaus war, dessen spätere Besitzerin Frau Schramm bekanntlich ermordet worden ist, ist jetzt Besitzer des dreistöckigen Eckhauses Hollergasse Nr. 43. Sein Sohn war vier Jahre in der Tapetenfabrik von Heinrich Herz in der Johannesgasse in Meidling als Comptorist angestellt. Vor einigen Tagen wurde dem Fabrikanten die Mittheilung gemacht, daß sein Comptorist C z e r n y ihn systematisch bestehle, Herr Herz erstattete die Anzeige und die polizeilichen Erhebungen bestätigten die Richtigkeit derselben. Es stellte sichheraus, daß Franz C ze r n Y j u n. schon seit drei Jahren Tapeten,>und zwar zumeist werthvolle, aus der Fabrik weggefchafft und in der elterlichen Wohnung aufgestapelt habe. Der Vater, sowie sein Factotum, der 75jährige T r u s ch k a, besorgten den Vertrieb der gestohlenen Tapeten. T r u s ch k a ging mit denselben hausiren, trug sie Wirthen, Kaffeesiedern und anderen Geschäftsleuten zu billigen Preisen zum Kaufe an und erbot sich auch, ihnen Tapezierer beizustellen. Auch Czerny s e n. betheiligte sich an dem Verkaufe der Tapeten. Bei der Polizei wurden sechzehn verschiedene Geschäftsleute einvernommen, welche von Czerny Tapeten gekauft hatten und Herr Herz agnoscirte sie als ihm gestohlene Waaren. Gestern wurde Czerny s e n. verhaftet, nachdem er jedoch nach mehreren Confrontationen seine Schuld zugestand, als nicht fluchtverdächtig wieder auf freiem Fuß gesetzt. Der alte T r u s ch k a blieb in Haft und aus der Fabrik entlassene Sohn des Czerny, der Hauptschuldige, wird verfolgt, da er vor einigen Tagen abreiste und sich angeblich nach Prag gewendet hatte. Czerny jun. ist als Radfahrer und Schlittschuhläufer bekannt und soll sich zu einem Wettlaufen begeben haben. Czerny s e n. i st A r m e n r a t h. Wien. (Die Prämiirten von Chicago.) An der im verflossenen Jahre stattgefundenen Weltausstellung in Chicago

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