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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 48 Veflerretchifche Mochenfitzrty Nr. 3 Ausspruch nicht im Geringsten geschmälert werden. Es ist im Gegentheil geradezu erstaunlich, welche Summe von Kenntnissen sie durch Erfahrung und scharfe Beobachtung erworben, wie viel sie durch Intention errathen haben. Um beurtheilen zu können, in welchem Verhältniß das medicinisch-hygienische Wissen der alten Juden zu dem der zeitgenössischen Völker stand, ist es nothwendig, letzteres, wenigstens in Umrissen, vorzuführen. Die Egypter besaßen medicinische Schriften, Ambre oder Embre genannt, (in densogenannten „hermetischen Büchern" ausgenommen), die schon im 17. Jahrhundert v. Ehr. niedergeschrieben waren. Als Autor derselben wird der hundsköpfige Gott Thout angegeben. Von den Vorschriften, die in diesen Büchern enthalten sind, durfte kein Arzt abweichen. Ein anderer Gott — Ibis — soll die Menschen im Gebrauche des Lavement's unterrichtet haben, da er sich selbst mit seinem langen Schnabel im Bedarfsfall ein solches beibringen soll. Als Aerzte mit höheren Kenntnissen fungirten die obersten Priesterclassen, welche die 36 ersten hermetischen Bücher studiren mußten. Dann auch priesterliche Aerzteminderer Kategorie. Es gab aber auch Laienärzte, nämlich Militär- und Thierärzte. Das Specialistenthum war bei den Egyptern so ausgebildet, daß für jeden Körpertheil ein Arzt war. Auch die Thierärzte theilten sich ein in Hühner-, Ochsen-, Pferdeärzte k. Die allgemeinen hygienischen Mittel waren: Bäder, Reiben und Einsalben des Körpers, Enthaltung von gewissen Speisen^ einfache Lebensweise, Abhärtung von Kindheit an (die Kinder mußten barfuß gehen), Vorschriften zur Vertreibung der Ungeziefer aus Haus und Kleidung. Dann findet sich bei ihnen eine Spur von Fleischbeschau. Von Operationen übten sie den Aderlaß, das Schröpfen, das Amputiren, auch Staaroperationen sollen sie gemacht haben, wie sie denn als Augenärzte besonderen Ruf hatten. An Mumien fand man gut geheilte Knochenbrüche und künstliche Zähne. Ihre Kenntnisse in Geburtshilfe, Gynäkologie, Anatomie und Physiologie kommen nicht in Betracht. Von Arzneistoffen kannten sie eine große Zahl, besonders pflanzliche Stoffe, aber auch metallische. Die dem Thierreich entnommenen waren ekelhafter Art. D i e I n d e r. Bedeutender und bedeutend überhaupt war das medicinische Wissen der Inder. Ihre medicinischen Schriften sind in den 4 Veda's enthalten. Die älteste Urkunde, die Rig-Veda, enthält Hymnen. Aus einer derselben geht hervor, daß die Inder in fieberhaften Krankheiten Kaltwasserbehandlung übten. Es heißt: „Heilkräftig ist des Wassers Schwall, Das Wasser kühlet Fiebers Glut. Heilkräftig gegen alle Sucht, Heil Bringe Dir des Wassers Flut." Priester aus der Classe der Brahmanen fungiren als Aerzte. Spccialisten haben sie keine, ihre Aerzte sind voetoi'68 universLtz meäieinae. An den Arzt werden äußerliche Forderungen gestellt. Der Arzt soll die Haare kurz, die Nägel rein und beschnitten und ein von Wohlgerüchen duftendes Kleid tragen; er soll nie sein Haus verlassen, ohne einen Stock oder einen Sonnenschirm zu tragen. Hauptsächlich soll er jede Vertraulichkeit mit Frauen vermeiden. Seine Rede sei zart, klar, angenehm. Die Vorgänge im Hause dürfen nicht ausgeschwätzt werden. Der Arzt soll ferner schön, wohlgebaut, liebenswürdig, ernst, ohne Anmaßung, freundlich und geistreich, seine Rede sanft, ermuthigend sein. Er soll ein Muster der Keuschheit und Nüchternheit darstellen. Der Lohn des Arztes richtet sich nach den Verhältnissen des Kranken. Von Brahmanen, Verwandten, Freunden, Unglücklichen Belohnung zu fordern, ist unedel; verweigert dagegen ein Zahlungsfähiger nach seiner Genesung die Belohnung, so fällt all sein Gut den Aerzten zu. Die medicinischen Kenntllisse der Inder überraschen, wenn man das hohe Alter derselben in Betracht zieht. In ihren Schriften wird über alle Zweige der Medicin abgehandelt. Chirurgische Krankheiten kennen sie in großer Zahl. Vor den größten und schwersten Operationen schreckten sie nicht zurück, dem entsprechend ist ihr Instrumentarium sehrreichhaltig; Susruta zählt deren 127 auf, aber das vorzüglichste aller Instrumente ist nach ihnen die Hand. — Bei Stellung der Diagnose achteten sie auf die Körperwärme, die Farbe der Haut, des Harns, aus die Augen, die Kraft des Sprechens, das Geräusch beim Athmen. Den Puls hingegen berücksichtigen sie nicht. Die Heilmittel der Inder umfassen Medicamente aus dem Pflanzen-, Thier- und Mineralreiche. Ihre schwächste Seite ist Anatomie. Nach indischer Ansicht werden die Dummen eher geheilt als die Gescheidten. Die Chinesen. Trotz ihres praktischen Sinnes haben die Chinesen keine irgendwie bedeutende Medicin geschaffen. Für das arme Volk darf in China Jeder, der will, Arzt sein. Die Hofärzte müssen in Peking ein Examen bestehen. Die Chirurgie der Chinesen beschränkt sich auf Schröpfen, Aderlaß, Impfen, Acupunctur, ihr Instrumentarium ist dem entsprechend unbedeutend. Das Pulsfühlen geschieht an verschiedenen Körperstellen durch Auflegen von vier Fingern, die abwechselnd, wie beim Clavierspiel, gehoben und gesenkt werden, und dauert oft Stunden hindurch. Ihre Medicamente sind: Elephantengalle, getrocknete Spinnen, Wanzen, Kröten, Eidechsen, Schlangen, Klauen, Ohren, Zungen, Herzen und Leber vieler Thiere. Elfenbein, Baumwolle, Rhabarber, Campher rc. Anatomie und Physiologie stehen auf der niedersten Stufe. Die Chinesen besitzen-zahlreiche medicinische Werke aus den verschiedensten Zeiten; auch Uebersetzungen europäischer, besonders französischer Werke. (H. Baas.) Die Griechen. Die Medicin der alten Griechen ist ein so großes inhaltreiches Capitel, daß ich von einer Besprechung derselben abstehen muß. Ich begnüge mich, einen Ausspruch des Historikers H. Haeser zu citiren: „Die griechische Heilkunde, das Werk eines Zeitraumes von mehr als 2000 Jahren, ist ein ebenso unvergängliches Denkmal der hohen geistigen und künstlerischen Befähigung des hellenischen Volkes, als die unsterblichen Leistungen desselben auf den Gebieten der Poesie, Philosophie, der Mathematik, der Geschichte und der bildenden Künste. Die Römer. Die Medicin der Römer kann als eine Fortsetzung der griechischen betrachtet werden und erreichte auf dieser Basis eine hohe Stufe der Entwicklung, die sich aus alle Zweige der Medicin erstreckt. Ihre originale Arzneikunde bestand in Gebeten, diätetischen Mitteln und Zaubersprüchen. Bei einem römischen Autor habe ich eine Stelle gelesen, aus welcher hervorgeht, daß er gewisse Krankheiten auf Mikroorganismen zurückgesührt hat. Dieser Schriftsteller, er lebte 50 v. Ehr., ist M ar c u s Ter en t iu s B a r r o. Er war als Schriftsteller sehr fruchtbar, schrieb über Grammatik, Dialectik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik, Medicin, Baukunst, Rechtswissen und Landbau. In dieser Schrift über den Landbau (1. B. 12. C.) kommt jene Stelle vor, die mich so sehr frappirte, daß ich mich bewogen fühlte, dieselbe zu veröffentlichen. (Wien, „Med. Presse" 1887.) Gestalten Sie, daß ich sie, ins Deutsche übertragen, vorlese: ...... Auch muß man wohl nachsehen, ob der Ort nicht etwa sumpfig ist,.weil an solchen Stellen gewisse kleine Thierchen sich erzeugen, die man mit den Augen nicht wahrnehmen kann, die aber aus der Luft in den Körper eindring en, durch Mund und Nase, und bedenkliche Krankheiten verursachen. Fundanius: Was werde ich aber thun können, wenn mir ein solches Landgut durch Erbschaft zugefallen, damit seine ungesunde Lage mir nicht schade? — Agvius: Auch darauf

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