Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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VefirrrekhifchL Wortzenschrifl Seite 47 Nr. 3 recht seichten Gemeinplätzen und phrasenhaftem Ueberschwang, bei dessen Beurtheilung rnan allerdings an die Eigenart derartiger Artikel denken muß, welche den Mangel an Inhalt durch die Musik der Sprache zu verdecken sucht. Kann aber ein unbefangener Leser in den: hypostatischen Artikel auch nur den Schimmer von „revolutionärer Staatsgefährlichkeit", von „Auflehnung gegen das Herrscherhaus" entdecken? Wir haben die incriminirten Sätze durch den Druck hervorgehoben und die Worte des hebräischen Originals hinzugefugt. Ist es nicht heller Aberwitz, in diese harmlosen, schlimmsten Falls ungeschickten Redewendungen dasjenige hineinzulegen, was die hyperloyalen Staatsletter hineiuzulegen sich so unbezweifelbar berechtigt glaubten, daß sie den unglücklichen Herausgeber des „Hazewi" vor der Oefsentlichkeit, bei dem Strafrichter als Vaterlandsverrüther denuncirten, obgleich sie wissen mußten, welche Folgen diese schwere Bezichtigung unweigerlich haben wird? Der nichtjüdische Richter war selbstverständlich außer Stande, den wahren Sinn jener Worte zu beurtheilen — konnte er aber zweifelhaft sein, wenn die berufensten Beurtheiler in der feierlichen Form einer öffentlichen Kundgebung dem Artikel jene Deutung gegeben, nicht Worte genug gefunden hatten, um jegliche Verantwortung für diese „Unthat" von sich und ihren Gläubigen abzuwälzen?! Man lese diesen famosen „Oefsentlichen Protest!" Er lautet in wortgetreuer Uebertragung: Hierdurch wird bekannt gemacht, das; der Inhalt des in der Nummer des „Hazewi" vom lr,. d. M. unter der lleberschrift niÄE rui2 abgedruckten Artikels des N. K. Jonas nicht von uns ausging, das; er ganz ohne unser Wissen geschrieben wurde und das; wir überhaupt gar keine Kenntnis; von demselben hatten, bevor wir ihn lasen. Als >vir diese unerhörten Aussprüche lasen, empfanden ivir tiefen Schmer; darüber, daß sich in unserer Mitte ein Alaun findet, der sich einen Inden nennt und solche ungeheuere Aeußernngen thut, ivie die in jenem Aufsätze abgedruckten es sind. Wir legen hiermit im Namen des Rabbiuats und alter jüdischen Bewohner des heiligen Landes öffentlichen Protest gegen dieselben ein. Wir thuu hierdurch kund und zu wissen, das; wir sorvoht, wie alle Juden, die sich unter dem Schutze der Regierung unseres erlauchten Herrschers, des Sultans befinden, gehorsame Diener unseres mächtigen Gebieters und seiner Räthe sind, welche allesammt mit Recht und Gerechtigkeit ihres Amtes walten, und das; wir von Allem, >vas in jenem Artikel, und überhaupt von Allem, was im „Hazewi" gedruckt tvird, nichts ivissen. und auch . keine Verantwortung übernehmen wollen. Friede über Israel! Samuel Salaut. Jacob Eljaschar. Konnte diese furchtbare Anschuldigung eine andere Wir" kung haben, als diejenige, welche sie in Wahrheit gehabt hat? -Niemand wird es dem muhannnedanischen Richter zum Vorwürfe machen, wenn er zunächst voraussetzt, daß, auch bei größldenkbarer principieller Gegnerschaft, kein menschlich Fühlender der Herzlosigkeit fähig ist, seinen Menschen-, seinen Glaubensbruder auf Grund von Aeußerungen, welche eine verschiedenartige Auffassung zulassen, dem Stigma einer richterlichen Verurtheilung, dem Ruin zu überantworten. Auch ein europäisches Forum hätte, nachdem zwei so kompetente Beurtheiler den; Worten roSS ST) die Deutung: „ein Heer zu sammeln und loszuschlagen", und nicht, was sie dem ganzen Zusammenhänge nach einzig bedeuten können: „Kraft zu sammeln und vorwärts zrl schreiten", gegeben hatten, zu einer Verurtheilung gelangen müssen, um so mehr ein Tribunal der Türkei, wo bekanntlich crimina laesae maiestatis, Hoch- und Landesverrat!) ganz besonders streng geahndet werden. Es ist deshalb geradezu als Wunder, richtiger als ein hohes Zeugnis; richterlicher Unbefangenheit zu betrachten, daß über die so schwer Beschuldigten nicht — wie nach. Mittheilungen aus Jerusalem ernst befürchtet wurde — noch härtere Strafe verhängt wurde. Allerdings, die Strafe ist hart genug: sie bedeutet für den schwindsüchtigen Ben Jehuda nicht nur materiellen, sondern physischen Untergang. Dürfen der bejammernswerthe, hartgeprüfte Mann und sein Leidensgenofse ihrem Schicksal überlassen werden? Sie haben bei " dem Obertribunal in Beyrut Berufung eingelegt und sind, wenn auch dieses zu einem verurtheilenden Spruch gelangt, entschlossen, sich an den Cassationshof in Conftantinopel zu wenden. Das ist ein Gebot der Selbsterhaltung für die Unglücklichen, aber es ist zugleich ein Gebot der Selbstwürde für die jüdische Gesammtheit, es ihnen zu ermöglichen, bei allen Instanzen ihr Recht zu suchen, um so die Schmach zu verhüten, daß ein Jude auf die von einem Juden und nun gar von Rabbinern ausgegangene Denunciarion wegen „versuchten Landesverraths" letztinstanzlich verurtheilt wird! Gegenwärtig fehlen Herrn Ben Jehuda die Mittel, um auch nur die Kosten für die Durchführung des Processcs vor dem Beyruter Gerichtshöfe, für die Bestellung eines tüchtigen Vertheidigers x. zu bestreiten: zudem seufzt er unter dem Jammer eines häuslichen Elends, an welches nach uns zugehenden Berichten keine Hyperbel heranreicht. „Kommt nicht schleunige Hilfe", so schreibt uns ein Freund aus Jerusalem, „dann muß der von schwerem Sicchthum entkräftete Mann dem Ansturm des physischen und psychischen Druckes, dein Mangel am Allernothwendigsten erliegen." Bedarf es mehr, um das öffentliche Erbarmen, die Menschen- und Bruderliebe zu thätigster Theilnahme wachzurusen, um in einem Jeden, der ein jüdisch' Herz in seinem Busen fühlt, das Verlangen zu wecken, den unschuldig Gehetzten mindestens vor — Hunger zu schützen?!*) Aber damit ist nicht genug geschehen! Diejenigen, welche das gräßliche Unheil über die Unschuldigen gebracht, haben die Pflicht, wieder gut zu machen, was sie in so sträflicher^ Nachgiebigkeit gegen das Drängen Haßverblendeter gesündigt; sie haben diese Pflicht nicht nur gegenüber den unmittelbar Betroffenen, sondern auch gegenüber der jüdischen Gesammtheit, deren Ehre sie durch einen Ehillul Haschem auf so traurige Art so schwer compromittirt haben. Sind sie dieser ernsten Pflicht sich nicht bewußt, so müssen sie daran gemahnt werden. Oeffentlich rufen wir hiermit alle Diejenigen auf, welche zu derartigen Mahnungen das Gewicht und das Mandat haben, die rabbinischcn Koryphäen, vor deren Autorität auch ihre Cotlegen in Jerusalem sich beugen, die Leiter der Vereinigungen und Institute, welche die Functionäre und Vertrauensmänner der Palästina-Spender sind — öffentlich rufen wir sie Alle auf, zu thun was ihres Amtes ist, mit größtdenkbarem Nachdruck zu fordern, daß jener scandalöse Protest in aller Form zurückgenommen, daß mindestens von den Unterzeichnern an amtlicher Stelle, vor dem Obertribunal zu Beyrut erklärt wird, daß die incriminirten Worte, aus denen dem Schreiber und dem Herausgeber des „Hazewi" ein Strick gedreht wurde, noch eine andere, völlig harmlose Deutung zulassen. Werden die Herren S a l a n t und E l j a s ch a r diese Rectificirung geben, daun werden sie das schwere Verschulden, welches sie mit ihrem Namen decken, zwar nicht ganz gesühnt, aber doch insofern gemildert haben, als sie sich nicht zu Mitschuldigen machen an einem — Justizmord! Die Hygiene der alten Inden. Vortrag, gehalten im Vereine „Sesterreichisch-israelitische Union" am 13. Jänner 1894. Von Dr. I o s. M. L o e b l in Wien. Von der Annahme ausgehend, daß es jeden Gebildeten interessirt, den Wissensschatz seines Volksstammes zu kennen, daß aber Viele durch ihren Beruf verhindert werden, sich die entsprechenden Kenntnisse durch eigenes, zeitraubendes Studium zu verschaffen, habe ich es unternommen, jenen Theil unserer alten Literatur, der mir in meiner Eigenschaft als Arzt naheliegt, den hygienischen, in dieser verehrten Gesellschaft einer kurzen, übersichtlichen Besprechung zu unterziehen. Die Hygiene, die Gesundheitslehre, ist erst seit den Fortschritten der medicinischen Chemie, der Mikroskopie im Allgemeinen, der Bakteriologie im Besonderen eine selbstständige Wissenschaft. Was man von derselben früher wußte, war Empnrie, Hypothese. Das Verdienst der Alten soll durch diesen *) Wir find selbstverständlich mit Freuden bereit, etwaige Spenden ihrer edlen Bestimmung zuzuführen.