Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 46 Aesterreichifche Wochenschrift Nr. 3 genügte. Er konnte sicher sein, das; er eines schönen Tages vernichtet werden würde. Acht Tage vor Channta, als er gerade im Begrifse war, seinen FeflaAikel zu schreiben, wurde seine Frau von Geburtswehen ergrissen. Er mußte seine Feder seinem Schwiegervater, welcher bei ihm wohnte, anvertranen, und dieser verfaßte einen Artikel über die Hcldenthaten der Blaccabäer, in welchem er sich der Worte „u n s e r Land", „u n s e r e Stadt" bediente, wenn er von Palästina und Jerusalem sprach. Der Artikel war im Grunde herzlich unbedeutend und wurde von allen Lesern der Zeitung unbemerkt übergangen. Aber die Rabbiner, ohne kir.terschied Aichkcnasim und Srphardini, beeilten sich sofort c : n. e„P r o t e st" d r u ck e n u n d an die Straße n der S t ß d * a n h e s t e n; u l a s s e n, und reicht e n; ug l e i ch e i n e i a p c g e g e n Ben I c h u d a und seine n S ch w : c g e r ca t eI o n ns ein, a l s 1! r h e b e r eine s A v t i t c i s c e r d i e Israeliten auf f ordert e, gegen d i e b c •: c r, e i: d e R e g i c r u n g zu r e v o I t i r e n!! Das Cchmunigste an der Geschichte liegt darin, das; die türkische E e t; s n n, tu* katholischen Priester und die Pastoren der protestant'.imen Mi'non in diesen lvenigen Zeilen gar nichts Tadelns- N' c v :!) e ci anden; aber von dem Augenblicke an, in welchem sin die Rabbiner beklagten, mußte die Gerichtsbarkeit natürlich crnstaast einschreiten. Obgleich auch die Richter noch ziemlich wohlwollend waren, sagt das klrtheil uns Schrecken durch die Glieder; es lauter aus: „U nt er b r ü ck u n g de r Z c i t u n g und ein Ja h r Z u ch t b a n s f ü r B e n Je h u i> a u n d Jona s." Rach menschlicher Berechnung wird der unglückliche Ben Jehuda mit der an ihm nagenden Krankheit niemals sein Jahr beenden, und die jüngsten Rachlichten lassen befürchten, daß seine Frau im Ang »blicke, da ich diese Zeilen schreibe, nicht mehr am Leben ist. Ich er h e b e hiermit ö s f e n 1 l i ch A n k l a g e g e g e n die Urheber di e s e r I ti st i z t r a g ö d i c: e r st 1 i ch g e g e n den E h a ch a in B a s ch i Elsa s ch a r sowie seinen E o l l eg e n Samuel S a l a n t und schließlich gegen Seine Hoheit — mit Respeet zu melden.' — Herrn Riwli n. Die gesammtc Judenheit muß von diesem scandalosen Borkommniß erfahren. Die Conscquenzen ergeben sich dann für Jeden, der sich der Pflicht der Kennzeichnung und der Verhütung eines Ehillul Haschem bewußt ist, von selbst." Das im Vorstehenden geschilderte traurige Geschehnis; ist uns nicht neu, aber die Berichte klangen so unglaublich, daß wir erst volle Gewißheit erlangen wollten, ehe nur dasselbe an dieser Stelle keitltzeichnen. Gleichzeitig mit der Mitiheilung unseres Pariser Freundes ist uns aus Rußland uub aus Palästina eine Reihe entrüsteter Zuschriften zugegangen, welche den letzten Zweifel darüber ausschließen, daß das Ungeheuerliche wirklich geschehen ist. Es genügt, diesen gräßlichen Ehillul Haschem hier festzunageln, jedes weitere Wort wurde das niederschmetternde Gelvicht, das in der Mittheilnng der bloßen Thatsache liegt, nur abschwächen! Wie schwer es uns ankommt, die genannten Oberhäupter der sephardischen und der aschkenasischen Gemeinden Jerusalems öffentlich bloßzustellen, braucht nicht erst ausgesprochen zu werden; zudem sind wir überzeugt, daß diese beiden Herren die Opfer einer unseligen Schwäche sind, indem ste dem Drängen jener Terroristen nachgaben, deren verhängnißvoller Einfluß endlich gebrochen, mindestens denjenigen nochmals warnend vor Augen gefühlt werden muß, welche demsclbett ein Ende zu macheit im Stande sind und, wenn sie dies unterlassen, eine Verantwortung ans sich laden, an der sie, glauben um', schon jetzt schwer gerliig tragen! Wird diese seine neueste Leistung noch nicht ausreichen, um dem Riwlin das Handwerk dauernd zu legen, so werden wir es an unausgesetzten, nachdrücklichen Vermahnungen nicht fehlen lassen, bis seine Nolle endlich ausgespielt ist. Man meint, vielleicht, wir übertreiben: der bejammernswerthe Ben Jehuda habe sich in der That schwer vergangen, der Artikel seines Blattes rechtfertigte dei; öffentlichen Protest, wenngleich selbstverständlich die Denunciation bei dem S-trafrichter in keinem Falle gerechtfertigt werden kann. Unsere Leser mögen selbst urtheilen! Der „staatsgesährliche" Artikel lautet in wortgetreuer Uebersetzung: „Die Chanucka-Tage nahen heran. Wieder werden wir uns in den Synagogen und Lehrhäusern-vereinigen, um die Wunder- Gottes in großer Versammlung zu verkünden und die „Channcka- Lichter" anzuzünden. Wo gibt es noch auf Erden ein Volk, dessen Lebens größter Theil das Erfüllen der Gebote in Anspruch nähme, wie es bei Israel der Fall ist; bei jeder Tagesihätigkeit, beim Essen und Trinkeil, beim Gehen, Sitzen unb Stehen, beim Hinlegen und beim Erwachen, im Offenen und im Verborgenen, an Festtagen und bei den Erinnerungen aus seiner Geschichte, und überall wo es sich kehrt und wendet — überall ist es „voll der Gebote wie ein Granatapfel!" Und das Anzünden der Chanucka-Lichter ist ein von einer bestimmten Zeit abhängiges Gebot, geknüpft an Erinnerungen aus unserer Geschichte, an Erinnerungen an Elend und Erlösung, und wir üben es in jedem Jahre am Channcka aus. Gewiß stehen die religiösen Gebote den Juden so wohl an „wie ein rother Zaum einem weißen Pferd", und abgesehen davon, daß die Israeliten wegen Annahme derselben ein heiliges Volk genannt werden, erwerben sie sich noch „gute Fürsprecher". Wer übt denn im Lause eines vollen Jahres nicht 613 Geboie, aus denen 613 sürsprechende Engel geschaffen werden? Und nun rechne man, wie viele Engel wurden von einigen Millionen von Menschen im Laufe von 6654 Jahren geschaffen! Und in jedem Zeitalter! Aber leider sind „die Gebote nicht gegeben, um an ihnen Ergötzen zu haben", und so will auch das Anzünden der Lichter sagen: das Gebot ist eben nur Gebot, wir gewinnen dabei nichts; es erzeugt nicht die warme Begeisterung im Volke als solches, das; es für das gesellschaftliche Zusammenleben, oder für seine eigene, ganz erniedrigte Existenz Sorge trage, und während alle Völker immer vorwärts schreiten, geht Inda tagtäglich zurück! So zünden wir-die Lichter an, aber ohne ihre Bedeutung zu beherzigen. Die Vergangenheit vergessend, erivähnen wir in kurzen Worten des Antiochus, der zur Zeit der Hasmonäer über Israel herfiel und die Lehre vergessen machen wollte, Gott aber habe uns seinen Beistand gespendet zur Zeit der Noth, er habe gestritten, gerichtet, Rache geübt, ausgeliefert k. — ja, aber wer brachte all dieses zu Stande? Wer führte es aus? Wer war der Gesandte Gottes? Wer war jener Held? Wo ist Inda der Maccabäcr, der ui;s mit Schwert und Bogen schützte, der - den Apolonins erschlug und sein Schwert umgürtete? Wo ist Juda der Maceabäer, der die beiden Heerführer des Antiochus niedermetzclte und sein Heer zum Abzüge zwang? Wo ist Juda der Maccabäer, der gegen Lysins auszog und mit einem Male 5000 seiner Mannen erschlug? Wo ist Juda der Maccabäer, der das Heiligthum reinigte, die heiligen Geräthe und den Altar, und der den 25. Tag des Kislew als Festtag für die späte Zukunft bestimmte? Er schnitt den Kopf des Nikanor ab und spießte ihn in Jerusalem auf; er war es, der seine Brüder ausmunterte und ihnen Muth einflößte und sprach: „Fern sei es von uns, niiseren Feinden den Rückeii zu kehren; naht die Zeit heran, so wollen wir wie Helden sterben, ilicht aber uns der Schmach anssetzen!" Wo ist er, Juda der Maccabäer, der sein Schwert bis zum letzten Athemzuge nicht aus der Hand legte? Es ist, als ob Juda der Maccabäer nie existirt hätte, und im Gebete ivird seiner gar feine Erwähnung gethan! In kurzer Zeit ivird (im Gotteshause) Alles abgemacht — dann begibt sich Alles nach Hause! Wir wenden uns diesem Helden nicht zu, um von ihm zu lernen, auch in uns heilige Regungen zu erwecken, das; auch wir mit starken Herzen und voller Begeisterung unsere Nation und das Land iinserer Väter lieben (WDK pstt ran&6), daß wir uns gegenseitig ermuthigen, eines Herzens und eines Willens zu sein, wo es sich um unsere Stellung und um unsere Neubelebung handelt, Alles aufzubieten, um nicht zu verzweifeln aus Furcht vor Ungemach, unsere Ehre zu schonen, uns (gegen Angriffe) zu vertheidigen, Kräfte zu sammeln, um vorwärts zit schreiten TtiD'HE robb hm — vorwärts, und nicht wie ein Krebs, rückwärts — und daß in unseren Adern mehr oderweniger pulsire das Blut dieses Helden, welches er (Juda) für sein Volk und Vaterland vergossen hat, welches aber in der Geschichte noch warm geblieben ist — würden wir das thnn. dann könnten wir in der That Gott preisen, der uns erleben ließ und uns erhalten hat und erreichen ließ diese Zeit." - Dies die ominöse journalistische Leistung. Man wird dieselbe alles eher wie geschmackvoll finden: in Gemisch von