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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Vrsterreiitzischr Wochenptzrtfl Leite 45 Doch auch die Verdienste unseres herrlichen Schneider dürfen nicht vergessen werden. Anläßlich der Unterstützung der Volksbibliotheken bedauerte der Herr Ober-Stampiglienrath, daß kein einziges Exemplar des Talmud, aufgestellt sei, auf daß die arische Bevölkerung die Moral der Jiiden daraus kennen lerne. Da beklagen sich noch diese Semiten über uns. Wir machen doch die herrlichste Propaganda für ihre Literatur? Kümmern sich die Juden nur halb so viel um den Talmud, wie wir, die Antisemiten? Sie lassen ihn ruhig auf dem Boden verstauben, wenn sie ihn vom Großahnen ererbt haben und sind noch am Ende froh, wenn ein Seminar ihn geschenkt nimmt und sie ihn so auf gute Art los werden und noch überdies billig in den Geruch der Noblesse kommen. Wir jedoch trachten bei jeder Gelegenheit, daß der Talmud aufs Tapet gebracht werde und nun und nimmer in Vergessenheit gerathe — da find sie noch unzufrieden mit uns. Unbegreiflich räthselhafte Rasse das. Man kann ihnen gar nichts recht machen. . . Pumpo! Wir haben fast durchaus schöne Männer in unserer Partei, das wird allgemein, wenn auch nicht gerade neidlos, zugegeben. Lueger, der schöne „Koarl", zum Beispiel. Das Beuschel zittert einem im Leibe vor Vergnügen, wenn man seinen wohl gekräuselten, pomadisirten Lockenkopf betrachtet. An Lukger haben sich schon einige die Finger verbrannt. Mila findet ihn geradezu entzückend. Doch darauf ist wenig zu geben, denn auch Johannes gefällt ihr. „Fürscht Loisl" ist gelviß ein eleganter Mann, Hauck wieder in einer anderen Art hervorragend — aber zum Küssen ist doch nur D ö tz. Schönerer h a t ihn auch geküßt. Er konnte nicht widerstehen und mußte ihm coram publico ein Schmätzchen appliciren, daß es nur so schnalzte. Wenn Mila dabei gewesen wäre, sie würde in holder Scham erglüht sein, die liebliche Jungfrau des Sitzes und mit sich selbst kaum eingestandenem Sehnen gewünscht haben — in der Mitte zwischen beiden teutschen Mannen zu stehen und allda das Küßchen von beiden Seiten aufzufangen. Wer weiß, ob die auf den Handel nicht eingegangen wären! Ich persönlich verehre den verflossenen Ritter gewiß gar sehr, bin sein allzeit getreuer Schildknappe — aber küssen? Rein, ich muß nicht von Allem haben. Wenn das der höchste Lohn der deutschnationalen Treue sein soll, so fürchte ich, daß der Preis nicht eben glücklich gewählt erscheint und daß unser ohnehin stark eingeschmolzenes Fähnlein noch weiter sich verringern dürfte. Schönerer hat Dötz für den Treuesten der Treuen erklärt und der Ueberzeugung zartfühlenden Ausdruck geliehen, Dötz sei bis in den Tod — nämlich bis in Dötzens Tod — ja nicht mißzuverstehen! — getreu. Daß Dötz Schönerem vorsterben werde, nimmt der allverehrte Führer so ziemlich als feststehend an. Ein eingeschlichener, boshafter Juden-Tinterich bemerkte halblaut und hämisch dazu: Schönerer hoffe uns Alle noch zu überleben, nachdem er sich selbst überlebt habe. Dötz hält aber auf Anstand und wird dem Führer der Deutschen in der Ostmark den Vortritt an der Todespforte lassen wollen: „Nach Ihnen — nach Ihnen, mein Herr!" Denke Dir, Pumpo, dieser infame Mensch von Johannes, verweigert mir gerade in nichtswürdiger Weise die gewohnte Tasse Cognac. Ist Dir solch bodenlose Frechheit schon untergekommen? Wenn Mila, die Holdselige, nicht für mich gutgesessen hätte — ich weiß nicht, was geschehen wäre. Ich habe ihm doch gesagt, dem niedrig denkenden Wicht, daß ich ihn bei Heller und Pfennig bezahlen werde, so wie ich nur meine Prüfungen abgelegt haben werde. Er schenkt mir keinen Glauben mehr, mir, dem allweg strammdeutschen Jüngling — doch das würde mich weniger kränken, als daß er mir keinen Cognac mehr schenken will, das ist ärger — viel ärger! Zum Glück liebt mich die Jungfrau zwischen den zwei chinasilbernen Aufwärtern mit den Zuckertäßchen, sie wird mich schon eineI Tages erhören, die Spröde, die Keusche. — -Diese eine Hoffnung hält mich noch aufrecht, denn ich habe mich schon zuweilen mit dem Gedanken getragen, mir einen Revolver auszuleihen und stand sozusagen schon mit 'S einem Fuße im Selbstmord. Mit einem Knallesfect wäre ich Dir aus dieser verjudeten Welt abgefahren — noch cm kleines Bedenken hielt mich hievon ab. Ich könnte ja auch eirtes schönen Tages, wie weiland Baron Vogelfang — siehe Interpellation Schneider — in Gegenwart eines semitischen Stadtphysicus — o wie schrecklich! — exhumirt werden. Das wäre mir geradezu entsetzlich, das würde ich nicht überleben .... Und es gibt ja ab und zu doch noch einige schöne Dinge, die noch der Mühe werth sind! Welche reine ungetrübte Freude hat mir gleich die herrliche Rede des Gemeinderathes Tombola beim Schönerer-Feste bereitet. Ich muß Dir rasch einige Glanzstellen daraus anführen, Freund meiner Rassenreinheit. Höre: „Vielen von uns, ja den großen Massen, Allen fehlt das Gefühl nationalen Schmerzes ganz; wäre dem nicht so, welch innige Freude müßte heute durch die Herzen aller Ostmarkdeutschen ziehen, wie müßte e s d u r ch alle G em ü t h e r ziehen, von allen T h ü r m e n klingen, Großeltern müßten es st r a h l e n d e A u g e s ihre n E n k e l k i n d e r n z u r u s e n, auf den Stra ß e n müßten die Menschen sich w e i n e n b vor F r e u d e in die A r m e sinke n, d e n n A l l e n, A l l e n m ü )> t e s i ch's mit einem A u f s ch r e i r e i n st e r F r e u d e aus dem Herzen drängen: Schönerer i st wieder wählbar! Hört ihr's Alle? Schönerer' welch ein Name! welche ein Mann! Wißt ihr, deutsche Ostmärker, was er euch war? O, wüßtet ihr's, ihr wär't nicht lau, ihr zöget W a l l f a h r e r n gleich hin; u i f) m und riefet alle i m C h o r: Heil Schönerer! Heil D e i n e r I d e e!" Was sagst Du hiezu, o mein Pumpo? Bei Wotan! das ist doch ganz mein Styl, meine deutfchnationale Denk- und Anschauungsweise! Mir war, als ich dies las, als ob ich in einen Spiegel blickte, der mir treu mein arisch Antlitz zurücke warf. „Die Idee!" — das heiße ich durch die Kornblume gesprochen. Aber die Bescheidenheit gebietet mir dennoch hinzuzufügen: Der ist noch über Teutobold, so bringst Du es nicht zusammen, Du hast Deinen Meister gesunden, der Tombola hat ihn noch überteutoboldet den alten Teutobold. Unerhört. Die „Jüdische Presse" des Herrn Dr. Hildesheimer in Berlin bringt unter vorstehender Ueberschrift folgenden Artikel: „Man weiß in Europa schon lange, daß die Männer in Jerusalem. welche die alleinigen Jncassenten und Bertheiler der Mittel ans der Chaluka sind, keine Kritik dulden. Erhallen die Armen alles das, was für sie dorthin gesandt wird? Ich überlasse Anderen die Sorge, sich in diese Frage zu vertiefen. Ist ein Unglücklicher wirklich einmal undelicat genug, sich zu beklagen, so wird er sofort excommunicirt, und diejenigen, welche Palästina besucht haben, wissen, wie wenig die Rabbinen sich scheuen, mit diesem Damoklesschwert zu spielen. Wenn ein Anderer, der ihr Anathema nicht fürchtet, die Freiheit sich nimmt, ein Wort gegen die Chalnka zu äußern, so wird er gekennzeichnet und bei erster Gelegenheit so geschädigt, daß ihm die Lust vergeht, wieder anzufangen. Was ich erzählen will, ist unerhört, und Niemand, der ein menschliches Herz in seinem Busen fühlt, wird das Ungeheuerliche glauben wollen; aber ich versichere Sie, daß es buchstäblich wahr ist, nnd ich wünschte nur, daß Ihre werthe Zeitung an alle Glaubensgenossen gesandt würde, damit auch im letzten Dorfe Galiziens nnd Rußlands bekannt würde, wessen der Fanatismus, der sich zu rächen sucht, fähig ist. An der Schule der Alliance israelite in Jerusalem war ein Lehrer des Hebräischen Namens Ben Ich u da angestellt. Stetes Arbeiten, pünktliche Gewissenhaftigkeit und eine schwache Constitution zogen ihm die Schwindsucht zu. Er mußte seine Lehrthätigkeit aufgeben und wurde, um seine Familie ernähren zu können, Journalist. Er gab die Zeitschrift „Hazewi" heraus, hatte ziemlich viel Abonnenten und befand sich verhältnismäßig glücklich. Freimüthigen loyalen lind ehrlichen Charakters, konnte er nicht mitansehen, was in seiner Umgebung vorging, und hatte die große Kühnheit, von Zeit zu Zeit einen Artikel gegen die Männer der Chaluka zu schreiben. Das

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