Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021010--03135-3027257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2 Veflrrreichtptze Wochrnptzrtfl Geile 33 pünktlich in seinen Büchern vom Jahre 1793 eingetragen. Im April dieses Jahres mußte er 300 Livres für Freiwillige, 200 Livres zur Ausstattung eines Reiters erlegen. Straßburg war wie z. Z. Paris in Sectionen und Wahlbezirke eingetheilt. Seligmann schenkte seiner Section 200neue Hemden, die er mit 200 Livres bewerthete, der Club der Jacobiner verlangte von ihm einen Beitrag, er sendete dazu Uhren und andere Silberwaaren im Werthe von 8V0 Livres, dann Slrümpse, Schuhe und Mäntel im Werthe von 400 Livres. In sein Haus nahm er zwei Verwundete, die er frei 2 Dekaden (20 Tage) verpflegen und heilen mußte, was er mit 100 Livres berechnet, 5000 Livres beträgt das Tuch, das er der Regierung aus seiner Fabrik zur Verfügung stellen mußte und mit 74.000 Livres berechnet er seinen Schaden beim Verkauf seiner feinen, böhmschen Wolle (Laine fine de Boh&ne) welche er zu 1250 Livres per Centner gekauft und für 320 Livres den Centner der Regierung überlassen mußte. Zu Ende des Jahres 1793 hatten die Juden in Straßburg sehr triftige Gründe, sich zu ängstigen, sie bemühten sich zwar, um jeden Preis die Gunst des Volkes zu erlangen. Am 8. October 1793 brachte die Witwe von Moses Jsak eine silberne Tabatiere nach ihrem seligen Manne als patriotisches Geschenk in den bürgerlichen Club und dazu einen Ballen Charpie und Verbandzeug. Die Rabbiner brachten aus ihren Synagogen diverse Geschenke (pommeaux de canne), Gesetztafeln und Statuen von Moses und Aron aus Silber, um für sich und ihre Gemeinde die Volksgunst zu erwerben. Nichtsdestoweniger beschloß der Club der Jacobiner nach einigen Tagen von der Departemental-Regierung zu verlangen, daß alle Juden, die nicht in Straßburg Häuser besitzen, aus der Stadt verbannt werden sollten. Freilich waren die Juden nicht das einzige Opfer der Rohheit der Jacobiner, denn im gleichen Monate October bezeichnete der Jacobiner-Club alle Bäder und Greißler von Straßburg als Feinde der menschlichen Gesellschaft, die unter dem Volke den Aberglauben an das geprägte Geld erhalten (l'idolätrie du nuneraire). Am 26. October beschloß dieser Club, daß alle Vräuer zu Geldstrafen zu v erurtheilen seien, für alle Unordnung die sie sich von Beginn der Revolution an ihren Erzeugnissen zu Schulden kommen ließen (pour les abus que ces individus ont pu 86 permettre depuis la Revolution sur leur comestibilit6). In Folge dessen mußten die reichen Brauherren Schott, Nagel und Pick je 25.000 Livres und die minder reichen Hatt, Boch, Lauth, Kämmerer und Farm je 5000 Lwres Strafe erlegen. Saint Just und Leb as, die Parteigänger des Robespierre, waren in Straßburg vom 23. October als revolutionäre Abgesandte der Pariser Regierung thätig. Ihre Aufgabe war es, den Feind, der die Festung Weißenburg erobert hatte, aus dem Territorium der französischen Republik zu vertreiben und alle sonstigen Feinde der Republik zu vernichten. Diese Gesandten hatten die höchste Gesetzes- und Executiv gemalt in Händen, gegen deren Befehle es keinen Recurs gab. Am 1. November 1793 gaben sie Befehl zu einem Zwangsanlehen von 9 Millionen Livres, welche einige vorher bestimmte Personen, denen am 3. November gedruckte Aufforderungen zugesendet wurden, unverzüglich diesen Betrag in Baarem an die Casse der französischen Regierung zu erlegen haben. Alexander Seligmann sollte 200.000 Livres erlegen. Daß er sich damit nicht beeilte, ist leicht erklärlich, allein die damaligen Regenten hatten es sehr eilig, denn schon am 5. November erhielt Seligmann von dem Bürger Garnier, Secretär für die öffentliche Sicherheit, eine Zuschrift, in welcher ihm unter Androhung strenger Strafe befohlen wurde, binnen 24 Stunden den angewiesenen Betrag zu erlegen. Wie die Sachen damals in Straßburg standen, ersehen wir aus einem Berichte, den die 2 Emissäre des Nationalconventes Mi lh aud und Guyardin an die Pariser- Regierung sandten. Es heißt darin: „Die Furcht ist hier auf der Tagesordnung, die Aristokraten sind besiegt und die Verräther zittern in ihren Verstecken, da sie einsehen, daß sie uns nicht schaden können. Saint Just und Lebas wetteifern mit uns in der Anordnung von strengen, aber ebenso nothwendigen Verfügungen für das allgemeine Wohl. Sie lassen alle jene Männer die von dem Volke zu irgend welchem Ehrenamte gewählt wurden, in das Innere des Landes verführen, bis auf vier, die sie hier zurückließen und wir ließen alle gewählten höheren Officiere der Garde in das Innere des Landes verführen. Sie legten der hiesigen reichen Bewohnerschaft ein Zwangsanlehen von 9 Millionen Livres auf, während wir alle Banquiers, Wechselagenten, Notare, überhaupt alle jene Personen die nur wenig verdächtig schienen, einsperren ließen. Ja, wir thaten noch mehr, wir stellten alle reichen Leute unter Sequester und ihr Vermögen wird dem Volke dargeliehen werden. Wir halten unter Siegel etwa 2—3 Millionen Livres in geprägten Münzen und etwa 15—16 Millionen in Assignaten. Die Guillotine hat in Straßburg ihren ständigen Platz, die Sansculotten sind erwacht und dies Erwachen ist fürchterlich. Senden Sie uns aus Paris eine genügende Anzahl Montagnards, damit wir an der Grenze der Republik die Liebe für dieselbe entzünden und die verbündeten Rotten der Despoten kehren nicht mehr über den Rhein, der sonst ihr Grab wird." _ (Fortsetzung folgt.) Fürflengunfl. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzung»- 41) rechte Vorbehalten.) Die Sitzung des deutschen Conferenzrathes, welche im Palaste ihres Präsidenten des Prinzen Eugen stattgefunden hatte, war beendet, die Mitglieder desselben hatten sich schon verabschiedet. Der Prinz saß in seinem mit dem höchsten Luxus und dem feinsten Geschmacke ausgestatteten Salon, und als sich die Thüre öffnete, erwartete er, daß Rafael Frankl, den er für diese Stunde hierherbeschieden, gemeldet würde, aber zu seiner unangenehmsten Ueberraschung meldete der Kammerdiener: „Seine Durchlaucht, der Herr Markgraf von Ansbach." Der Prinz erhob sich und ging seinem Besuche einige Schritte entgegen. Markgraf Friedrich Wilhelm war vierunddreißig Jahre alt, klein, eine unbedeutende Gestalt. Sein gelbliches, runzeliges Gesicht, die matten, glanzlosen Augen deuteten auf eine wüste Vergangenheit. Er huldigte, wie die meisten kleinen süddeutschen Reichsfürsten seiner Zeit, in Allem dem französischen Geschmacke. Er war auch nach der jüngsten Pariser Mode gekleidet. Er trug eine große Allongeperrücke, gegen welche der dunkle Teint seiner Züge noch häßlicher abstach, ein Kleid von violettem Sammt, das an dem Kragen und den Manschetten mit den feinsten Brüßler Spitzen besetzt war. Die tief ausgeschnittene Weste aus Goldbrocat ließ ein kostbares Jabot mit einer Brillantnadel sehen. Er trug kurze, seidene Beinkleider, weiß seidene Strümpfe, Schuhe mit goldenen Schnallen, einen Galanteriedegen an der linken Seite und einen kleinen dreieckigen Hut unter dem Arm. Der Prinz reichte dem Markgrafen die Hand, in welche dieser affectirt zwei Finger legte und sich dann in einen Lehnstuhl, den ihm der Prinz durch eine Handbewegung zum Sitze anwies, warf. „öonjonr mon eher prince!w*) begann der Markgraf und auch seine Stimme klang unsympathisch, widrig, für einen Mann zu hoch, „ich hatte soeben die Ehre von seiner Majestät, dem Kaiser empfangen zu werden, mais il faut Fa von er**) ich bin höchst ungnädig ausgenommen worden. Ich begreife es gar nicht, daß sich der Kaiser von diesem elenden Geschmiere, dieser Beschwerde, welche meine Landstände überreichten, gegen mich hat einnehmen lassen! Warum soll ein Souverän nicht dem andern beistehen? Warum soll er Partei für die Rebellen ergreifen? Ich an seiner Stelle würde das nichtsnutzige Gesindel gar nicht anhören; ihm ewiges Schweigen auferlegen." „Durchlaucht", erwiderte der Prinz, „der Kaiser ist der oberste Richter im deutschen Reiche, er muß nach Gesetz und *) Guten Morgen, mein lyeurer Prinz. **) Aber ich muß es gestehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.