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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 34 Vrstrrreichifchr Wochenfchrist Nr. 2 Recht entscheiden und darf sich hierbei am allerwenigsten von persönlichen Rücksichten leiten lassen. — Was hat denn der Kaiser gesagt, daß Sie, Durchlaucht, von einem ungnädigen Empfange sprechen?" „Hm!" knurrte der Markgraf, „er sagte: Ich habe das Memorandum Ihrer Stände gelesen und wenn auch nur der zehnte Theil von dem, was darin von Ihnen behauptet wird, wahr wäre, müßte man Ihnen die Fähigkeit, ein Land zu regieren, absprechen und einen der Agnaten berufen, welcher bis zur Großjährigkeit Ihres siebenjährigen Prinzen für diesen die Regierungsgeschäfte Ihres Landes leitet!.Daß der Kaiser das von mir glaubt und mir in's Gesicht sagt, ist doch unerhört, n7est-ce pas?.Aber, mon eher prince, es wird wohl nichts so heiß gegessen, als es gekocht wird, denn nachdem ich allerhöchst ihm die Sachlage richtig dargestellt hatte, fügte er schließlich etwas milder hinzu: Ich werde die Denkschrift der Stände dem deutschen Conferenzrath zur Aeußerung geben und nach dieser meine Entschließung fassen.Mon eher prince, ich komme nun eben, um mir in dieser unglückseligen Affaire Ihre allvermögende Protection zu erbitten. Sie sind der Präsident des deutschen Conferenzrathes, die Seele desselben, Ihr Wort ist in diesem entscheidend und ich bitte Sie Ihren Einfluß dahin zu verwenden, daß der Conferenzrath sich dahin ausspricht, daß...." der Markgraf hatte zu des Prinzen großer Verwunderung bislang ziemlich ruhig und auch nicht geradezu unvernünftig gesprochen; — aber jetzt gerieth er plötzlich in Wuth und schrie wie ein Rasender, „ich das Recht habe, der Hälfte der hochverrätherischen Schurken den Kopf vor die Füße legen, die andere Hälfte aus der Wülzburg oder im Mauerthurm zu Schwabach verfaulen zu lassen!" „Euer Durchlaucht", erwiderte der Prinz, „ich präsidire wohl dem deutschen Conferenzrathe, ich habe die Verhandlungen desselben zu leiten, bei den Sitzungen die Abstimmungen vorzunehmen, aber auf das Resultat derselben kann und will ich keinen Einfluß nehmen. Ich kann Ihnen, Durchlaucht, keine bestimmte Zusicherung, in toelcher Art sich der Conferenzrath äußern wird, ertheilen; — aber darüber können Sie, Durchlaucht, vollkommen beruhigt sein, das Schriftstück soll unparteiisch geprüft, unparteiisch beurtheilt werden." „Unparteiisch!" grollte der Markgraf, „das wär ein Kunststück! das trifft Jeder! da stelle ich viel höhere Ansprüche au Sie, mon prince! .... Sie sind ja Prinz eines regierenden Hauses, Sie stehen mir näher als den Ständen! Ich will, daß Sie mich als Näherstehenden berücksichtigen, mich savorisiren, etwaige Fehler mit dem Auge der Freundschaft betrachten, kleine Schwächen mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe bedecken!" „Was wird Ihnen, Durchlaucht, eigentlich von Ihren Ständen zur Last gelegt?" „Sie werden es ja selbst lesen, mon eher prince“, entgegnete der Markgraf verlegen.„Ein elendes, abgeschmacktes Geschwätze, vraiment! .... Sie werfen mir vor, daß ich die ganzen Einkünfte meines Fürstenthumes für meine Bedürfnisse, für meinen Hof verbrauche, so daß zur Besoldung der Armee und der Staatsbeamten, sowie für die Staatsanstälten gar nichts übrig bleibt und fortwährend neue Steuern ausgeschrieben und neue Anleihen abgeschlossen werden müssen." „Hoffentlich", meinte der Prinz, „wird es Ihnen leicht werden, die Unwahrheit dieser Behauptungen nachzuweisen." „Unwahrheit?!" rief der Markgraf, den Prinzen mit unverhohlenem Erstaunen ins Gesicht blickend „unwahr ist es nicht, aber eine Medertracht ist's, daß die Hallunken mir das vorzuwerfen wagen! Was denken sich denn meine Herren Stände?! Soll ich vielleicht hungern und darben, mein Theater, mein Ballet, meine Jagden, meine Amüsements aufgeben, damit sich nur meine Beamten und Soldaten recht dick und fett fressen?. Jeder Mensch ist sich selbst der Nächste! mon prince, bin ich, von Gottes Gnaden Markgraf von Ansbach, dazu da, um zu hungern und vor Langweile zu crepiren? Da dank ich schön für eine solche Gottesgnade!" Des Prinzen Züge waren so ernst geworden, daß der Markgraf wohl einsehen mußte, seine Auseinandersetzungen fänden nicht dessen Beifall, und er hatte seine ganze Hoffnung auf Eugens Unterstützung gestellt, er fuhr daher rasch fort: „Außerdem werden mir von den Ständen noch andere weniger begründete Borwürfe gemacht." „Par exemple?“ frug der Prinz, als der Markgraf wieder stockte. „Es wird mir Despotismus, Willkür, Gesetzlosigkeit, Unbeständigkeit vorgeworfen. . . . Die Verleumder behaupten, daß ich der wetterwendischeste Mensch auf der ganzen Welt sei und nichts in meiner Nähe auf Stabilität rechnen kann, daß ein Mensch, der heute bei mir in höchster Gunst stehe, morgen nach der Wülzburg oder dem Mauerthurm geschleppt werden könne, daß ich im Stande bin, auf das Haupt eines Mannes, der kurz vorher mein Liebling war, einen Preis auszuschreiben. . ." Der Prinz, der sonst in der Regel Jedermann ruhig bis zu Ende reden ließ, unterbrach den Markgrafen und sprach scharf: „Das wäre allerdings ein schwerer Borwurf und inmitten civilisirter Staaten nicht zu dulden. Herr Markgraf, ich hatte nicht Gelegenheit, Ihre Regierungsweise eingehend zu beobachten,, aber das Wenige, was ich davon kennen gelernt habe, scheint diese Ansicht Ihrer Herren Landstände leider zu unterstützen." Der Markgraf blickte bestürzt auf. „Wie verstehen Sie das, mon prince? worauf beziehen sich Ihre Worte?" „Ich habe Sie ein einzigesmal in Ihrer Residenz in Ansbach besucht, es mögen dies jetzt etwa acht Jahre sein. Sie stellten mir damals einen jungen Mann, einen Juden, Rafael Fränkel vor, er hatte Sie mit Gefahr seines Lebens aus den Umarmungen eines Bären befreit. Sie versicherten mir damals, daß Sie chm den Dienst, den er Ihnen erwiesen, bis zu Ihrem letzten Athemzuge nicht vergessen würden. Ich habe den jungen Menschen heute hier in Wien gesehen und gesprochen und ich will auch sofort hinzufügen, derselbe hat mir einen Dienst er wiesen, wie noch nie ein Mensch! — Herr Markgraf, — ich betone dies mit dem stärksten Accente, — ich habe ihn meines Schutzes gegen Jedermann ohne Ausnahme, versichert, und der Mann, den Sie, Durchlaucht, ewige Dankbarkeit zugeschworen, der Mann erzählte mir: Sie hätten auf seinen Kopf einen Preis von dreitausend Ducaten gesetzt; er und die Seinen wären vor Ihren Verfolgungen in ganz Europa nicht sicher" „Rafael Frankl lebt, ist hier?" rief der Markgraf heftig und eine aufsteigende Blutwelle verdunkelte seine fahlen Züge „ich muß ihn...." „Durchlaucht", unterbrach ihn der Prinz, „ich habe mich, wie ich hoffe, deutlich genug ausgedrückt. Ich bin Rafael Fränkl zu dem größten Danke verpflichtet und werde Jeden, der ihm ein Leid zuzusügen beabsichtigt, daran zu verhindern wissen und als meinen entschiedensten Gegner betrachten! Wenn Ihnen, Durchlaucht, eine milde Beurtheilung — allerdings nur insoweit, als sie mit meinem Gewissen und den Pflichten meines Amtes übereinstimmt — in den zwischen Ihnen und Ihren Ständen schwebenden Competenzfragen, wünschenswerth erscheint, müssen Sie jeden Gedanken, Rafael Fränkl etwas Böses zuzufügen, aufgeben. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Schebat 5654. — Jänner 1894. Freitag b! 12; E. d. N. 5h 6’1m Samstag 6! 8 2 13 Sonntag 7; 14 Montag 8 15 Dienstag 9| 16 Mittwoch 10 17 Donnerstag 11 18 Freitag 12;i ■ :i 19 Briefkasten. P. Es ist selbstverständlich, daß wir die moralische Verantwortlichkeit für Ihre sachlich wohlbegründcle Zuschrift voll nno ganz übernehmen. Die gespreizte, aufgeblasene Talent- und Tactlosigkeit, die sich am Sarge des großen Predig:rs blamable prostituirte, hat in allen Kreisen der Wiener Judenheit, bei den einfachsten Kaufleuten sowohl wie bei den Männern der Wissenschaft und Theologie, bei den Mitgliedern der Gemeinde nicht minder wie bei den Vertretern, Vorstehern

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