Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021010--03131-3027253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 2 VeHerrerrtztlitzL WrntzensrtzrM Seile 29 Wien. (Requiem.) Sonntag am 7. Jänner, Abends 6 Uhr, fand in den Localitäten der Wiener Bet-hamidrasch für den verewigten Gründer des Institutes, den Herrn Oberrabbiner Dr. Adolf Jellinek, ein feierliches Requiem statt. Unter den Anwesenden bemerkte man außer den Angehörigen des Verblichenen den Oberrabbiner Dr. Güdemann, den Landesschulrath Dr. Gustav Ko hn, den Lector Weiß, Seminarprofessoren Schwarz und Bnchler, denGesammtvorstand des Bet-hamiärasch und viele andere Honoratioren. Herr Lector Friedmann hielt mit gewohnter Gelehrsamkeit und Gediegenheit einen Vortrag über die Bedeutung Jellinek's für das Judenthum im Allgemeinen und für das Wiener Bet-hawiärasch im Besonderen. Ser geistreiche Vortrag, der viele interessante Partien zur Charakteristik des großen Homiletikers enthielt, wird hoffentlich in Druck erscheinen. Zum Schluffe sang der unübertreffliche Meister Goldstein das El mole und recitirte das Kadischgebet, und die Anwesenden hatten Gelegenheit, neuerdings die Jugendkraft und die ungetrübte Frische des berühmten Obercantors zu bewundern. Wien. (Akademischer Verein „K ad im ah".) Im Laufe des Wintersemesters (XXII. Vereinssemester) wurden im akademischen Vereine „Kadimah" folgende Vorträge, resp. Discussionen abgehalten: jur. Philipp Menczel über „Socialismus und Nationaljudenthum", med. Moses Salz über denselben Gegenstand (nn Anschlüsse an beide Vorträge Discussionen'): theol. M. Berkowicz über „Die äsopische Fabel im Talmud und Midrasch"; med. Wertheimer über „Die Philosophie der Hebräer"; jur. David Sigall über „Don Jfak Abarbanel" und med. Marcus Ernst über „Zionismus". Dem letzteren Vortrage, in welchem der Referent sehr warm das zionistische Programm vertrat, schloß sich eine lebhafte Discussion an. an welcher auch die zahlreich erschienenen Gäste, darunter die Mitglieder des Theologenvereines theilnahmen. Fortsetzung der Discussion Samstag den 13. d. M. Wien-Mariahilf. Am 7. d. M. wurde Herr Moritz Knepler zu Grabe getragen. Der edle Verblichene war ein'Mann, um welchen zu trauern die Juden des VI. und YII. Bezirkes unserer Stadt alle Ursache haben, da er sich sowohl um den Tempel-Verein jener Bezirke, als auch um den Humanitätsverein „NachJat Jeschurun“ unschätzbare Verdienste erwarb. Zur solennen Leichenfeier war auch der Vorstand genannter Vereine vollzählig erschienen und es hielt der greise Präses des „Nachlat Jeschurun“ Herr Moses Feßler, vom Verluste tief ergriffen, im Trauerhause einen Nachruf, der die Zuhörer aufs Tiefstebewegte. Er betonte, daß der Heimgegangene als Mitbegründer, Vorstands- und Ehrenmitglied dem Vereine schon mehr als ein Bierteljahrhundert angehörte, gedarbte seines edlen Sinnes, seines eminent humanen Wirkens welch letzterem viele Nothleidende Linderung, viele Hungernde Nahrung verdanken und schloß mit den Worten: Tomot nafschi mot jeschorim.“ Am Friedhofe sprach Se. Ehrwürden Herr Doctor Jonathan Wolf, hervorhebend, welcher Beliebtheit sich der Verewigte unter der Bevölkerung des VI. und YII. Bezirkes in Folge seines Wissens, seines biederen Charakters und seines Humanitätssinnes erfreute, er gedachte ferner seiner Verdienste, die er sich seit mehr als 25 Jahren um den israelitischen Tempel-Verein, sowie den Humanitäts-Verein „Nachlat Jeschurun“ erwarb. Nach dem üblichen Trauerchorale trugen ihn die Vorsteher genannter Vereine zu Grabe. Wien. (Theo log ischer Verein.) Auf vielfache Anfragen seitens unserer Leser ergänzen wir die in der letzten Nummer dieses Blattes über den theologischen Verein gebrachten Mittheilungen durch folgende Angaben: ' Die von der hohen k. k. Statthalterei bereits genehmigten Statuten des Vereines unterscheiden nach den von uns eingeholten Erkundigungen zwischen unterstützenden Mitgliedern und Gründern, erstere sind solche, die einen Jahresbeitrag von mindestens 5 fl. leisten, Gründer sind jene, die einen einmaligen Mindestbetrag von 25 fl. spenden. Das Geld wird in der Weise verwendet, daß den Mitgliedern im Bedarfsfälle Darlehen gewährt werden, die binnen längerer oder kürzerer Frist je nach den Verhältnissen des Betreffenden an den Verein zurückerstattet werden müssen. — Sowie es das Selbstbewußtsein der jungen Leute hebt, wenn sie außer dem von der Anstalt selbst gebotenen Unterrichte auch auf ihre Selbstausbildung durch wechselseitige Kritik der Predigten und Vorträge bedacht sind, so stärkt es andererseits ihr persönliches Selbstständigkeitsgefühl, wenn sie nicht blos auf die kärgliche Unterstützung seitens der Anstalt in Form von Subventionen angewiesen sind, sondern sich gewöhnen müssen, aus eigenen Mitteln zu ersetzen, was sie in Zeiten der Noth als Darlehen empfangen. Es demüthigt weniger, wenn der Studierende von einem Vereine, dessen freilich nur in bescheidenem Maße beitragendes Mitglied er ist. unterstützt wird, als immer nur von fremden Leuten. Ueber die nähere Art der Verwendung des Bereinsvermögens wird das Publicum durch den Rechenschaftsbericht, den der Verein alljährlich der Oeffentlichkeit unterbreiten wird, belehrt werden. Unser Blatt hat immer jüdische Interessen mannhaft zu vertreten gewußt und deshalb stehen wir nicht an, unseren Lesern diese eminent jüdische Sache an's Herz zu legen und sie aufzuwrderu, recht zahlreich dem theologischen Vereine beizutreten. Der zu leistende Beitrag ist nicht zu groß, seine Verwendung durchaus lobenswerth, sein Nutzen nicht gering für das materielle Wohl der künftigen Lehrer unseres Volkes. Beitrittserklärungen sind zu richten an den „Theologischen Verein", Wien, II., Tempelgasse 3. Innsbruck (Tiroler Landesausstellung.) Seine Majestät der Kaiser hat in Würdigung verdienstlicher und erfolgreicher Leistungen aus Anlaß der Tiroler Landesausstellung 1893 dem Industriellen Wilhelm Dann Hauser in Innsbruck das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Kanitz (Ungarn), im December. Herr Dr. H. Flesch, Schüler des Rabbiner-Seminars in Berlin, wurde einstimmig zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt. Mähr.-WeiMirchen, den 4. Jänner 1894. Unter sehr reger Betheiligung fand heute nach dem Mincha-Gebete die Gedächtnisfeier nach dem verewigten Dr. I e l l i n e k statt. Unser Rabbiner Herr Dr. Leimdörfer schilderte die Bedeutung des Verstorbenen für die jüdische Predigt und die jüdische Wissenschaft in einer für die Zuhörer tiefergreifenden Weise. Es würde zu weit führen, wenn wir über die einzelnen Theile dieses Vortrages näher berichten wollten; wir wollen nur noch zum Schluffe hinzufügen, daß wir erbaut und erschüttert waren von den thatsächlich vom Herzen kommenden und zum Herzen gehenden Worten unseres Seelsorgers. Das übliche Kadisch-Gebet nach dem Hesped konnte von den Betreffenden. weil sie so sehr ergriffen waren, mit fast nur erstickter Stimme gesprochen werden. F. R. Rakonitz, 7. Jänner. Im Tempel der hiesigen Cultusgemeinde widmete unser Rabbiner, Herr Dr. I. Rabbinowicz. dem Andenken des Predigers Dr. Adolf Jellinek einen tiefempfundenen Nachruf, der an den Satz Jes. 50, 4 „Gott der Herr gab mir eine gelehrige Zunge, daß ich es verstehe, zur rechten Zeit den nach dem göttlichen Worte Dürstenden zu belehren; er erweckt mich jeglichen Morgen, er erweckt mein Ohr, daß ich höre und verstehe wie gelehrige Schüler" anknüpfend, ein treues Bild des Wirkens und der unsterblichen Verdienste des verblichenen Kanzelredners bot. Lemberg, am 5. Jänner 1891. Tief erschüttert steht auch unsere Gemeinde da unter dem Eindrücke des Verlustes, den die Wiener Cultusgemeinde und wir alle durch das Hinscheiden des Oberrabbiners Herrn Dr. Adolf Jellinek erlitten. Gestern den 4. d. M. um 5 Uhr Nachmittags ' fand im israel. Tempel eine Trauerandacht für den Verblichenen statt. Der Tempel war zahlreich besucht. Der Cultusvorstand war sehr zahlreich erschienen. Unter Anderen sah man den Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk. Die Trauerfeier begann mit einem Trauerchoral. Hierauf folgte das vom Obercantor Halpern gesungene Trauergebet und dann die Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Caro. Bon der schwarzdrapirten Kanzel aus feierte der Prediger in trefflicher Weise Jellinek als berühmten Orientalisten, als Bahnbrecher auf dem Gebiete der Kabbala, als großen Kanzelredner, welcher feinen Predigten jüdisch originellen Geist verlieh und aus dessen Mund eine Fülle von Menschenkenntniß und Witz floß. Den Schluß der Feier bildete ein ergreifender Trauergefang, unter Leitung des Obercantors trefflich zum Ausdruck gebracht. Krakau, den 8. Jänner 1894. Am Sonntag den 7. d. M. feierte der hiesige Literaturverein ..Sfas Eines" im Saale des hiesigen Tempels das erste Gründungsfest nach einjährigem Bestände. Die Feier, an der eine bedeutende Anzahl von Mitgliedern wie sonstigen Gönnern hebräischer Literatur — darunter Männer von Rang und Namen — theilnahm, gestaltete sich Dank den verdienstvollen Arrangeurs

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.