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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-12 · 2 (12.1.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
2 (12.1.1894)
Date
1894-01-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 28 . Veflrrreichtfchr WochrnschrM Nr. 2 Oxford. Herrn Joel Zacharias, dem Cassier der jüdischen Gemeinde, der sich schon wiederholt um dieselbe verdient gemacht hat, gelang es, von. dem Gemeinderathe ein größeres Grundstück zur dauernden Benützung für einen jüdischen Friedhof zu erhalten. Herr Zacharias hat sich bereit erklärt, die Kosten der Umzäunung selbst zu tragen. Es ist bereits das zweite Mal, daß hier ein jüdischer Friedhof angelegt wird, indem vor ungefähr 700 Jahren, als Oxford eine der bedeutendsten Wohnstätten für die Juden dieses Landes war, diese Stadt bereits einen jüdischen Friedhof besaß. Petersburg, 23. December. Ueber die Einweihung der Synagoge in Petersburg, die am vorigen Mittwoch, mit entsprechender Feierlichkeit und in Gegenwart eines sehr zahlreichen Publikums stattfand, schreibt der „Pet. Herold": Unter den Anwesenden befanden sich: Der Stadthauptmann, Generallieutenant v. W a h l, das Stadthaupt von Petersburg, Wirklicher Geheimrath W. A. Ratkow-Roshnow, die Generale Mordwinow und Bestushew-Rjumin, Leibmedicus, Geheimrath I. W. Bertenson und noch viele Andere; auch zahlreiche Vertreter der höheren Beamtensphären, der Armee, der vornehmen Gesellschaft, die Repräsentanten, der Presse; zahlreiche Damen in eleganten Toiletten füllten die den inneren Raum des Tempels umgebende Galerie. Die Synagoge ist ein streng in maurischem Styl gehaltenes Gebäude, dessen Inneres durch seine puritanische Einfachheit frappirt. Rur der Schrein, in welchem die auf Pergament geschriebene, in kostbaren Hüllen befindliche heilige Schrift aufbewahrt wird, ist reich mit Goldverzierung versehen, vor diesem Schrein brennt eine ewige Lampe. Nachdem der Chor unter der Leitung», des Cantors einige Hymnen und Psalmen executirt und durch Umgehung der Proceffion mit den Gesetzesrollen die Räumlichkeiten eingeweiht worden waren, hielt der Oberrabbiner, Dr. D r a b k i n eine Rede, in welcher er den Segen herabflehte auf Kaiser und Reich und auf das ganze russische Volk und die jüdische Gemeinde und' alle Diejenigen, welche zur Errichtung des Gotteshauses beigetragen. Nach diesem wurde das feierliche Gebet für den Kaiser, die Kaiserin, den Thronfolger und das gesammte Kaiserhaus unter Begleitung des Chors celebrirt. Darauf fand eine feierliche Todten'feier für den hochseligen Kaiser Alexander Nikolajewitsch statt, die sehr ergreifend war und alle Anwesenden tief rührte. Die Feier schloß mit einer langen Rede des Dr. D r a b k i n, der die Geschichte des Synagogeybaues, der mehr als ein Vierteljahrhundert gedauert, auseinandersetzte und schließlich den Wunsch einer fteudigen Zukunft aussprach und die Hoffnung, daß die jetzt den Horizont umdüsternden Wolken sich zerstreuen würden. Die erhebende Feier schloß mit dem Absingen einer Jubel- und Dankeshymne. Montreal, im December. Die »Alliance israelite» hat mit Unterstützung des Baron Hirsch 25 Meilen von Oxbow die Gründung einer Ackerbaucolonie befördert. Die bis jetzt gemachten Ausgaben waren bedeutend. Die Grundstücke sind von der canadischen Regierung unentgeltlich abgetreten worden, doch mußten die Colonisten mit Rindvieh, Ackerbauwerkzeug und Maschinen, Saat u. s. w. versehen werden. Die Alliance betheiligte sich bei den Gesammtausgaben mit einer Subventton von 37.000 Francs. Der Beitrag des Herrn von Hirsch war ein wesentlich höherer. Der Ertrag, der erhofften Rückzahlung soll zur Unterbringung neuer Colonisten verwendet werden. Die Gesammtzahl der Familien, die augenblicklich in der Colonie leben, bettägt 73. Die Colonie hat den Namen „Hirsch" erhalten. Cincinnati. Am Sonntag, den 17. December, verstarb hier, 64 Jahre alt, Dr. Heinrich Zirndorf nach einem kurzen Krankenlager, von seiner Gattin, der einzigen Tochter und einigen wenigen Nachbarn umgeben. Unerwartet ereilte ihn der Tod. Er predigte noch am vorletzten Sabbath, war am Sonntag noch beim Chanuckafest in seiner Gemeinde Ahavath Achim und sandte am Montag noch seinen letzten Beitrag an das Bureau der „Deborah". Die deutschen Leser der „Deborah" haben seit zehn Jahren die literarischen Arbeiten des poetisch begabten jüdischen Gelehrten Zirndorf gelesen und werden gleich uns seinen Hintritt tief bedauern und betrauern. Sie werden mit uns einen Lorbeerkranz auf das Grab des trefflichen Schriftstellers legen und zugestehen, daß wir einen der besten Stylisten verloren haben. Zirndorf, geboren 1829 in Fürch (Bayern), der Sohn einer alten wohlbekannten Familie, wurde daselbst und auf der Hochschule in München zum Rabbiner herangebildet. Er wurde nach Szt.-Miklos in Ungarn als Rabbiner berufen und ging , später nach England, wo er mehrere Jahre als Lehrer fungirte, bis er nach Münster als Rector des Lehrer-Seminars berufen wurde. Im Jahre 1876 wurde Zirndorf nach Detroit berufen als Rabbiner der dortigen Gemeinde. Er waltete seines Amtes acht Jahre, bis er als Professor der Geschichte, nach dem hiesigen Hebrew Union College kam. Vor vier Jahren übernahm er das Rabbinat in der Ahavath Achim-Gemeinde, das er bis zu seinem Tode gewissenhaft verwaltete. Dienstag Nachmittag wurde der vortreffliche Mann auf dem Begräbnißplatze der Gemeinde beerdigt; der Vorstand der Gemeinde, viele Mitglieder derselben, zahlreiche Freunde und Vertreter verschiedener Gesellschaften und das ganze Hebrew Union College folgten dem Sarge zur Grabesstätte. Der Tod hat einen genialen Gelehrten, eifrigen und pflichtgetreuen Mann allzufrüh abberufen. Die Reihen lichten sich immer mehr. Venmjscktes. Wien. (O e st e r r.-J s r. U n t o n.) DieOesterr.-Jsr. Union hält Samstag den 13. d. M. Abends 7Vs Uhr im Saale der Restauration Khuner, I., Schottenring 19, eine Plenarversammlung ab. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Josef M. Loebl: Die Hygiene der alten Juden. Wien. Sonntag den 7. Jänner fanden im israelitischen Stadttempel folgende Trauungen statt: Herr Siegfried Steiner mit Fräul. Rosalia Quittner, Herr Dr. Hermann Engel mit Fräul. Irma Neumann, Herr Adolf Joachimsthal mit Fräul. Ottilie Tandler, Herr Bernard Rad o mit Fräulein Jenny Krakauer. Im israelitischen Tempel der Leopoldstadt fanden folgende Trauungen statt: Am 1. Jänner: Herr Dr. Josef Eckstein mit Frl. Emma Zeilinger; am 7. Jänner: Herr Leopold B erd ach mit Frl. Kati Duschin sky, Herr Moriz Benedik mit Frl. Julie Jached Glasspiegel; am 8. Jänner: Herr Hugo Wassermann mit Frl. Amalie Kummermann. Wien. (Gemeinde-Deputationen bei der Beerdigungsfeierlich keitAdol f Jellin ek's.) Nachträglich vermerken wir, daß am Leichenbegängnisse des verewigten Adolf Jellinek auch theilgenommen haben: Eine Deputation der israelitischen Eultusgemeinde in Mödling, bestehend aus dem Rabbiner und zwei Vorstehern; eine Deputation der israelitischen Eultusgemeinde T el t sch. Als Delegirter der israelitischen Eultusgemeinde in G ö d i n g erschien Herr Obercantor Erzberg und überbrachte ein Condolenzschreiben des Vorstandes. Wien. Herr Lector Friedmann vom Wiener Bet-Hamidrasch wurde zum Lector der israelitisch-theologischen Lehranstalt berufen. Wien. Seine Majestät der Kaiser hat den Industriellen LH. Wiener in Capstadt zum Consul ernannt. Wien, am 4. Jänner 1894. Am 14. d. M. halb 5 Uhr Abends, wird im Tempel. X, Keplerplatz 1, der statutengemäße Trauergottesdienst des israel. Humanitäts-Vereines im X. Wiener Bezirk für die verstorbenen Vereinsmitglieder, für das weiland Ehrenmitglied Moriz Freiherr von Königswarter, sowie für den kürzlich verschiedenen Oberrabbiner und Prediger Dr. Ad. Jellinek stattsinden, bei welcher der Prediger Herr Dr. D. Lnwy die Gedächtnißrede halten wird. Unmittelbar nach dem Trauergottesdienste findet die 18. ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wien. Am 1. Jänner d. I. fand wie alljährlich die Generalversammlung des Unterstützungsvereines „Edelsinn" statt. Der Verein, welcher anläßlich des Regierungs-Jubiläums unseres erhabenen Monarchen von einer kleinen Anzahl achtbarer Glaubensgenossen gegründet wurde, steht vereinzelt in unserer Residenz da, und ist ein wahrhaft dringendes Bedüfniß für den XII., XIV. und XV. Bezirk. Seit dem fünfjährigen Bestand dieses Vereines ist vielen armen Wöchnerinnen in wahrhaft humaner Weise geholfen worden, und widmen sich svwohl die Vorstandsals auch Vereinsmitglieder dem Vereine mit vollem Herzen und mit voller Seele, welches auch unser hochverehrtes Ehrenmitglied Herr Dr. Schmidel, der auf besondere Einladung des Borstandes die Generalversammlung beehrte, in seiner Anrede betonte. Die besonders durchdringenden Worte des Herrn Rabb. Dr. Schmidel wurden von der ganzen Versammlung stehend angehört und übten einen derartigen Einfluß, daß schon viele neue Mitglieder dem Vereine beigetreten sind. Mit einem besonderen Danke an Herrn Dr. Schmidel, als' auch an den gesammten Vorstand schloß die sehr stark besuchte General-Versammlung. F. N.

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