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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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i Oöö&ai Sette 18 l%)liWmu|4i!^ ÄUWjfPttyuprtn Nr. 1 Dr. Jellinek als Curator der Baron Hirsch-Sttftung. Wenn einmal der Zeitpunkt gekommen sein wird, die Geschichte der galizischen Stiftung des Baron Hirsch zu schreiben, wird man Dr. Jellinek nicht übergehen können, man wird ihm da vielmehr auf Schritt und Tritt begegnen, ihn in alle Phasen, welche diese Stiftung in so reichem Maße durchzumachen hatte, eingreifen sehen. — Auf die Entschließung des Baron Hirsch, diese Stiftung zu creiren, hat der Verewigte 'allerdings keinen Einfluß geübt, die Anregung hiezu wurde Herrn Baron Hirsch von anderer Seite gegeben. Aber mit dern Augenblick, wo in ihm der Entschluß, diese Stiftung ins Leben zu rufen, gereift war und er daran gehen wollte, ihn zu verwirklichen, taucht auch schosi die vertrauenerweckende Gestalt des Dr. Jellinek auf, der mit rastloser Thätigkeit an dem Werke zu arbeiten beginnt und sie mit ungeschwächtem Eifer, gehoben und getragen von dem Vertrauen des Stifters, bis zum letzten Augenblicke seines Lebens fortsetzt, so wenig er sich auch an den Berathungen des Euratoriums betheiligte. Der Mächtigste, sagt ein moderner Dichter, ist Derjenige, der allein steht. Als nun Herr Baron Hirsch vor etwa 5 Jahren das Project der Stiftung zu verwirklichen begann, erschien eines Tages dessen Vertrauensmann, der seither verstorbene Herr Veneziani bei Herrn Dr. Jellinek mit einem Schreiben des Herrn v. H ir s ch, in welchem Herr Dr. Jellinek ersucht wurde, im Vereine mit Rabbiner Dr. Güde m a n n und dem damaligen Präses der Wiener Eultusgemeinde, Herrn Arminio E o h n, ihm Vorschläge betreffs Bildung eines Euratoriums zu erstatten. Von da ab ward Dr. Jellinek der Vertrauensmann des Baron H i r s ch und der Mittelpunkt der Stiftungsaction. Er schlug die in das Euratorium zu wählenden Persönlichkeiten vor — die Bildung des Euratoriums war sein ureigenes Werk — er nahm den regsten Antheit an der Abfassung der Statuten, und wie oft diese auch Dank gewissen, heute noch nicht zu discutircnden Einflüssen geändert werden mußten, immer war es der Geist I e l l i n e k's der über denselben schwebte, und der bei der endgiltigen Redaction derselben ein maßgebendes Votum hatte. Auch der Bildung des Erecutiv-Eomites stand er nicht völlig ferm, obwohl hier nicht Alles nach seinem Wunsche ging; gleichwohl war er auch vonwegen seiner Personen- und Sachkenntnis; der Berather des Stifters. Die vieljährige Eorrespondenz, welche der Verewigte bis in die allerletzten Tage seines Lebens mit dem Stifter führte, ist eine äußerst interessante, wirft einerseits grelle, anderseits aber auch manche erfreuliche Lichtstreisen auf die Entwicklung dieser merkwürdigen Stiftung u. s. w., sie ist überaus reichhaltig, an Dualität wie Quantität bedeutsam und für die Geschichte der Stiftung und mittelbar für die Zeitgeschichte von großer Wichtigkeit. Manches Dunkel wird durch sie aufgeklärt werden. Es ist zu erwarten, daß auch dieser Nachlaß in die richtigen Hände gelangen wird, nachdem es Dr. Jellinek nicht gegönnt war, wie er beabsichtigte, denselben zur gelegenen Zeit im Interesse der Zeitgeschichte zu verwerthen. Der Verewigte hat es verstanden, das unbedingte Vertrauen, welches ihm Herr Baron Hirsch von allem Anfang entgegenbrachte, sich bis zu seinem letzten Athemzuge zu erhalten. Das Lrichenbegängnist. Wien, 1. Jänner. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung für den großen Kanzelredner und hervorragenden Gelehrten. Die Bedeutung des dahingeschiedenen Predigers kam so recht in dieser selten imposanten und würdevollen Trauerfeier zum Ausdrucke. Der Beginn der Leichenfeier war für halb 11 Uhr angesetzt. Um diese Zeit war das Gotteshaus in der Seitenstettengsffe, das mit schwarzem Tuch verhängt war, von Trauergästen überfüllt. Der Zugang zum . Tempel war durch Sicherheitswache abgesperrt und der.Eintritt nur mittelst Karten gestattet. Mit einem einfachen schwarzen Bahrtuch verdeckt, stand der Holzsarg auf einer Estrade vor der Bundeslade. Girandolen mit brennenden Windlichtern standen zu beiden Seiten des. Katafalks. Unter den Trauergästen sah man den Bürgermeister Dr. Prix mit den Stadträthen Noske und Dr. Vogler und den 'Hemeinderäthen Friedjung, Ritter von Goldschmidt, Lang, Kareis, Simon, Dr. Alfred Stern, Tagleicht, den Ministerialrath Karl Ritter Brunner von Wattenwyl, den Hofrath Rozo vom Ministerium des Innern, den Chef der Firma Mathias Salcher und Söhne und den Superintendenten Dr. Schack, als den Vertreter der evangelischen Gemeinde H. C., Albert Freiherr von Rothschild, Hermann Freiherr von Königswarter, Wilhelm und David Ritter von Gutmann, Hosrath Ritter von Pfeifer, die Reichsraths-Abgeordneten Baro» Oppenheimer und Dr. Bloch, der Obmann des Bezirks-Ausschusses Innere Stadt, Picker, mit den Bezirks-Ausschüssen Heider und Waldstein, Landesschulrath Dr. G. Kohn, Polizeirath Frankl, kaiserlicher Rath Dr. Wölfler, Hofschauspieler Ritter von Sonnenthal, den Direktor der-Böhmischen Westbahn Angelo Ritter von Kuh, Bankier Sigmund Ritter von Bauer, Baudirector Ritter von Borkenau, Secretär Dr. Lieben, in Vertretung der israelitischen Eultusgemeinde in Triest, den Präses der israel. Eultusgemeinde Prag, Dr. L. Bendiner, den Professor des Conservatoriums Epstein, Stadtbaumeister Zisferer, eine Deputation der akademischen Verbindung „Kadimah", den Obmann der israelitischen „Union", Docent Dr. Grünfeld mit den Vorstandsmitgliedern, sämmtliche Mitglieder des Cultusvorstandes, eine Deputation des kaufmännischen Vereines „Osten", die Rabbiner Dr. Kayserling aus Budapest, Dr. Kisch aus Prag, Dr. Kurein aus Teplitz, Dr. Mühsam aus Graz, Dr. David aus Preßburg, Rabbiner Reich aus Baden, Rabbiner Reich aus Floridsdorf, Dr. Feuchtwang aus Nikols- . bürg, Dr. Hoff aus Pcoßnitz urid Dr. Oppenheim aus Olmütz, Rabbiner Dr. Wolfsohn in Lomnitz, Rabbiner Dr. Biach in Brüx. Rabbiner Dr. Eisler in Klausenburg, Rabbiner Friedmann aus Straßnitz, Rabbiner Friedmann aus Linz, Seminardirector Dr. Schwarz, die Vorstände- und Rabbiner aller israelitischen Bethäuser in Wien, den Chacham der türkischisraelitischen Gemeinde in Wien, Herrn Papo mit dem Borstandsmitgliede Adutt und dem Obercantor Bauer, den Präses der isr. Eultusgemeinde Baden, .Vorsteher der isr. Cultusgemeinde Floridsdorf, Vorsteher der Chewra-Kadischa in Jglau, Eultusgemeinde und Ehewra-Kadischa in Szegedin, den Vorstand der isr. Eultusgemeinde Ung.-Brod und Graz, Deputationender Talmud - Thora mit dem Vorsteher B. Kohn, sowie zahlreicher religiöser und humanitärer Vereine:c. rc. Die Söhne des Verblichenen, Professor Dr. Georg Jellinek und Dr. Max Hermann Jellinek, die Töchter Frau Charlotte Zels und Frau Pauline Wechsberg, sowie die übrigen Hinterbliebenen hatten in der ersten Bankreihe des Mittelschiffes Platz genommen. Obercantor Singer leitete die Trauerfeier mit der Executirung des 49. Psalmes „Dem Meister ein Psalm" ein, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann die schwarz verhängte Kanzel bestieg, um seinem Amtscollegen einen oratorisch glänzenden Nachruf zu halten. Rede des Qberrabbiners Dr. Güdemann. Andächtige Trauerversammlung! Nun ist der schmerzliche Augenblick gekommen, den wir seit Jahren heranrücken sahen, der Augenblick, mit welchem Dr. Adolf Jellinek, der hochverehrte Lehrer dieser Gemeinde, für immer Abschied nimmt von dieser Stätte, auf welcher als Prediger zu wirken schon der Ehrgeiz des Jünglings war und auf welcher es ihm auch vergönnt gewesen ist, mit der zündenden Gewalt seiner Beredsamkeit die Träume seiner Jugend zu seinem Ruhme, zur Ehre der Gemeinde und des Judenthums bis an das Ende seines Lebens zu verwirklichen. Bis an das Ende seines Lebens. Zwar lastete das Alter schwer auf ihm—für ihn bedeutete es nicht den golden schimmernden Sonnenuntergang, mit welchem ein bewegter Tag sanft zu Rüste geht, sondern sein Alter war ein beschwerlicher und mühevoller Abstieg. Mancherlei Gebrechen, oft wiederkehrendes Siechthum und nicht am wenigsten der Verlust der treuen Lebensgefährtin stürmten zerstörend auf ihn ein und beugten die gedrungene Gestalt, so daß sie zuletzt nur ein Schatten ihrer selbst war. Aber sein Geist blieb trotz diesem Allen aufrecht und ungebeugt. Wie Gott den Wunsch des Jünglings erfüllt hatte, so erhörte er auch die Bitte des Greises. Er vergönnte ihm den Tod auf dem i

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