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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 Vrflrrreichiphr Wochenschrtfl Seite 1K Jacob N a s ch a u e r, Bruders des Wiener Kammerpräsidenten Nasch auer, hervorgerufen. Budapest. Für die neu zu gründende Debrecziner protestantische Universität hat die Debrecziner israelitische Cultusgemeinde bekanntlich jüngst 2000 Kronen gespendet und hat jetzt außerdem einen warmen Aufruf an die israelitischen Gemeinden des Comitates erlassen, das genannte Institut, an welchem zahlreiche Juden ihre Ausbildung erhielten, zu fördern. — Der wackere Cantor der Pester israelitischen Cultusgemeinde, Herr Jacob Su sch ny, feierte'letzten Samstag sinn 30jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlasse demselben zahlreiche Ovationen bereitet wurden. — Von Neujahr ab werden am Budapester israelitischen Spitale drei neue Abtheilungen errichtet, an denen die Herren Dr. B e r z e l l e r , Dr. Ad. O n o d y und Dr. Sigm. S z e n e s als Ordinarii wirken werden. Hullein. Der anläßlich einer Trauung hier weilende Rabbiner Dr. Frankl aus Kremsier nahm die Einweihung des von den Mitgliedern des hiesigen Vereines gespendeten neuen Aron-Hakodesch und des Vorhanges vor. Hierauf fand die hebräische Prüfung der dortigen Kinder statt, welche ein glänzendes Zeugniß für die Leistungen des tüchtigen Lehrers Blau abgab. Besonderes Lob verdient die Opferwilligkeit der jüdischen Eltern. Hamburg, 20. December. 38 mittellose jüdische Auswanderer trafen am Dienstag Abend mit dem Dampfer „Capella", von New-Zjork kommend, über London hier ein und wurden von dem jüdischen Hilfscomite in einem Logirhause untergebracht. kanten, 19. December. In Sachen des hiesigen Knabenmordes wurden gestern, wie der „Lantener Bote" meldet, abermals einige Zeugen vom Amtsrichter Weiling Hierselbst vernommen. Aus Sachsen, 19. December. (Die Sperre der jüdischen Geschäfte.) Eine Entscheidung des Stadtrathes in Zittau spricht sich dahin aus, daß eine von antisemitischer Seite erfolgte Aufforderung, zu Weihnachten nur in christlichen Geschäften zu kaufen, unzulässig sei. Nach Beschluß des Stadtrathes sollen derartige, die jüdischen Geschäfte sperrende Anzeigen im Amtsblatt des Stadtrathes künftig keine Aufnahme finden. Oldenburg, 24. December. Der Führer der hiesigen Antisemiten, Lehrer a. D. W. A l b e r s, hatte an das Haus des Kaufmannes Wall heim er, an der Heiligengeiststraße, eine Vignette mit der Aufschrift: „Kauft nicht bei Inden!" geklebt. Das Schöffengericht erblickte hierin eine strafbare Handlung und verurtheilte den Antisemitenführer zu dreißig Mark Geldstrafe. Berlin, 25. December. Eines der populärsten, verdienstvollsten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr M. S. M e y e r, ist gestern Bormittag unter imposanter Betheiligung weitester Kreise zu Grabe getragen worden. Die fast zwei Menschenalter umspannende humanitäre Wirksamkeit des ausgezeichneten Mannes findet in 'einem Nachrufe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde gerechte Würdigung. „Ein Freund und Förderer jeder humanen Bestrebung", so heißt es darin, „hat der Verstorbene bereitwilligst seine rastlose Thatkraft unseren Wohlthätigkeits - Institutionen gewidmet und unserer Gemeinde auf den verschiedensten Gebieten ihrer Verwaltung mehr als ein Vierteljahrhundert hindurch gedient. Als Mitglied der Armen-Commission, der Vorstände des Krankenhauses und des Siechenhauses der Gemeinde, in früheren Jahren auch der Repräsentanten-Versammlung und des Vorstandes der neuen Synagoge, ist er mit Eifer und Erfolg thätig gewesen. Besonders dem Krankenhause, dessen Verwaltung er 27 Jahre, darunter 15 Jahre als Vorsitzender, angehörte, widmete er eine hingebende Sorgfalt, welche seinen Namen auf's Engste mit den Fortschritten dieser Anstalt verknüpft." — Im Sterbehause schilderte Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m Leben und Verdienste des Heimgegangenen, dessen Andenken bei allen denen, welche Zeugen seiner Wirksamkeit gewesen, reichgesegnet fortleben wird über das Grab hinaus. Rom. Der' am 1. December verstorbene Professor Sbarbaro war ein aufrichtiger Freund der Israeliten, der zu ihren Gunsten gesprochen und geschrieben hat. Meiland. Im nächsten Carneval wird hier in der Oper alla Scala eine neue Oper Alba Franchettis (Die Alpenblume) gegeben werden. Chicago. Unter 10.000 Kunstgegenständen, welche in der Ausstellung sich befanden, wurde das Gemälde des israel. Malers Josef Israel als das Beste anerkannt. Es heißt: Allein in der Welt. Algier, 18. December. Auch hier wurde die Einwanderung der Juden verboten. Tiefes Verbot richtet sich jedoch nicht gegen die ruffischen Juden, die nur selten hier zu landen pflegen und die dann auch weiterfahren, um theils nach Marseille, theils nach Barcelona zu gehen, um sich dort nach Argentinien einzuschiffen. Dagegen trifft dieses Verbot sehr hart die Juden in der spanisch-marokkanischen Colonie Malilla, die von dort auswandern müssen und von denen viele Hieherkommen, um sich hier anzusiedeln. Diesen Juden wurde die Einwanderung hieher strengstens verboten, da man befürchtet, es könnte dadurch zu Unannehmlichkeiten mit der spanischen Regierung kommen. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werde». Ueberfetzuiig»- 40) rechte Vorbehalten.) „Das letzte Erlebniß — wie viel Zeit seitdem verflossen, konnte ich nicht bemessen — verdeutlichte sich mir nach und nach zu voller Klarheit! .... mein Vater war aus dem Mauerthurm entflohen und er und Mutter und Schwester waren — so mußte ich annehmen, ertrunken oder von ihren Verfolgern eingeholt, wieder in die Gewalt des Markgrafen gefallen — und ich? ... . ich war ja zu Bunim Eschwege geflüchtet, — aber von da ab erloschen meine Erinnerungen und ich glaubte, ich säße in einer engen, finsteren Zelle eines Ansbach'schen Gefängnisses, in dem man mich vielleicht — nach dem, was ich erlebt hatte, schien mir nichts mehr undenkbar — verhungern lassen wollte! Ich verlebte in dieser qualvollen Stimmung wohl ein, zwei Stunden, als sich in meiner Nähe ein leichtes Geräusch bemerkbar machte, es öffnete sich eine Thür, ein Lichtstrahl huschte herein, dann schloß sich die Thüre und es ward einen Moment wieder.dunkel, bis von Neuem das Licht einer kleinen Lampe, die nn eintretender Mann angezündet, den engen Raum dürftig beleuchtete. „Wer seid Ihr? Was wollt Ihr? Wo bin ich? Wieso bin ich hierhergekommen?" frug ich stürmisch. „Gott sei Lob und Dank!" erwiderte der Mann, sich mir mit der Lampe nähernd, so daß ich jetzt zu meiner großen Beruhigung die ehrlichen Züge des wackern Bunim erkannte, „Sie sind genesen! dann wird, so hoff' ich, der allmächtige, allgütige Gott noch alles zum Guten wenden. — Sie kamen genau heute vor drei Wochen in mein Zimmer und fielen wie leblos um, Sie konnten nicht mehr sprechen und erst später erfuhr ich, was Sie zu mir geführt". — „Bor Allem sagt mir", rief ich, „habt Ihr etwas von meinem Vater, meiner Mutter, meiner Schwester gehört? Leben sie, sind sie ertrunken, sind sie dem Markgrafen in die Hände gefallen"? „Das Letztere ganz gewiß nicht!" erwiderte Bunim Eschwege: das Erstere kann ich weder bejahen, noch verneinen; aber lieber, junger Herr, Sie haben seit drei Wochen gar keine Nahrung sich genommen, nur einige Tropfen Suppe oder Wasser, die wir, meine Frau und ich, wenn es uns möglich war, uns zu Ihnen in den Wald herauszustehlen, Ihnen mühsam einflößten. Fühlen Sie nicht das Bedürfniß, etwas zu essen? Wir müssen ja trachten, daß Sie recht bald zu Kräften kommen! Ich habe jedenfalls ein gebratenes Huhn und ein Fläschchen Wein mitgebracht. Eschwege hatte Recht gehabt, ich fühlte heftigen Hunger, griff hastig nach dem Dargereichten und frug verwundert: „Ihr mußtet Euch in den Wald hinausstehlen? Liege ich denn nicht in Euerer Wohnung?" „Nein!" erwiderte Eschwege zögernd, verlegen, „wir wußten Sie nirgends so sicher unterzubringen als hier in dieser Höhle, die ich zufällig entdeckt habe und die außer mir und meinem Weibe keinen Menschen bekannt ist. Ich vermuthe, daß sie einst dem Räuberhauptmann Nickel List als Versteck gedient hat. Die Holzthüre, die er für diese angefertigt, ist von Strauchwerk so überwuchert, daß sie ganz unerkennbar ist. Setzen Sie sich auf Ihr Lager, das wir so bequem, als eben möglich war, herzurichten uns bemühten und ich werde Ihnen Alles, was ich erfahren, erzählen". „Ich höre", erwiderte ich in höchster Spannung, und Bunim Eschwege begann: „Als Sie vor drei Wochen mein Zimmer betraten und ohne iein Wort gesprochen zu haben, wie leblos umsanken, waren wir tödtlich erschrocken. Ich und mein Sohn brachten Sie zu Bette und beim Entkleiden fanden wir eine große Summe Geldes in einem Lederbeutel, den Sie am bloßen

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