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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Vrsterrelchtfrtzr Wochenschrtst Nr. 1 mit einem Tragkorbe ausgerüstet war, hielt er ihn für den erwarteten Boten und forderte ihn auf, mit in seine Wohnung zu kommen. Als Beide in die Wohnstube traten, saßen in derselben zwei ältere Männer, wie bald klargestellt wurde, christliche Metzger aus St. Hubert und Hüls, und der eine fragte Lambertz: „Wo hast Du das große Fleffchtuch?" Da wurde es dem Jungen unheimlich. Er entfernte sich unter dem Vorgeben, erst noch eine Bestellung in einem Nachbarhause ausrichten zu müssen, und verbreitete alsbald im Orte die Schauermär, Lambertz habe ihn in sein Haus gelockt, um ihn abzuschlachten. Einige alte Juden (die christlichen Metzger) hätten oort bereits auf ihn gewartet. Natürlich fand sich schnell ein gerngläubiger, angriffslustiger Pöbelhaufe zusammen. Der Bürgermeister beschied alsbald Lambertz zu sich, ließ sich den Hergang erzählen und hielt ihn so lange fest, bis auch die Ehefrau verhört war, deren Bekundungen mit denen ihres Gatten vollständig übereinstimmten. Trotz der von Seiten des Bürgermeisters gegebenen Aufklärung glaubt der Junge ganz fest, man habe ihn schlachten wollen, und die Menge glaubt es ihm nach oder gibt sich wenigstens den Anschein, es zu glauben. Clara (Entre-Rios), im November. In allen jüdischen Colonien wird mit Liebe und Fleiß gearbeitet. Mit Bewunderung und Genugthuung muß es erfüllen, wenn man das Treiben auf dem Felde betrachtet, wie schnell die Schneider und Schuster, ja selbst Talmudlehrer über Nacht zu Bauern geworden sind und emfiglich ihrem Ackerbau obliegen. Eine ganz besondere Freude gewährt es, zu sehen, wie die Kinder mit unermüdlichem Fleiß und großen Fähigkeiten — als wären sie auf dem Acker aufgewachsen — den väterlichen Bauern zur Seite stehen. Der Grundbesitz des Baron Hirsch in Argentinien beläuft sich auf ca. 132.000 Hektaren und vertbeilt sich auf folgende Plätze: Mauricio. Moisesville. . . 10.163 „ Clara . . . 33.744 „ San Antonio . . . 14.144 . „ I. de Mayo. . . 7,869 „ San Vicente. . . 9.117 „ Zeballos. . . 9.237 „ San Jose ...... . . 9.950 „ Spangenberg . . . 4.646 „ Quiroga und Gonzalez . . . . 1.459 „ B. Espindola. . . 1.316 „ San Jorge. . . 5.670 „ Was könnte bei einem Landbesitz von 132.000 Hektaren, vernünftig geleitet, nicht geleistet werden. Hoffen wir, die neue Direktion werde in den Fußtapfen ihres Vorgängers weiter schreiten. Vemislcktes. Wien. (T r a u u n g e ».) Stadttempel: Sonntag, den 31. December 1893: Herr Victor Lengyel mit Frl. Gisela Paul. Im israel. Tempel der Leopoldstadt am 31. December 1893: Herr Leib Dorf mit Frl. H i n d e Perl K r a e m e r. Maximilian R o s e n b e r g mit Frl. Regine R o s e n b e r g. Am 1. Jänner 1891: Dr. Josef Eckstein mit Frl. Emma Z e i l i n g e r. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat dem mit dem Titel eines Regierungsrathes ausgezeichneten Hof- und Gerichsadvocaten in Wien, Dr. Marcell Frydmann, den Titel eines Hofrathes taxfrei verliehen. Wien. Fräulein Jsabella Geiringer, Tochter des Bankiers Herrn Sigmund Geiringer, hat sich mit Herrn Victor Herz, Gesellschafter der Firma Hermann Herz' Söhne, in Budapest verlobt. Frl. Ernestine Klein hat sich mit Herrn Ad. Pilger in Wien verlobt. E. B. Wien (W ahl der Mitglieder für die Wiener. Productenbvrse.) Bei der Ende December stattgefundenen Wahl der Mitglieder der Kammer der Wiener Börse für landwirthschaftliche Producte wurden zu Börsenräthen gewählt die Herren Salomon Beer, Moritz Honig, Wilhelm Naschauer, Heinrich Gpitzer, Rudolf Straffer in der Wiederwahl und Moritz Edler v. Kuffner und Julius Philippsohn in Neuwahl. E. B. Wien. Die „Academie des iuscripticms et belleslettres“ in Paris hat den Professor nnd Hofrath Dr. Theodor Gomperz in Wien zum auswärtigen correspondirenden Mitgliede gewählt, eine Auszeichnung, welche in den weiten Kreisen dieses bekannten Gelehrten die größte Befriedigung hervorgerufen hat. Wien, den 2. Jänner 1894. Der Einzelverein Wien des „Zion", Verbandes österreichischer Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens, gibt einen Elite-Ball am 8. Februar 1894 in Ronacher's Saal-Localitäten. Karten hiezu sind zu haben: Bei Herrn Carl Brünner, Firma Jacob Hirsch, Kärntnerstraße 13, Dr. M. T. Schnürer, XIX., Ober-Döbling, Hauptstraße 30, Leopold Paul Löbl, II., Afrikanergasse 9 und bei sämmtlichen Comitemitgliedern. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hielt am 31. December einen literarischen Nachmittag ab, welcher sich zu einer Gedenkfeier für den verstorbenen Prediger Herrn Dr. Jellinek gestaltete. Nebst dem Nachrufe, den ihm die Vicepräsidentin des Vereines widmete, las Frl. Jdä Werner die erste Rede des Dahingeschiedenen vor; dieselbe datirt aus dem Jahre 1856 und behandelt das Thema: „Jede Zeit hat ihren Mann, jeder Mann hat seine Zeit". Der Verein, der am 6. Jänner in das dritte Jahr seines Bestandes tritt, hält am 7. d. M. seine diesjährige Plenarversammlung behufs Neuwahl des Ausschusses ab. Es ergeht hiemit an alle Mitglieder des Vereines das dringende Ansuchen, sich an derselben vollzählig zu betheiligen. Wie». (Rohheit.) Ein Bursche stieß vorgestern Nachmittags um halb 2 Uhr in der Geiselbergstraße muthwilligerweise derart gegen den Hausirer Moses Leib Rose n st r a u ch, daß dessen Waarentasche zu Boden fiel und die Wahren hinausgeschleudert wurden. Ein Sicherheitswachmann erklärte den Burschen für arretirt, doch dieser leistete Gegenwehr, versetzte den Wachmann einen Stoß nnd entfloh. Gestern ist der rabiate Bursche in der Person des 20jährigen Taglöhners Stanislaus Lukawski ermittelt und wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit und boshafter Beschädigung fremden Eigenthums dem Landesgerichte eingeliefert worden. Wien. (Ein Priester der Liebe.) In unserer Zeit des Rassenkampfes, welche aus dem Munde eines Priesters das frivole Wort hören mußte, daß die Nächstenliebe bei der eigenen Person anfange, verdient es hervargehoben zu werden, wenn ein Priester als edles Vorbild wahrhaft christlicher Liebe ein Beispiel echt priesterlicher Gesinnung bietet. Der Brief eines katholischen Pfarrherrn, der in jedem Worte tiefen Glauben und warme Nächstenliebe athmet, wird derzeit im 2. Bezirke lebhaft besprochen. Am 16. v. M. verschied im 74. Lebensjahre Herr Josef P.v 1 l a k, Privatier, II., Gr. Mohrengasse 23. Der Verewigte war ein hochachtbarer Charakter und liebenswürdiger Mensch. Viele betrauern in ihm den Freund, noch mehr aber den Wvhlthäter. Die Witwe des Heimgegangenen erhielt unter zahlreichen Coudvlenzschreibeu auch dasjenige des hochwürdigen Herrn. Pfarrers Joses H e r m a n n ans B a r k v n i) in Ungarn, welches in Uebersetzun g ungefähr, wie folgt, lautet: „Gnädige Frau l Mit tiefstem Schmerze und wärmster Theiluahme vernehme ich die Trauerbotschaft, daß es dem Allmächtigen gefallen, Ihren liebenswürdigen und guten Genial, den unvergeßlichen Freund, Josef Pollak abzuberufen. Derselbe gute Gott, welcher JhrerSeele diese tiefe Wunde geschlagen» möge Ihnen Hoffnung nnd Erhebung spenden, damit Sie den Trost daran finden, den schweren Schlag zu ertragen. Es mag für Sie der Gedanke erhebend sein, meine Gnädige, daß das Andenken an Ihren lieben Gatten, der stets ein ausgezeichneter Mensch gewesen, auch nach dessen Ableben sortdaucrn wird im Kreise derer, die ihn kannten. Denn der ihn kannte, verehrte ihn, und Alle liebten ihn auch. Den Liebe und Verehrung stets begleiteten, der lebt fort in der Seele derjenigen Menschen, die dessen Lebenslauf verfolgten. Der Allmächtige gönne seiner edlen, guten Seele Raum in der Unendlichkeit und Glückseligkeit der Himmelswelten, zum Tröste seiner trauernden Hinterbliebenen. In Ihren Kindern mögen Sie freudigen Ersatz für den schweren Verlust finden, der Sie, meine Gnädige, betroffen. Dies wünscht ans vollem, Iheilnrhmendem Herzen Ihr ergebener Josef Hermann, Pfarrer in V a r k o n y." Wien. Die französischen Jours (französische und englische Conversationsabende) werden von Freitag den 5. Jänner an während des Faschings jeden Montag' und Freitag von 7—9 Uhr Abends abgehalten. Beitrittsanmeldungen neuer Mitglieder sind an das Comite, I., Schwertgasse Nr. 4, zu richten. Olmütz, den 1. Jänner 1894. Der Fürsterzbischof von Olmütz Dr. K o h n spendete dem hierortigen jüdischen Frauenverein 40 fl. In seinem Aufträge erschien der Domherr Dr.- Klug in der Wohnung der Präsidentin und überreichte derselben diese hochherzige Gabe persönlich. Budapest. (Todesfall.) Allgemeine Theilnahme hat das Hinscheiden des geachteten hiesigen Kaufmannes Herrn

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