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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DvflrrrLktztsttze Mortzenfitzrtfl Nr. 1 Leibe trugen, ich habe sie bei mir aufbewahrt. Ich schickte meinen Sohn Towije nach der nächsten Stadt nach einem Arzte, aber 1 derselbe kam unverrichteter Sache zurück, die Flüsse in der ganzen Umgebung waren ausgetreten, die Brücken abgerissen. Später dankten wir Gott dafür, daß er es so gütig gefügt; denn wäre der Arzt gekommen, es wäre Ihr sicheres Verderben gewesen. Wir standen rathlos an Ihrem Bette! Sie waren fieberkrank und grause Wahnbilder quälten Ihre Seele, Sie riefen,- „herab mit einem Sprung in den Strom", dann „Ich befehle Dir's, im Namen des einig einzigen Gottes, verfluchter Strom; gib Deine Opfer wieder!" und solche Dinge mehr, daß uns schier graute. Meine Frau ist seür klug und sprach sogleich zu mir, „der junge Herr scheint aus Ansbach gekommen zu sein, und es ist ihm doch bei Todesstrafe verboten, das Fürstenthum zu betreten, der liebe Gott weiß, was er dort Furchtbares erlebt haben mochte. Keinesfalls kann es etwas schaden, wenn Niemand etwas erfährt, daß wir einen kranken Gast haben. Wir legen ihn hinauf in die gute Oberstube, die wir nur zweimal des Jahres, an den ersten zwei Abenden des Passahfestes, benützen — und bald erkannte ich, wie vernünftig meine Frau gerathen. Wenige Tage, darauf, am nächsten Sonntag brachten die Bauern unseres Dorfes, als sie aus der Kirche des nächsten Fleckens, zu dem sie eingepfarrt sind, kamen, eine merkwürdige Neuigkeit mit, die von der Kanzel herab verkündigt worden war. Der ehemalige Fürther Oberrabbiner, Hirsch Fränkl, der in dem nahegelegenen Schwabach im Ansbach'schen schon seit fünf Jahren im Mauerthurm an der Kerkerwand geschmiedet saß, hätte um mitternächtiger Stunde seine Fesseln gesprengt, das Dach seiner Zelle durchbrochen, wäre aus dieser durch die Luft geflogen und spurlos verschwunden. Der Kerkermeister und seine beiden Gehilfen hatten dies ausgesagt und darauf den Eid geleistet und auch die Schildwache hatte es beschworen. Diese hätte ihrer Pflicht gemäß auf die in der Luft emporschwebende Gestalt des Rabbi geschossen; aber die Kugel wäre von dieser abgeprallt. Der Rabbi aber sei fünf Jahre lang ganz ruhig im Thurme gesessen und hatte, da ein eiserner Ring um seinen Körper geschmiedet und seine Gefängnißzelle über dem Wasser schwebte, gar keine Macht über die Geister, die ihm früher dienstbar waren, und diese -augenscheinlich nur dadurch wieder erlangt, daß sein Sohn, seine Gattin und seine Tochter, die, trotzdem ihnen das Betreten Ansbach'schen Bodens unter Todesstrafe untersagt war, doch, wie dies nachträglich durch Zeugen erwiesen wurde, in die Nähe seines Kerkers zu gelangen wußten und ihm durch Zaubermittel dazu verhalsen, von Neuem seine Zaubermacht zu gewinnen. Da nun die Mitglieder der Fränkl'schen Familie schon durch ihre Rückkehr 'nach Ansbach ihr Leben verwirkt und ihr Verbrechen noch dadurch verstärkt hatten, daß sie durch Zauberkünste ihr Familienoberhaupt aus dem Kerker befreiten, ist seiner Durchlaucht dem Herrn Markgrafen von Ansbach an deren Habhaftwerdung sehr viel gelegen, und hat höchst derselbe geruht, einen hohen Preis auf die Köpfe derselben auszusetzen. Derjenige, welcher Rafael, Dina oder Eva Fränkl einliefert oder den Ört ihrer Anwesenheit derart angibt, daß sie gefangen genommen werden, erhält für jeden derselben dreitausend Ducaten. Dieses Angebot des Markgrafen wird in allen Kirchen des deutschen Reiches von der Kanzel herab verkündet und alle Behörden in ganz Europa werden um Ausforschung der genannten Verbrecher, im Falle ihrer Ergreifung um Auslieferung derselben ersucht. Die Bauern, die uns diese Schreckensnachricht brachten, fügten hinzu, daß wohl jeder gerne den hohen Preis gewinnen möchte. Gleich als diese fortgegangen, berathschlagte ich mit meiner Frau, wohin wir Sie schaffen könnten, denn hier in unserem Hause wäre es unmöglich gewesen, Sie vor den vielen Leuten aus dem Dorfe und der Umgebung, die täglich bei uns ihre Einkäufe machen, zu verbergen. Wir mußten uns mit schweren Herzen entschließen, Sie des Nachts hierher in dieses Versteck, wo Sie wenigstens vor Entdeckung sicher waren, zu bringen. Wie Sie sehen, hatten wir auch warme Decken und Betten hierher geschafft und kamen, so oft dies unbemerkt geschehen konnte, hierher, um Ihnen während Ihrer Bewußtlosigkeit, etwas Nahrung einzuflößen. Gott hat uns ein Wunder erwiesen, daß Sie unter solchen Umständen am Leben blieben." — Eschwege gestand es offen, daß er es vor Angst gar nicht erwarten könne, mich soweit hergestellt zu sehen, daß ich die Gegend verlassen und mich nach einem entfernteren Theile der Wett, wo ich nichts zu befürchten häfle, begeben könne." „Auch dieser Bunim Eschwege ist ein edler, dankbarer Mensch", meinte Markbreiter. , „Sie können sich denken, welchen Eindruck diese Mittheilungen auf mich machten! . . . . Ich blieb über das Schicksal der Meinen nach wie vor im Dunkeln; — ich wußte nicht, ob mein Vater und Deidelsheimer meiner Mutter und Schwester noch vor dem Bersten der Eisdecke auf dem Stromesrücken begegnet waren. Ich konnte mir viele verschiedene Fälle vorstellen, aber nicht einen einzigen günstigen! Am wahrscheinlichsten schien es, daß alle meine Lieben den Tod im Wellengrabe unter zermalmenden Eisblöcken gefunden hatten — möglich wars: Mutter und Schwester hätten sich noch rechtzeitig gerettet — aber würden die Armen es noch früh genug erfahren haben, daß sie in der ganzen Welt verfolgt werden? Und wenn sie es auch wußten, besaßen zwei verlassene Frauen ein Mittel, sich diesen Verfolgungen zu entziehen? Und wenn sie dem rachedurstigen Markgrafen in die Hände fielen, was war dann ihr Schicksal? — Wer würde die beiden Frauen, von denen eine ein Mädchen von wunderbarer Schönheit, vor den Verfolgungen, denen sie von unedlen Wüstlingen, die ihre Hilflosigkeit benützen wollten, ausgesetzt waren, beschützen; in welcher entsetzlichen Angstund Sorge würden Mutter und Schwester um mich fein? Das waren Gedanken, die eine Menschenseele wie mit glühenden Dolchstößen zerreißen können und meiner Genesung nicht förderlich waren! (Fortsetzung folgt.) Wochrnkalender. Tebeth-Schebat 6684. — Jänner 1894. 1 Freitag I 27! i 4 E. b. N. 5*1 6*lm Samstag 28 5 Sonntag 29 6 Montag Nosch Chodesch 7 Dienstag 2> 8 Mittwoch *1 9 Donnerstag 4! 10 Freitag 5 11 Briefkasten. Ehrwiirden Rabbiner Dr. Back, Smichow: Aufrichtigen Dank fiir das herzliche Schreiben. Ferdinand Kindl, M.-Weißkirchen; I. Bodek, Lemberg. Für die freundlichen Wünsche besten Dank. Zum Abdruck ungeeignet. GalrisGhraidt’sctie Stiftung für Bymnasial-Schüler. Vom Vorstande der hiesigen israel. Cultusgemeinde wird hiemit bekannt gemacht, dass die Zinsen der obigen Stiftung fiir fünf israel. Gymnasial-Schüler, und zwar für 2 im Betrage von je fl. 50 und für 3 im Betrage von je fl. 48 zur Verleihung kommen Bedingungen: 1. Zeugnisse über guten Studienfortgang. 2. „ „ streng sittliche Haltung. 3. ,, „ Mittellosigkeit. , 4. Diejenigen Schüler, welche die Stipendien erhalten, sind verpflichtet, am Vorabende des 22. Adar und am Morgen desselben Tages beim Gottesdienste im Bethause der Ciütusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4)‘ anwesend zu sein und ihre Anwesenheit dem jeweiligen Bethaus-Inspicienten zu melden, welcher schriftlich die Anwesenheit der Stipendisten zu bestätigen hat, worauf dieselben erst unter Vorweisung dieser Bestätigung an der Cassa der Cultusgemeinde die Stiftungszinsen ausbezahlt erhalten können. t Diejenigen Stipendisten, welche vater-, mutter- oder * elternlos sind, sind verpflichtet, nach dem Abend- und Morgengottesdienste das Kadischgebet zu verrichten. Verwandte des Stifters, Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt, oderseiner Gattin,Frau Nanette, geb. Landauer, und Waisen erhalten den Vorzug. ' Bewerber um obige Stipendien haben ihre Gesuche bis 31. Jänner d. J., in der Kanzlei der Cultusgemeinde (!., Seitenstettengasse 4, 2. Stock) einzureichen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden (9—12 Uhr Vorm.) unentgeltlich zu beheben sind. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, event. in welchem Betrage. WIEN, am 1. Jänner 1894. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. 3294

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