Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 1 (5.1.1894)
- Date
- 1894-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Oesterrrichifche Wochrnfchrist Seite 5 Generalversammlung des israelitischen Tempelvereinrs im IX Bezirk. Die 27. Generalversammlung des Tempelvereines für den IX. Bezirk fand unter reger Betheilignng seiner Mitglieder wie alljährlich in Robitschek's Restaurationssaal am 28. v. M. unter dem Vorsitze ihres Obmannes Herrn G. B eitel h ei m statt- Die Versammlung war kaum eröffnet, als der Herr Delegirte der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n sein verspätetes Eintreffen durch das eben erfolgte Ableben Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Adolf Jellinek erklärte. Unter tiefer Ergriffenheit nahm der Obmann das Wort, um der Versammlung die erschütternde Botschaft zur .'enntniß zu geben. Die aus der Seele kommende Enunciation für die Heimgegangene Leuchte des Judenthums machte einen tiefen Eindruck und wurde das Andenken des Oberrabbiners durch Erheben der Anwesenden von ihren Sitzen geehrt. Der Eindruck dieses Trauerfalles lvirkte dann auch lveiter auf die Generalversammlung ein. Es wurden alle auf der Tagesordnung stehenden Punkte ohne wesentliche Debatte erledigt und der Vereinsleitung das Absolutorium ertheilt. Der dem Gebahrungsausweise wie alljährlich vorausgehende commentirende Bericht, faßte die hervorragendsten Momente des abgelaufenen Vereinsjahres zusammen. Das Ableben dreier um den Verein verdienter Männer verlieh demselben einen tieferen Schatten, dem jedoch wieder Lichtpunkte entgegen standen in den moralischen und materiellen Fortschritten des Vereines. Der Bericht constatirt das Anwachsen der Mitglieder'zahl auf 255, ebenso die Zunahme von Trauungen, gedachte der durch den Vorstand erfolgten Gründung des überaus wohlthätig wirkenden Frauenvereines für den IX. Bezirk, erwähnt der Berufung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Gelb haus auf die Kanzel des Vereines, welcher die Judenschaff des IX. Bezirkes mit vieler Befriedigung erfülle, bedauert dagegen das Eingehen der hebräischen Sprach- und Bibelschule wegen Mangels au Schülern und klingt in der Hoffnung aus, daß der Vorstand der Cultusgemeinde den Bestand des Tempels durch Ueberweisung der ihm naturgemäß gebührenden Einnahmsquellen sichern werde. Die abtretenden Vorstände, die Herren: Jg. Feig lstock, Dr. Alfred Glo gau und Julius Wermer wurden wieder gewählt und Herr Commercialrath Sig. Neustadt! in seiner Function als. cooptirtes Vorstandsmitglied neu gewählt. Auf die vacanten Stellen im Ausschüsse wurden die Herren: Moriz Braune r, Melchior Stäuber und Ignaz S i m o n berufen. Sämmtliche Wahlen erfolgten nahezu einstimmig. Den Herren Jsid. Trebitsch und I. Zuckermann wurde der Dank der Versammlung für ihre Thätigkeit als Vorstandsstellvertreter ausgedrückt. Der Gebahrungsausweis zeigte Einnahmen in der Höhe von 16.000 fl., denen Ausgaben gleichen Betrages gegenüberstehen. Unter Ausdrücken des lebhaften Dankes für das dem Bereine neuerdings bewiesene Wohlwollen der Cultusgemeinde, insbesondere des Herrn Dr. Gustav K o h n, schloß der Obniann die Generalversammlung. Ist Goeke oder Goetz ein echt deutscher oder ein echt jüdischer Name? Rußland, 8. December 1893. Bei uns in Rußland ist der Familienname „Goetz" und namentlich nur unter Juden sehr verbreitet. Mir selber ist ein ganzes Dutzend recht gelehrter Talmudisten unter genanntem Namen, wie auch ein Herr Goetz, welcher die Universität in Petersburg beendet hat und der vielleicht im Stande ist, auf dem Gebiete der Gelehrsamkeit mit Herrn Assistenten und Oberarzt „Goetze" zu wetteifern, sehr gut bekannt. Ich habe nie über den Ursprung dieser ganz schlichten jüdischen Familie nachgedacht, und erst nach dem Erscheinen des „interessanten Briefwechsels" in Ihrem geschätzten Blatte habe ich eine genealogische Forschung in den vermoderten Papieren unseres Gemeindearchivs unternommen und es gelang mir, daraus klar zu ersehen, daß der Familienname „Goetz" oder „Goetze" schon seit einigen Jahrhunderten unter Inden existirt und daß der Stammvater dieser weit verzweigten Familie Christ war, welcher, in Deutschland wohnend, aus eigener Ueberzeugung sich zum Jndenthume bekehrte; um aber die liebevolle Behandlung der frommen und menschenfreundlichen Dominikaner und anderer lveichherziger Orden nicht in Anspruch zu nehmen, begab er sich nach Rußland, wo er den Namen „Goetz" (»--) d. h. Ger Zedek, annahm. Möglich, daß ein Urahn des Herrn Affistenten und Oberarztes wieder zu der Mutterkirche übergangen ist und den ihm angeerbten Namen „Goetz" nicht wechseln wollte und nur mit einem einzigen Buchstaben e sich bediente, um doch den vorigen Namen etwas zu verändern. Ich habe diese mühsame genealogische Forschung unternommen und sie äws Licht gebracht, um erstens dem Herrn Assistenten und Oberarzt seine Herkunft zu zeigen und zweitens unseren Correligionairen, welcher sich den Namen „Goetz" erfleht hat, zu versichern, daß dieser Name ebensoviel jüdische Elemente als „Smnl" enthält. Ein Alterthumsforscher. Grfammt - Lehrplan für den Religionsunterricht der Pestrr ifraelitilchen Cultusgemeinde. (Fortsetzung.» Wir können demnach den allgemeinen Lehrplan des Mittelschul-Religionsunterrichtes in folgenden Punkten zusammenfassen: 1. Im Grunde genommen, hat der Religionsunterricht an Mittelschulen sich auf drei Gegenstände zu erstrecken, u. zw. a) Religivnsgeschichte, b) Religionsliteratur, c) Religions- und Morallehre. Alle drei Richtungen müssen in jeder einzelnen Classe zur Geltung kommen und von diesem Gesichtspunkte aus ist der Lehrstoff jeder einzelnen Classe festzustellen. 2. Als Mittelpunkt hat immer jener Gegenstand zu dieiren, der der geistigen Entwicklung und Fähigkeit des Schülers am Besten entspricht und an den sich die übrigen Gegenstände gleichsam als Ergänzung anschließen. Demnach wird in den untern drei Classen die Geschichte, in der IV.—VII. Classe die Literatur, in der Ylll. Classe Religions- und Morallehre der Mittelpunkt des Unterrichtes sein. 3. In den ersten drei Classen streben wir dahin, die Schüler mit jenen wichtigeren Thatsachen der Geschichte Israels bekannt zu machen, aus denen einerseits die göttliche Vorsehung hervorgelenchtet, mit welcher nns Gott zu einem religiösen Volke erzogen und bis zum heutigen Tage erhalten hat und ans denen wir andererseits jenen Kampf und jene hin-' gebungsvolle Thätigkeit zum Berständniß der Kinder bringen, welche unsere Vorfahren zu dem Behufe entfalteten, daniit die Wahrheit unserer Religion anerkannt werde, damit sie dieselbe vertheidigen, bewahren und uns, ihren Nachkommen, als Erbgut geben. Die Aufgabe der literarischen Religions- und Morallehre in dieser Classe wird diejenige sein, diese Bestrebungen und Kämpfe mit größerer Anschaulichkeit und belebt durch die Behandlung unserer Institution und Cardinalsatzungen auf Grund des heiligen Urtextes vor die Seele unserer Schüler zu führen, damit wir gleichzeitig eine Art Propädeutik zu den späteren eingehenderen literarischen Studien bieten. In der I. Classe ist die älteste Geschichte Israels von den Patriarchen bis zur Landeinnahme zu behandeln, in der II. Classe von der Landeinnahme bis zum Ende des Prophetenthums. In der ILI. Classe vom Ende des Prophetenthums und dem Anfang der Diaspora bis zur Gegenwart. Der Literatur-Unterricht beschränkt sich in allen drei Classen auf einzelne kleinere ausgewählte Stücke, als da sind: Die Theile, welche den ersten Schöpfungstag, den Sabbath die Sendung Abraharns, die zehn Gebote behandeln: ferner das elastische 19. Capitel (n‘t5np) des III. Buch Mosis, die Einleitung des Buches- Josna, die Gebete Hanna's,.