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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.väwsbb: - Sette 4 Vekerredtziptze WochenfchrM Nr. 1 lung vom 13. März 1893, betreffend die Erwerbung der Realität Hirschengaffe 22. Das Protokoll erwähnt mit voller Anerkennung die erfolgreiche und energische Intervention des Herrn Adolf Rosen bäum, dessen Bemühungen cs zu danken ist, daß der Verein diese für die Zukunst des Tempels so wichtige Realität bei dieser Gelegenheit erwerben tonnte. Nach Verificirung des Protokolls erstattete der Vorsitzende Herr Architekt Max Fleisch er den Jahresbericht über die Bcreinsthätigkeit. Er gedenkt zunächst mit Wehmuth der im Laufe des letzten Jahres dahingeschiedenen Vereinsmilglieder: Samuel M. Klinger, M o ri z F r e i h e rr v. K ön igs w arte r, S. St ein inger und M ich a e l Wi n kler. Herr S. M. Klinger hat fl. 500 Rente dem Vereine letztwillig vermacht. Michael Winkler widmete fein ganzes Leben hindurch seine Arbeit und seine Thalkraft dem Tempclvcrein. Freiherr von König smarter war seit je ein warmer Gönner und hervorragendes Mitglied des Vereines. Die Versammlung ehrt das Andenken der Verschiedenen durch Erheben von den Sitzen. Während der Redner sprach, kam die Mittheilung vom Tode des Obcrrabbiners und Predigers Doctor Adolf Jellinek in die Versammlung. Mit bcvcMcu Worten und zitternder Stinnne verkündete der Redner diese Trauerbotschaft, er zeichncle in kirrzen aber markanten Zügen die Bedeutung Jcllinek's als Prediger und Gelehrter, als Seelsorger und Vorkämpfer für das fortschrittliche Judcnthum und erbat sich die Zustimmung der Generalversammlung für die anläßlich der Becrdignngsfcierlichkeit vom Bcreinsvorstand zu fassenden Beschlüsse. Stehend hatte die Versammlung die Ivarme Ansprache augehört und hat den Redner wiederholt durch Zeichen der Zustimmung unterbrochen. Der Jahresbericht erivähnt in scincin wilercii Verlause die Wahl des Herrn Dr. Israel Taglicht zum Vereins-Rabbiner, der am 28. Juli l. I. feierlichst installirt worden und welchem vom Vorstände der israelitischen Eultusgcmcindc nunmehr auch das Recht eingcräumt in, im Vcrcinstcmpcl Trauungen zu vollziehen. Mit Zustimmung der außerordentlichen Generalversammlung vom 13. März hat der Verein die Realität Hirschrngasse 22 ohne besondere Belastung des Jayresbitdgcls erworben, um für die Zukunft dem Tempel eine neue und entsprechendere Straßenfront zu sichern. Die Beisitze gaben ein Erträgniß von 5430 fl., die Filiale 403 fl. Bei den ungünstigen sanitären Verhältnissen hat der Vorstand während des Gottesdienstes an den hohe» Feiertagen cinrn ärztlichen Dienst eingerichtet, und die Doctorcn La bl, Earl Löwy und Jacob Weinberg haben sich in selbstloser Weise hiefür zur Verfügung gestellt. (Lebhafter Beifall.) Der Jugend-Gottesdienst und die Exhorten am Freitag Abend erfreuen sich allgemeiner Theilnahme. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages fand im Vereinstempcl unter Zahlreicher Betheiligung ein Festgottesdienst statt. Eine zweite öffentliche Feierlichkeit fand am 17. Oktober, als am 100. Geburtstage von Jsaac N oe M a n h e im er, statt. Der Bericht erwähnt sodann die allerhöchste Auszeichnung des langjährigen Vorstehers und Cassaverwalters Herrn Friedrich Pollak, dem Se. Majestät in Würdigung seiner hervorragenden industriellen Tyätlgkcit den Titel eines kaiserl. Rathes verlieh. Redner fährt fort: „Wir nehmen Anlaß, ihn zu beglückwünschen und halten uns überzeugt, daß er seine Liebe und seine Treue, sein Wohlwollen und seine ausgezeichnete Wirksamkeit auch fernerhin dem Vereine erhalteu wird. Seine erste Thal in seiner neuen Würde war ein Act der Großmuth, indem er dem Berriue aus diesem Anlässe eine Spende von fl. 200 gewidmet hat, lvofür wir ihm hier unseren Dank abstatten." (Lebhafter Beifall.) Zum Schlüsse erivähnt der Bericht, daß voraussichtlich im Laufe des nächsten Bcreinsjahrcs für die Wiener isr. Enltnsgemeindc ein neues Statut m Geltung kommen dürfte und spricht die Zuversicht aus, daß der Verein auch in den neuen Verhältnissen seine Stellung und seine Existenz behaupten lvird — Dank der Intelligenz und thatkräftigen Mitarbeit der Brrcinsmitglicder. (Lebhafter Beifall.) Der Eultusvvrsteher Herr Sa l o Cohn erbittet sich das Wort: Der Jahresbcrichl bietet ein lichtvolles hcrzcrficneudes Bild einer gesunden Vereinslhäiigleit. Ein ansgczeichneler, viclbcwundctcr Gottesdienst, musterhafte Finanzen, Einigkeit und Harmonie in der Verwaltung haben diesen Verein zu einem Muster und Vorbild aller Tempelvereine der Resioenz gemacht. Nur eine intelligente hochgebildete jüdische Bewohnerschaft konnte ein solches Werk zu Stande bringen und es zu dieser Höhe cmpvrtragen. Redner beglückwünscht den B^ein zu seinen Erfolgen und verspricht der Mnttergrmeindc, darüber zu berichten. (Lebhafter Beifall.) . Herr kaiscil. Rath Friedrich Poliak (Myrtheugasse) spricht zunächst dem Herrn Eultusvorsteher Salo Eoh n für seine freundlichen Worte den Dank des Vereines aus. Die Erklärung des Herrn Cohn bildet eine ehrende Manifestation, die dem Veiciue. überaus werthvoll sein muß. Redner verliest sodann den Rechnungsabschluß und beleuchtet ausführlich die einzelnen Posten. Durch eine glückliche Finanzoperation mit Hilfe einer vortheilhastcn Convertirung ist es gelungen, die Realität Hirschengaffe 22 mit einem Betrage von 25.450 fl.;u erwerben ohne höhere Belastung der Bereinsausgaben. Die interessante Darstellung der finanziellen Lage des Vereines und die fesselnden ökonomischen Mittheilungen wurden wiederholt vom Beisaüe der Versammlung unterbrochen. Herr Leopold Stotvasser verliest ben Bericht der Revisoren und aus seinen Antrag, wird-der Rechnungsabschluß genehmigt und der Bereinsleitung der Dank votirt. In Bezug auf den Jahresbeitrag beantragt der Vorstand,- die bisherige Gepflogenheit weiter behalten zu dürfen. (Genehmigt.) Vor Eingang in den letzten Gegenstand der Tagesordnung (Wahlen in den Vorstand) übernimmt der Senior des Vereines, Herr M. Feßler, den Vorsitz und crtheilt das Wort Herrn Commcrcialrath Eisenberger. Der Redner erinnerte daran, daß er bereits seit dem Jahre 1850 dem Vereine dient. Die Vereinsgenossen waren Mit seiner bisherigen Wirksamkeit zufrieden und haben das bei der jedesmaligen Neuwahl durch Erneuerung ihres Vertrauens bekundet. In der letzten Zeit habe er sich nicht geändert, er ist der Alte geblieben und will nichts Anderes versprechen, als die. frühere Wirksamkeit sortzusetzen. (Lebhafter Beifall.) Es ergreift das Wort der Erbauer des Bereinstempels und langjähriger Vereinspräsident, Architekt Max Fleischer. Redner findet es für zweckmäßig/und wohlbegründct. daß Jeder sich den Vercinsgenoffen vorstellt, der um ihr Vertrauen und um ihr Mandat wirbt. (Lebhafter Beifall.) Zwischen der Bereinsleitung und den Vereinsgenossen muß ein steter geistiger Conlact und eine klebereinstimmung der Anschauungen und Ziele vorwalten. Schon darum ist der alljährliche gegenseitige Gedankenanstansch notwendig und ersprießlich. Seit einer Reihe von Jahren steht er an der Spitze des Vereines. Mit dieser hohen Ehre sind entsprechende Pflichten verbunden, vor Allem die Pflicht, die Judcnschaft der westlichen Bezirke ans ihrer expvnirten Stellung würdig zu repräseutiren. Der Verein steht geachtet da und nun gilt es, diese durch mühsame, langjährige, gemeinsame Arbeit errungene Stellung auch fü' die Zukunft dauernd zu behalten. Nur unter steter Uebereiustimmuug zwischen den Vereinsgeuosseu und der Bereinsleitung kann dies gelingen auch gegenüber einem eventuellen Wechsel in der Leitung und Verwalkung dekMnttergemeinde die Position des Vereines in der bisherigen Stellung zu behaupten, eventuell zu vertheidigen. (Lebhafter Beifall.) Herr Albert Janowitzer greift das Wort. Seit 2 Jahren ist er Mitglied der Vcreinsverwaltung. Im Laufe dieser Zeit hat sich die gefährdete Stellung der Juden noch nicht gebessert. Der Haß und die Feindseligkeit gegen alles Jüdische hat sich nicht geändert, es bedarf nach ivie vor der Einigkeit im Innern, um dem Ansturm von Außen nicht zu erliegen. Die ernste Zeit bedarf in erhöhtem Maße eines opfervollen Gemeinsinnes. Die im väterlichen Hause genossene Erziehung hat ihn mit jüdischer Gesinnung erfüllt. Wenn die Bereinsgenoffen ihn neuerdings mit ihrem Vertrauen auszeichnen, so will er der jüdischen Sache sein tvarmes jüdisches Herz und sein bestes Können widmen. (Lebhafter Beifall.) Herr Josef Toffler bemerkt: Erst seit einem Jahre gehört er der Bereinsleitung an, er ist noch nicht in der Lage, auf umfangreiche Leistungen und große Verdienste hinzuweisen. Nur den guten Willen, für die gemeinsame Sache zu arbeiten, kann er dem Vereine entgegenbringen mti) dazu bitte er um die Unterstützung der Vereinsgenossen. (Beifall.) Als neuer Candidat in den Eintritt in den Vorstand stellt sich nunmehr Herr Ernst Schüller vor: Dreierlei Momente bewegen ihn den Wählern als Candidat sich vorzustellen. Zunächst war es der Besuch e-'ues Vorstandsmitgliedes, welcher ihn, mit der Mittheilung, daß sein Eintritt in die Bereinsleitung dem Vorstande willkommen wäre zur Caudidatur veraulaßte. I» zweiter Linie war es fein Vater, welcher ihm, im Vereine mit seinem Schwiegervater, den gleichen Wunsch uahegelegt. Allein auch er selbst würde es als eine Auszeichnung betrachten, an den Vereinsangelegenheiten Mitarbeiten zu können. Er ist noch relativ jung an Jahren, allein der Verein bedarf auch jüngerer Kräfte und er will dem Muster und dem Vorbilde der vielerprobtcn und vielverdienten Männer, welche den Verein bisher ruhmreich geleitet haben, mit jugendlicher Begeisterung nachstreben und nachcifern. (Lebhafter Beifall.) Bei der hierauf vorgenommenen Wahl fungirten als Scrntatoren die Herren: D. Ko h n, Leopold Goller st eppe r, Hermann König und Carl Reiß. Es wurden 43 Stimmen abgegeben, davon erhielten die Herren : Max F l e is ch e r 41, S. Eisenberger 41, Albert I a n o w itz er 42, Josef Toffler 39, Ernst Schüller 36 Stimmen. Vorstandsmitglied Herr Adolf Ruziczka begrüßt herzlichst die Neuwahl des Herrn Ernst Schüller in den Bereinsvorstand, kann aber sein Befremden nicht unterdrücken, daß derselbe den Bereinsgeuoffen gegenüber ans die Empfehlung des Vorstandes sich berufen hat. Er Persönlich habe von dieser Caudidatur erst vor wenigen Tagen erfahren. Die einzelnen Vorstandsmitglieder haben wohl wie jeder Bereinsgenosse das Recht, über eine Caudidatur ihre Meinung und ihren Wunsch persönlich zu äußern. Allein der Vorstand als solcher hat sich der Wahlbewegung - fernezuhalten. Redner wünscht diese Sachlage deutlich und unzweideutig hier festzustellen, um jedenr etwaigen Mißverständnisse vorzubeugen und kein Präjudiz für die Zukunft schaffen zu lassen. (Lebhafter Beifall.) Mit einem Dank an die zahlreiche Versammlung schließt Herr Feßler die zwanzigste ordentliche Generalversammlung. Hrcrauf fand in denRestanrationslvcalitäten des Herrn S. L ö b l, VI., K a-s erng a s s e 20, ein gemeinsames Bankett statt, welches bei einem vorzüglichen, allgemein, als ausgezeichnet gepriesenen Menu, gewürzt durch zahlreiche ernste und launige Trinksprüche, in heiterste^ Stimmung verlies. __

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