Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 52 (29.12.1893)
- Date
- 1893-12-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 1020 Vesterrektzische Wochenschrift Air. 52 „Frauenhort", Zentralverein für Krippen, Verein zur Errichtung von Dienstboten-Asylen, Verein Kinderschuh, Verein zur Errichtung von Suppen- und Theeanstalten, humanitärer Verein „Einigkeit", Medicinischer Unterstützungsverein, Verein für Arbeitsvermittlung, Wiener Hausfrauenverein. Musikverein „Nicolai", Unterstützungsverein „Schröder", Pensions-Unterstützungssonds der Briefträger. Je 300 fl.: Erster niederösterreichischer Feuerivehr-Unterstützungsverein, Leopoldstädler Kinderschutz-Verein, Verein kür die Knaben- Beschäftigungs-Anstalt, Wiener Söuglings-Bewahranstalt, Witwen- und Waisenversorgungsverein der Tonkünstler („Haydn"). Je 200 fl. - Erster Wiener Skontisteu-Verein, Unterstützungsverein für herrschaftliche Diener, Israelitischer Frauen-Wohlthätigkeitsvercin in Wien (Josefstadt), Kranken-Unterstützungsverein „Gowle Je 100 fl.: Wohlthätigkeitsverein „Kinderliebe', Militär- Veteranenvereiu Erzherzog Karl, Verein zur Bekleidung ariner Schulkinder und kaufmännischer Unterstützungsverein „Osten". Eine Reihe von anderen Wohlthätigkeits-Jnstituten, zum Beispiel der Wiener Wärmestubenverein, der Studentenconvict, der Israelitische Handwerlerverein u. s. w. haben bereits zu Lebzeiten des Freiherrn v. Königswarter so namhafte Summen erhalten, daß bei der obigen Vertheilung von ihnen zu Gunsten anderer Institute, denen , gleiche Wohlthyten nicht zutheil geworden sind, Umgang genommen werden mußte. Der von dem großen Legate nicht zugewiesene Restbetrag gelangt unter vorzugsweise berückstchtigungsbedürftige Witwen und Waisen im nächsten Jahre zur Vertheilung. Es sind diesfalls bereits definitive Verfügungen getroffen und wird der Abhandlungsbehörde demnächst Bericht und Ausweis darüber erstattet werden. Prag. Ein Vorkommniß aus unserer nächsten Nähe verdient in der „Oester. Wochenschrift" erwähnt zu werden. Unlängst stürzte ein Haus in Holcsovitz-Bubna ein, dem einige Menschenleben zum Opfer fielen, und welches ein gewisser Baumeister Prochaska baute. Während des Baues dieses Hauses belvarb sich ein jüdischer, sehr anständiger Glasermeister, Vater mehrerer Kinder, um die Glaserarbeit bei dem Prochaska. Jener antwortete ihm in brüsker Weise, daß er einem „Juden keine Arbeit gebe". Berlin. (Als Vorfrucht der Socialdemokratie) hatte der Reichskanzler Graf Caprivi den Antisemitismus gekennzeichnet. Ec brandmarkte die Heuchler und Geschäfts-Antisemiten, denen Rasse und Religion nur als Deckmantel für die niedrigsten Motive dienen und betonte den demagogischen Charakter der Judenhetze. Die Vorfrucht der Socialdemokratie, vor deren Giftigkeit Graf Caprivi nicht genug warnen konnte, gedeiht indessen in den Kreisen des niederen Beamtenthums am vortrefflichsten. Die bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abtheilung des Dorotheenstadtbezirkes abgegebenen Stimmen beweisen dies am deutlichsten. Bei der Stichwahl war daselbst der antisemitische Oberlehrer Heutig mit 744 gegen 701 Stimmen gewählt worden. Die „Freist Ztg." zählt nun unter den 744 antisemitischen Wählern nicht weniger als 361 öffentliche Beamte. Das größte Contingent für den Antisemitismus stellten unter denselben die königlichen Hofbeamten. Es befinden sich unter den antisemitischen Wählern nicht weniger als 24 Lakaien, 14 königliche Tresordiener, Schloßdicner, Frotleure, Silberdiener, Garderobiers. Die Prinzlichen Marställe sind vertreten in der Ant'isemitenpartei durch 17 königliche und prinzliche Kutscher, 23 königliche Vorreiter. 10 königliche Reitknechte, 3 Stallmänner und sonstige Marstallbeamte. Nicht weniger als 31 Portiers aus königlichen Gebäuden und Staatsgebäuden haben für den antisemitischen Candidaten gestimmt, dazu 9 Haushofmeister. Hausinspectoren und Hauswächter. 29 Hausdiener und 31 andere Diener. Dazu kommen nun noch 25 geheime Kanzleidiener, 12 Castellane, 1 Hausverwalter, 1 Oberpedell, 9 Heizer und andere Beamte der Universitätsverwaltung. Die Verwaltungsbehörden find unter den Antisemiten vertreten durch 15 Beamte. Nicht weniger als 19 Räthe haben für den Antisemitismus gestimmt, darunter 3 Geheime Kanzleiräthe, 2 Geheime Hofräthe, 4 Geheime Rechnungsräthe, 1 Geheimer Regierungsrath, 1 Geheimsecretär. 3 Hofräthe, 3 Rechnungsräthe, 1 Regierungsrath, 1 Kanzleirath, Die Polizei ist auf antisemitischer Seite vertreten durch 13 Beamte, nämlich 1 Polizeirath, 1 Hauptmann, 1 Lieutenant, 1 Assessor, 1 Secretär, 3 Wachtmeister, 4 Schutzleute, 1 Oberfeuermann. W eiterhin hat die Post zu den antisemitischen Wählern ein Contingent von 14 Beamten gestellt, welches mit 1 Postdirector beginnt und mit 5 Briefträgern und 2 Hilfsboten abschließt. Dazu kommen auf antisemitischer Seite 7 Gerichtsbeamte vom Gerichtsdirector ab bis zu den Referendarien, endlich 11 Pfarrer und Köster. Das ist eine bunte Auswahl von Beamtenkategorien. Ferrara. Antonio Draghetti, der Herausgeber eines obscuren Wochenblättchens hier, wollte dasselbe pikant und interessant machen und begann daher seinen Lesern gruselige Geschichten von den „Massacren, welche die Juden immer um die Osterzeit unter den Christenkindern anrichten, um nur recht viel Christenblut zu ihren Mazzoth zu haben", zu erzählen. Der Staatsanwalt stellte jedoch Herrn Draghetti vor den Richterstuhl, weil er zum Hasse gegen Staatsbürger aufgereizt hatte. Der Angeklagte berief sich nun auf eine Reihe christlicher Gelehrter, darunter auch auf einen bekannten österreichischen Universitäts-Professor, die Stein und Bein darauf schwören, daß die Juden Christenblut zu ihren Osterbroten verwenden. Der Richter erklärte jedoch, daß alle diese Gelehrten für Italien nicht maßgebend seien, der Angeklagte soll concreteBeweise für seine furchtbaren Beschuldigungen Vorbringen. Herr Draghetti war dazu selbstverständlich außer Stande und wurde daher zu einer Kerkerstrafe von 105 Tagen verurtheilt. Hoffentlich wird ihm von nun an die Lust vergehen, sich des Ritualmordes als Köder für Abonnenten zu bedienen. Montreal. Am 1. December 1893 stattete der Generalgouverneur von Canada, Lord Aberdeen sammt Gemalin dem Baron H i r s ch'schen Institute in der St. Elisabethstraße einen Besuch ab. In diesem Institute werden 250 russische Kinder zum Eintritte in die öffentliche städtische Schule vorbereitet. Ihre Excellenzen wurden von den Spitzen der Judenschaft Montreals empfangen. Mr. D. A. A n s e l l, Generalconsul für Mexico, hielt eine Ansprache, in welcher er die Gefühle der Loyalität für Ihre Majestät die Königin zum Ausdrucke brachte. Nach der Antwort des Gouverneurs wurden die einzelnen Classen besucht. In einer Classe sangen die kleinen 5—6jährigen Schüler ,,God save the Queen", während in einer anderen Classe von einem Schüler eine hebräische Ansprache gehalten wurde. Lord und Lady Aberdeen erklärten beim Verlassen des Hauses, daß sie weder in Canada, noch zu Hause so Interessantes mitangesehen hätten. London. Lord Teyham interpellirte im Oberhause die Regierung, ob es wahr sei, daß, wie ein Telegramm aus Odessa meldete, die Auswanderung der Juden aus Südrußland wieder angefangen habe und daß jüngst 357 Familien nach England ausgewandert sein. Earl von Kimberley erwiderte, die Aufmerksamkeit des Handelsamies werde oft auf Telegramme ähnlicher Art gelenkt, es habe jedoch keine Vermehrung der Einwanderer stattgefunden und fei deshalb kein Grund zu einer sofortigen Action gegeben. Die auf Anregung von Mr. Louis Davidson schon durch neun Winter abgehaltenen Freiconcerte für Arme, wurden wieder ausgenommen. Das erste Concert in dieser Saison fand letzten Donnerstag in der jüdischen Freischule unter Leitung von Mr. Walter Abraham statt und bot ein vorzügliches musikalisches und dramatisches Programm. Zum Schluffe wurde von den Anwesenden den Arrangeuren und Künstlern durch laute „Cheers" der Dank votirt. Indien. Der jüngst erschienene Bericht über die Volkszählung des Jahres 1891 enthält folgende Mittheilung: Abgesehen von den Haupt-Handelsstädten 'Bombay und Calcutta bestehen hier noch zwei jüdische Colonien an der Westküste. Obschon die Zeit ihrer Gründung unbekannt ist, sind sie doch ohne Zweifel von hohem Alter. Die beiden jüdischen Gemeinden bestehen aus sogenannten weißen und schwarzen Juden. Erstere sollen sich stets von einer Verheiratung mit den Töchtern des Landes fern gehalten haben, letztere aber den Mischehen zum Opfer gefallen sein. Auch in Ade nbefindet sich eine Ansiedelung dieser schwarzen jüdischen Handelsleute, welche einen nordarabischen Dialect sprechen. Die Gesammtzahl der Juden unseres Landes beträgt ungefähr 17.200, von welchen 10.500 in Bombay, 2800 in Aden, 1300 in Cochin und 1450 in Calcutta wohnen. Die übrigen leben zerstreut in den verschiedenen Handelsorten oder dienen in der Armee. Diese letzteren haben neben der Sprache auch viele Gewohnheiten der sie umgebenden Maratha-Bevölkerung adoptirt, sind aber den Grundsätzen ihrer Religion treu geblieben. Dasselbe ist auch der Fall bei den Juden in Cochin. Bombay. An der hiesigen medicinischen Facultät hat Herr Alijah Moses Rajpoorker für sein glänzend bestandenes Examen den Staatspreis von 120 Rupien erhalten. Er ist der erste Jude, dem diese Ehre zu Theil geworden.