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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-29 · 52 (29.12.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 52 rtpsnstn|t[]QS A-myrnfilMfl' Seite 1019 (Großer Beifall.) Schönerer 's Berurtheilung sei ein nationales Unglück. Wenn unsere Bewegung zum Wrack wird, werden wir dasselbe doch nicht verlassen. Hoch Schönerer für immer! (Beifall und Hochrufe.) Auf Antrag Hauck's wurde dann eine Kundgebung, in der Schönerer aufgefordert wird, sich um ein Mandat zu bewerben, einstimmig beschlossen. — Im „Hotel Wimberger" war Reichsrathsabgeordneter Dötz Vorsitzender. Dieser erklärte, gerne als Abgeordneter nunmehr Schönerer Platz zu machen. Festredner war „Schriftleiter" Wolf, welcher versicherte, daß Schönerer nur schwer zum Wiedereintritte ins politische Leben zu bewegen war. Es sei aber doch gelungen. — Im Saale zur „Weintraube" in Margarethen sprach der Architekt Engert vor zahlreichen Zuhörern und im Gasthaussaal zum „braunen Hirschen" am Neubau in einer Versammlung des „Deutschnationalen Arbeiterbundes" der Mechaniker Stein. In Gschwandtner's Saal in Hernals war eine Versammlung des „Deutschen Männerbundes", welche von circa 700 Personen besucht war und wo ein Herr Kernreuter sprach. Im Saal „zum Auge Gottes" in Währing hielten der Landtagsabgeordnete B au m a n n und die Gemeinderäthe Tom ola und Dr. Räder die Festreden. Ebenso fanden im 12. und 13. Bezirk Versammlungen statt. In allen wurde eine Kundgebung angenommen, welche Herrn Schönerer zur Wiedercandidatur für den Reichsrath auffordert. (Anläßlich der Schönerer-Feier das Leben eingebüßt.) Wie das „Salzburger Volksblatt" meldet, begab sich dort am 19. d. M. der Hafnermeister Johann Wimmer, ein anerkannt tüchtiger Bergsteiger -- über Ersuchen einer Gesellschaft von Deutschnationalen, die aus Anlaß der „Schönerer- Feier" Bergfeuer abgebrannt sehen wollten — zu diesem Zwecke auf den Untersberg. Wimmer, der es unvorsichtigerweise unterlassen hatte, genagelte Schuhe anzuziehen, glitt oberhalb der unteren Rositten so unglücklich aus, daß er über eine circa 100 Meter hohe Eiswand abstürzte und dann noch einige hundert Meter weiter in die Tiefe geschleudert wurde. Die gräßlich verstümmelte Leiche des Unglücklichen wurde von dem Steinbrucharbeiter Föllerer aufgefunden, der die Gendarmerie davon in Kenntniß setzte, worauf die Leiche nach Grödig gebracht wurde. Wimmer hinterläßt eine Witwe in gesegneten Umständen, zwei unmündige Kinder, sowie eine alte Ptutter. die auf die Unterstützung des Sohnes angewiesen war. Wien. Nahezu durch den ganzen Monat December 1893 durchzieht die Gerichtsverhandlung gegen das „Finnige Cartell" und die Giftmischerei bildet die Unterhaltung der Residenz. Ein Consortium von Fleischhauern. Selchern und einigen Beamten der Vieh- und Fleischcasse befaßt sich seit circa zwei Jahren damit, finniges Schweinefleisch der behördlichen Beschau zu entziehen. Die Mitglieder dieses Consortiums besaßen das „Recht", das verdorbene Fleisch entweder selbst zu verwerthen oder an ein anderes Mitglied zu verkaufen; die Hauptabnehmer waren der Selchermeister Oswald Wagner, Favoriten, Wielandplatz Nr. 3 wohnhaft, und der sehr wohlhabende Fleischhauermeister Anton Hallama in Jnzersdorf. Oswald Wagner, der Jahr für Jahr Tausende von Gulden auf den Wettrennplätzen der Monarchie verspielt, hatte sich bereits vor einigen Tagen bei dem Bezirksgerichte Landstraße zu verantworten, und wurde ihm eine Strafe von 250 fl. zuerkannt. August Schreiber, der ehemalige Liquidator der Vieh- und Fleischcasse, erhielt eine Geldstrafe von 300 fl.; die Mitangeklagten Selcher Josef Ziegler, Engelbert H a t s i n g e r und Johann Schindler, sowie Schleiffelder, Beamter der Vieh- und Fleischcasse, mußten wegen bereits eingetretener Verjährung freigesprochen werden. Hallama, der das finnige Fleisch an die Cantineure der Ziegelöfen und der Massen quartiere lieferte, wird sich demnächst mit noch circa 30 anderen Selchern vor Gericht zu verantworten haben. Die meisten dieser Gewerbsleute sind sehr wohlhabende Männer und Christen und gehören bis auf wenige Ausnahmen der antisemitischen Partei an. Herr Hallama aus Jnzersdorf ist der Urheber jenes Wortes: „Jeder Jude kommt schon als Betrüger auf die Welt." Die Lumpenbande hätte auch anderwärts keine so würdige Genossen gefunden als in der Antisemitenpartei. Wien. (Eingesendet.) Herr Redacteur! Vielleicht ist es gestattet, das Thema, welches in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes in geistvoller und launiger Weise sarkastisch behandelt wurde, von einer anderen Seite zu beleuchten. Wie, es sollte wirklich das Richtige sein, wenn wir Juden „muthig zurückweichen"? Bon wohlwollenden Unbetheiligten wird uns oft der Borwurf übergroßer Empfindlichkeit gemacht. Wohl ist dieses Gefühl leicht begreiflich! Seit Jahrhunderten verkannt, verlästert und verfolgt, — was Wunder, wenn eine nervöse Empfindlichkeit sich unser bemächtigen will? Doch dürfen wir dieses Gefühl nicht Herr über uns werden lasten. Wie viel Kämpfe, wie viel Opfer hat es gekostet, bevor wir uns trotz wüthenden Widerstandes gebildeter und ungebildeter Horden einen Platz in der Gesellschaft zu erringen vermochten. Einen Platz, der uns gebührt, auf den wir ein Recht haben! Und wir sollten freiwillig verzichten? Zu wessen Gunsten? Damit sich hirnverbrannte Niedertracht, wie sie von jener Spukgestalt — ohne Feuer — einem Publicum, das dem prinzlichen Mephisto kritiklos zujubelt, gepredigt wird, immer breiter mache? Nein, wir müssen unseren Mann stellen, auf dem Forum — und auf dem Parquet. Die Götter verkaufen den Sterblichen Alles für Arbeit. Wir haben in der Gesellschaft noch lange nicht die gleichberechtigte Stellung, die wir beanspruchen müssen. Kommen wir dieser Stellung auch nur um Haaresbreite näher, wenn wir vor unseren Gegnern kleinmüthig und unmännlich die Waffen strecken? Nein, wir wollen sie uns erkämpfen, mit den Waffen des Geistes, der Gerechtigkeit und der Menschenwürde! Und was wir schon besitzen, das wollen wir vertheidigen.' Unser Wahlspruch sei das stolze je maintiendrae. Genehmigen Sie, Herr Redacteur, den Ausdruck besonderer Hochachtung, mit der ich zeichne Ihre treue Abonnentin R. Danziger. Wien, 23. December 1893. Wien. (Wohlthätigkeitslegate des Baron König s Wärter.) Wie wir bereits mitgetheilt haben, hat Baron Moriz Königswarter in seinem Testamente den Betrag von einer Viertelmillion Gulden zu gemeinnü tzigen und Humanitären Zwecke bestimmt. Nunmehr ist das Ausmaß der einzelnen Beträge in Gemäßheit der letztwilligen Anordnungen des Baron Königswarter von dem Testamentsexecutor Herrn Alfred Straß er im Verein mit dem Universalerben Hermann Freiherrn von Königswarter bestimmt worden und nach dieser Feststellung werden sich die einzelnen Legate folgendermaßen vertheilen. Es werden erhalten je 10.000 fl.: Die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, das israelitische Seminar, das Spital der israelitischen Cultusgemeinde, das Haus der Barmherzigkeit in Währing, das Asyl „Stefaniestiftung" in Biedermannsdorf, die israelitischen Armenanstalten, das israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte und der Seehospitzverein. 7000 fl. das israelitische Mädchenwaisenhaus. 6000 fl. der Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia" in Wien. Je 5000 fl.: Die Akademie der bildenden Künste, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, die Gesellschaft vom Weißen Kreuz, die Heilanstalt für Brustkranke („Tuberculinum"), die Spar- und Borschußabtheilung der Staatsbeamten, der Rudolfinerverein, die israelitische Beerdigungsbruderschaft, das israelitische Taubstummeninstitut, der erste Wiener Feriencolonienverein, der Centralverein zur Verköstigung armer Schulkinder, das Reconvalescentenheim für arme Wöchnerinnen in Gersthof, der israelitische Frauenwohlthätigkeitsverein, der Verein gegen Verarmung und Bettelei, der allgemeine Studentenunterstützungsverein, der Schulverein für Beamtentöchter, die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft, die allgemeine Poliklinik in Wien. Je 3000 fl.: Das Maria Theresien-Frauen-Hospital. das Kinderspital zu St. Anna, die Unterstützungs-Societät der Polizeibeamten in Wien für deren Witwen und Waisen, das Kinderspital der Allgemeinen Poliklinik, der Waisenverein der israelitischen Cultusgemriude. Je 2500 fl.: Der Allgemeine niederöfterreichische Volksbildungs- Verein (Zweig Wien und Umgebung), der Verein „Ferienhort" fürbedürftige Gymnasiasten. Je 2000 fl.: Die Aushilfscasse für entlassene Kranke im israelitischen Spital, der Fraueu-Wohlthätigkeitsverein „Providentia", Badecurfonds der Aerzte, Erstes öffentliches Kinder-Krankeninstitut, Witwen- und Waiscn-Unterstützungsverein des medicinischen Doctorencollegiums, Asylverein für Obdachlose, Oesterreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuz. 1500 fl. der Wiener Schutzverein zur Rettung verwahrloster Kinder. Je 1000 fl.: Der Pensionsfonds „Rudolsinerhaus", „Wiener Frauenheim", das Unterstützungs-Institut der Sicherheitswache in Wien, Beteranen-Unterstützungsverein „Tegetthoff", Verein der Wiener Bvrsebesucher zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder, Erzherzogin Sofien-Spital, Kranken- und Unterstützungsverein „Nächstenliebe", Verein zur Unterstützung entlassener Sträflinge, das Kinder-Ajyl „Humanitas" in Kahlenbergerdorf, Prediger Mannheimer-Verein, Frauen-Erwerbverein, Verein zur Errichtung eines israelitischen Spitals in Gleichenberq, Verein der Kinderfreunde (Kinderasyl in Zillingsdorf). Je 500 fl. der Verein des Administrations-Personals der Wiener Journale („Eintracht"), der Verein „Caritas" zur rationellen Ernährung für Kinder und Kranke. Mariahilfer Ambulatorium, Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen in Wien, Unterstützungsverein

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