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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-29 · 52 (29.12.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 VrüerrrlrtzMtze WortzenschrM Sette 1017 -Judenthums epochal auftretenden religiösen Richtungen ein richtiges Urtheil wird bilden können und im Stande sein wird, sich in religiösen Fragen zu orientiren; endlich, da wir all dies nur auf Grund des Unterrichtes im Urtext erreichen können, so ist es nothwendig, daß der Mittelschul-Religionsunterricht sich mit diesem Gegenstände, vermöge seiner hervorragenden Wichtigkeit, wenigstens zwei Jahre hindurch, d. h. in der V. und VI. Classe beschäftige. Auszuwählen sind jene prophetischen Capitel, welche dem oben bezeichneten Ziel am besten entsprechen, als Ergänzung derselben sind auch jene Eapitel in guter Uebersetzung zu lesen, welche nothwendig sind, um daraus ein freies Bild von der Wirkungszeit der Propheten zu gewinnen. Im weiteren Unterricht der Heiligen Schrift ist derselbe Stufengang zu beobachten, in dem die darin verkündeten Ideen sich im geschichtlichen Leben verwirklicht haben. Gleich wie die von den Propheten verkündeten religiösen Ideen die heilige Gemeinde schufen, welche sich auf Grund der Pentateuchgesetze vornehmlich in der Zeit der Soferim organisirte, so bereitet die Kenntniß der Psalmen und der Propheten auch unfern Schülern den Boden zur richtigen Auffassung und Erkenntniß der Gottesgesetz e vor. Demnach bilden den Hauptgegenstand der VII. Classe jene Theile des Pentateuch, welche von den religiösen Institutionen ' und den Sittengesetzen handeln. Damit bieten wir zugleich ein treues Bild jener religiösen Gemeinschaft, welche sich damals gestaltete, als Gottes Wort zum allgemeinen Gesetz in Israel wurde. Daran schließt sich die kurze Bekanntmachung jener später:: religiösen Bewegungen und literarischen Erzeugnisse, aus Grund deren einerseits sich darstellen läßt, wie artig das religiöse Denken in den einzelnen Epochen unserer Geschichte war und in welchen literarischen Erzeugnissen sich dies äußerte; andererseits wieder, wie die in den einzelnen Zeitabschnitten herrschenden Ideen nicht ohne Wirkung auf die religiöse Ortentirung suchenden Führer des Judenthnms blieben. Hiezu würde die Entwicklung des Rabbiuismus, die Periode der Religions- Philosophen ii. s. w. gehören. Auf Grund des in den literarischen (IV bis VII) Elasten behandelten hebräischen Stoffes können wir unsere Schüler stufenweise sehr leicht auch mit den wichtigsten Elementen der hebräischen Sprache bekannt machen, auf keinen Fall darf man aber oei_ dem Unterrichte dieses Gegenstandes außer Acht lasten, daß dieser eigentlich nur ein Hilfsmittel des literarischen Unterrichtes istweshalb man sich auf jene sprachlichen Erfahrungen stützen muß, welche sich der Schüler unter unserer Leitung gelegentlich der Erklärung des hebräischen Textes gesammelt hat, mit andern Worten, er sei nichts anderes, als die systematische Zusammenfassung und Ergänzung der bereits bekannten grammatikalischen Formen. Wenn wir nebstdem zugleich auch dafür Sorge tragen, daß der einmal angeeignete Wortschatz oder der einmal erlernte Text dem Gedächtnisse. nicht entschwinde ' und bei den aus jeder Stufe des Unterrichtes vorkommenden neuen Wörtern die schon bekannten, ihnen synonymen oder mit ihnen in eine Begrisfsgruppe gehörenden Wörter wiederholen. So können wir daraus zählen, daß unsere die VII. Elaste absolv-rten besseren Schülerin: Stande sein werden, leichteren hebräischen Tert auch bei einfachem Durchlesen zu verstehen. In den unteren zwei Elasten bildet die biblische Geschichte den Hauptgegenstand des Religionsunterrichtes. Dabei ist jener Umstand zu beachten, daß dessen Stoff nur mit jener Methode sich für den Zweck des Religionsunterrichtes eignet, welche die he:lige Schrift in ihrer Darstellung anwendet, indem sie nämlich einerseits auf historischer Basis die Mission des Judenthums begründet, andererseits das Leben des Individuums oder dasjenige eines Volkes vom Gesichtspunkte der jüdischen Religion beleuchtet, sozusagen jene Weltanschauung veranschaulicht, welche die jüdische Religioninder Geschichte a n w e n d e t. Solche Geschichten, bei welchen diese Gesichtspunkte vermieden wurden, bilden nicht den Gegenstand des Religionsunterrichtes oder wenigstens nicht den einer scolarischen Aufarbeitung und können höchstens nur als Lesestücke in biblischen Geschichten enthaltenden Schulbüchern Platz finden. In der HI. Elaste ist die biblische Geschichte abzuschließen; aus der späteren Geschichte der Juden aber sind die wichtigsten Ereignisse der einzelnen Zeitabschnitte zu behandeln, und zwar von dem Gesichtspunkte, daß der Schüler, ehe er zu den religionsliterarischen und religionsgeschichtlichen Studien, welche den Lehrstoff der höheren Claffen bilden, übergeht, eine vollständige und klare Uebersicht über die Geschichte des Judenthums gewinnen, den Zusammenhang zwischen dem biblischen Israel und dem Judenthum in der Diaspora verstehe und jenen herzerhebenden Kampf von mehreren Jahrtausenden zu würdigen wisse, mit welchem es seine, selbst unter größten Widerwärtigkeiten so unerschütterliche Treue und Anhänglichkeit an seine heilige Religion rechtfertigte. Die eingehendere wiederholende Behandlung der zuletzt bezeichneten Periode ist nebst dem literarischen Unterricht Ausgabe der folgenden Elasten; nur daß uns hier, wie bereits oben darauf hingezielt, nickt so sehr der politische, als vielmehr der religionsgeschichtliche Gesichtspunkt leiten wird. Es darf nämlich im Mittelschul-Religionsunterricht jener wichtige Umstand nicht außer Acht gelassen werden, daß in dem nachbiblischen Zeitalter zwisch en d er politisch e n und socialen Stellung der Juden einerseits und der Entwicklung des jüdischen inneren Lebens, der religiösen Institutionen, Traditionen und Ideen andererseits, der innere Zusammen h ang und die Wechselwirkung in den entsprechenden geschichtlichen Period en nicht in solchem Maße, wie ehedem, oder wie sich dies zwischen dem politischen Leben und der geistigen Entwicklung anderer Völker zu zeigen pflegt, vorhanden war. Mit den letzten Worten der Propheten, verhallen auch die Ruse der „Offenbarung". Bon dieser, als von einer festen unveränderlichen Basis ausgehend, geschieht die Entwicklung des religiösen Denkens der späteren Zeit hauptsächlich aus dem Wege der Ausarbeitung der sich daraus beziehenden „Tradition" und der Schristexegese, auf welche die äußeren geschichtlichen Verhältnisse natürlich keinen — wenigstens nicht bewußten — starken, allgemeinen Einfluß haben konnten. Das politische Leben der Juden hört, besonders nach der Zerstörung des zweiten Tempels, ans, als wichtiger Factor in der Umgestaltung des religiösen Lebens eine Rolle zu spielen. Mit Rücksicht aus diesen Umstand kann der eingehendere Unterricht der jüdischen Geschichte der Mittelschule hinsichtlich der nachbiblischen Zeit am geeignetsten im religionsgeschichtlichen Rahmen geschehen, nämlich derart, daß wir in jenen Claffen, in welchen man die Geschichte systematisch lernt (bei jährlich ungefähr 18stündiger Behandlung) die dnrchgenommenen geschichtlichen Perioden mit den entsprechenden Abschnitten der jüdischen Religionsgeschichte und der damit verbundenen skizzenhaft vorgetragenen politischen Geschichte ergänzen. Wir müssen die Rolle Vorführer: und würdigen, welche das Judenthum in dem allgemein menschlichen culturellen Streben jener Völker eingenommen, welche in der Weltgeschichte austreten, besonders Gewicht auf jene Momente legend, welche auch im Gang des jüdischen Lebens Abstufungen bilden und in denen die richtunggebenden religiösen und ethischen Principien zum Leben erwachend in bleibenden Institutionen, in literarischen Werken vow entschiedener Richtung Ausdruck finden. Dadurch Dringen wir auch den charakteristischen, individuellen Beruf des Judenthums j gegenüber den culturellen Bestrebungen den: Glauben und den Ueberzeugungen der mit ihnen in Berührung stehenden Völker plastisch zum klaren Bewußtsein. Irrige Anschauungen, Uebergangsstadien im culturellen Leben des Judenthums kommen nur insoferne in Betracht, inwieserne sie aus die allgemeine Richtung der betreffenden Zeit Licht verbreiten oder inwieserne sie die Bindeglieder der verschiedenen Zeiten sind. In der IV. Classe ist nach der allgemeinen Einleitung der Religionsgeschichte das zwischen den egyptischen, assyrischen und persischen Völkern lebende Judenthum zu behandeln, indem man gleichzeitig die Religion dieser Völker bekannt macht, denen gegenüber sich die jüdische in den Psalmen äußern, die religiöse Auffassung von Gott, seiner Beziehung zur Welt, in dieser zum Menschen und zu seinem Volk Israel gleichsam aus einem dunklen Rahmen umso Heller und prägnanter hervorhebt. In der V. Classe beleuchtet der religionsgeschichtliche Unterricht als Pendant der prophetischen Kämpfe und Bestrebungen die Religion und die culturellen Bestrebungen des Judenthums — beziehentlich deren zur Geltung kommen —

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