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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-29 · 52 (29.12.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 1012 Nr. 52 Oesterreichifche Wochenschrift ummer sein, sozusagen — er tritt wieder in den Genuß seiner politischen Rechte. Das wird ein Genuß werden, bei Wotan! Dötz, der Platzhalter, verzichtet aufs Mandat; — gib's her! 's Mandaterl! — zieht sich verdötzt zurück und St. Georg wird im Reichsrath seinen alten Platz einnehmen. Er wird das deutsche Volk der Ostmark aus seiner Versumpfung, Berftumpfung, Verjudung, Verschlammung und Verdammung aufrütteln mit eherner Faust und blechernem Wort — Heil, — heil, — heil! Die blonde Mila und meinetwegen auch der Johannes sollen zwei Freikarten in's Abgeordnetenhaus von mir bekommen, wenn er zum ersten Mal spielt — an dem Freudentag will ich was springen lassen. Hoffentlich platzt keine Bombe. Das wär so was. Ja, was sagst Du denn zu der Vordringlichkeit jener Wiener Jüdin, die in Paris beim Attentate mit verletzt wurde? Vergani hat ihr aber tüchtig heimgeleuchtet im „Deutschen Bolksblatt". So eine freche Rasse das, überall müssen die dabei sein. . . Ja, Mila, was ich versprochen, halt' ich. Sie sollen mit aus die Galerie. „Es ist schon gut? Ich soll Ihnen lieber was Neues erzählen?" Wollen Sie vielleicht wissen, wer die Richter im Schönerer-Proceß waren? Das wissen sie schon lange? Nun, da schießen Sie mal einen Blick aus ihren schönen Augen? Sehen Sie die anonyme Correspondenzkarte? Gratulirt da einer in den gewähltesten Ausdrücken — o Du ironischer Schuft! — „Dem berühmten Studiosus Herrn Teutobold zu Schönerer's Wiedererstehung." Am Schluß, wo unsereins sonst U. d. G. — unverfälschter deutscher Gruß — hinsetzt, schreibt der Kerl groß N. d. G.! unv unterstreicht's dreimal. Zerbrach mir schon zwei Tag den Kopf darüber, was der damit meinen mag? Auch Sie schütteln ihre Modefrisur reizendste Beisitzerin meiner Tugend — auch Sie können nicht errathen, was das heißen mag. Etwas will er doch damit sagen, der Anonymus: „Nimm die Grüße? Nur deutsche Grüße??" Alles nichts. Ah, da kommt Johannes, der Mann der Zahl, leise herangeschlichen. Weiß der am Ende des Räthsels Lösung? Er beschaut es, schmunzelt satanisch und meint: N. d. G.? „Neue deutsche Grüße" o nein, sondern blos „Nor de Galt!" Hol Dich der Teufel! Servus, Pumpo! Teutobold. Ein Nachwort;um Stiastny - Jubiläum. Das Capitel von den wirthschaftlichen Schäden des Antisemitismus, von den traurigen Wirkungen der Judcnhetze aw die Erwerbsthätigkeit unserer Glaubensgenossen ist alt und ewic neu. Gegen die Wiener jüdischen Millionäre richten sich du Schmähungen und Beschimpfungen der „christlich-socialen" Wortführer, aber gegen die Hunderttausende jüdischer Kaufleutt und Kleinhändler, gegen alle Diejenigen, die körperlich und geistig schwer arbeiten müssen, um sich eine Existenz zu erringen und dieselbe zu behaupten, richtet sich die Propaganda der That. Immer enger wird der Kreis jener Berufszweige, welchen sich Juden noch mit einiger Aussicht auf Erfolg zuwenden können. Man weiß, welcher Bildungsdrang den Juden innewohnt, wie der ärmste Hausirer beflissen ist, durch die Macht des Wissens seinen Kindern ein besseres Los zuzuwenden, als ihm und seinen Borfahren beschieden war. Auch daraus hat man unseren Glaubensgenossen einen Vorwurf gen-acht; auch der rühmliche Eifer, mit welchem jüdische Jünglinge unsere Hochschulen frequentiren, um sich dereinst als Aerzte, Advocaten, Ingenieure und Architekten auf eine höhere gesellschaftliche Stufe erheben zu können, wird zu ihren Ungunsten gedeutet und muß als Waffe gegen die Juden dienen. Es ist in den letzten Jahren Vieles geschehen, um den wirthschaftlichen Schäden des Antisemitismus, namentlich unter den jüdischen Handwerkern und Kleinhändlern zu begegnen. Man hat Organisationen ins Leben gerufen, welche trotz ihrer beschränkten Mittel immerhin segensreich wirken. Aber neben dem jüdischen Proletariat der physischen Arbeit, wächst ein geistiges Proletariat heran, entlassen die Hochschulen alljährlich eine große Anzahl akademisch gebildeter junger Leute, denen der fanatische Judenhaß Luft und Licht benimmt, die auf Schritt und Tritt die hemmenden Wirkungen eines grausamen Vorurtheiles empfinden müssen. Man höre unter unseren Advocaten, Aerzten und Architekten herum, wie schwer sie unter der gesellschaftlichen Abneigung und unter den Folgen eines stillen, aber überall fühlbaren Boycotts zu leiden haben. Sind solche Verhältnisse für junge Anfänger, die den Stolz und die Hoffnung ihrer Familie bilden, niederdrückend und entmuthigend genug, so sind sie nicht minder unerfreulich für Diejenigen, die Jahrzehnte hindurch gekämpft und gerungen haben, um sich einen entsprechenden Wirkungskreis, eine geachtete Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft zu erringen und von diesem Platze aus dem Gemeinwohle zu dienen. Wir haben in unserer letzten Nummer Gelegenheit gehabt, zweier hervorragender Männer der Wiener Judenschaft zu gedenken, die, Beide demselben Berufe angehörig, durch Talent, Fleiß und selbstlose Hingebung an die Interessen der Gesammtheit sich allgemeine Anerkennung und Werthschätzung erworben haben. Wir nannten die Architekten Max Fleischer und Wilhelm Stiaßny. Aus dürftigen Verhältnissen heraus, unter Qual und Entbehrung haben sich Beide zu Meistern ihres Faches emporgearbeitet. Sie haben Werke geschaffen, welche monumentale Zierden unserer Vaterstadt sind, ihre Namen haben ruhmvollen Klang weit außerhalb unseres Vaterlandes, und dennoch fällt es unseren reichen Glaubensgenossen nur selten ein, ihre Neubauten einem jüdischen Architekten zu übertragen, und ebenso selten erinnert sich eine Judengemeinde bei dem Baue eines neuen Gotteshauses, daß Männer wie Stiaßny und Fleischer es mit jedem christlichen Baukünstler aufnehmen können. In den letzten Jahren sind in der Provinz, und namentlich in Ungarn, zahlreiche Synagogen gebaut worden, von christlichen, ja antisemitischen Architekten, die nicht einmal eine besondere Erfahrung auf diesem Gebiete aufzuweisen vermochten. Gelegentlich seines 25jäbrigen Jubiläums wurde der k. k. Baurath Stiaßny vom Gemeinderath der Stadt Wien, vom Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde, vom Bethausvorstand, vom ersten niederösterreichischen Feuerwehrunterstützungsverein, vom Wiener Bezirksschulrath, ganz besonders aber von der Genossenschaft der Stadtbau- und Steinmetzmeister gefeiert und ausgezeichnet. Eme Deputation der israel. Gemeinde in Gablonz, bestehend aus dem Präses und dem Vorsteher, eine Deputation der israel. Gemeinde in Malaczka, ferner von den Beamten der Donauregulirungs-Commission, sowie von zahl- $ reichen anderen Vereinen und Corporationen waren erschienen, um dem Jubilar ihre Verehrung persönlich auszusprechen. Der Raum des Blattes gestattet kaum, all die Zeichen der Verehrung und Sympathie auch nur in Kürze zu notiren, welche anläßlich dieses Tages dem Ehepaar Stiaßny aus allen Kreisen der Residenz — vom Baron Rothschild angefangen bis zu den kleinsten Vereinen — gewidmet wurden. Trotz alledem und alledem wird Baurath Stiaßny von unseren reichen Glaubensgenossen weniger beschäftigt, als irgend ein arischer Architekt von kaum nennerrswerther Begabung. Wenn der ungestillte Schaffensdrang, der jedem edlen Geiste innewohnt, auch solchenMännern in vertraulichem Kreise ein Wort der Klage auf die Lippen preßt — so ist das für uns wahrhaft beschämend! Wir wollen darob keinen Vorwurf erheben, aber wir möchten unseren Glaubensgenossen dringend an's Herz legen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit auch auf den Gebieten des geistigen Schaffens zu bethätigen und der jüdischen Intelligenz zu ihrem Rechte zu verhelfen. Wir muthen ihnen damit kein Opfer zu. Wie die beiden Männner, die wir hier genannt haben, in ihrer Kunst den Wettbewerb mit Jedermann aufnehmen können, so gibt es auf jedem Felde bürgerlicher und wissenschaftlicher Thätigkeit tüchtige Juden, die unter der gegenwärtigen Strömung leiden und deren Fähigkeiten nicht brach liegen zu lassen eine Pflicht der jüdischen Gesammtheit ist. Vom Prinzen Krapotkin zum Zuchthäusler Vaillant. (Aus der „Nation".^ Nous crions: »Revolte contre toutes les lois«. Elisse Reelus, der auf dem Gebiete der geographischen Wissenschaften ein ganz hervorragender Gelehrter ist, und der, soweit bekannt, stets das bürgerliche Leben eines tadellosen Ehrenmannes geführt hat, schreibt von seinem Freunde, dem Prinzen Krapotkin, das Folgende:

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