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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-29 · 52 (29.12.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 Oestrrrrichifchr Wochrnfchrist Seite 1011 zu besorgen, wenn sich jemals meine Verhältnisse entsprechend ändern sollten. Uebrigens sind wir Teutsch-Nationale gar nicht so sehr eingenommen für diese Feste, weil uns das urgermanische Julfest im heiligen Hain mit obligater Opferung eines stieren Stiers über Alles geht. Wir verehren Wotan, den großen Thor, Preya's goldene Widder, die Walküre, das Rheingold. . Die heutigen Weihnachtsgebräuche wollen mir nicht gefallen. Sie sind total verjudet. Wie kann ich mich bei einem Feste wohl fühlen, wo ein — Tannenbanm die Hauptrolle spielt. Die „christliche Familie" wünscht ihn zwar nur mit katholischem Goldpapier, rassenreinen Lebzelten und arischen Wachslichtchen geziert. Auch sollen nur getaufte Weine getrunken werden. Diese „christliche Familie" — ganz unter uns gesagt — macht einen Heidenlärm, daß es schon lang nicht mehr schön ist. Der „Fürscht" warnte die Hausfrauen eindringlichst vor den jüdischen Kaufleuten; sie geben gute Waare zu billigem Preis her, diese Erzschwindler, nur um die arglosen Käufer anzulocken und ruiniren auf diese hinterlistige Weise die armen, christlichen Geschäftsleute, die natürlich ihre schlechte Waare nicht mehr zu hohen Preisen anbringen können. Diese Juden sind abgefeimte Ehrenmänner. Je besser man bei ihnen bedient wird, desto mehr ruiniren sie das christliche Volk. Ich hoffe, sie werden sich den Wink mit dem Zaunpfahl gedeutet sein lassen, und künftighin anständig die Kunden übers Ohr hauen, wie sich's gehört, damit die arme, geknechtete, christliche Concurrenz endlich aufathmen könne. — Einige Geschenke werde ich wohl trotzdem zu Weihnachten machen müssen. Mila, die holdselige Cassierin will ich mit etwas sehr Sinnigem überraschen. Ich besitze nämlich ein echtes Autograph von Gregorig, das werde ich ihr spenden. Na, die wird sich freuen? Johannes kriegt gar nichts — ich werde doch diesen infamen Menschen, der mich das ganze Jahr ärgert, nicht noch beschenken. Fiele mir ein. Deinen nächsten Brief darfst Du, Pumpo, auch nicht in's Kaffeehaus adressiren. Ich bleibe nämlich 14 Tage aus, so wie immer gegen Neujahr herum — ich brauche keinen Kalender und ärgere dadurch meinen treuen Feind Johannes. Die jüdischen Feiertage stehen auch drinnen, die soll ich das ganze Sonnenjahr in der Tasche herumtragen — das fehlte mir noch — nein, Tentobold, schwänzt. Vielleicht schaue ich in's Colleg. Seit den letzten Skandalen war ich nicht drinnen. Richtig! jetzt sind ja Ferien — schade! Nun erzähle ich Dir von Erfolg Nummer zwei, von dem* Du schon gehört haben wirst. Der Immunitäts-Ausschuß hat nämlich beschlossen, den Erz-Mechanikus nicht auszuliefern wegen seiner famosen Rede mit dem Schnßgeld-Passus auf die Juden. Schneider war nämlich so fürsichtig, damals hinznzulügen, er wünsche diese prächtige Idee nur auf legalem Wege durchgeführt. Ich kann mir ganz gut denken, wie er sich das vorstellt. Es sollen eben Jagdkarten ausgegeben werden, und für eine bestimmte Saison und ein bestimmtes Revier gelten. Dieselben müssen mit falschen Stampiglien versehen sein. Das Birschen im Sterngassel wäre beispielsweise streng als Wildern zu ahnden, falls die Karte blos für die Große Schiffgasse ausgestellt wäre. Nur auf gesetzlichem Wege muß Alles hübsch durchgeführt werden. Vor andern Jagdvergnnglichkeiten hätte diese den wahrlich nicht zu unterschätzenden Vortheil, daß keinerlei Schonzeit einzuhalten wäre. Ich lese schon im Geiste den Bericht im „Deutschen Volksblatt": „Die gestern stattgehabten Treibjagden, an denen Fürst Liechtenstein und seine Freunde Schneider, Geßmann und Lueger theilnahmen, waren vom schönsten Weidmannsheil begünstigt. Die Strecke betrug 5 Löw, 13 Beer, 8 Wölf und 23 Hirsch. Das Ausweiden und die Herausnahme des Beuschels besorgte in gewandter Weise Doctor." doch der legale Weg darf dabei unter gar keiner Bedingung verlassen werden. Wir wollen die Juden auf gesetzliche Weise der Mühe der Verwaltung ihres beweglichen und unbeweglichen Vermögens entheben, die eventuellen Uebertragungsgebühren großmüthig auf uns nehmen, den Semiten in durchaus legaler Form die Ausübung der politischen Rechte erlassen und ihnen bei der Auswanderung in jeder Weise dienlich und behilflich sein. Ich begreife gar nicht, wie unsere liebreichen Absichten so arg mißdeutet und entstellt werden können. Alle sollen ja nicht abgeschossen werden. . . . Wir sind nicht grausam, gerade im Gegentheile, von unglaublicher Weichherzigkeit. Zum Exempel das Schächten, das regt uns gewaltig auf. Wir halten es für eine haarsträubende Thierquälerei. Sind da unsere arischen Selchermeister nicht viel humaner? Die können Thiere überhaupt nicht leiden sehen, deshalb schächten sie weder rituell, noch anders, sondern warten geduldig, bis das Viehlein sich selber entschließt, umzufallen und die ihm zusagende Todesart freiwillig zu wählen. Hat es seinen letzten Seufzer ansgehaucht, wird es feinfänberlich zu allerlei Würstchen verarbeitet und verräuchert. Das ist meiner Ansicht nach die einzige mögliche Lösung der Schächtfrage. In der Schweiz haben wir sie schon ganz gelöst, bei uns nur znm Theil in der eben angeregten Weise. Die Arier haben die Initiative ergriffen. War ein Jud dabei? Nein. Na, also! Es lebe die Humanität! Das „Deutsche Volksblatt" hat das fünfjährige Jubiläum gefeiert. Die abgesammelten Werke Vergani's können also demnächst in fünf Folianten erscheinen. Der Zaubergewaltige hat sich in begeisterter Weise selbst das vollste Vertrauen votirt. Er ist entzückt von sich, verliebt — möchte sich, Wenns ginge, selbst einen Kuß geben. Ein Bankett wurde natürlich auch gegeben — ich nicht geladen als Schönerianer, kannst Dir denken. Er, der Herrlichste von Allen, ließ einen tüchtigen Bierschwefel vom Stapel und erzählte darin, daß er während des abgefloffenen Lnstrums mit Widerwärtigkeiten gekämpft habe. Das glaube ich ihm gerne. Er kämpft nie ohne Widerwärtigkeit. Nach diesen! Toaste ging er mit dem Teller absammeln. Die illnftre Gesellschaft spendete in Summa für das Blatt 84'4ä Heller, ferner einen gelochten, demnach minderwerthigen Kreuzer, ein falsches Sechferl und drei interessante Hosenknöpfe. Der Fortbestand des Journals erscheint somit bis auf Weiteres gesichert. Es wurde auch beschlossen, ein Museum und ein Archiv des „Deutschen Volksblatt" anzulegen, damit den Historikern der künftigen Geschlechter Gelegenheit geboten werde, einen Blick in die Entwicklung des antisemitischen Zeitungs- Wesens Ende des 10. Säeulums zu thun. Einzelne werthvolle Objecte sind schon angemeldet und werden demnächst in Glasschanküsten untergöbracht werden. Ich erwähne nur die merkwürdigsten : Nr. 213. Der Spiegelhaken, welchen der grvßmüthige Schönerer dem Bergani zur freundlichen Benützung ganz unentgeltlicy zur Verfügung stellte. Gewidmet von der Hänge- Commission des Museums. Im großen Glasschrank Nr. 87 sind 312 Paar Stiefel und Schuhe verschiedenster Formen uutergebracht. Man wird dieselben nicht ohne einige Wehmuth und Rührung betrachten. So viel Schuhwerk verbrauchte der Treffliche während weniger Jahre, s o fleißig lief er zu Jndenbanken und Affecuranzen. Nicht ohne Interesse wird man die schiefgetretenen Absätze und dünn gewetzten Sohlen betrachten — von den Kratzfüßen vor den P. T. Direktoren, weißt! und dem edlen Heimgeworfenen die Anerkennung seiner schnorrnalistischen Bestrebungen gewiß nicht versagen. Nr. 483. Die Hemdärmel, in denen er Damenbesnche zu empfangen pflegte. Nr. 1213. Die Grammatik, ans welcher Gemeinderath J edl icka die deutsche Sprache studirte. Tadelloses Exemplar. Unbenutzt. Nicht ausgeschnitten. Sehr interessantes Object. dir. 312. Instrument zur Untersuchung von baulichen Fundamenten, regenschirmartig. Gespendet von C. L. Nr. 512—2843. Ein Theil der Ordnungsrufe, welche Herrn Greg orig ertheilt wurden in Spiritus. Nr. 431. Der Chronometer des Fürsten Liechtenstein. Nepetirt. Geht rückwärts. Unicum. Nr. 587. Die Original-Czamara Doctor Carel Luegera. Ein Exemplar seiner übertragenen Reden in jungczechischer Sprache. Czaslau 1893. Ferner ein Tableau, welches ihn in seinen sämmtlichen Rollen — als Liberalen, Demokraten, Christlich- Socialen, Antisemiten, Czechen:c. :c. — darstellt. Nr. 1000. Wohl das werthvollste Stück der ganzen Collection: die echte, falsche Stampiglie! — oder die falsche echte Stampiglie!! — wie Du willst. Dabei muß immer ein Hausknecht in altdeutscher Tracht Ehrenwache stehen, denn sie kann uns gestohlen werden. . . . Was hältst Du also vom Vergani- Museum, rasfenreiner Freund meiner arischen Seele? Daß in der Waffenabtheilung eine aus Schächtmessern gebildete Trophäe nicht fehlen wird und die Uniformen der Talmudhusaren zu sehen sein werden, — na, das versteht sich doch von selbst. Du sollst spitzen, Pumpo, bis die Idee sich verwirklicht hat. Es fehlt nur noch das Geld, doch das ist bei uns das Wenigste. Mila hat mich gefragt, warum ich denn in letzter Zeit gar so vergnügt bin. gar so kreuzfidel und überseelig? Habe der Wunsch-Maid und Wonnebringerin geantwortet: Ha! Wegen Schönerern. Die fünf Jahre sind um — können gar nicht

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