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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-22 · 51 (22.12.1893) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
51 (22.12.1893)
Date
1893-12-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. 51 Seite 1002 Oesterreichifrtze Wochenschrift Ich aß nun mein Gullasch, so hat mir noch keines geschmeckt und' ich werde täglich in dieses Judengasthaus gehen, Juchhe! Das kleine Gullasch soll leben! Bei solchen Charakteren braucht Ungarn vor der Wiener Antimagharen-Liga nicht zu zittern. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungL- 38) rechte Vorbehalten.) „In Ansbach verließen jetzt täglich Leute, von der tyrannischen Willkür und tollen Laune des Markgrafen bedroht, heimlich drs Land und fanden für entsprechende Entlohnung stets Wagen, Pferde und Kutscher. Deidelsheimer schrieb ferner, daß Winador mit seinen vorbereitenden Arbeiten schon weit vorgeschritten sei und künstlich für die Entführung des Vaters günstige Umstände geschaffen hätte. Er habe, wie Deidelsheimer mittheilte, schon das Dach geöffnet, aber die Ziegel wieder lose auf dasselbe gelegt, so daß nichts bemerkbar wäre. Ueberdies hätte der Kerkermeister, wenn er Sonntags eine Ablösungsstunde hatte und im Wirthshause mit den Kleinbürgern der Stadt bei einem Kruge Bier saß, jedem einzelnen derselben, als seinem einzigen, wahren Freunde, unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit mitgetheilt. daß es im Mauerthurnie spuke, daß nicht nur er und seine Gehilfen, sondern auch die Soldaten der Wache mitten in der Nacht in der Zelle des Wunderrabbi deutlich Hammerschläge hören, und da der Gefangene an Händen und Füßen gefesselt sei, müsse auch der dümmste Mensch es klar und deutlich einsehen, daß dies nur von Geistern, die der große Kabbalist herbeibeschwöre, herrühren könne." „In Ansbach ist das Volk vom letzten Bauernknecht bis zum Markgrafen hinauf im höchsten Grade abergläubisch und die Märchen des Kerkermeisters fanden umsomehr Glauben, als das meinem Vater angedichtete Verbrechen nur in dem Besitze von lasterhaften und Zauberbüchern bestand. Gespenstergeschichten finden rasch Gläubige und werden gerne mit Ausschmückungen und Erweiterungen verbreitet. Bald erzählten auch die Soldaten der Wache, daß sie verdächtiges Geräusch gehört, sich aber wohl gehütet hätten, diesen übernatürlichen Dingen nachzuspüren'. Wenn der Kerkermeister mit den Soldaten und den Unterofficieren Karten spielte, pflegte er tiefe Seufzer auszustoßen, und wenn er um die Ursache seiner Traurigkeit befragt wurde, erklärte er, er befürchte, daß es mit ihm ein schlechtes Ende nehmen werde, daß der Rabbi, den man früher seiner Frömmigkeit, seiner Wohlthätigkeit und seines strengen Lebenswandels wegen bei Juden und Christen nur den heiligen Herrn genannt hatte, seine allbekannte Wunderkraft dadurch bethätigen werde, daß er ihn, das unschuldige Werkzeug der hohen Regierung, schwer strafen würde." „Bald war man in der ganzen Stadt vollkommen überzeugt, daß es im Mauerthurme spuke und Jeder hielt cs für eine Ehrenpflicht, zu erzählen, dort selbst etwas Gespensterhaftes gesehen oder erlebt zu haben. Einer behauptete — und das war der Einzige von Allen, der nicht gelogen — er hätte zu nächtlicher Stunde aus den Dachritzen einen verdächtigen Lichtschimmer durchdringen sehen; — ein Zweiter ging schon weiter und behauptete, er hätte mit seinen beiden gesunden leiblichen Augen gesehen, wie eine weiße Gestalt aus dem Kerker hervorgeschwebt und in eitel Dunst zerflossen wäre." „Ein junger Soldat hatte bei seiner ewigen Seligkeit geschworen, er hätte den Gefangenen, seiner Ketten frei, in der Lust fliegen sehen, und er, der vor nichts erschrecke, Härte seiner Pflicht gemäß sein Gewehr auf die Gestalt abgefeuert, aber die Kugel wäre wie an einem Stahlpanzer abgeprallt — und er hätte von der Höhe herab so deutlich lachen hören, daß selbst ihm, dem Unerschrockenen, das Blut im Herzen vereiste. Allein statt daß ihn seine Kameraden ausgelacht und verspottet hätten, wurde er über seine Unerfahrenheit und 'seinen am unrechten Orte angewandten Diensteifer höchlich getadelt und ihm versichert, daß er es ganz gewiß nur den Verdiensten einer besonders frommen, längstverstorbenen Großmutter oder Urgroßmutter zu danken habe, daß er bei diesem thörichten Kampfe mit überirdischen Mächten so glimpflich weggekommen." „Alle diese Märchen und Spukgeschichten, welche sich plötzlich in der ganzen Umgebung verbreiteten, hatten zur Folge, daß sich Jedermann hütete, des Nachts vor dem Mauerthurme vorüberzugehen und lieber einen großen Umweg machte, und das war es, was Albert Winador bezwecken wollte." „Halb Deutschland glaubte in der That", sprach Werthheimer, „daß Ihr Vater unter Mitwirkung übernatürlicher Kräfte aus dem Kerker entkam. Selbst hier fand dieser Unsinn sogar in den höchsten Kreisen Gläubige." „Diese Berichte beruhigten mich, weil ich daraus zu erkennen glaubte, daß der Kerkermeister sein Wort ehrlich einlösen, seinen großen Lohn redlich verdienen wolle; aber je näher der Tag unserer Abreise rückte, desto bedrückter fühlte ich mich davon. daß mich Mutter und Schwester begleiten wollten. Ich versicherte ihnen, daß ihre Nähe mich befangen machen würde; aber Mutter und Schwester behaupteten, wenn sie in diesem wichtigen Momente fern von mir sein müßten, sie dies vor Angst und Spannung nicht überdauern könnten, daß sie wahnsinnig werden oder sterben müßten, und an meiner entsetzlichen Aufregung erkannte ich, daß das, was sie aussprachen, vollkommen wahr sei." „Am 18. November 1717 trafen wir mit unserem treuen Deidelsheimer in einem, der Ansbach'schen Grenze nahegelegenen Städtchen zusammen. Er war überrascht, daß Mutter und Schwester mitgekommen, er mißbilligte ihr Vorhaben, während der Entführung des Vaters in der Nähe zu verweilen, erfführte dieselben Gründe, aber auch ebenso erfolglos wie ich, dagegen an." — „Daß unser treuer Deidelsheimer bei mir war, gewährte mir große Beruhigung. Er hatte Alles mit Winador vorbesprochen. Am 20. November, kurz vor Mitternacht, sollte ich mich mit dem Wagen, der meinen Vater entführen sollte, auf der gefrorenen SÄmabach hinter dem Mauerthurm einstellen und sobald eine Flamme aus der Dachöffnung herausschlagen würde, die Leiter, die ich schon angelehnt finden würde, emporsteigen, am Dache meinen Vater in Empfang nehmen, ihn heruntertragen, in den Wagen setzen und dann rasch fortfahren, um möglichst bald die Ausbachffche Grenze zu überschreiten. Die ganze Sache war von Deidelsheimer und dem Kerkermeister mit geradezu bewuudernswerther Klugheit und Umsicht vorbereitet und in's Werk gesetzt worden." „Um einen Vorwand zu haben, eine Leiter an der Hinterseite des Thrrmes anzulegen — was aus dem Grunde nicht die geringste Veranlassung zum Verdachte bot, weil sich auf dieser Seite in der Mauer kein Fenster oder sonst eine Oeffnung befand —, hatte der Kerkermeister an diesem Tage den Wetterhahn am Thurme anstreichen lassen; und Deidelsheimer. der mir Ruhe, Besonnenheit und Muth einflößen wollte, versicherte, daß sich mit Gottes Hilfe das Rettungswerk viel rascher und minder schwierig als wir erwartet hatten, ausführen lassen werde." — „Es war eigentümlich, ich konnte vor heißer, verzehrender Ungeduld den entscheidenden Moment nicht erwarten, und doch hätte ich ihn. je näher er mit seiner ganzen Furchtbarkeit und Verantwortlichkeit heranrückte, ausschieben mögen. Die Nacht zuvor, jeue vom 19. auf den 20. November, vermochte ich vor Aufregung kein Auge zu schließen. Ich hatte' noch nie so inbrünstig gebetet, als an diesem Tage. Um 3 Uhr Nachmittags stand der Wagen, den Deidelsheimer für eine sehr große Summe für unsere Expedition gemiethet, vor dem Hanse. Wenn wir jetzt fortfuhren, langten wir genau zur bestimmten Stunde an Ort und Stelle an. Wir wollten nicht zu früh ankommen, wir wollten uns nur so kurze Zeit als eben nothwendig in der Nähe des Mauerthurmes aufhalten." „Wir alle Viere, Mutter, Schwester, Deidelsheimer und ich, setzten uns in den Wagen. Wir befanden uns in einer so fieberhaften Aufregung, daß wir, wie Espenlaub zitternd, während der ganzen Fahrt nicht eine Sylbe sprachen. Erst als wir in einiger Entfernung den Mauerthurm gewahrten und bei dessen Anblick wieder vor verstärkter Aufregung zusammenschauerten, fühlte sich Deidelsheimer gedrängt, uns, um unser niedergebeugtes Gemüth aufzurichten, etwas Tröstliches, Beruhigendes zu sagen und sprach: „Ich sehe es schon: Gott, gelobt sei er, ist mit uns; Es war die ganze Zeit so furchtbar kalt, seit ein, zwei Tagen hat ' der Frost nachgelassen, es ist heute fast so warm, wie an einem Frühlingstage. Das erleichtert unseres jungen Herrn Aufgabe. Es wäre keine Kleinigkeit, bei starkem Froste, einen Menschen

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