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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-22 · 51 (22.12.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
51 (22.12.1893)
Date
1893-12-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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£ tut 996 Vesterrrtchifttzr WochrnsttzrM 'Jh. 51 Petersburg. Am 20. v. M. fand die erste Sitzung der Rabbinercommission in Petersburg statt. Letztere besteht aus folgenden sieben Mitgliedern: Rabbiner Ra b in o w itz-Wilna, Rabbiner Mohilewer-Bialystock, RabbinerHillelMelikowski- Metislaw (Gouv. Mohilew), Rabbiner Kottlowker-Kischinew, Rechtsanwalt Barraz-Kiew, Simchowitz-Minsk undGottesm a n n-Shitomir. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rabbiner Rabinowitz vom Minister ernannt. Derselbe eröffnete die erste der Sitzungen, welche im Ministerium stattftnden, mit einer russischen Ansprache. Welche Fragen der Rabbinercommission zur Besprechung der Verhandlung vorgelegt wurden, ist noch nicht bekannt. Kairo, 10. December. Anfangs December erschien ein Regierungserlaß, mit welchem den russischen Juden der Eintritt nach Egypten untersagt wurde. Kurz hierauf landete in Alexandrien ein Schiss mit 85 russischen Juden, welchen die Ausschiffung nicht gestattet wurde. Letztere waren in einer trostlosen erbarmungswürdigen Lage. Die arabischen Juden verhielten sich passiv, dagegen berief Herr Grünberg. Präses des aschkenasischen Vereines „Benei Berith" in Kairo, wohin die Nachricht von der verzweifelten Lage der russischen Juden in Alexandrien gedrungen war, eine Bereinsversammlung, welche den Beschluß faßte: Augenblickliche Hilfeleistung der russischen Glaubensgenossen, ferner Überreichung einer Petition an die egyptische Regierung um Aufhebung des Emigrantenverbotes. Diese Petition, von einer Deputation mit Herrn Präses G r ü n b e r .g an der Spitze dem Ministerpräsidenten überreicht, hatte den Erfolg, daß der erwähnte Regierungserlaß zurückgenommen wurde. VermMtes. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 17. December 1893 wurden getraut: Herr Friedrich Pick mit Frl. Margarethe M a u t h n e r: Herr Alfred W a i z n e r mit Frl. Adele Reich; Herr Sigmund Frischhof mit Frl. Gisela Graf; Herr Emanuel Loewy mit Frl. Gisela Hamburger; Herr Samuel Dietrich stein mit Frl. Bertha Bauer; Herr Jsak recte Ignatz Hofman mit Frl. Bertha S t e i n b a u s. Wien—Mariahilf. Die 20. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau findet Donnerstag, 28. d. M., 7 Uhr Abends, im Hotel „Zum englischen. Hof", VI., Mariahilferstraße 81, statt. Wien. (Aus dem Testamente des Moriz Freiherrn von Königswarter.) Das Testament des Moriz Freiherrn von Königswarter bestimmt 250.000 fl. für humanitäre und öffentliche Institute. Von seinen „geringfügigen Schmuckgegenständen und sonstigen oft gebrauchten Objecten" bestimmte er im Artikel XVH für nachbenannte Persönlichkeiten: „Meine Schwäger Wilhelm und Alfred von Wertheimst ein, meinemhochverehrten Freund Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, den hochwürdigsten Superintendenten Dr. Theodor Haase" zum Andenken. Wie bekannt, hat Baron Moriz Königswarter den ältesten männlichen Nachkommen seines zweitältesten Sohnes, des Baron Heinrich Königswarter, als Legat eine große Herrschaft in Ungarn im Werthe von mehreren Millionen Gulden und eine Jahresrente von 20.000 fl. vermacht. Dieses Vermächtniß war jedoch an die Bedingung geknüpft, daß weder der Legatar selbst, noch sein Rechtsnachfolger vom jüdischen Glauben abfallen und eine Ehe nur mit einer Jüdin eingehen dürfen, widrigenfalls sie den Betrag von einer Million Gulden an verschiedene im Testamente bezeichnte jüdische Stiftungen herauszubezahlen hätten. Die Rechtsgiltigkeit der eben erwähnten Beschränkungen bildete nun im Zuge der Verlaffenschastsabhandlung den Gegenstand einer Berathung des Handelsgerichtes Wien, welches als Verlassenschaftsbehörde sungirt, und wie wir erfahren, hat dasselbe nach eingehender mehrstündiger Berathung in einem sogenannten großen, das heißt aus sieben Mitgliedern bestehenden Senate mit 4 gegen 3 Stimmen sich für die Rechtsgiltigkeit der obigen Bedingungen ausgesprochen. Wie«. (Wohlthätigkeits-Akademi e „Ferienheim" im Ballsaale Ronacher am 16. December 1893.) Der Geist, der Edles will und stets nur Gutes schafft, hat am letzten Samstag einen auserwählten Kreis von Menschen zusammengeführt, die stets dem Leide sich erschließen und mit reicher Hand der Armuth Blöße decken. Wir wissen Alle, die wir zu empfinden noch nicht aufgehört und das warme Gefühl wahrer Menschlichkeit zu verstehen noch nicht verlernt haben, daß die Wohlth ätigkeit, diese Retterin der Menschheit, die Götterkraft besitzt, den Eigennutz zu scheuchen, der Heuchelei ins falsche Antlitz kühn zu schlagen und daß in ihr allein die wahre Frömmigkeit gelegen ist. Und so kamen Alle denn auch freudigen Herzens! Es riefen ja Kinder, unsere Milde segnend, die diesmal nicht allein des Lebens Nothdurft erleichtern und das Unglück tragen helfen, sondern vielmehr dem ersten, hoffnungsvollen Alter mit offenen Händen reiche Mittel spenden soll, um für diese arme Jugend Geist und Licht für spätere dunkle Tage zu sammeln, den Widerstand im Lebenssturm zu stärken! Jeder Gute war sich sicherlich bewußt, daß das Schärflein, das er hingegeben, kein Almosen ist, das man mitleidsvoll einem lebensmüden Armen gibt; auch keine Gabe, um des Grames Thräne zu trocknen, und kein Opfer bedeutet, um eines ganzen gebeugten Volkes Jammer, das die Geißel zerstörende Natur getroffen hat, zu lindern. Wir wissen, um wie viel mehr wir an dieser Jugend gethan, der wir Herz und Hand erschlossen haben. Im Kinde, das — wie ein Rohr im Sturme schwankend — fast träumend die Jugend rasch durchlebt, haben wir alle zarten Keime erweckt und lauteren Sinnes gepflegt; dem Genius der Zukunft, mit dem Kinde mitgeboren und durch edlen Ehrgeiz zum Ziele vorwärts gedrängt, halsen wir in die Bahn des reinen, guten Strebens und dieser Edelmuth all' Jener, die da gekommen waren, um zu geben und zu helfen, ist der schönsten Tugend gleich zu preisen, als eine That nur auserwählter Menschen! Es war dem so überaus zahlreich erschienenen, fein distinguirten Publicum, unter dem wir u. A. die Herren k. k. Sections-Chef Baron Lilienau, Reichsraths-Abgeordneten, Dr. Bloch, Gemeinderath Lang, Bezirks-Ausschuß Waldstein, Cultus-Vorstände Dr. Josef Grünfeld und Jos. Leinkauf, S.Heit, Rittmeister von Steiner, Dr. H. Fialla, Docent Dr^ Klein, die Frau Director Minkus-Erlanger, Director Hayn, die Banquiers Haber, Pechkranz rc. rc. bemerkten, ein Concert, mit den auserlesensten künstlerischen Genüssen geboten worden, aus denen wir in besonderer kritischer Bewunderung die seinpoinlirte Vorlesung der ewig reizvollen Frau Wilbrandt-Baudius, den humoristisch belebten Bortrag der imposant aussehenden Hofburgschauspielerin Frl. Friedericke Bognar und die sascinirend lieblich anmuthigen Chansons des Frl. Josefine Glöckner hervorheben. Nicht minder hatten sich die Liedervorträge des Herrn Baron Franz Buschmann, eines aristokratischen Dilettanten von seltenen natürlichen Gaben, das künstlerisch harmonische Zusammenspiel des Ehepaares Tyberg, das virtuose Clavierspiel des Frl. Caroline von Radio und die Lieder des Frl. Morduch, welche ihrer Meisterin Nicklas-Kempner das melodiöseste Loblied sang, seitens des kunstverständigen Auditoriums der schmeichelhaftesten Beifallsbezeugungeu zu erfreuen. Den humoristischen Theil besorgte in seiner siegesgewohnten Unwiderstehlichkeit Herr Prof. Udel, der in fröhlichster Laune Alles mit sich fortriß. Es erübrigt noch, des von Herrn Regisseur Conrad Loewe mit meisterhaftem Pathos und feurigem Schwünge declamirten Prologes zu gedenken, der, vom Comitemitgliede Herrn Moriz v. Gutmann versaßt — beim Publicum tiefe Wirkung erzielte. Poetischer Gedankengang, vollendete Form und herzenswarmer Ton sind die Vorzüge dieser Dichtung, die gewissermaßen als das in jambische Wortfolge gebrachte Cöntersei des jungen Poeten gelten, kann. An diese Serie von musikalisch-declamatorisch wirklich hervorragenden Leistungen schloß sich ein überaus animirtes Tanzkränzchen, welches die elegante Jugend der Gesellschaft in ungezwungener Lustigkeit bis in den frühen Morgen vereinigt hielt. Ein hervorragendes Verdienst um das glanzvolle Gelingen des Festes erwarb sich das Co mite, an dessen Spitze Frau Dr. Grünfeld, die Präsidentin des neu gegründeten Vereines „Ferienheim", stand. Sowohl die jungen Damen, als auch die Herren, die unter dieser bewährten Führung sich dem edlen Zwecke in unermüdlicher Thätigkeit gewidmet hatten, dürfen mr^ Stolz einen vollen Sieg verzeichnen. Das materielle Resultat wird allem Ermessen nach nicht hinter dem gesellschaftlichen Erfolge zurückstehen und dürfte gewiß in segensreichem Wirken einige Bausteine für das neue „Ferienheim" herbeizuschaffen im Stande sein! - Hugo Adler.

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