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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-22 · 51 (22.12.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
51 (22.12.1893)
Date
1893-12-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mt. 51 VrürrrrtlMktzr MortzenlrtzrM Sette 997 geruch verspürte, und kaum habe er dies seiner Frau mitgetheilt, so hörte er die donnerähnliche Detonation, welche ihn zu Boden warf." Wien. (Audien z.) EineDeputation des Curatoriums des in Wien errichteten Rabbiner-Seminars, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann, Karpeles, Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk (Lemberg), David R. v. G u t m a n n und Dr. Lichtenstern (Prag), wurde am 15. d. M. vom Kaiser in Audienz empfangen. Oberrabbiner Dr. Güdemann sprach erst bedeckten Hauptes mit ausdrücklicher Bewilligung des Kaisers den rituell vorgeschriebenen Segensspruch und sprach daun in warmen Worten Namens des Curatoriums dem Kaiser für die dem Rabbiner-Seminar gewährte Staatssubvention von 5000 fl. jährlich den Dank aus. Der Kaiser antwortete hierauf: „Es gereicht Mir zur Befriedigung, der israelitischen theologischen Lehranstalt eine Subvention zu gewähren, und hege Ich die bestimmteHoffnung, daß aus dieserAnstalt Männer hervorgehen werden, welche die jüdischen Gemeinden in dem bewährten und Mir bekannten Patriotismus erhalten werden." Der Monarch erkundigte sich dann, wie es mit der Frequenz der Anstalt stehe, und als Dr. Güdemann an die Beantwortung dieser Frage die Bemerkung knüpfte, daß auch für die Kenntniß der Landessprachen vorgesorgt sei, wandte sich der Kaiser an den Abgeordneten Dr. Byk mit der Frage, ob auch das Polnische gelehrt werde und wie zahlreich der Besuch aus Galizien sei. Dr. B y f antwortete, daß die größere Hälfte der Frequentanten aus Galizien stamme und ihr Studium der polnischen Sprache am Seminar soctsetze. Der Kaiser bemerkte hierauf: „Es freut Mich, oaß diese Frequentanten in Oesterreich ihre Lehranstalt haben und nicht mehr in's Ausland gehen müssen." Huldreich entließ der Monach hierauf die Deputation. Wien. (Paulus M e y e r.) Der berüchtigte Paulus M e y e r, der erst wegen Ehrenbeleidigung zu vier Monaten Arrest und bald nachher wegen einer Reihe von Delirien zu acht Monaten Kerker verurtheilt wurde, hat vor einiger Zeit ein Gnadengesuch eingebracht, das bereits zurückgewiesen worden ist. Im kommenden Monat, wenn seine Arreststrafe abgelaufen sein wird, lütrb er zur Verbüßung seiner Kerkerstrafe in eine auswärtige Strafanstalt gebracht, dann erfolgt seine Auslieferung nach Leipzig, von wo aus er, wie bekannt, gleichfalls verfolgt wird. Przemysl. Es gibt gewisse Geschöpfe, mit welchen mancher Culturmensch heimlich das intimste Verhältniß unterhält, das er jedoch entschieden verleugnet, wenn öffentlich davon die Rede ist. In die Kategorie dieser Creaturen gehört die antisemitische Hetzpresse. Als Illustration möge folgender Vorfall dienen: Am 9. d. M. eröffnete im Saale des hiesigen k. k. Kreisgerichtes Landes- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Tarnawski den ersten Cyclus von Discussionsabenden des neugegründeten Juristenvereines mit einem Referate über einen jüngst herabgelangten Erlaß des k. k. Oberlandesgerichtes in Lemberg, betreffend die Beschleunigung der Realexecutionen. Der Vortragende hat es verstanden — wie Landes- und Gerichtsadvosat Herr Dr. Schwarz dann sehr richtig betonte — dem sonst so trockenen Gegenstände einiges Interesse abzugewinnen, indem er die Gelegenheit benützte, um gegen die „fremden Elemente" loszuziehen und ihnen das von den judenfresserischen Organen bis zum Ekel wiedergekauten Sündenregister entgegenzuhatten. Er zeigte dabei eine solche Vertrautheit mit den reiwmi8 teoduieis des allerdings salonfähigen Hetzkatechismus, daß ein P a t t a i ein Vergnügen daran hätte. Der bereits erwähnte Herr Dr. Schwarz replicirte, daß man sehr gut wisse, wen der Referent unter den „fremden Elementen" verstehen wollte. Man könne sich darüber bei der zu Herrn Dr. Tarnawski in sehr zärtlichen Beziehungen stehenden, berüchtigten „Gazeta Przemyska“ sehr leicht informiren. Er wies alle gegen die Juden gemachten Anwürfe entschiedenst zurück und legte dem Referenten besonders nahe, darüber nachzudenken, wieviel unter den seit den Siebziger-Jahren angeblich vorgenommenen 24.000 Executionen von Bauerngründen auf das Kerbholz der unter der Verwaltung waschechter, „heimischer" Elemente stehenden „Bauernbanken" zu schreiben ist. Nun war Herr Dr. Tarnawski aufrichtig genug, zu bekennen, daß er es thatsächlich auf die Juden abgesehen habe — natürlich nicht auf die intelligenten Juden (?) — daß er aber jede Gemeinschaft mit der „Gazeta“ ab lehne. Der Vorsitzende, k. k. Kreisgerichtspräsident Herr Dr. Dilewski, beendigte das unliebsame Intermezzo, machte darauf aufmerksam, daß der Juristenverein ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken gewidmet ist, und ersuchte die Herren Redner, diesen Umstand sich stets vor Augen haltend, jede weitere Behandlung confessioneller und nationaler Fragen zu unterlassen. Wie Herr Dr. Tarnawski mit seiner Ehrenhaftigkeit und Gesinnungstüchtigkeit es oereinbarlich findet, die sogar von Dr. Lue g er belobte(??) „GazetaPrzemyska“ alsseinLeiborgönchen zu verleugnen, während er, wie allgemein bekannt, der materielle und geistige Protector dieses Productes der neuesten Geistesverirrung ist, darüber wollen wir unsere semitischen Köpfe nicht zerbrechen. Das ist eben echt „arische" Charakterfestigkeit und Wahrheitsliebe. Unserem tüchtigen Herrn Dr. Schwarz aber gebührt öffentlicher Dank, wie auch das tactvolle, objeetive Borgehen des Vorsitzenden Herrn Dr. Dilewski volle Anerkennung verdient. Berlin. Die Antisemiten, welche meistens behaupten, daß Deutschland von Juden regiert werde, suchen jetzt etwas Abwechslung in das öde Einerlei zu bringen, indem sie den Nachweis versuchen, daß die höchsten Aemter im Deutschen Reiche durch Ausländer besetzt sind. Der in Berlin erscheinende „Generalanzeiger" („Organ für deutsch-sociale antisemitische Reform") schreibt: „In den großen Reichstagskämpfen, welche anläßlich der neuen Steuervorlagen in der Leipzigerstraße ausgesochten werden, tr'tt eine ebenso eigenthümliche, wie bedenkliche Erscheinung zu Tage. Im Namen des Deutschen Reiches sprechen säst nur vier Männer, die sämmtlich nicht deutscher Abstammung sind. Graf Caprivi ist slavischer (im Besonderen wendischer! Abkunft, seine Familie gab später ihrem Namen eine italienische Form. Herrn M ig u el's Abkunst wird demnächst durch gewisse Procetzverhandlungen klargestellt werden; Graf Po sadows kp, der nominelle Leiter des Reichsschayamtes, ist Pole, und der Kriegsminister Br v n s ar t v. S ch e l le » v o r f s ist französischer Abstammung. — Rechnet mau dazu den Einfluß des schottischen Grasen Douglas, des polnischen Herrn v. Kvscielski, der jüdischen Frau v. Koscielski und der französischen Frau Hinzpeter, so läßt es sich begreifen, warum wir im Deutschen Reiche noch immer recht weit von einer deutschstammeskhümlichen Nationalpolitik entfernt sind." Schneidemühl. Aus Schneidemühl wird uns geschrieben: Eine größere Anzahl hier ansässiger Personen, darunter die Herren Landesgerichtspräsident L i n d n e r, Landesgerichlsdirector P e n s k y, Landesgerichtsrath B a u m m, die Professoren B a u m m und Nied erländer, Töchterschuldirector Ernst, sowie die beiden Bürgermeister Wolf und Nedwig, veröffentlichen in den hiesigen Blättern Folgendes: „Sämmtliche Einwohner unserer Stadt, ohne Unterschied der Confession und des Standes, ersuchen wir hierdurch, sich von den antisemitischen Bestrebungen fern zu halten, welche in den letzten Wochen sich in unserer Stadt geltend gemacht und welche sogar zur Bildung eines antisemitischen Vereins Hierselbst geführt haben. Diese namentlich von auswärtigen, unberufenen Leuten erzeugten Agitationen stören den religiösen Frieden, untergraben die Eintracht und tragen somit am allerwenigsten dazu bei, das Gedeihen unserer in letzter Zeit schon schwer genug heimgesuchten Stadt zu fördern. Möge daher ein Jeder dazu beitragen, daß wie bisher so auch ferner der religiöse Friede in unserer Stadt erhalten bleibe." Paris. Der berühmte russische Bildhauer Bernstamm (Israelit) ist mit der Ausführung der Büste des Admirals A v e l l a n, welche unsere Stadt diesem tapferen Osficier zur Erinnerung an seinen jüngsten hiesigen Aufenthalt widmen will, betraut worden. (So wird ein Russe einmal von einem Juden ausgehauen.') Sophia. Frau Gräfin Hartenau, Gemalin des Fürsten Alexander von Battenberg, hat folgendes Dankschreiben an Herrn Dr. M. G r ü n w a l d, Großrabbiner von Bulgarien, gerichtet: „Wollen Euer Hochwohlgeboren meinen innigsten, tiefgefühlten Dank für Ihre freundlichen Zeilen, mit denen Sie Ihrer und Ihrer Glaubensgenossen aufrichtige Theilnahme anläßlich des Hinscheidens meines unvergeßlichen Gatten. Generalmajor Gras von Hartenau, so warmen Ausdruck verliehen, entgegennehmen. Gleichzeitig bitte ich Euer Hochwohlgeboren, meinen Dank Ihren Glaubensgenossen gütigst zu übermitteln. Graz, am 28. November 1893. Gräfin Hartenau.

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