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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-22 · 51 (22.12.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
51 (22.12.1893)
Date
1893-12-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 994 Mefivrvelchische Wochenschrift Nr, 51 Das Dühring'sche Lachcabinet ist eine gar zu amüsante Erfindung. Er selbst ist der Hohlspiegel, der sogar das Antlitz des Jupiters verzerrt zurückwirst, daß es dem Thersites auf ein Haar gleich sieht. „Faust ist zu gar nichts Erheblichem gelangt. Goethe aber hat wenigstens sein Hausmittelchen angewendet und ist durch das Faustspiel zu einer Parade mit seinen lyrischen Fähigkeiten gelangt. Aber auch der Mangel einer verstandesmäßig gegliederten Prosa ist erklärlich, da es am eigentlich und höher menschlichen Denken fehlt." (Nicht etwa bei Dühring, wie man doch vermuthen sollte, sondern nur bei G o et h e.) G o e th e's v e r st a n d e s w i d r i g e Leichtgläubigkeit. ..." Dühring geht auch den von ihm constatirten bedauerlichen und schwächlichen Leistungen Goethe's bis auf die Wurzeln nach, denn er ist von Haus aus sehr gewissenhafter Natur und legt dar, daß daran hauptsächlich und besonders die — Jud en Schuld seien. Wie auch anders? G oethe's Jugenderziehung basirte auf „gemeinen Quellen, auf hebräischen Urkunden", seine eifrige Bibellection nicht zu vergessen. Was konnte bei so jämmerlicher, geistiger Heranbildung da auch viel anders entstehen, als höchstens ein Goethe! Das lohnt wahrlich der Mühe. Diese hebräischen Urkunden haben da etwas Schönes angestellt. Ewig schade um den nicht ganz unbegabten jungen Menschen. Was hätte aus ihm werden können? Ein Dühring! Und was ist aus ihm geworden? Gar nichts — Goethe! Dieser Goethe hat sich auch unterstanden, B y r o n zu bewundern, was wahrlich eine gewaltige Kühnheit zu nennen ist. Dühring züchtigt ihn auch entsprechend dafür: „Trotz allen Lobes, mit dem Goethe ihn nothgedrungen heimsucht, wird er doch immerfort mit erniedrigenden und oft so gemeinen Zügen gemalt, daß diese nur aus. der Natur des Malers erklärlich sind." Natürlich, ein Mann wie Goethe, „der in der privatistisch eingepferchten, kleinstaatlichen Ausschweifungsdomäne Weimar" lebte, und dem die hebräischen Urkundennoch im Blute steckten, wie konnte der auch anders sein? Dührin g belegt alle, die an Goethe was. Besonderes finden, mit dem ehrenvollen Titel Goethe-Narren. Gewiß gibt es solche, und wir sind die Letzten, welche die Existenz dieser' merkwürdigen Spezies in Abrede stellen möchten. Es gibt aber zwei Sorten von Goethe-Narren. Die eine verhimmelt jeden Wäschzettel des Meisters als herrlichste Eingebung des Genius, bewundert kritiklos Alles, was er geschrieben ohne Ausnahme in Bausch und Bogen — die andere Gruppe, der sel. Sebastian Brunner zählte auch dazu, will ihn vom Piedestal herabzustürzen probiren und verunsaubert, nachdem es doch nicht so leicht gelingt, boshafter- und rachsüchtigerweise fein Denkmal. Die halten mit Dühring die Iphigenie nur für eine Art mißlungener Nachbildung eines schlechten griechischen Originales — Geschmacksache. Natürlich variirt und interpolirt Dühring auch ein Weniges. Das kann er nicht lassen. Die herrliche Ode hebt an: „Dem Geier gleich schwebe mein Lied..." Dühring schreibt aber und denkt an die gesammte Poesie Goethe's: „Zum Geierschwebe gleich sein Lied". O die Goethe-Narren beider Kategorien! Bon Schiller, dem Liebling der Nation, hält Dühring genau so viel, wie von Goethe und Lessing und es sei nur verrathen, daß die „Glocke" nichts werth ist. Der Hausvater bätte sein Object gegen Brandschaden afsecuriren sollen, denn nach Dühring braucht der Bund auf Feuerversicherung weder ewig zu sein, noch mit transcendenten Schicksalsmächten geschlossen zu werden. Schiller hätte weit beffer gethan, statt der „Glocke" eine schöne „Polizze" zu dichten. Der Schiller'sche Verstandesmangel war vermutlich von der Art des Goethe'schen. Ueber den Dühring'schen glauben wir uns nach all dem Gesagten einer Aeußerung fiiglich enthalten zu dürfen und schließen nachdenklich unsere Betrachtungen über diese erste Größe antisemitischer Literatur. - F—n. Wilhelm Stistzny. k. k. Baurath, Gemeinderath u. Cultusvorsteher. Am heutigen Tage feiert der Gemeinderath und k. k. Baurath Herr Wilhelm S t i a ß n y das fünfundzwanzigjährige Jubiläum als selbstständiger Architekt und zugleich das Fest der silbernen Hochzeit. In unseren Tagen des falschen Glanzes und der übertriebenen Reclame, wo so viele dunkle Größen sich hervordrängen in das grelle Licht der Tagesberühmtheit, thut es doppelt wohl, einmal das wahre Verdienst und die rastlose, dem Wohle der Allgemeinheit geweihte Schaffensfreude eines Mannes von der Bedeutung und Begabung Wilhelm Stiaßny's anerkennen zu dürfen. Es gibt' nicht Viele, denen es in so jungen Jahren beschieden war, zu so hervorragender öffentlicher Stellung zu gelangen wie ihm, aber auch unter diesen Wenigen wird man lange nach einem Zweiten suchen müssen, der diese Stellung in so selbstloser, vornehmer und erfolgreicher Weise zum Besten seiner Mitbürger ausgenützt hätte, wie S t i a ß n y. Seine gemeinnützige Wirksamkeit ist anläßlich des heutigen Doppelfestes vom Gemeinderathe der Stadt Wien durch die einmüthige und taxfreie Zuerkennung des Bürgerrechtes der Reichshaupt- und Residenzstadt anerkannt worden. Das ist ein äußeres, gewiß überaus ehrenvolles Zeichen der Werthschätzung, umso ehrenvoller, als es Freund und Feind mit gleicher Herzlichkeit dargebracht haben. Uns aber und unserem dankbaren Empfinden ist mit dieser Auszeichnung noch lange nicht genug geschehen. Was in unseren Augen Wilhelm S t i a ß n y als der Besten Einen unter unseren Glaubensgenossen erscheinen läßt, das ist die freudige Hingebung, das ist die innige Liebe und Treue, welche er stit einem Vierteljahrhundert seinen Glaubensbrüdern, welche er dem Judenthum bewiesen hat. In dieser Liebe und Treue liegt ein Stück Heldenthum, welches erst dann recht gewürdigt werden kann, wenn man bedenkt, welchen Einfluß in unserem Vaterlande die Confession auf eine öffentliche Carrivre übt. Man halte Umschau unter den Männern, welche, aus dem Judenlhum hervorgegangen, zu Ansehen und Bedeutung, zu Rang und Würden gelangt sind. Wie Wenige, ach wie Wenige haben den Müth gesunden, stark, und fest in dem Glauben ihrer Väter auszuharren und sich durch eine Welt von Vorurtheilen und Anfeindungen mit kr«stvollem Arme den Weg zu bahnen! Unter diesen charakterstarken Helden steht heute Wilhelm S t i a ß n y in vorderster Reihe, und die Achtung, die ihm soeben auch die Feinde unseres Volkes, die ihm selbst seine antisemitischen Collegen im Gemeinderathe gezollt, ist gewiß zum nicht geringsten Theile auf diese unerschütterliche, niemals wankende Charakterfestigkeit zurückzusühren. Eine wahrhaft vornehme Natur, ein Achtung gebietender Charakter, ist seine äußere feffelnde Erscheinung nur der getreue Ausdruck seines innersten Wesens, - erfügt er über eine Beredtsamkeit, die den Gegner entwaffnet, ohne zu verletzen, die Leidenschaften besänftigt, dem zähesten Widersacher Anerkennung abringt. Wilhelm S t i a ß n y hat dem Staate und der Gemeinde außerordentliche Dienste geleistet. Seit dem Jahre 1878 ist er Mitglied des Gemeinderathes, in dessen Mitte er als ein Fachmann ersten Ranges in allen technischen Angelegenheiten gilt. Seine glänzende Fähigkeit bekundet sich nicht allein in der werkthätigen Mitarbeit an senen großen Aufgaben, welche die schier märchenhafte bauliche Entwicklung Wiens unserer Gemeindevertretung stellte. Durch zahlreiche Initiativanträge erwies er seinen selbstthätigen Schaffensdrang und sein tiefes Verständniß der Bedingungen für das wirthschaftliche Gedeihen Wiens. Unmittelbar nach seinem Eintritte in die Rathsstube regte er die Regulirung des Donaucanäles an, ein Werk, das bekanntlich gegenwärtig in Verbindung mit den großen Verkehrsanlagen zur Durchführung kommt. Im Jahre 1879 referirte er über den Bau des Centralviehmarktes, später über die Beheizung und Ventilation des neuen Rathhauses, eine bekanntermaßen mustergiltige Anlage. Auch anläßlich der Wienflußregulirung fungirte er als Referent in der Baulinienbestimmung. Bedeutungsvoll ist der Antheil, den Wilhelm Straßny an der Erweiterung der Hochquellenleitung und insbesondere an der Vergrößerung der Reservoirs und an der Einbeziehung neuer Quellen genommen hat. Nicht minder regen Eifer entwickelte er in der Kasernensrage, deren Lösung noch devorsteht.

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