Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 50 Oesterreichifche WochenjÄrrifl Leite V77 Wien. Die alljährlich zur Zeit des Chanucka -Festes > stattfindende, mit einem feierlichen Gottesdienste im Mariahilfer Tempelgebäude verbundene Bertheilung von Kleidern an arme Schulkinder beiderlei Geschlechtes fand auch Heuer am 10. d. M. im Beisein der Vorstände des Humanitätsvereines für den westlichen Bereich Wiens und des Frauenwohlthätigkeitsvereines dieser Bezirke, sowie eines zahlreichen Publicums statt/ In sehr wirkungsvoller Rede pries der Prediger Doctor Taglicht den Segen der Wohlthätigkeit, welche in diesen Bezirken eine besondere Heimstätte gefunden habe und für welche die beiden Vereine unausgesetzt wirken und agitiren. Redner wies auf den bedeutungsvollen Umstand hin, daß der Humanitätsverein für den westlichen Bezirk Wiens nun fett einem Vierteljahrhundert diese seine fruchtbringende Thätigkeit entfalte und zollte in schönen Worten den Männern, welche an der Spitze dieses Vereines stehen, volle Anerkennung. Einige Stunden später fand die Generalversammlung dieses Humanitätsvereines statt, welche aus Anlaß der Feier des fünfundzwanzigiährigen Jubiläums der Vereinsthätigkeit einen besonders feierlichen Charakter trug und von zahlreichen Gästen, insbesondere dem Ehrenmitgliede Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr Bloch, ferner dem Präsidium des Vereines für Mariahilf und Neubau, den Herren Architekten Max Fleischer, S. Eisenberger, I. Liebermann und Ta ff l er, dem Prediger Dr. Ta glicht, Cantor Dü nnm ann, Herrn Dr. Sigismund Feßler als Präsidenten des Vereines „Kinderschutz" und Anderen besucht war. Den Vorsitz führte Herr Vice-Präsident M. Feßler. In einem Festberichte, welcher den ungetheilten Beifall der Versammlung fand, entrollte der langjährige Schriftführer des Vereines Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Julius Ul lmann ein anschauliches Bild der Gründung, Entwicklung und gedeihlichen Thätigkeit des Humanitätsvereines für den westlichen Bezirk Wiens und gedachte hiebei insbesondere der unvergänglichen Verdienste des im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Mitbegründers und Vereinspräsidenten Herrn Mich. Winkler, sowie des nunmehr ebenfalls zu seinen Vätern versammelten Ehrenmitgliedes Herrn Baron Moriz Konigswarter, welcher sein Interesse für den. Verein schon vor vier Jahren durch persönlichen Besuch des Freitischlocales und wiederholte Widmungen und Spenden für diesen Zweck an den Tag gelegt und noch wenige Monate vor seinem Hinscheiden in einem eigenhändigen herzlich abgefaßten Schreiben der Freude über das ihm überreichte treffend abgefaßte Ehrendiplom Ausdruck verliehen hatte. Ebenso gedachte Dr. Ullmann der Verdienste der lebenden Gönner und Mitglieder des Vereines, insbesondere der Ehrenmitglieder.Herrn Wilhelm Ritter v. Guttmann und des Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, welche sich als treue Freunde und Förderer des Vereines seit vielen Jahren bewährt haben. Ganz besondere Verdienste um den Verein aber hat sich der Vorstand des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau durch eifrige Förderung der Bereinszwecke und Ueberlassung des Tempelgebäudes für deren feierliche Veranstaltungen erworben. Nachdem auch der Vorsitzende Herr M. Feßler hieran anknüpfend den dahingeschiedenen Freunden des Vereines innige Worte der Dankbarkeit gewidmet hatte, würdigte Architekt Fleischer unter dem Beifalle der Versammlung die Ausdauer und den Eif'r des Vereinsvorstandes, welcher so bedeutende Erfolge aufzuweisen habe. Als die Neuwahlen zur Besprechung gelangten, beantragte Abgeordneter Dr. Bloch in einer von lebhaftem Beifalle begleiteten Rede die Wahl des Architekten Fleischer in den Bereinsvorstaud, da der bisher so vortrefflich geleitete Verein in diesenr unvergleichlich tüchtigen und opferwilligen Menschenfreunde den glänzendsten Repräsentanten haben würde. Obgleich auch Herr Dr. Ullmann namens des Bereinsvorstandes sich' diesem Wunsche anschloß und auf die bewährte Hingebung dieses musterhaften Glaubensgenossen für Zwecke der Humanität hinwies, erklärte der Präsident des Tempelvereines, Herr Max Fleischer, diesem schmeichelhaften Anträge nicht Folge leisten zu können, da seine ohnedies größtenteils öffentlichen Angelegenheiten gewidmete Zeit ihm nicht einmal mehr die für seine Gesundheit nöthige Erholung gestatte. Es wurden sohin in den Bereinsvorstand die ausscheidenden Herren Richard Baumgarten, Ignaz Fröhlich, M. Feßler und M. K n e p l e r und die Herren August Fischet, Inhaber der Firma Herzfeld u. Fischet, und Jaques Winkler, Inhaber der Firma Michael Winkler und Sohn neu gewählt. Am Schluß der osficiellen Generalversammlung vereinigten sich die Theilnehmer und Gäste derselben zu einem gemütlichen Male und trugen in launigen Trinksprüchen dem festlichen Charakter des Abends Rechnung. Den ersten Toast auf Se. Majestät dem Kaiser sprach der Vereinspräsident Herr M. Feßler und seine Ansprache wurde mit Jubel ausgenommen. Herr Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer toastirte in beredten Worten auf dem Vereins^ präsidenten Herrn Feßler. Schriftführer, Advocat Dr. Julius Ullmann leerte sein Glas auf das Wohl des Präsidenten des Tempelvereines M. Fleischer und die anwesenden Ehrengäste. Advocat Dr. Feßler sprach in gewohnter künstlerischer Formvollendung auf das Wohl der Damen. Prediger Dr. Täglich t auf das Ehrenmitglied Reichsrathsabgeordneten Dr. B l o ch, während Dr. Bloch sein Glas auf das Wohl der Äorstandsdamen des Frauenwohlthätigkeits-Berewes und s'iner Präsidentin leerte. Bei dem vorzüglichen, allgemein belobten Menu und zahlreichen weiteren Toasten verlief das Fest in heiterster Stimmung. Wien. (Die dreißigjährige Jubiläumsfeier des Bet - Hamid rasch in Wien.) Am 10. December Abends versammelte sich in den hellerleuchteten Räumen des Bet- Hamidrasch eine große Anzahl der Bet-Hamidraschmitglieder, um das Fest der dreißigjährigen Begründung dieser Hochschule zu feiern. In der Mitte des Hörsaales wurde eine Festtafel aufgestellt. Um 6 Uhr erschien der Lehrkörper Herr Lector E. H. Weiß, Herr Lector Fried mann und Herr Rabbiner und Prediger Dr. S. Gelb haus. Ferner der Vorsteher Herr Fabrikant Bernhard Kohn, Herr Fabrikant Fluß, das älteste Vereinsmitglied Herr F i x e l, Herr Obercantor G o l d st e i n u. A. Nachdem der Senior Herr Lector Weiß eine kleine Ansprache hielt und den Segen über den Wein sprach, warf Herr Lector Friedmann einen Rückblick auf die zuruckgelegte dreißigjährige Wirksamkeit des Bet-Hamidrasch. Ec zählte die Gründer desselben auf, gedachte der Verewigten Herrn Marcus Weiß, Heinrich Pollak, Bernhard Pollaksiiu. u. A. und brachte einHoch auf Se. Majestät den Kaiser aus, unter dessen Schutz dieses Lehrhaus entstand und trank auf das Wohl der Gründer desselben. Die ganze Tafelrunde stimmte in das Hoch auf den geliebten Landesvater begeistert ein und leerte die Gläser auf die Wohlfahrt der Gründer. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. G e l b h a u s, der von dem Präsidium und dem Lehrkörper hiezu eingeladen wurde, die Festrede. „Das Judenthum", so begann der Redner, „unterscheidet sich von anderen Religionen dadurch, daß es eine Religion des Wissens ist. Während andere Religionen das Moment des Glaubens in den Vordergrund stellen, ist es das Erkennen, welches die jüdische Bekenntnißlehre hauptsächlich betont. „Erkenne den Ewigen, deinen Gott und damit dienst du ihm", heißt es in der heil. Schrift. Deshalb wurde das Wissen in Israel zu jeder Zeit hochgeschätzt und deshalb wurde den Männern des Wissens seitens der Bekennerschaft selber stets ein hervorragender Platz angewiesen. Die Lebensverhältnifse der Weisen waren aber in verschiedenen Zeiten verschiedene. In alter Zeit war die Gelehrsamkeit keine ausschließliche Beschäftigung einzelner Personen oder bestimmter Classen. Priester, Kaufleute und Handwerker beschäftigten sich anhaltend oder zeitweilig mit derselben, wie Hillel, R. Chanina, Segan Hacohanim und R. Jochanan ben Sükai. Man verlangte und gab für die Ausübung der Gelehrsamkeit keine Remuneration. Darauf folgte eine Periode, in welcher sich Persönlichkeiten, welche mit Reichthümern gesegnet waren, in der Gottesgelehrth-it auszeichneten, wie R. Elieser b. Hyrkanos, R. Elieser b. Charsam und R. Jehuda der Fürst. Diese nahmen nicht nur keine Entlohnung, sondern erhielten die große Zahl ihrer Schüler auf ihre Kosten. Durch den Zusammenbruch des jüdischen Staates, durch den ökonomischen Untergang Palästinas und durch das Anwachsen der Zahl derjenigen, welche sich ausschließlich dem Thorastudium widmeten, entstanden Gel ehrten stände (Schetorathan umnuthan); diese, jeder Subsistenzmittel entblößt, waren auf die Unterstützung der reichen Glaubensgenoffen angewiesen, wenn sie ihrer heiligen Aufgabe gerecht werden sollten. Diese dritte Periode dauert bis auf den heutigen Tag. Zu einer wahrhaften jüdischen Hochschule gehören drei Factoren: Hervorragende Lehrer, lernbegierige Hörer und edle Wohlthäter. Dieses bewährt sich bei den Bet- Hamidrasch in Wien. Redner schildert die wiffenschastliche Bedeutung der Herr Lectoren, die Lernbegrer der nach vielen Tausenden zählenden Hörer, um sich dann dem Borstande zuzuwenden. Er preist die Hingebung des Präsidenten, des gefeierten Kanzelredners Herrn Dr. A. Jellinekund mit begeisterten Worten die Munisicenz und die Hochherzigkeit des für alles