Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 974 Vrsterredtzifltzr WochrnfchrM Nr. 50 gibt es nur ein ganz kleines Häuflein jüdischer Millionäre, und diese haben ihr Vermögen sich ehrlich und redlich erworben und die Millionen dieser jüdischen Millionäre sind nicht jüngeren Ursprungs als die Millionen der L i e b i g, Schmitt, Hä mmerle, Getzner, Meinel, Geipel, Eltz, Enzinger, Adensamer, Wertheim, Schöller, Miller, Dutschka, Bareuther, Dumba, Grillmeier, Blaschka, Borkenstein, Bräunlich, Brevillie^, Bujatti, Cornides, Dierzer, Ditmar, Eichmann. Faltis, Haase, R ich t er, W alz el, Kluge, Proskowetz, Schroll, Enderlin, Schranz und hundert Anderer. Ueber die Genesis der Millionen vieler arischer Industriellen, welche ihre Fabriksetablissements — ob mit Absicht oder nur zufällig,, bleibe dahingestellt — hart an die schweizerische, preußische und sächsische Grenze situirt hatten, ist es besser, den Schleier der Vergessenheit zu ziehen; es wäre jedoch interessant, in dieser Richtung die Archive der betreffenden Grenzgefällsbehörden eines Studiums zu unterziehen. Verlogen ist die Behauptung, daß sich die meisten großen Wiener Häuser im Besitze von Juden befinden. Das letzte Hauser-Schema Wiens weist vielmehr nach, daß nicht 5 Percent der Wiener Häuser Juden gehören. Wie es überhaupt mit dem viel beneideten und angefeindeten Reichthum der Juden bestellt ist. mögen folgende Daten darthun. In Wien sind ungefähr 25.000 jüdische Familien, beziehentlich Haushaltungen. Von diesen sind die Familienväter weit unter 15.000 derart situirt, daß sie zur Steuerleistung in die Cultusgemeinde gar nicht herangezogen werden können, weil sie entweder ganz unbemittelt oder nicht im Stande sind, die Umlage aufzubringen. Von den 10.000 Steuerholden der Cultusgemeinde sind aber 90 Percent mit der geringsten Quote von 10 Gulden eingeschätzt, und von diesen 90 Percent ist gut dreiviertel nur mit knapper Noth in der Lage, jährlich diese 10 Gulden zu zahlen. Der allergrößte Theil dieser unbemittelten Juden ist auf den Erwerb im Handel und Gewerbe angewiesen. Was bedeutet aber dann die antisemitische Parole „Kauft nur bei Christen. kauft nicht bei Juden", die von den Parteiführern und Parteiorganen der Antisemiten im Chorus in die Welt posaunt wird? Sie bedeutet die Boycottirung der kleinen, unbemittelten jüdischen Gewerbetreibenden und Händler. Die wenigen großen jüdischen Handlungen werden von diesem Boycott weniger empfindlich betroffen, dagegen handelt es sich bei Ersteren factisch um die Existenz. Die Agitation gegen diese kleinen Leute ist so weit gediehen, daß die jüdischen Händler und Gewerbetreibenden die westlichen vom -Antisemitismus durchseuchten und von fortwährender Agitation gegen die Juden aufgehetzten Bezirke, wo sie bis vor Kurzem ihren Erwerb fanden, verlassen müssen, um sich in den mehr von Juden bewohnten Bezirken zu etabliren, wo sie wieder auf die alten Geschäftsbesitzer nothwendigerweise einen Druck ausüben. Es hat jedoch den Anschein, daß von arischer Seite aus gegen die Hetze der jüdischen Geschäftsleute eine Reaction bevorstehend ist. Es ist ja bekannt, daß die Herren Arirer dort, wo sie Concurrenz nicht zu befürchten haben, ein dem alterum tanterum gleich hohen Profit zu nehmen nicht faul sind, und nicht minder bekannt ist, daß die arischen Kausleutc nicht immer gewissenhaft genug sind, ihre Kunden mit guter, unverfälschter Waare zu bedienen, der jüdische Händler dagegen ist, zumal derzeit, schon aus Geschäftsinteresse bemüssigt, sich, insbesonders der arischen Clientel gegenüber, peinlichster Solidität zu befleißen und Alles zu vermeiden, was diesen Anlaß zur Unzufriedenheit geben könnte. Thatsache ist auch, daß die jüdischen Geschäftsbesitzer noch bis in die letzte Zeit über eine große Zahl getreuer arischer Stammkunden verfügten, nicht etwa aus philosemitischer Duselei, sondern weil diese arischen Kunden sicher sind, stets reell bedient zu werden. Der Führer der Antisemiten eines westlichen Sommer-Landaufenthaltes versorgt, allerdings heimlich, jahrelang den Bedarf an Kleidern für den ganzen Hausbedarf bei Rothberger, eingestandenermaßen nur deshalb, weil er gut und reell bedient wird, wäh» rend er von seinen antisemitischen Parteigenossen jedesmal übers Ohr gehauen wurde. Die Judenhetze ist jedoch so weit gediehen, daß auch der anständigste Arier aus Furcht vor Proscription es vermeidet, ein jüdisches Geschäftslocal zu betreten. Eduard Beer. Gelammt - Lehrplan für den Religionsunterricht der Pester israelitischen Cultusgemeinde. (Fortsetzung.) Die IV. Classe faßt den bisher erlernten .Stoff der biblischen Erzählungen kurz zusammen und ergänzt ihn mit der in einige kurze Capitel zusammengedrängten bis zur Gründung der Synagoge sich erstreckenden, skizzenhaften Bekanntmachung der Geschichte des jüdischen Volkes (Landeinnahme, Richter und Könige, der Tempel zu Jerusalem, Propheten und Götzendienst, Babylonische Gefangenschaft, Synagoge, Heilige Schrift). Hierauf folgt eine der geistigen Fähigkeit des Schülers entsprechende Behandlung der Grundlehren des Judenthums, welche wir im Anschluß au geeignete liturgische Theile oder an biblische Gesetze, mit Vermeidung jeder Definition, in womöglich kurzen und klaren Thesen ausdrücken und mit dem Hinweis auf die gleichen ideellen biblischen Erzählungen beleben. Als Leseübungen in dieser Classe dienen die Festgebete mit der für die HI. Classe vorgeschriebenen Methode. Der Stoff des Religionsunterrichtes in der V. und VI. Classe ist eigentlich die Aufarbeitung des Lehrstoffes für die IV. Classe in weiterem Kreise. Ihr Lehrplan stimmt mit dem der drei unteren Classen der Bürgerschulen überein. (In Bezug auf die Details siehe weiter unten.) Erste Bolksschulclafse. I. Einleitende Begriffe. Gebete. 1. Alles was ist, kommt vom lieben Gott. 2. Gott ist der Fürsorger aller Geschöpfe. 3. Wir sind Gott Dank schuldig. Dankgebet. 4. Wir pflegen Morgens, Mittags und Abends zu beten. 5. Unser Morgengebet: Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du das Licht bildest, die Finsterniß schaffest, den Frieden stiftest, und Alles schaffest. — Ich danke Dir, allmächtiger Herr, daß Du mir in Deiner Gnade meine Bestimmung wiedergegeben, unendlich ist Deine Gnade. 6. Dieses Gebet sagen wir ungarisch, wir sind Ungarn. 7. Unsere Religion ist die israelitische (jüdische) Religion; wir sind Ungarn israelitischer (jüdischer) Religion. 8. Unsere Väter beteten in hebräischer Sprache, auch wir wollen nach unserer Väter Weise hebräisch beten. 9. -ns rme 10. Unser Gott ist einzig. — Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott. Der Ewige ist einzig. — Gelobt sei sein Name, die Herrlichkeit seines Reiches in Ewigkeit, yät*, »yfj'tt '2Tns! 11. Gebet vor dem Schlafengehen: „Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du Schlaf auf meine Augen und Schlummer auf meine Augenlider sendest." 12. Gebete vor dem Speisen, ‘Sun '12 std 13. Tischgebet (In dieser Classe nur ungarisch): Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du die ganze Welt durch Deine Güte, Gunst und Gnade speisest und in Barmherzigkeit jedem Geschöpfe Brot gibst. Ewig währt Deine Gnade. II. Hebräisch-Lesen*). in. Biblische Erzählungen. Religionslehre. 1. Was wir auf der Erde und am Himmel sehen, ist die Welt. Die Welt hat Gott erschaffen. Gott ist der Schöpfer der Welt. 2. Gott erschuf die Welt aus Nichts, er sagte blos: „Es werde" und es ward. Gott ist allmächtig. 3. Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde -war aber öde und finster. Der Herr sprach: „Es werde Licht" und es ward Licht.? 4. Darum sagen wir in unserem Gebete: „Unser Gott, König der Welt, der Du das Licht bildest (Siehe oben 5. Punkt), Gott führt die beglückende Sonne und das Licht über uns herauf. *) Folgt nun eine kurze Methodik des hebräischen. Leseunterrichtes, conform der Methode und dem Lehrgang des ungarischen Leseunterrichtes. Der Uebers.