Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 49 (8.12.1893)
- Date
- 1893-12-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49 Oesterreichifche WochrnlchrM Seite 955 wie folgt aus: „Gerade weil bezüglich der speciellen Wege, und Flußzölle eine raubritterliche Entstehung derselben theilweise eine Wa hrheit ist, muß die oberflächliche Manier und die unwahre Ernstlosigket (!), mit der Alles durcheinander geworfen und das ganze heutige Zollwesen, ja schließlich alle Steuerzahlung unter diesen Gesichtspunkt gebracht wird, widerlich berühren." Man merkt, wie sauer er es sich werden läßt, der Anerkennung, die er dem Juden zollen muß, die obligate antisemitische Verbrämung umzuhängen. Natürlich folgt weiter gleich ejne hämische Bemerkung über stoßenden und abgerissenen Styl. Dühring ertheilt Börne Lection im Styl! Wer lacht da —nicht? — daß aber B örne, dessen Freiheitsdrang, Freiheitstrunkenheit mit zu seinem innersten Wesen gehörte, der ohne Freiheit so wenig leben konnte, wie ohne Luft, daß derselbe Börne auf einmal — eine „h eb rätsche Knechtsnatur" besessen haben soll, und doch „gegen die Knechtsseligkeit des deutschen Michel auftrat", ist das Neueste, was wir über diesen kühnen Revolutionär erfahren. Hebräische Knechtsseligkeit — und deutsch-michelsche— da liegt wohl der Unterschied! Dühring hat sie entdeckt, die Börne'sche „Knechtsnatur!" Wie konnte man sie und die Rohheit und Plumpheit der Börn e's ch en Ausdrucksweise — ja D ühri n g ist viel feiner — nur so lange übersehen! Das nächste Mal wollten wir Herrn Dühring auf seiner kritischen Wanderung durch die Werke Heinrich alia3 Harry — ganz alttestameutlich lies Harry! — Heines begleiten, welcher „weniger beschränkt als Börne und eher mit Etwas begabt, was nach Talent aus sah." . Weniger beschränkt als Börne? — mag sein, aber dafür sicher nicht beschränkter als der Literarhistoriker Dühring. Das wäre schwer möglich. Rabbiner Salomon Spitzer s. R. Mit dem am vergangenen Montag verstorbenen Rabbiner Spitzer ist ein Mann aus unserer Mitte geschieden, der mit der Geschichte unserer Gemeinde während der letzten vier Jahrzehnte mannigfach verwachsen war, der auch bis zu seinem Tode von einer großen Anzahl von Mitgliedern derselben als deren Lehrer und Führer betrachtet und verehrt wurde, dessen Bedeutung und Verdienst jedoch den Meisten, besonders der jüngeren Generation, kaum bekannt ist. Leider bin ich durch Krankheit verhindert gewesen, bem einstigen Collegen an dessen Bahre einen Nachruf zu widmen, aber ich kann es mir nicht versagen, ihm wenigstens auf diesem Wege ein Lebewohl nachzurufen. Rabbiner Spitzer gehörte dem hiesigen Nabbinate bereits an, als Rabbiner Hör Witz den Vorsitz in demselben führte. Auch nachdem der letztere mir übertragen wurde, war er noch vier Jahre hindurch Mitglied des Rabbinats und bewährte sich als einen ebenso pflichteifrigen wie ergebenen Collegen, bis er durch einzelne Abänderungen in dem Cultus der beiden Gemeindebethäuser im Jahre 1872 sich bewogen fühlte, aus dem Rabbinate geräuschvoller, als er es vielleicht nach später gewonnenen Erfahrungen gethau haben würde, auszuscheiden. Die näheren Umstände dieses Austrittes bleiben billig der Beurteilung eines künftigen, unbetheiligten und objectiven Geschichtsschreibers überlassen. Seitdem beschränkte er sich auf seine Thätigf eit als Rabbiner in dem Bethause in der Großen Schiffgasse. Rabbiner Spitzer gehörte einer streng religiösen Richtung an und hat dieselbe mit ebensoviel Gelehrsamkeit, Muth und Ueberzeugungstreue, wie mit Klugheit und gereiftem Urtheile vertreten. Dadurch ist es ihm gelungen, die vereinzelten Anhänger dieser Richtung zu einer zusammenhängenden Schaar um sich zu vereinigen, deren Opferwilligkeit nicht blos ein ansehnliches Bethaus, sondern auch ein großartiges Bethamidrasch geschaffen hat und erhält. Eine große Gemeinde kann unmöglich wie ein Armeecorps in allen Theilen die gleiche Uniform tragen. Aber gleichwohl soll trotz der Verschiedenheit der Richtungen der Sinn für das Ganze, das Verständniß für die Bedeutung der Einheit und Einigkeit in allen Theilen erhalten bleiben. Nach dieser Richtung hat sich Rabbiner Spitzer ein hohes Verdienst um unsere Gemeinde erworben. Er hat auch nach seinem Austritte aus dem Rabbinate niemals separatistische Strömungen geschürt, ja er hat ihnen, selbst wenn sie sich an ihn übereifrig herandrängten, mit dem Aufgebote seines Einflusses und seiner Klugheit kräftig Widerstand geleistet. Dadurch wurde das widerwärtige Schauspiel der gegenseitigen Befehl düng der verschiedenen Gemeindegruppen und das noch widerwärtigere ihrer Gleichgiltigkeit der Gemeinde erspart und ist deren Einheit erhalten geblieben. Man muß auch dem Verstorbenen das Verdienstzuerkennen, daß er die Würde des Rabbiners aus dem niedrigen Niveau, auf welchem sich dieselbe früher befand, emporzuheben nicht ohne Erfolg bestrebt war. Er wußte seinem Worte und seiner Person durch seine Uneigennutzigkeit und seine Besonnenheit und Energie Ansehen und Geltung zu verschaffen, was innerhalb einer vereinzelten Gemeindegruppe oft noch schwieriger ist, als innerhalb der Gesammtheit, da die Neigung, die „Richter zu richten", dort noch stärker als hier vorwaltet. Aber Rabbiner Spitzer ließ sich nicht irre machen. Er hat das Rabbinat jederzeit als Mittelpunkt des religiösen Gemeindelebens anerkannt und hat sich niemals dazu verleiten lassen, den „Gegenpapst" zu spielen. Dafür hat er die Würde des Rabbiners viel zu hoch angeschlagen. Einem Rabbiner nachzusagen, daß er fromm war, ist eine Beleidigung. Er hat es verstanden, an einem bestimmten Punkte des Gemeindelebens, das ja in allen Theilen zusammenhängt, eine erfolg- und segensreiche Thätigkeit zu entfalten, die Allen zu Gute kommt und die ihn bei Allen in gesegnetem Andenken erhalten wird. Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. Gefammt - Lehrplan für den Religionsunterricht der Pefler israelitischen Cultusgemeinde. Einleitung. Das allgemeine Ziel, nach welchem jedweder Religionsunterricht der Pester israelitischen Gemeinde strebt, ist: Die Erziehung der Jugend zu einem frommen Leben und ihre dem gebildeten jüdischen Gesammtbew u ß tsein entsprechende Ausbildung. Demgemäß sind dessen Aufgaben: 1. Das dem Auffaffungsgrade der in verschiedenem Alter stehenden Zöglinge sich anpassende, möglichst gründliche und detaillirte Beibringen der das Wesen der jüdischen Religion bildenden Ideen und moralischen Lehren, wie auch die dieselben zum Ausdruck bringenden traditionellen Institutionen. 2. Auf Grund dessen die Erweckung wirklich innerlicher religiöser Ueberzeugungen und Gefühle, beziehentlich eine derartige Befestigung derselben, daß sie im ganzen Lebenssystem des Zöglings richtunggebend werden und auf seinen Charakter, seine Weltanschauung und seine Gesammthandlungen veredelnd einwirkeu sollen. Diesen hehren Berus kann der Religionsunterricht nur so verwirklichen, wenn er als G r u n d p r i n c i p die Aufrech terhaltung der Harmonie in der Seelen Welt des Schülers anerkennt, respeclive jeden solchen Unterricht sorgfaltig vermeidet, welcher in demselben Zweifel, Entrüstung, mit einem Worte Disharmonie entwickeln könnte; denn die durch eine falsche Methode des Religionsunterrichtes eingeimpfte Seelendisharmonie tödtet das wirklich religiöse Gefühl und ist in erster Reihe Ursache unserer irreligiösen Zeitrichlung. Wir wollen eine innere religiöse Ueberzeugnng