Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 48 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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WWWtSWM sp«JSraesr» Vesterretchtfche Wochenschrift Sette 945 Nr. 48 Wien. (Diamantene Hochzeit.) Bor uns liegt im Trauungskartenformat eine Anzeige folgenden Wortlautes: Butschowitz Brünn 27. Nov. 27. Nov. 1833 1893 „Vergnügt machen wir die freundschaftliche Miltheilung von der stillen Begehung unseres sechzigsten Hochzeitstages." Es ist das Ehepaar Königsgarten aus Brünn, das in solcher Weise seine Bekannten von seiner diamantenen Hochzeit verständigt. Herr Baruch Königsgarten und seine Gattin, geborene Sommer, stehen Beide im Alter von 86 Jahren. Sie haben acht verheiratete Kinder, und zwar vier Söhne und vier Töchter, und eine Urenkelin meldet uns mit Stolz: „Daß meine lieben Urgroßeltern Enkelkinder haben, dafür bin ich ein lebendiger Beweis, denn ich bin bereits als — Urenkelin geboren." Wien. (Goldene Hochzeit). Der ehrwürdige verdienstvolle Rabbiner und Religionslehrer der israelitischen Cul-- tusgemeinde Herr W o ll n e r, feiert am 10. December mit seiner Gattin Anna, geb. Ländler, das seltene Fest der goldenen Hochzeit im Familienkreise. Selten auch darum, va das Jubelpaar, der Gatte 74, die Gattin 70 Jahre alt, noch rüstig sind, thätig in ihrem Berufe. Samstag den 9. Dec. findet die Vorfeier im israel. Bethause Vlll.,Florianigasse 41, um halb 9 Uhr statt. B. E. B. Wien. (Fünfzigjähriges Jubiläum d e r L e o p o l d st ä d t e r K i n d e r l. e w a h r a n st a l t.) Der unter dem allerhöchsten Protectorate Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth stehende Verein zur Erhaltung einer israel. Kinderbewahranstalt, verbunden mit einer Privalbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, feierte jüngst das Fest seines fünfzigjährigen Bestandes. Der Verein, der ein halbes Jahrhundert muthiger, eifriger Thätigkeit hinter sich hat, kann das Verdienst in Anspruch nehmen, viel des Humanen gewirkt zu haben, wovon der fünfzigste Jahresbericht ein eclatantes Zeugniß gibt. Bemerkenswerth ist der Umstand, daß die mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestattete Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen von 18 jüdischen und 12 katholischen Zöglingen frequentirt wird. Dem Geschäftsberichte ist zu entnehmen, daß currenten Einnahmen von circa 15.000 fl. lausende Ausgaben von circa 13.000 fl. gegenüberstehen. Der Verein verfügt über ein Gesammtvermögen von 70.000 fl., außerdem über einen Pensionssond von 30.000. fl. Er steht unter der trefflichen Leitung des Directors Herrn Albert S. Fischer und seiner wackern Gattin. Das Comite zur Erhaltung und Leitung besteht aus den Frauen: Sophie Baronin Tod esc o, Präsidentin, Rosa Schiff, Sara von Stern, Elise Gomperz, Fanny Brach, Helene Wollheim. Jda von Gutmann, Sophie von Bauer; ferner aus den Herren: Theodor Ritter von Goldschmidt und Leopold von Lieben. Als ärztlicher Jnspicient fungirt Herr Med.-Dr. Ludwig Winternitz. Wien. Am 26. d. M. fand die Beerdigung der wegen ihrer hervorragenden weiblichen Tugenden in jüdischen Kreisen bekannten und allgemein beliebten Frau Levuore Gutfeld statt. Die würdig gehaltene Leichenfeier wurde durch den Vortrag der üblichen Choralgesänge vom Herrn Obercantor Goldstein eingeleitet, und nachdem Herr Öberrabbiner Dr. G ü d ema nn die Verdienste der Verstorbenen in einer ausgezeichneten Rede hervorgehoben, bewegte sich der Leichenzug zum Grabe an dem der 77jährige Gatte eine groß angelegte Ansprache hielt, die allgemeine Bewegung hervorrief und einen erhebenden Eindruck auf alle Anwesenden zurückließ. Wien. Der akademische Verein „Kadimah" veranstaltet Samstag den 2. December d. I. in Khuner's Restaurant, I., Schottenring 10, seine XI. Makkabäerfeier (Herrenabend) und ladet jüdische Gäste herstich ein. an derselben theUznnehmen. Wien. Der am 26. d. stattgefundene literarische Nachmittag des Vereines „Moria" brachte den zahlreich erschienenen Gästen ein reichhaltiges Programm. Jnstitntsvorsteherin Frl. Amalie Thilo recitirre ein in schwungvoller Form gehaltenes Gedicht „Zion" von Frau Professor Nascher, woran anknüpsend ein Vortrag folgte: „Zion in idealer und realer Beziehung". Frl. Natalie P o l l a k las nach Vorausschickung der Biographie Moses H e s;', einige Capitel ans dessen Buche „Rom und Jerusalem". Auch Frl. Frieda Rand, die über „Makkabäische Frauen" sprach, hatte ein sehr gut gewähltes Thema, und wenn wir noch erwähnen, daß Frl. Jda W enut auf allgemeines Verlangen ein Gedicht vortrug, so können wir nur nochmals sagen, daß die Bestrebungen des Vereines in literarischer Beziehung wirklich lobend anzuerkennen sind. Daß der Verein aber auch dem II. Punkte seines Vereinsprogrammes gerecht werden will, zeigt uns die Miltheilung, daß derselbe am 7. December im Stefaniesaale, II., Taborstraße 12. anläßlich des Channckafestes einen geschlossenen Familicnabend veranstaltet. X. Wien. Vor Kurzem veranstaltete der Violinvirtuose Herr Pros Moriz Wolfsthal aus Lemberg im kleinen Musikvereinssaale ein eigenes Concert und trat zum ersten Male vor das hiesige Publicum. Er spielte das „Wieniawski Concer.", die Bach'sche „Ciaccona" und die „PagainnPFantasie" und erregte durch seine großartige Technik und sein glänzendes Staccato, sowie auch durch seinen warmen Ton allgemeine Bewunderung. Herr W u l f s th a l, der aus allgemeines Verlangen ein zweites Eoncert gibt, gehört zweifellos zu den ersten Geigern der Gegenwart. Eg. Brünn. (Ehrung.) Den Großindustriellen Bernhard Engel und Ignaz Skutetzky wurden durch eine Abordnung der israel. Gemeinde Lomnitz, bestehend aus dem Bürgermeister L. Bauer, dem Gemeinderath Josef Deutsch und dem Ausschußmitgliede Josef Deutsch, in Ausführung des seinerzeitigen Gemeindebeschlusses die Ehrenbürgerdiplome überreicht, wobei der Bürgermeister L. Bauer die Verdienste der neuernannten Ehrenbürger um das Wohl der Gemeinde Lomnitz in warmen Worten zum Ausdrucke brachte. Nikolsburg. Herr Siegmund Blau, der bereits 35 Jahre das Amt eines Cultusvorst-hers in unserer Gemeinde verdienstvoll bekleidet, feierte am 23. November seinen 70. Geburtstag. Am Vorabende erschien der Cultusausschuß mit dem Vorstande der Chelvra-Kadischa, beglückwünschte den Jubilar und überreichte demselben ein Prachtalbum mit den Photographien der Mitglieder genannter Körperschaften. Ferner gratulirten der Borstand der Neuschul-Synagoge, geführt von Ehrwürden Herrn . Rabbinatsassessor I. Knöpfmacher, welcher die Verdienste des Jubilars um unsere Gemeinde in gediegener Weise beleuchtete, und die beiden Herrn Religion slehrer. Auch auf schriftlichem und telegraphischem Wege wurve der Jubilar vielseitig beglückwünscht, unter Anderen auch in sehr herzlicher Weise vom Herrn k. k. Bezirkshauptmann, Ritter von Pfefferkorn. Herr Blau ist seit dem Bestände des neuen Bolksschulgesetzes Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes, seit 24 Jahren Curator des mährischjüdischen Landesmaffafondes. Nebstdem bekleidete derselbe durch 33 Jahre das ehrenvolle Amt eines Bürgermeisters in unserer Gemeinde, und wurde er anläßlich seines 25jährigen Bürgermeisterjubiläums, welches in solenner Weise gefeiert wurde, vom Gemeindeausschusse zum Ehrenbürger ernannt und dessen Porträt zur dauernden Erinnerung im Sitzungssaale angebracht. Herr Blau erfreut sich wegen seiner Intelligenz und seines concilianten Wesens großer Sympathie auch seitens der k. k. Behörden, und fand er hierdurch oft Gelegenheit, Manches zum Nutzen und Frommen seiner Gemeinde zu erwirken. Sein edles Herz, an das gar oft appellirt wird, ist stets bereit, Wohlthätigkeit zu üben; Witwen und Waisen ist er jederzeit ein treuer Anwalt und liebevoller Berather. Möge die allgütige Vorsehung diesen edlen Menschen, der auch außerhalb Nikolsburg einen guten Nus genießt, noch viele Jahre zum Ruhme und Segen unserer Gemeinde erhalten. Miskolcz, 16. November. Hier ist vor einigen Tagen eine Frau, Namens K o h n, im Alter von 118 Jahren gestorben. Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel gaben ihr das Geleite zum Grabe. Raudnitz a. d. Elbe, 26. November. Unser Rabbiner, Herr Dr. Moritz Klotz, hat zu unserem tiefen Bedauern einer Berufung nach Jungbunzlau Folge geleistet. Am vergangenen Samstage hielt er daselbst seine Probepredigt und fand solch ungetheilten Beifall, daß seine Acceptation trotz der großen Zahl der Bewerber einstimmig erfolgte. mi. Czerrrotvitz, 14. Nov. (T od es fälle.) Vorgestern ist hier der Oberlieutenant des 25. Jnf.-Reg Herr Bernhard G »Idstein im Alter von 32 Jahren gestorben. Gold st e i n erfreute sich der größten Beliebtheit unter seinen College» und war von äußerst conciliantem Wesen. Ein hartnäckiges Leiden hatre ihn ans das Krankenlager geworfen undvorgestern erlag er der Krcknkheit. Das Leichenbegängnis; des Verblichenen fand gestern vom Trauerhause in der Josefsgasse aus statt. Zu demselben hatten sich ringesunden Generalmajor Mager von Marnegg, die Obersten Ritter v. M a n o j l o w i cz, Br. T h ü n g e n und H o l z i u g e r, die Oberst!, Unczc> wski und W o k u r k o, eine Deputation von sechs Oksiciereu des 05. Jns.-Reg., die einen Kranz aus den Sarg niederlegten, sowie viele Ossiciere aller Waffengattungen, Cnltnspräses Nastali Tittinger, Cnltuspräses-Stellvertreter Ba!- ti n ester :c. Ten reglementsmäßigen Leichencouduct mit der Regimentsmusik, unter Eommando des Oberlientenants B o g d a n o w i cz, stellte das 41. Jns.-Reg. bei. Um 3 Uhr wurde der Sarg durch 6 Unlerofsiclere aus dem Sterbehanse ans den Leichenwagen gehoben, ivobei das Chorpersonale des Tempels unter Führung des Obercantors Rosenhe.ck einen Trauerchoral anstimmte, woraus Oberrabbiner Dr. Rosenfeld die Trauerrede hielt. — Wenn, sagte der Prediger, die Gebeine eines lebensmüden Greises zur Ruhe gebettet werden, sei dies ein Gebot der Natur, dessen Ernst wir begreifen und vor dessen Größe wir uns in stiller Wehmuth beugen, wenn aber, wie in