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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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nrrEr-ti M.sti- «««i«»» Nr. 48 VrüerrrichWtze WochrnfchrM Seite 943 seiner Uebersetzung als rigoroser „Purist", und nur in der höchsten Noth gebraucht er ein nicht-biblisches Wort. Natürlich haben diese Fesseln, die er sich freiwillig auferlegte, tiefe Spuren in seiner Uebersetzung hinterlassen und sind wir überzeugt, daß, wenn er weniger „biblisch" wäre, der italienische Spruch „Traduttore e traditore“*), auf die Frischman'sche Uebersetzung viel weniger anwendbar wäre, als es jetzt der Fall ist. Denn Herr F. hat gar Vieles, Vieles unübersetzt gelassen (was schon aus dem Umstand hervorgeht, daß die hebräische Version nur 24 Bogen enthält, während das englische Original mehr als die doppelte Bogenzahl hat; eine Differenz, die trotz der natürlichen Kürze der hebräischen Sprache eine zu große ist), und in recht vielen Fällen ist dasjenige, was er übersetzt hat, ziemlich unklar und auch incorrect. Das kommt eben von der Manie „rein-biblisch" schreiben zu wollen und von der daraus resultirenden Nothwendigkeit, viele Gedanken nur „auf Umwegen" und approximativ und manche gar nicht zu übersetzen. Aber trotz alledem ist Frischmann^s Uebersetzung ein Kunstwerk und wird allen Kennern und Gönnern des hebräischen Schriftthums einen hohen Genuß bereiten. Man sieht also, daß die Verlagsgesellschaft „Achiassaf“ schon in den ersten 6 Monaten ihres Bestehens ihrem Ziel, eine Art „Reclamischer Universal-Bibliothek" in hebräischer Sprache zu schaffen, sehr nahe gerückt ist. Und da auch ihre materiellen Erfolge sehr erfreuliche sind**), so sind wir zu der Hoffnung berechtigt, daß ihr ein langes, langes Leben beschieden ist, zum Gedeihen der hebräischen Sprache, zur Freude aller Liebhaber des hebräischen Schriftthums und — last not least — zur Verbesserung der materiellen Lage der professionellen hebräischen Schriftsteller. I. Tawjew. Riga, 24. November 1893. GorrekipontlenLkn. Wien. (Die Anklage gegen Meister Stampig li us.) In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 25. November verlas der Schriftführer eine Zuschrift des Kreksgerichtes Krems, in welcher die Zustimmung zur strafgerichtlichen Verfolgung des Abgeordneten Ernst S ch n ei der wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung (anläßlich der Aeußerung dieses Abgeordneten in Krems über das S ch u ß g e l d auf die Juden) nach § 302 St.-G. begehrt wird. Wien. Wie man uns aus Brünn meldet, hat der Vorsteher Carl Lieb mann aus Kremsier mit den Cultusräthen Pollak und Ornstein beim neuen Statthalter in Mähren Audienz genommen und wurde auf das Liebenswürdigste empfangen. Der Sprecher der Deputation, Herr Cultusvorsteher Carl Lieb mann verwies auf den Leitartikel in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift", in welcher das infame Treiben der antisemitischen Preßmeute in Mähren, speciell in Kremsier, und dessen verheerende Folgen für unsere Glaubensgenossen in Mähren und Böhmen gezeichnet wurde. Die Vorsteher bestätigten die Mittheilungen aus eigener Wahrnehmung und baten um Abhilfe. Der Statthalter nahm diese Eröffnung mit großer Aufmerksamkeit entgegen, versicherte, daß er alle seine Kräfte daran setzen werde, den Frieden in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten und zu bewahren und die schädlichen Umtriebe zu unterdrücken. Aus Kremsier wird uns gemeldet: Dieser Tage wurde der Redacteur des „Zihadlo“ zu 8 Tagen Arrest verurtheilt und das Blatt confiscirt. Allerdings rühmt sich der Redacteur, daß die Coufiscation nach der Versendung des Blattes zu erfolgen pflegt. Hoffentlich wird auch in dieser eigenartigen Praxis eine Aenderung veranlaßt. Wien. (Paulu s Meyer's letzte Verurth eilun g.) Bekanntlich ist Paulus Meyer, der wunderliche jüdisch-anti¬ *) Ein Uebersetzer ist ein Berräther, o. h. Fälscher. **) Die Publicationen des „Achiassaf“ finden Verbreitung in Zehntausenden von Exemplaren. Ein Beweis, daß die Kenntniß der hebräischen Sprache unter den Juden eine viel, viel verbreitstere ist, als man in Westeuropa anzunehmen pflegt. semitische Schriftsteller von den österreichischen Strafbehörden in rascher Aufeinanderfolge zweimal abgeurtheilt worden: Das erste Mal vom Schwurgerichte in Gemeinschaft mit dem Weinhauser Pfarrer, Dr. D eckert, und einem Redacteur des „Vaterland" wegen Ehrenbeleidigung zu vier Monaten Arrests, das zweite Mal vom Erkenntnißgerichte wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Papstes und Gutheißung ungesetzlicher Handlungen zu vier Monaten schweren Kerkers und nachheriger Landesverweisung. Meyer hatte die letzte Bestrafung, obschon er sich während des Beweisverfahrens in excentrischer Weise für unschuldig erklärt hatte, mit den Worten hingenommen: „Ich danke für die milde Strafe; für das sind vier Monate wenig." Die Staatsanwaltschaft, in jenem Protest durchBaron Drechsler vertreten, war derselben Meinung wie der Berurtheilte und erhob wegen des geringen Strafausmaßes die Berufung beim Oberlandesgerichte. Das letztere hat der Berufung nun Folge, gegeben und die Strafe von vier Monaten auf acht Monate schweren Kerkers erhöht. Meyer macht inzwischen seiner Umgebung nach wie vor viel zu schaffen; er ist im Gefängnisse wie im Jnquisitenspital, in welchem er wegen seiner krankhaften körperlichen Anlagen mitunter internirt werden muß, ein keineswegs gerngesehener Gast. Nach verbüßter Strafe im österreichischen Gefängnisse erwartet ihn die Auslieferung an die sächsische Gerichtsbehörde. Wien. Der katholische „Osservatore“, osficielles Organ des Papstes, geißelt in einem scharfen Artikel die Bewegung in der Schweiz, die gegen das rituelle Schlachten gerichtet ist. Ein schweizerischer Geistlicher schreibt über diese Angelegenheit: „Ich kann Sie versichern, daß alle meine Collegen diesen Feldzug gegen d:e jüdische Schlachtart mißbilligt haben. Das „Journal religieux“, bei dem ich mitarbeite, hat diese Bewegung scharf verurtheilt; in einem meiner Abendgottesdienste habe ich meine Zuhörer aufgefordert, energisch für die Glaubensfreiheit, die religiöse Praxis der Israeliten einzutreten. Das Resultat der Abstimmung hat mich sehr niedergeschlagen." Wien. (Verbot von Reisen nach Syrien und Palästina.) Das Ministerium des Innern hat neuerdings die politischen Behörden in Kenntniß gesetzt, daß die türkischen Behörden die Ausschiffung der in größerer Zahl reisenden Israeliten in Syrien und Palästina rundweg verweigern, wovon die israelitischen Staatsbürger zu verständigen sind. Einzeln reisenden fremden israelitischen Staatsangehörigen wird die Aufenthaltsdauer auf einen Monat gestattet. Wien. (M ommsen über die russischen Judenverfolgungen.) Der Professor an der Universität Brüssel, Leo Er rer a, hat unter dem Titel: „Die russischen Juden; Austreibung oder Emancipation" ein Buch veröffentlicht, welches als Vorrede folgenden Brief von M o m m s e n enthält: MeinHerr! Sie haben mir Ihr Werk über die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland vorgelegt. Das herzzerreißende Bild, welches Sie davon entwerfen, wird nicht verfehlen, unterstützt durch die unglücklicherweise richtigen Beweise, in hohem Maße die Herzen zu bewegen und den Abgrund zu zeigen, wo gesunder Menschenverstand und die Humanität zu gleicher Zeit verschwinden. Werden aber unter den Herzen, die Sie gerührt haben, auch solche sein, welche fähig sind, ein Mittel gegen diese schändliche Geißel zu finden und den schwärzesten Schandfleck des Jahrhunderts nicht allein zu beklagen, sondern auch zu tilgen? Kann man das Dahinwelken unserer so gepriesenen Civilisation, kann man den Selbstmord Rußlands aufhalten? Lassen Sie es uns hoffen. Es ist eine Pflicht, nicht an unserer armen Humanität zu verzweifeln. Aber diese Pflicht wird immer schwieriger. Der Fanatismus ist unverbesserlich. Es bleibt uns nur übrig, zu wünschen, daß die Politiker eines großen Reiches und ein unumschränkter europäischer Souverän sich nicht imnler der Verblendung eines wieder entstandenen Torquemada unterwerfen werden. Rom, 4. November, Deutsches archäologisches Institut. Mommsen. Das Werk selbst ist ein warmes Plaidoyer für die russischen Juden, auf welches wir noch zurückkommen werden. Floridsdorf. Am 26. d. M. um halb 4 Uhr Nachmittags wurde im hiesigen Tempel ein Requiem für den sel. Baron Königswarter abgehalten. Galerien und Parterreräume des Gotteshauses waren gedrückt voll. Von der freiherrlichen Familie waren Herr Baron Wilhelm von Königswarter und Gemalin eingetroffen. Zahlreiche Deputationen

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