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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M. 48 Oefterreichifche Wochenschrift Seite 937 h a l t e r e i-, M a g i st r a t s-, leitende Post- und Telegraphen-, Finanz- und Steuerbeamte und als Notare thätig sind. Wenn sie uns in ganz Oesterreich mehr als ein Procent namhaft machen können — so sind wir bereit, ihnen für jeden solchen Beamten über diese Ziffer hinaus den Betrag von 100 st. ö. W. zu zahlen. Und damit kommen wir gleich auf das Thema der in der Broschüre in einem eigenen Abschnitte behandelten „V erjudung des gebildeten Mittel st and es". Unter diesem „gebildeten Mittelstände" wird hauptsächlich der Stand der Advocaten und Aerzte verstanden. Wir haben schon zum Ueberdrusse ausgeführt, daß an der Ueberfüllung dieser beidsn Stände mit Juden lediglich die Thatsache schuld trägt, daß alle anderen Berufszweige, insbesonders der staatliche Justizdienst, der Post- und Eisenbahndienst, das Notariat, das Finanz- und Steuerwesen den Juden systematisch verschlossen werden. Es bleibt den akademisch gebildeten Juden absolut nichts Anderes übrig, als sich der Advocatur und der ärztlichen Praxis zuzuwenden. Wenn den Herren Deutschnationalen die allzugroße Concurrenz auf diesem Gebiete unbequem ist, dann mögen sie dafür sorgen, daß die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung auch auf allen anderen Gebieten endlich zur Wahrheit werde. Wenn aber das Pamphlet von den „emporgekommenen Herrenbesitz entkleideter Bauern", „von den großen Waldverwüstern", „den mühelos reich gewordenen Gründern von Eisenbahnen und Canälen" und „den Nutznießern staatlicher Geldbedrängniß" spricht und diese hübschen Titeln auf Juden anwendet, so empfehlen wir dem Verfasser der Broschüre den österreichischen Adelskalendep mrd das finanzielle Jahrbuch „Der Compaß" zu studiren. Sie werden., dort hoch adelige „Herren besitz entkleideter Bauern", h l a u b l ü t i g e „W a l d v e rw ü ft.c t" u n d h o ch f e u d a l e „G r ü n d e r" und F in a n z m ä n n er finden, deren christlich-arisch-germanische Abstammung keinem Zweifel unterliegt und deren Zahl jene der jüdischen Grundbesitzer und Finanzgrößen um das Dreifache überwiegt. Die Schwarzenberg und Liechtenstein, die D ubsky und Pallavicini sind auch um des Himmelswillen keine Juden und doch paßt auf sie, was die Broschüre den Juden vorwirft: „Tausenden ihr Weniges aber Notwendiges zu entziehen und Tausendfaches aber Ueberflüssiges in einer Hand zu vereinen." Auf die übrigen lächerlichen Uebertreibungen dieses Abschnittes, wie die Behauptung, daß der Besitz der jüdischen, Einwohner, Wiens ein weit größerer ist, als dces d§m Verhältniß zur christlichen Bevölkerungsziffer entsprechen würde, daß die Zahl der israelitischen Ringstraßenhäuser-Besitzer, der jüdischen Villenbesitzer, der jüdischen Eisenbahnreisenden erster Classe, der Logen- und Sperrsitz-Insassen der Hoftheater, der Fahrenden und Reitenden im Prater absolut größer ist, als jene der christlichen, ist es nicht der Mühe werth, näher einzugehen. Das ist einfach zu dumm! Bezüglich der jüdischen Hörer an der medicinischen Facultät behaupten die Libellisten, daß die Mehrzahl derselben insbesondere jene aus Galizien und Ungarn, mit den nöthigen Vorkenntnissen nur mangelhaft ausgerüstet sind und sich bei den Prüfungen zumeist durch schwindeln. Es heißt da, wörtlich: „Es ist oft geradezu verblüffend, mit welch nothdürftigen Kenntnissen allsgestattet jüdische Studirende an den Prüfungstisch treten, mit welchen Kniffen sie sich aus mißlichen Situationen herauszuwinden verstehen." Merkwürdig! Und trotz alledem werden alljährlich im' Verhältniß mehr jüdische als christliche Doctoren der Medicin promovirt. Ja, besteht denn unser medicinisches Professorencollegium aus lauter Idioten, die wirkliches Wissen von Kniffen und Pfiffen nicht zu unterscheiden verstehen? Die Broschüre selbst constatirt, daß in den Wiener Spitälern die jüdischen Aerzte die weitaus überwiegende Mehrzahl bilden, daß Polizeiärzte, Bezirksärzte, gelegentliche Choleraärzte, Bezirkskrankencasse-Aerzte und Militärärzte zumeist Juden sind, und sie führt 54 ordentliche und außerordentliche Professoren und Docenten der medicinischen Facultät, darunter 36 aus Ungarn an, welche angeblich jüdischer Confession sind. Und das Alles mit mangelhafter Vorbildung und mangelhaften Fachkenntnissen! Ist denn unsere Unterrichtsverwaltung, sind denn unsere Behörden auf den Kopf gefallen? Hier tritt der wahre Charakter und Zweck des Pamphletes deutlich zu Tage. Es ist der n i e d r i g st e und erbärmlich fteBrotneid, der dem Verfasser der Flugschrift die Feder in die Hand drückt und sie zu geradezu schurkischen Lügen hinreißt. Ja, schurkischen Verdächtigungen! Dieselben durchziehen dieses elende Machwerk wie ein rother Faden und wir stellen die schamlosesten derselben hier zusammen, um damit den Beweis zu führen, was Alles in Oesterreich heute gegen die Juden straflos gesagt und gedruckt werden darf. Der geringste Vorwurf, der immer wiederkehrt, ist die Behauptung, daß es sich den Juden überall nur um raschen Vermögenserwerb handle. Auf Seite 139 heißt es: „Das unverhältnißmäßige Eindringen der Juden in die juristischen Stände bedeutet die Vernichtung des Rechtsgefühles unseres heimischen Volkes und damit die B e g ü n st i g u n g revolutionärer U m t r i e b e." Auf Seite 45 heißt es: „Für den Juden existirt nur die geschäftliche Seite seines ärztlichen Berufe s." Seite 88: „Den Juden, die von jedem nicht genug Nächstenliebe fordern zu können glauben, ist jedes Mitgefühl mit ihren leidendenMenschenfrem d." „DerMangelwahrerMen schlichkeil kommt in ihrer ganzen Th e iln ahm s losi gke i t und Gleichgiltigkeit Kranken gegenüber zum Ausdruck, äußert sich in i h rem g e r ad e z u c y n ischen Benehmen, das sie überall zur Schau t r a g e n i m D e r k e h r e in i t Patienten und nicht am w en i gsten mit Patientinnen." Seite 49: „Ueber das lebhafte Sammelintere s s e so mancher in- und ausländischer Juden wissen demonstrative und Anatomiediener unterschiedliche Geschichtchen zu erzählen. Beiläufig sei noch auf die all g eme i n e Un sich erheit in den Hör sä len der medicinischen Facultät hingewiesen, die einen Ausdruck in der zu Zeiten ständigen Rubrik in den Tagesblättern: „Winterrockdiebstahl in den medicinischen Hörsälen" findet". Seite 87 wird von den jüdischen Studenten gesprochen, „die durch ihr Verhalten während ihrer StudienzeitoerUniversitätzurSchande gereicht haben." Seite 89: „Wir wenden uns an die deutsche Mutter der es ihr Zartgefühl gewiß schon oft innerlich aufgedräng hat, wie widerlich, und aufdringlich sich de jüdische Arzt am Krankenbette ihrer lieben Angehörigen benimmt, wie seine cy nische Lebensanschauung doppelt widerlich angesichts der Leidenden sich ab spiel t." Eine Antwort auf dieft Nichtswürdigkeiten wäre Selbsterniedrigung. Allein die Frage ist wohl gerechtfertigt, wie eine solche Schandschnft das Licht der Oeffentlichkeit erblicken konnte, ohne der Confiscation seitens der Staatsbehörde zu verfallen? Noch leben wir ja nicht in Rußland, sondern in Oesterreich! Verdiente Männer der Wissenschaft, Profefforen wie Dr. Unger, Dr. Grün Hut, Dr. Stricker, Dr. Zuckerkand!, Dr. Os er, Dr. Benedikt, Dr. Politzer, Dr. S t ö r k, Dr. Kaposi, Tausende von Aerzten und Advocaten werden in dieser Flugschrift als wahre Raubthiere hingestellt, die man wie einen Wildschaden ausrotten könnte. Wie konnte ein solches Pamphlet

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