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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 936 Vestrrrelchifchr Wochenschrift Nr. 48 der „deutschen Universität Wien" gesprochen in dem Sinne, daß diese Hochschule ausschließlich dem Wissensdurste der eingeborenen deutschen Bevölkerung der österreichischen Erblande zu dienen habe und daß die Wissenschaft, welche an der alma inater Rudolfina gelehrt werde, eine specifisch christlich-arischgermanische Wissenschaft sei. Dem gegenüber stellen wir als unumstößliche Wahrheit fest: „Die Wissenschaft ist international und int er c o n f ess io ne ll". Es gibt eine deutsche Nation, eine deutsche Sprache, es gibt eine christliche Glaubensgemeinschaft, aber es gibt keine deutsche und keine christliche Wissenschaft. Die moderne Jurisprudenz fußt auf dem alten römischen Recht, aber sie hat im Laufe der Jahrhunderte Rechtsgrundsätze der Länder und Völker, auch solche der Juden, in sich ausgenommen. Die medicinische Wissenschaft aber hat den Forschungen der großen jüdischen Aerzte des Mittelalters und den Errungenschaften der Engländer, der Franzosen und namentlich der Italiener mindestens so viel zu danken als den Entdeckungen der Deutschen. Ohne die gewaltige Vorarbeit, welche Juden, Engländer, Franzosen und Italiener auf diesem Gebiete geleistet, wäre die heutige Entwicklung der Medicin nicht möglich gewesen. Die Männer, welche den modernen Ruhm der Wiener Universität begründet haben, den ö st e rr e ich i schen Na me n in der europ äi schen Wissen schüft zu hohen Ehren gebracht, waren durchaus keine Söhne unseres deutschen Volksstammes sondern entweder S l a v e n oder Semiten. Von den Namen ersten Ranges am wissenschaftlichen Fir m a m en t Oe st e r r ei ch s kennt E u r op a nur wenige, und das sind: Skoda, Rokitansky, M i klo s i c, Glaser u nd U n g e r. Was die Deutschen Oesterreichs g el e ist et h ab e n, wird selbst in Berlin sehr gering t a x i r t. Die Wiener Hochschule aber war von jeher der Sammelpunkt der Lernbeflissenen aller Nationalitäten und sie wird auch von den Steuergulden aller österreichischen Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und Confessio» erhalten. Czechen und Polen, Ruthenen und Slovenen, Serben und Croaten haben an derselben von jeher willige Aufnahme gefunden und die Flugschrift selbst muß constatiren, daß die Zahl der fremdsprachigen Studirenden fast immer ungefähr die Hälfte der Zahl der deutschen Studirenden betrug. Es. gibt kein Gesetz und kein Organisationsstatut, welches die Wiener Univeisität zu einer ausschließlich oder auch nur vorwiegend deutschen stempeln würde, und der „deutsche Charakter" dieser Hochschule besteht lediglich in der bornirten Einbildung der deutschnationalen Leibtrabanten des Herrn Schönerer. Ja selbst als die besten deutschen Stylisten, wurden in Oesterreich slavische Namen genannt und in unserem Parlamente gibt es unter den Abgeordneten aus Galizien, Slavonien und Dalmatien keinen, der die deutsche Sprache so jännnerlich mißhandelt, mit den deutschen Sprachgesetzen, mit den Normen der deutschen Grammatik und den Grundprincipien des deutschen Satzbaues so wenig vertraut sich zeigt, als der — deutschnationale Schönerianer, der Abgeordnete H auck! Und nun zu dem „Beweise", daß die Wiener Universität mehr und mehr verjude. Es fällt keinen Menschen und uns am allerwenigsten ein, diese Thatsache in Abrede zu stellen. Wir gestehen sie vielmehr zu in dem freudigen Bewußtsein, daß in ihr ein hohes sittliches und ethisches Streben unserer Glaubensgenossen zum Ausdruck gelangt, das unausgesetzte Streben, ans Iren Sümpfen und Niederungen des Daseins sich auf dessen Höhen zu erheben, die Ketten der Knechtschaft, in welchen sie durch Jahrhunderte gelegen, vollends abzustreifen in der Erkenntniß, daß die Wissenschaft und nur diese allein frei mache. All die weitläufigen Ziffern und Zahlen, welche die „deutsche akademische Jugend" anführt, um statistisch zu belegen, daß alljährlich Tausende und Abertausende armer jüdischer Jünglinge nach Wien ziehen, um an den Brüsten der Wiener alma inater Weisheit zu trinken, hätten sich die jungen Herren — für uns wenigstens! — ersparen können. Diese Ziffern verkündigen eine der rühm-und preiswürdigsten Eigenschaften der Juden, ihren unersättlichen und unaufhaltsamen Bildungsdrang, der sich in seiner Betätigung auch dmch die furchtbarsten Kämpfe und Entbehrungen nicht beirren läßt. Wir begreifen auch die Klage der deutschnationalen Studentenschaft, die vorzüglich von den antisemitisch-prussophilen Burschenschaften repkäsentirt wird, „daß das studentische Leben, welches im Ganzen an unserer Universität herrscht, der deutschen Sitte fremd ist", „daß dem deutschen Jüngling das Studium im hohen Grade verleidet wird, daß ihm der schöne Traum der Gymnasialzeit, die ihm das Universitätsstudium im rosigsten Lichte erscheinen lasse, nur zu bald verfließe." Der jüdische Student, der sich mühselig durch Leiden und Kümmernisse durchringt, hat das hohe Ziel seiner gesellschaftlichen Befreiung und Erhebung unausgesetzt vor Augen, er arbeitet rastlos Tag und Nacht und hat für die arischgermanische „Sitte" des Saufens und Raufens keinerlei Verständniß. Das Phamphlet umschreibt diese „Sitte" sehr euphonistisch, wenn es sagt: „Für die Ideale, welche deutsche Studenten mit gleichgesinnten Stammesgenossen zu selbstloser Freundschaft verbinden, für das frohe, gesellige Studentenleben, das in der Erinnerung des Mannes noch bis ins späte Alter fortlebt, mangelt dem Juden, als dem Angehörigen eines deutscher Art und Sitte fremd gegenüberstehenden Volksstannnes, jeglicher Sinn." Ja sceilich, wenn der jüdische Student es dem christlichgermanischen Arier gleichthäte und seine Zeit in der Kneipe todtschlüge, dann wäre die Concurrenz nicht zu fürchten. So aber werden an der juridischen und medicinischen Facultät alljährlich im Verhältnisse weit mehr Juden zu Doctoren promovirt, als „Angehörige des heimischen Volkes". Die Broschüre fragt sehr naiv, ob denn die Hörer arischen Namens nicht so tüchtig sind, um die strengen Prüfungen zu bestehen, und sie antwortet darauf: „Nein, das wäre eine ungerechte Behauptung; die Hörer unseres Volkes sind aber durchschnittlia) ärmer und können daher nicht die Kosten der Rigorosen und des Doctorats aufbringen." Das gerade Gegenthcil ist richtig! Unter den jüdischen Studenten herrscht das schrecklichste Elend, die Dmtschnationalen aber sind zumeist aus wohlhabenden Familien. Nur bringen die letzteren ihre reichen Zuschüsse vom Hause in Saus und Braus des Burschenlebens durch, während die Juden unter Hunger und Pein rastlos ihrem Studium obliegeu. Das erhellt auch aus der Darstellung der Zustände in den Unterstützungsvereinen. Beim medicinischen Untecstützungsvereine wurden im ersten Semester seines Bestandes unter 100 eingelaufenen Unterstützungsgesuchen 80 von Medicinern aus Galizien eingereicht und hievon 70 bewilligt. Niemand bettelt zu seinem Vergnügen, und wenn der Ausschuß sich genöthigt sah, 70 jüdische Gesuche zustimmend zu erledigen, so beweist dies wohl zur Genüge, auf welcher Seite die größere Armuth liegt. Das Pamphlet der „Deutschen akademischen Jugend" spricht von der großen Gefahr, welche das Anwachsen des jüdischen Elementes im Juristenstande für die gedeihliche Entwicklung des deutschen Volkes mit sich bringt, und fügt hinzu: „Mandenke nur an dieGerichts-, Polizei-, S t a t t h a l t e r e i-, M a g i st r a t s-, C o n c e p t s- und leitenden Beamten des Po st-, Telegraphe n-, Finanz- und Steuer w esens, an die Adv o ca t en Notare rc." t Die Verfasser des Pamphlets machen sich hier einer schmählichen Unaufrichtigkeit schuldig, die wohl auch zu dem „Heldenthum" und „Idealismus" des arisch-germanischen Stammes gehört. Wir fordern die j u n g e n H e r r e n auf, uns die Namenjener Juden be kan nt z u geben, die in Oesterreich als G er i ch4s-, Statt-

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